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Der Israelit · 1909-09-29 · Heft 39 (29.9.1909) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 39 (29.9.1909)
Date
1909-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 39_ mutigen sollen, die zu einem beträchtlichen Teil dem Gesamtjudentum in Zukunft doch verloren geht? Wenn schon diese dem Judentum sich entfremdenden Elemente in der nächsten, spätestens zweitnächsten Generation verloren gehen, wozu diese ungeheuren Opfer? Meines Dafürhaltens gibt es nur eine Lösung des „Schmelztiegelproblems", die ich schon vor mehreren Jahren in jüdischen Blättern vorgeschlagen Hobe. Freilich ist auch dieses mein Auskunftsmittel keine Lösung des Problems selber,sondern erst ein Weg zu ihm. Ich komme heute umso entschiedener auf dasselbe zurück, weil die Verhältniffe sich inzwischen zu ungünsten der Einwanderung darart verschoben haben, wie es von mir vorausgesagt wurde und auch ohne besondere Sehergabe vorauszusehen war. Außerdem erscheint mir der Vorschlag des Herrn Dr. Ascher kaum, und wenn überhaupt realisierbar, für sich allein unzulänglich. Die industrielle Lage und Entwicklung der Vereinigten Staaten paralysiert alle Bestrebungen, die auf die Jnnehaltung oer wichtigsten religiösen Institutionen des Judentums Hinzielen. Nicht etwa weil nur die nichtjüdischen Großindustriellen, Geschäftsinhaber und Fabrikanten dem jüdischen Arbeiterproletariat keinerlei Entgegenkommen zeigen können, sondern es gerade die jüdischen Arbeitgeber sind, die aus die Assimilation hinarbeiten, und ihre ganze Arbeitseinteilung auf die christlichen Feierzeiten zuschneiden. Ob aus Zwang durch die Konkurrenz, oder wie ein „jüdischer" Fabrikant sich einmal großtat, um den Juden die „Rückständigkeit" auszutreiben, mag hier unerörtert bleiben. Das Unglück des jüdischen Arbeiterproletariats ist der ununterbrochene Zu- und Nachzug neuer Konkurrenten, die sie sich selber schaffen/ oft in der edelsten Absicht, einem Verwandten oder Landsmann, der ebenfalls den Weg nach Amerika wagt, zu helfen. Das ist ja gerade das Ver- Sis der Emigranten, daß sie sich stets dahin n, wo die Menschenüberfüllung die Arbeitskräfte derart abundant macht, daß kein Lohnkampf mehr die geringste Aussicht auf Erfolg hat, daher der Arbeiter dem Arbeitgeber auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert ist. Meist, nein, immer ist es aber die Ungnade des Arbeitgebers, der ununterbrochen aus jungen, noch unverbrauchten Kräften sein Arbeitspersonal ersetzt und den alternden unbarmherzig auf die Straße wirft. Da heißt es nun arbeiten um jeden Preis und um Drangabe auch des Heiligsten, was der arme Mann bisher beseffen hat. Täglich sind in New- Aork allein zwischen 60—70000 arbeitslose, aber arbeitsw i l l i g e und arbeitsf ä h i g e Männer terstcllun? irgend welchen Vorschub leistet. Wenn auch die hohen Militärs, die eine solche Verhandlung vermitteln würden, von unserer Unschuld überzeugt sind, so läßt sich doch nicht ermessen, was ein einziger Bösewicht aus einem solchen Schritt für Kapital schlagen könnte. Wenn wir Esrogim und noch Geld dazu auf diese Weise bekommen könnten, so viel wir wollen, würde ich darauf verzichten und ich bitte Sie es auch so zu tun." „Sie haben Recht, Herr Präsident," bemerkte darauf Herr Aronsohn, „daran hatte ich nicht gedacht. Sie