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Der Israelit · 1909-09-29 · Heft 39 (29.9.1909) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 39 (29.9.1909)
Date
1909-09-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. Nr. 39. geringer stellen können. Den Gewinn, der aus I der aus der Herstellung der von ihm vorgeschla- ' genen Wasserwärke zu erzielen wäre, schlägt Willcocks mit 50000 türkische Pfund jährlich an. p Die türkische Regierung hat, wie gemeldet wird, A den Bericht Willcocks bereits in Behandlung ge- I 1 zogen. Amerika. New-Aork, 10. Sept. Die Verbreitung des Farmwesens unter den amerikanischen Juden macht recht erfreuliche Fortschritte. Die Zahl der jüdischen Farmer, die ausschließlich von der Landwirtschaft leben, nimmt täglich zu. Auf allen Gebieten der Land- und Gartenwirtschaft findet man Juden, unter denen viele sich durch praktische wertvolle Neuerungen bekannt gemacht haben. Der größte Teil der amerikanischen jüdischen Farmer sind eingewanderte Juden, die in ihrer östlichen Heimat sich niemals mit Landwirtschaft befaßt haben. Das erfreulichste an dieser Bewegung ist jedoch, daß diese jüdischen Farmer sich nicht damit begnügen, selbst ihre Farmen zu bew.rtschaften und sich die Kenntnis der modernen Landwirtschaft anzueignen, sondern auch ihre Söhne und Töchter zur Bewirtschaftung ihres Anwesens heranzuziehen, und auf diese Weise alles aufzubieten, daß die jüdische Farm auch in jüdischen Händen bleibe und eine tü'chtige geschulte jüdische Farmergeneration herangebildet werde. Dieses Bestreben wird auch von der vor zwei Jahren ins Leben gerufenen jüdischen Farmerorganisation, sowie von der „Jewish Agri* cultural and Industrial Aid Society“ (Gesellschaft zur Förderung der Landwirtschaft und Industrie unter den Juden) stark gefördert. So sind in der Zeitschrift „The Jewish Farmer“ mehrere Stipendien für Söhne und Töchter jüdischer Farmer ausgeschrieben, welche die Absicht haben, einen sechs- bis zwölfwöchentlichen Kurs im Farmwesen durchzumachen. Es ist gelungen, im Staate Georgia eine Landstrecke von 32400 Acres für jüdische Kolonisationszwecke zu erlangen. Der Boden ist besonders für Anbau von Tabak, Seide und Zucker geeignet. Die Strecke wird von 2 Eisenbahnlinien durchquert, und in ihrer Nähe ist jetzt eine dritte Eisenbahnlinie int Entstehen begriffen. vemircdm. ** . t. V? P Offenbach a. M., 27. Sept. Herr Rabbiner Dr. Golvschmidt schreibt uns: Die Korrespondenz aus Seligenstadt in der Pädagogischen Beilage des „Israelit" vorn 23. September entspricht in keinem wesentlichen Punkte der Wahrheit. Herr Lehrer Hamburger wurde nicht vom Schächterdienst „suspendiert", sondern es wurde mit Rückficht auf das traurige Siechtum des Sohnes ihm ein Stellvertreter gestellt. Die ganzen Kosten trägt die Gemeinde. Herr Lehrer Hamburger ist in seinem Einkommen dadurch nicht im geringsten geschädigt, er bezieht ohne jeden Abzug die vollständigen Schächtgebühren für alles, was der Stellvertreter geschächtet hat. Von einer Setzung auf „Halbsold" kann doch da nicht die Rede sein. Das Verhältnis zwischen Herrn Lehrer Hamburger und seiner Gemeinde, und ebenso zu mir selbst, ist ein zu freundschaftliches, als daß eine Schädigung desselben durch die Gemeinde und mich auch nur denkbar wäre. Herr Lehrer Hamburger hat redlich, wie der Korrespondent sagt, „mrhr als vier Dezennien Freud und Leid mit der Gemeinde geteilt," aber man muß auch der Gcmeinde das Zeugnis ausstellen, daß fie ebenso in treuester Anerkennung feiner Verdienste als Lehrer und Kantor Freud und Leid mit Herrn