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Der Israelit · 1909-09-29 · Heft 39 (29.9.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 39 (29.9.1909)
Date
1909-09-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Srttr 1 »n astgcln an jene Gegner wissenschaftlich en/Genres, die ihre Beweise gegen die jüdische Auffassung vom Urgrund der Dinge aus dem Buche, das Gott selber geschrieben, aus der Natur herbeiholen zu können glauben oder aus jahrtausendealter Versenkung heraufgeholte Urkunden gegen die Priorität des Judentums zeugen lassen, oder endlich diejenigen, die vermeinen, schon mit dem leichten billigen Geschütz philologischer Hypothesen und einzig in der Phantasie eines Professorengehirns begründeter Aufstellungen gegen das alte Judentum den Bernichtungskampf führen zu können. Auch hier ist daS Urteil längst gesprochen, wenn auch leider noch nicht allüberall vernommen. Die ernsten, und ehrlichen Forscher haben keinen Anstand genommen, selber auf die Schranken uns eres Naturerkennen s hinzuweisen, über welche hinaus auch die übermütigsten Himmelsstürmer nicht können. Und daß die wahrhaft einsichtigen und erlesenen, der Willkür und Verorehung abholden Geister längst den Stab über eine leichte seichte Btbelkritik gebrochen, die sich nbcht scheut, die heiligen Urkunden nach Belieben und Bedarf zu zerfetzen und zufammenzuflicken, -und auch jene Geschichtsmacherei, die heute Mt GWndlqge für den Raffenantisemitismus LWet, ln ihrer ganzen Haltlosigkeit und Lächerlichkeit erkannten, ist dem Eingeweihten nicht minder bekannt. Das Urteil ist gesprochen. Die Tieferen und Edleren hören eS heute schon, und die große Welt wird's früher oder später vernehmen: Der Sieg ist euer! Wahrlich, mehr denn je hat der Jude heute, Nachdem er in Tagen der Einkehr sein Judentum, das geläuterte und reine, wiedergewonnen hat, rRecht und Grund, die Siegespalme zu schwingen 'und in ein lautes Hallelujah einzustimmen. Dieses Judentum hat gesiegt und wir mit ihm. — Und doch ist es nicht aller Kämpfe letzter Sieg. Israel, daS an den Tagen des Gerichtes für seine Gegner betet und in der Festeswoche, die den Sieg krönte, fiebenzig Opfer für die heidnischen Volker darzubringen Pflegte, begnügt sich nicht damit, daß das Urteil zu seinen Gunsten gesprochen ist/ daß dies es Urteil zum Wohle der Gesamtwert schheit von aller Welt v oll erkannt und rückhaltlos anerkannt werde, ist der heiße Wunsch, der es beseelt, der Wunsch, daß der Sieg der Hüttenerbauer der Sieg der Allmenschheit werden möchte. *>ty) D'Vttn-i’* by D'ion onan p nrmn bs vrn amVi mtux *^DVnwwwn7 rwa jw nv .maon :n nut 8. KochenrimWau. Sanieren ru neuem Kampf! Die Leiter des deutsch-israelitischen Gemeindebundes sind fleißige Arbeiter, das müffen selbst ihre Gegner zugeben. Noch ist die offizielle Schonzeit, die die Sommerferien der versammlungs- und vortragsmüden Menschheit zu bringen pflegen, nicht ganz verstrichen, da verkünden uns Berliner Blätter, daß im „Liberalen Verein für die Jntereffen der jüdischen Gemeinde" eine Versammlung stattfand, in der Herr Landgerichtsrat Loewe über den „Entwurf betr. die staatliche Organisation des jüdischen Gemein dewesens in Preußen" sprach. Es ist dies bekanntlich der harmlose offizielle Titel für jenes Zwangsgesetz, das die preußische Judenheit unter die Herrschaft der wenigen rleologen Großgemeinden bringen soll. Der Entwurfstand, wie noch in frischer Erinnerung, auf der Tagesordnung des am 16. Mai d. I. in ^Berlin abgehaltenen Gemeindetages und wurde durch eine mit Mehrheit angenommene Resolution Friedemann-Glogau in seinen Grundzügen klipp und klar abgelehnt. Diese völlig unerwartete Ablehnung eines in l0 jähriger Arbeit mühselig zusammengedrechselten Gesetzentwurfes lag und liegt den führenden Geistern vom „D. I. G. B." schwer im Magen. Die Bestürzung, die anfänglich bei ihnen herrschte, hat aber nicht lange vorgehalten. Zunächst versuchte man aus rechnerischem Wege aus der Mehrheit, die den Antrag Friedemann angenommen hatte, künstlich eine Minderheit zu konstruieren. In der „grünen Zeitung", im „Hamburger isr. Familienblatt" und andern Organen marschierten Delegierte auf, die mit herzerfreuender Naivität bekundeten: sie hätten bei der Abstimmung über diesen ominösen Antrag gar nicht gewußt, um was es sich eigentlich handle — man denke, nach einer Redeschlacht von zweitägiger Dauer — jetzt seien sie zur Einsicht gekommen, und verwandelten daher ihr „Ja" in ein „Nein"! Auf diese Geständnisse hin erschienen dann prompt neue Artikel, die triumphierend verkündeten: Seht ihr, wir haben es ja gleich gesägt, der Antrag Friedemann ist gar nicht angenommen, er ist genauer betrachtet abgelehnt worden!" Ueber diese und ähnliche Scherze konnte man, wie wir es hier getan haben, mit einem Lächeln hinweggehen, die Bewegung aber, zu der die erwähnte Tagung des Berliner liberalen Vereins, wie uns schejnen will, den Auftakt bilden soll, darf wohl etwas ernster genommen werden. An die Spitze seines Vortrages hat nämlich Herr Landgerichtsrat Loewe die These gestellt: „Der Antrag Friedemann bildet kein Hindernis auf der Grundlage -es alten Entwurfes in die dritte Lesung einzutreten!" Herr Landgerichtsrat Loewe, einer der gefftigen Väter des Entwurfes, würde diesen Satz sicher nicht aufgestellt haben, wenn er nicht der Zustimmung seiner Kollegen im Ausfchuffe von vornherein sicher wäre. Die Begründung hat sich der verehrte Herr allerdings etwas sehr leicht gemacht. Er sagt: „Der Antrag kann als abgetan gelten/ er ist bedeutungslds wegen seiner inneren Widersprüche!" Nun weiß Jeder, der wie der Herr Landgerichtsrat Loewe den Verhandlungen beiwohnte und die Ausführungen der konservativen, liberalen und zionistischen Gegner des Entwurfes hörte, daß der Antrag Friedemann den gemeinsamen Protest aller dieser Opponenten darstellt, die, wie weit sie auch in ihren religiösen Anschauungen differieren, doch sich in dem einen Gedanken zusammenfanden: „Ketn jüdisches Staatskirchentum, keinen preußischen Oberrat!" Man sollte denken, für einen so scharfsinnigen Juristen wie es Herr Loewe sonst ist, sei das klar genug, auch noch klar genug, wenn in der gleichen Resolutton, im Hinblick auf die finanzielle Not der zahlreichen Zwerggemeinden die Bereitwilligkeit zu gemeinsamem Vorgehen bei Bildung der Bezirks gemeinden und Unterstützung skassen ausgesprochen wird. In Wahrheit hat denn auch unter den Hunderten, die an dem Delegiertentag teilnahmen, dessen Mittelpunkt doch nun einmal der vielberufene Antrag Friedemann bildete, niemand etwas von diesem angeblichen Widerspruch bemerkt. Auch über die Bedeutung des Antrages war man sich von vornherein klar. Als der Vorsitzende der Berliner Tagung, Herr Dr. Blau, den Vorschlag machte, die Resolution Friedemann gleich den sonstigen Anträgen einfach als „Material" zu überweisen, da war es ein Liberaler, Herr Bankier Blumenthal -Kassel, der folgendes aussührte: „Ich bedaure, daß wir hier eine Ausnahme machen müssen. Wir haben uns bisher im Interesse des raschen Geschäftsganges damit einverstanden erklärt, daß die Anträge einfach an die Kommission gingen, aber dieser Antrag, muß zur Abstimmung kommen, sonst hat die Kommission keine Direktive für ihr weiteres Arbeiten. Der Zum Treadeaftife der Gbora. («us min Tinbn rvobn des d"3ö*i) Jeder in Israel ist zun: Thoralernen verpflichtet, sei er arm oder rttch, körperlich gesund oder leidend, jung oder hochbetagt und geschwächten Körpers, sei er sogar so arm, daß er von Mildtätigkeit leben und betteln gchen muß, und fei er auch. Ernährer von Frau und