sehen weiter als ich und ich danke Ihnen, daß Sie uns auf das Bedenkliche meines Antrages aufmerksam gemacht haben. Ich lasse ihn selbsto'rstindlich fallen." „Wie die Dinge liegen," meinte nun Präsident Leidersdorf, „wird^ uns doch nichts anderes übrig bleiben, als die sache durch Anschlag bekannt zu machen. Wir müssen das einzige tun, was uns in unserer Lage möglich ist, ich sehe selber ein, daß wir nur geringe Aussicht auf Erfolg haben. Aber das umrige muß geschehen, wenn der Beistand Gottes vollenden soll, was wir nur beginnen können. Nun haben wir noch einige Formalitäten zu erledigen. Erstens muß ich wissen, bis zu welcher Summe Sie mich bevollmächtigen, wenn sich auf das Angebot von 50 Dukaten keiner meldet." „Wir geben .Ihnen Vollmacht, ohne jede Einschränkung," riefen alle, „und genehmigen jede Erhöhung des Betrags, die Sie für notwendig halten." „Meinen verbindlichen Dank für Ihr großes Vertrauen," entgegnete Leidersdorf, „ich werde bestrebt sein, es zu rechtfertigen. — Ich werde zu Hause sofort den Wortlaut der Aufforderung feststellen und um die Genehmigung des öffentlichen Anschlags nachsuchen. Wir dürfen nicht vergessen, daß wir im Be- D r Israelit. 29. September 1909 29. habe im k affen ja ni Aber bereit, selbst für den jämmerlichsten Lohn zu arbeiten. Denn mit diesen 60—70 000 Männern darben oft die doppelte Anzahl Frauen und Kinder. Und neben diesen gibt es, nach den verläßlichen Angaben der statistischen Arbeitsbureaus, mindestens die doppelte Anzahl arbetsloser, aber unbedingt auf den Verdienst ihrer Hände angewiesenen Frauen und Mädchen, die außer der Zeit geschäftlicher Hochkonjunktur vergeblich um Arbeit nachsuchen. Es gibt kaum 25 pCt. Arbeiter, die ein tatsächlich volles Jahr in ständiger Beschäftigung bleiben. Hingegen ist es fast eine Regel, daß die übrigen zwischen 3 bis 6 Monaten keine Berufs- und überhaupt keine Beschäftigung sinken können. Gegenüber solchen, mit der Pünktlichkeit eines Naturgeschehens sich wiederholenden geschäftlichen Vorkommnissen, erscheinen die Vorschläge des Herrn Dr. Ascher als nichts mehr, als der bekannte Tropfen auf den heißen Stein. Nicht einmal als Notbehelf gegenüber den das jüdische Leben zersetzenden Erscheinungen der Großstädte Amerikas dürften sie erscheinen. Wenn überhaupt, so liegt die Abhilfe auf einem ganz anderen Wege und Gebiete, worüber wir ein anderes mal an dieser Stelle sprechen wollen. Mannheim und die Klaus. Ein Beitrag zur Geschichte des jüdischen Gemeindelebens in Deutschland. Der in Nr. 34 des „Israelit" veröffentlichte Artikel „Die Geschichte einer Stiftung" gibt eine fesselnde Darstellung des traurigen Gegensatzes, der zwischen der Entwicklung der Mannheimer Klaus und den frommen Absichten, die dem Stifter bei der Gründung seines so außergewöhnlich großartigen Werkes geleitet hatten, herrscht. Eine andere Frage aber ist es, die bei diesen Erörterungeir nur gestreift, aber nicht eingehend beleuchtet werden konnte und die doch nicht für Mannheim allein, sondern auch für manche andere deutsche Gemeinde von Bedeutung ist: Welchen Einfluß hat die Klaus auf dieEntwicklung der Mannheimer n*?np ausgeübt? Die Ereignisse, die wir zur Beantwortung dieser Frage besprechen wollen, gehören der Geschichte an, und die Männer, die diese Ereignisse aktiv oder passiv herbeigeführt haben, sind