Lehrer Hamburger gern geteilt hat. Das ist für beide Teile gleich ehrenvoll. Herr Lehrer Hamburger wird übrigens die falsche Darstellung selber berichtigen, wie ich keinen Augenblick zweifle. Bremen, 20. September. Von den mit dem Dampfer „Friedrich der Große" des Norddeurschen Lloyd auf seiner letzten Reise nach New $0*1 gereisten jüdischen Zwischendecks-Passagieren ging dem Norddeutschen Lloyd nachstehendes Anerkennungsschreiben zu: „Mit besonderer Genugtuung bringen wir Unterzeichnete Zwischendecks- Passagiere jüdischer Konfefiion aus eigenem Antriebe unsere Zufriedenheit über die uns widerfahrene Behandlnng tum Ausdruck. Es hat uns während der ganzen Fahrt Der JSraeltt. anenehm berührt, daß wir ein anständiges Entgegenkommen erfahren hüben und von allen mißliebigen Belästigungen verschont waren, waS leider in früheren Jahren nicht immer der Fall war. Insbesondere erwähnen wir, daß wir mit der rituellen Beköstigung in jeder Hinsicht, waS Schmackhaftigkeit und Reichhaltigkeit anbelangt, durchaus befriedigt wurden, und bitten, dem jüdischen Koch, Herrn Stetnverg, der sich in jeder Beziehung durch sein anständiges, bescheidenes Wesen ausgezeichnet und sich für unsere Sache ^interessiert hat, wie auch dem Herrn Zahlmeister unseru Dank zu übermitteln."' Berlin, 26. Sept. Die Alliance Jsraeltte Universelle hat, wie uns deren deutsches Bureau mitteilt, für die in Krementschug von einem fürchterlichen Brand heimgesuchten Israeliten 5000 Francs, ferner 5000 Francs für die Schulspeiseanstalten in Rumänien angewiesen. Breslau, 24. Septbr. Kurz vor den Feiertagen wurde die völlig renovierte Synagoge der F u ch s s ch e n Stiftung wieder eröffnet. Nach dem Anzünden des hielt Rabbiner Dr.'Rosenthal die Weiherede und Rabbiner Dr. Krakauer, der Rabbiner der Stiftung, die eigentliche Festpredtg^. Eschivege, 17. Sept. Eine wackere Tat hat ein jüdischer Soldat, der zurzeit beim bayerischen 8. Feldartillerie-Regiment dahier seiner Militärpflicht genügende Referendar Robert Katzen st ein von h er vollbracht. K., der mit seinem Regiment an den Kaisermanövern in der Nähe von Würzburg tetlnahm, errettete einen beim Pferdeschwemmen in den Main gefallenen Kameraden mit großer Anstrengung und eigener Lebensgefahr vom Ertrinken. In Anerkennung seines mutigen Verhaltens ist K. zur sofortigen Beförderung zum Unteroffizier vorgeschlagen worden. Bamberg, 19. Septbr. Der Synagogenvau an der Urbanstraße, der nach dem Entwurf des Architekten K r 0 n f u ß Hergestell.' wird, wird Heuer noch unter Dach gebracht werden. Der Neubau wird eine Zierde der hiesigen Stadt werden. Snlzbach, 24. September.. Die kleinste Schule in Bayern, wenn nicht der ganzen Welt, dürfte die hefige israelitische Schule darstellen) fie hat einen ganzen Schüler und das ist der Sohn des Lehrers. Der Auflösung der Schule stehen noch formelle Gründe entgegen. ' Ansbach, 20. September. Der Magistrat hat den der israelitischen ^Volksschule gewährten Zuschuß durch einstimmigen Beschluß von 600 Mk. auf 1000 Mk. erhöht. Bialla bet Insterburg, 20. Sept. Die feierliche Einweihung der neuen Synagoge fand am 12. ds. Mts. statt) fie erhebt fich an der S ätte der alten, welche tm vorigen Jahre durch eine Feuersbrunst zerstört wurde. Filehne, 26. Sept. Die jüdische Volksschule wurde von der Regierung aufgelöst) die einzige Klaffe, die noch bestand, wurde kommunaltfiert und Kaufmann Saling er in die städtische Schuldeputation gewählt. Riga, 23. Sept. Die erste Nummer einer Wochenschrift in hebröi cher Sprach; unter dem Namen „Hachower" ist soeben erschienen. Die