schon alle, ohne Ausnahme, lange, lange zu ihren Vätern versammelt. Mit voller Objektivität können wir daher diese Geschichte der vergangenen Tage wieder aufleben lassen. Wir versetzen uns zurück in das Jahr 1855. Wir befinden uns in der Zeit der heftigsten Kämpfe zwischen der „Reform" und der „Orthodoxie". In den großen alten wurden die jüdischen Institutionen von den neologen Gemeindeverwaltungen absichtlich dem Verfall preisgegeben. Um offenkundig vor aller Welt klarzulegen, daß man mit dem alten Judentum gebrochen habe errichtete man Prunksynagogen mit Orgeln Wenn in diesen Gemeinden noch treue omn* waren, so empfanden diese das Vorgehen de Mehrheit der Gemeinden als einen Hohn auf ihr heiligstes Empfinden; ob auch gering an Zahl, hatten sie sich an manchen Orten von der unjüdisch gewordenen Gemeinde losgesagt und eigene, bewußt jüdische Gemeinden gebildet. So war in jener Zeit schon eine Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main und in Mainz entstanden, und auch in Darmstadt, Wiesbaden, Karlsruhe wiederholten sich die gleichen Erscheinungen. Nur in Mannheim ist unter ganz gleichen Bedingungen keine Neligionsgesellschaft ins Leben getreten. Aber auch in Mannheim war der Plan zur Gründung einer Religionsgesellschaft schon ausgearbeitet. Es war im Jahre 1855. Die neue Synagoge in Mannheim war ihrer Vollendung nahe und im weisen Rat der Führer der Gemeinde war es fest beschlossen, diese Synagoge durch eine Orgel zu „verschönern". In der Gemeinde Mannheim waren damals noch eine ganze Anzahl wackerer DTQ 'Vya, die jeder echt jüdischen rftnp zur Zierde gereicht hätten. Durch die Einführung der Orgel hatte man diese DTO einfach aus der neuen Synagoge, die auch mit den Steuergroschen der Frommen erbaut worden war, — hinausgeworfen. Die treugebliebenen D’H'in’' faßten nun folgerichtig den Plan, eine eigene Gemeinde zu bilden, und dieser Plan war auch der Verwirklichung schon nahe gerückt. Da stand ein Mann auf aus dem Kreise der „Frommen", um ein Kompromiß mit der Gemeinde anzubahnen, und das, was er erstrebte, ist ihm nur allzuleicht gelungen. Und damals war es die 'Klaus/ durch welche dieses Kompromiß ermöglicht wurde. Eine hohe Gemeindeverwaltung wollte sich gnädiglich bei der Klaus-Verwaltung dafür bemühen, daß die Gemeindeniitglieder, denen man das Jnnre der neuen Synagoge verschlossen hatte/ in der Klaussynagoge einen „Unterschlupf" finden könnten. Wir wählen absichtlich diesen Ausdruck. Denn das Kompromiß, das damals auf dieser Basis zustande kam, hatte von der ersten Stunde an den frommen D'ra 'hyz Erniedrigung geboten. Diese reichen und vornehmen a'ra der r6np DTQ die ged zum dekor pron heim sitzen lich j seine Man Man zelne zu X( % Gefü Wall psteg die | auch die r gebro Juni auch Gen gem reit 1 Nicht sinnu wart I miß 1 T stellei mein! oder denkk war, jahrz, gegan gege aino wenic durch gebiet V Oper bläser in di< kümm selbst flamn Zeit rabbt ten n stand schen die di konnn W diese l serum Mani Unriö entge, feit d breite halb l onsge sei. F Mam Würd schaft diese meinhätte diese Maße rend lagerungszustande leben und daß keine Veröffentlichung ohne Zustimmung des Oberkommandos erfolgen darf. Das wird keine Schwierigkeit haben; Oberbefehlshaber Peyermann, der darüber zu verfügen hat, ist ein rechtlicher und wohlgesinnter Mann. DaZch aber ohnedies dem Minister von Bernstorff die von uns für die Verteidigung der Stadt bewilligte Summe überweisen niuß, so werde ich den Anlaß benützni, um auch ihn von unserer Verlegenheit betreffs des Esrog in Keuntins zu setzen. Bei seiner hohen Stellung und seinem weitausschauenden Blick findet er jedenfalls leichter einen Weg als wir, wenn überhaupt einer vorhanden ist. Sollte ich Ihnen irgend eine Mitteilung von Interesse zu machen haben, so wird es sofort gescksehen." Mit einem warmen Händedruck verabschied te sich Präsident Leidersdorf j?on seinen Kollegen und suchte sein Bankhaus auf, um die dem Minister zu überreichende Summe flüssig zu machen. (Fortsetzung folgt.) (Der Roschhaschonoh-Wrrnfch an den Bischof.) Ungarischen Blättern entnehmen wir die folgende Geschichte: Vom Kaschauer Mschof August Fischer- C o l b r i e weiß es jedes Kind, daß er die Juden nicht liebt, mit ihnen keinen Verkehr unterhält und daß es ihm besonders beliebt, für altjüdische Wahrheiten geflissentlich das Neue Testament als Quelle anzugeben. Aus alter Zeit hatte aber der Bischof die Institution des Hausjuden, einer Art Faktors übernommen, der den Verkauf der Produkte der bischöflichen Güter vermittelt. Einen solchen Hausjuden besitzt auch Mschof Fischer-Colberie, ohne sich deshalb in seiner Politik den Juden gegenüber beeinflussen zu lassen. Am Vorabend des Rosch-Haschonoh nahm nun der bischöfliche Hausjude die Liste seiner Verwandten und Geschäftsfreunde zu Hand, denen Roscb-Haschonoh-Karten geschickt werden müßten, kaufte einige Dutzend solc^r Karten und übergab sie einem seiner Schreiber, behufs Adressierung und Er'- pedition. Mechanisch setzte der Angestellte die Adressen auf die Karten und da Bischof Fischer-Colberie unter den „Geschäftsfreunden" des Faktors obenan steht, wurde auch an Se. Eminenz eine Karte adressiert. Ter Zufall wollte es, daß der Bischof eine Karte erhielt, auf welcher die Szene reproduziert ist, wie in der Synagoge die Thorah emporgehoben, der Ge meinde gezeigt wird. Unter dem Bilde befindet sick der hebräische Text: „Und das ist die Lehre die M o s e s gegeben aus Befehl des Ewigen . . . ." Sr. Eminenz soll über die Aufmerksamkeit seines Hausjuden nickt gerade freundlich gefächelt haben. Ob er etwas daraus gelernt hat, ist nicht bekannt gegeben. (Die Juden in Kreta). Man schreibt uns: Zn Ihrer Korrespondenz aus Kreta mag vielleicht fol gende Remimszens aus weitvergangener Zeit nickt uninteressant sein. Es gab vor Jahrhunderten auf Eandia große jüdische Gelehrte, die sich nicht allein durch eminentes jüdisches, sondern auch durch profanes Wissen auszeichneten. Speziell war es bio Familie Dil-Mudigu, welche sich darin auszeichnete. Einer ihrer Sprossen war der berühmte Jose dil Mudigu in Abbreviatur als bekannt. Ch i war Arzt, Rabbiner, Kabbalist, Philisoph, großer Mathematiker und Astronom zugleich, wie seine noch erhaltenen, groß angelegten Werke zeugen, welche von allen genannten Wissenszweigen handeln und großen Scharfsinn, sowie eminente Kenntnis offenbaren. Er > beschreibt auch darin seine ausgedehnten Reisen, speziell die damaligen trostlosen Zustände in Polen und urteilt sehr drastisch über Land und Leute. Seine Werte sollten daher in keiner jüdischen Bibliothek fehlen! Dr. med. Ratner, Wiesbaden.

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