Wochenschrift, die früher in Wilna erschien, wird vom September d. I. ab in Riga unter der Redaktion des jüdischen pädagogischen Schriftstellers Herrn I. Ch. T a b j e w als Organ für dir reifere jüdische Jugend herausgegeben werden. Jerusalem, 15. Septbr. Hier fand kürziich eine Versammlung palästtnenfischer Misrachtsten statt, an der aschkenastsche, sephardische, grustntsche und jemtntttsche euden tetlnahmen. Die Versammlung beschloß, am affaer Weg e ne neue Kolonie zu gründen, die aus 5000 Dunam Land bestehen solle. Ein Grufinier erklärte stch bereit, für fich allein 800 S)unam Land zu kaufen. vereimvesen. Heidelberg, 25. Sept. Der „Verein jüdischer A k a d e m t k e r", dahier (im Bunde Jüdischer Akademiker) kann auf ein gedeihliches Jahr steter Entwicklung zurückblicken. Im Winter fand ein zweistündiger ‘TWir mba sowie ein LNX "ll statt. Besonders anregend war die Lektüre und Besprechung der „Neunzehn Briefe" von S. R. Hirsch. Es bereitere der Vereinigung große Freude, bei ihren Veranstaltungen Gäste aus den Nachvarstädten begrüßen zu können. Mehrere Freunde und Förderer des Vereins stellten sich tn zuvorkommender Weise zu Borträgen zur Verfügung, ihnen sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen. Herr Lehrer Goldberg sprach über „Modernes Judentum", Herr Rabbiner Dr. Schiffer-Karlsruhe über das Thema: „Gab es Reformen im alten Judentum", Herr Rabbiner Dr. Unna-Mannheim über „Die Verwertung der mittelalterlichen Responsen für die jüdische Geschichtsforschung", Herr stud. med. Weil über „Mendelssohn als jüdischen Religionsphilosophen". Es sei auch erwähnt, daß Mitglieder und eine stattliche Anzahl von Freunden als Gäste des Herrn Dr. Simon eineChanuckafeter veranstalteten, die einen fröhlichen Verlauf nahm. Im Sommersemester wurde ein zweistündiger ein zweistündiger und eine Fuchsenstunde abgehalten. Vorträge Hielten Herr Rabbiner Dr Löwenstetn-Mosbach über „Gemetndeverordnungen tm Mittelalter", Herr smd. jur. Flörsheim über „Das Corpus 29. September 1909 iuris und die Juden". Aeußerst anregend gestaltete fich die durch ein Referat des Herrn canb. phil. Elias eingeleitete Debatte über den Zionismus, bie die Mitglieder und zahlreichen Gäste bis zum anbrechenden Morgen zusammenhielt. Selbstverständlich fehlte es im Winter nicht an gemütlichen Bereinsabenben, während im Sommer die schöne Umgebrng zu manchen Ausflügen in die nahe und fernere Umgebung Veranlassung gab. Einem langempfundenen Bedürfnis entsprechend gelang es der Initiative und etftigen Förderung des Herrn stud. med.F.Gumpertz-Hamburg, Klofierallee21, eine jüdischwissenschaftliche Bibliothek hier ins Leven zu rufen. Ordentliches Mitglied kann jeder Heidelberger jüdische Student werden. Die Leitung liegt statutenmäßig in den Händen der B. I. A. Etwaige Zuwendungen an Büchern und Gelb nimmt sowohl Herr Gumpertz als auch dte Verwaltung gern entgegen. Zuschriften rc. betr. die Bibliothek oder den Verein find zu richten an D. Rubin, stud. Phil. Heidelberg, Uferstr. 48s. Bad Kissingen, 30. Sept. Die israelitische Kinderheilstätte dahier, welche nun ihre Pforten geschloffen hat, blickt mit der vergangenen Saison auf eine fünfjährige überaus segensreiche Tätigkeit zurück. Innerhalb dieser fünf Jahre hat die Anstalt säst 600 Kindern aus allen Teilen Deutschlands — unter diesen einer großen Anzahl christlicher Konfession — unentgeltlich ober zu vedmtend ermäßigten Preisen Aufnahme gewährt) aus Bayern allein stammten etwa 400 Kinder. Dte Anstalt hat, wenn Bau und Einrichtung mit 135000 M. miteingerechnet werden, bisher ungefähr 200000 M. aufgebracht, dte sämtlich aus freiwilligen privaten Spenden flössen. Dieser fruchtbringenden selbstlosen Arbeit ist es zu danken, daß die Ktnderhetlstätte stch des ungeteilten Jntereffes privater Kreise erfreut) alle Besucher find des Lobes voll über dte Einrichtungen und die Leitung der schönen Anstalt' Es ist vorgesehen, daß bereits im nächsten Jahre durch eine Erweiterung 20 Zktnder in der Saison mehr Aufnahme finden als bisher. Pmonalieu. Grotz-Krotzerrbrrrg, 22. Sept. Am 4. September wurde unsere Gemeinde von einem schweren Schlage getroffen. Herr Lehrer Spier, der sein Amt seit 49 Jahren in segensreicher Weise geleitet hatte, starb, als er gnade tn den verdienten Ruhestand treten wollte. Se. Majestät der Kaiser hatte ihm in Anerkennung seiner hohen Verdienste den Adler der Inhaber des Königlichen HausordenS von Hohenzollern verliehen. Wie sehr er fich dte Liebe aller erworben hatte, bewies die große Trauerversammlung, dte ihm die letzte Ehre erwies. Die Herren Provinzial-Ravbtner Dr. Bamberger aus Hanau und Lehrer Strauß aus Gelnhausen rühmten in ihren Trauerreden bie schönen Eigenschaften, die diesen pflichttreuen Lehrer zierten. Breslau, 27. Septbr. Zum Direktor an der Israelitischen Waisenanstalt (auf der Gräbschener Straße) wurde der Rabbiner Fabian- Breslau gewählt. Der bisherige Leiter Dr. K 0 r a ch kehrt an die von ihm gegrünoete Erziehungsanstalt in Hlrjchberg zurück. Schildberg, 27. Sept. Der Kaufmann F e t b e l - s 0 hn ist zum Magistratsmttglteb gewählt und als solcher von der Regierung bestätigt worden. Stallupöneu, 18. Septbr. Eine erhebende Feier wurde am Samstag dem ersten Synagogengemeindevorsteher Herrn Eduard Wolf, der nun 3 Jahre 'dieses Amt bekleidet, zuteil. Sein Platz tn der Synagoge war mit Blumen geschmückt. Herr Kantor G r ü n b l a t t hielt eine feierliche Ansprache, tn der er dte Verdienste des Gemeindeführers tn ehrenvollen Worten würdigte und den Dank der Gemeinde ausdrückte. Nach dem Gottesdienste erschien im Hause des Jubilars eine aus den ersten Mitgliedern der Synagogengemeinde bestehende Deputation, die ihm durch den zweiten Shnagogengemetndevorsteher, Herrn Kleinschmtbt, eine in hebräischer und deutscher Sprache auf Pergamentpapier geschriebene Adreffe in prachtvollem Futteral und einen silbernen Becher mit entsprechender Widmung überreichte. Tränenden Auges dankte der Gefeierte für die ihm so überrascht gekommene Ehrung und gelobte, auch weiter in seinem Amte, daS er aus Altersrückstchttn schon tn andere Hände hatte legen wollen, mit neuem Mut und verstärktem Eifer zu verharren. Ein kleines Festmahl in seiner Wohnung beschloß die Feier. Argeuau, 26. Sept. Der ftühere Kantor tn Wongrowitz, Herr N t s ch k 0 w s k y, hat dte hiesige erledigte Kantorstelle angenommen. Pieschen, 26. Sept. Der Beigeordnete des städt. Magistrats, Serr S t r e h l i tz, erhielt den Roten Adlerorden 4. Klaffe. Budapest, 20. Sept. Am ersten Selichottage hielt, der Würde des Tages angermffen, Herr D a j 0 n Eckstein einen "TSDn zu Ehren des verewigten Herrn Jstoor M e i S n e r, der leider allzufrüh in der schönsten Blüte der Jahre uns entrissen wurde. Wir haben tn ihm einen großen Ben-Thora, dte orthodoxe Gemeinde in Budapest eine ihrer Stützen verloren. ES bedarf keiner Erwähnung, daß die Trauer für den beliebten Mann allgemein empfunden wird, wovon auch dte gkoße Trauerversammlung Zeugnis avlegte. Hervorgehoben zu werden verdient besonders die unermüdltche Tätigkeit, dte der Verstorbene als KultuSvor-

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