Kindern, so ist er doch verpflichtet, sich eine gewisse Zeit bei Tag und bei Nacht zum Thoralernen festzusetzen, denn es heißt: „Du sollst darüber sinnen bei Tag und bei Nacht." Die Weisen sagen: „Ein Bastard, der ein Thoragelehrter ist, geht einem ungelehrten Hohepriester voran", denn eS heißt: Kostbarer ist sie als die verborgensten Schätze, als das Wirken des Hohepriesters, der in das Allerheiligste Eintritt." Es gibt keine unter allen Pflichten, die dem Thoralernen gleichwertig ist, das Thoralernen aber wiegt alle anderen Pflichten auf, denn daS Lernen führt zur Tat, bEm geht das Lernen überall der Tat voran. jjjggen sein Herz dazu treibt, diese Pflicht gehörig zu erfMm ^u»ch mit derKrone der Thoragelehrsamkeit gekrönt zu sein, darf seinen Sinn nicht auf andere Dinge oblenken und darf nicht sich vornehmen, Thorakenntnts nebst Reichtum und Ehren gleichzeitig zu erwerben, «lso ist der Weg zur Thorakenntnis: Brot mit Salz iß du und trinkst Wasser aus dem Maße, schläfst auf er Erde, lebst unter Entbehrungen und strengst dich an, Thora zu lernen. Es ist nicht deine Aufgabe, Vollendetes zu leisten, aber du hast auch nicht die Freiheit, dich ihr ganz zu entziehen. Hast du viel Thora gelernt, so hast du großen Lohn zu ermatten, aber der Lohn richtet sich nach d.r Mühe. Vielleicht denkst du: Wenn ich Vermögen gesammelt habe, werde ich wieder lernen, wenn ich erworben habe, was ich brauche, werde ich mich von meinen Geschäften frei machen und wieder lernen. Wenn du solches denkst, dann wirst du niemals die Krone der Thoragelehrsamkeit erlangen. Vielmehr mache dein Thoralernen zu einer feststehenden Pflicht und dein Geschä t zur Nebensache und meine nicht: Wenn ich frei sein werde, werde ich lernen. Sonst wirst du wohl niemals frei sein. Die Watte brr Thora werden mit dem Wasser verglichen, denn es heißt: „Ach, ihr Durstigen, gehet zum Wasser." Das soll dich lehren. Wie das Wasser sich nicht an einer steil abwärtsführenden Stelle sammelt, sondern davon herabfließt und sich in der Tiefe sammelt, so findet sich auch Thorakenntnis nicht bei den Anmaßenden und nicht im Herzen des Hochmütigen, sondern bei dem Demüttgen und Anspruchlosen, der sich mit dem Staube der Füße der W isen bedecken läßt, aus seinem Innern alles Verlangen nach zeitliche, Genüssen bannt, seiner täglichen Arbeit nachgeht aber nur wenig, soweit er es zu seinem Lebensunterhalt braucht, wenn er sonst nichts hat, und der den übrigen Teil des Tages und die Nacht sich mit der Thora beschäftigt. Dir Kenntnis der Thora erhält sich nicht bet demjenigen, der sich >n läsfiger Weise ihr hingibt oder nach dem Vergnügen oder nach dem Essen , und Trinken sie lernt, sondern bei dem, der sein Le^en für sie hiügeben kann und sich ihretwegen körperl che Entbehrungen auferlegt, der seinen Augen keistqw-Schlaf, seinen Lidern keinen Schlummer gönnt. Die Wessen finden dafür e ne Andentung in dem Worte der Schrift: „Dies ist die Lehre: Wenn ein Mensch im Zelte stirbt . . ." Thorawiffen erbä t sich nur bet dem, der sein Leben für sie hingibt in den Zelten der Weisen. Obgleich es Pflicht ist, bei Tag und beiNacht zu lernen, erlangt man doch de i größten Test seines Wissens bei Nacht. Wer daher der Krone der Tho agelehrsamkeit würdig werden will, sei darauf bedacht in allen seinen Nächten und verttödle auch nicht eine von ihnen mit Schlafen, mit Essen und Trinken, mit Geplauder und dergleichen, sondern benütze sie zwn Thoralernen und Forschen in der Weisheit. Jeder, der in der Lage st, sich mit der Thora zu beschäftigen und es nicht tut, oder wer Bibel und Mischnah ge ernt hat und sich davon abwendet zu den Nichtigkeiten des Daseins, das Gelernte beiseite legt und preisgiot, der ist einbegriffen unter den „Verächtern deS Gotteswortes". Die Weisen sagen: „Wer die Thora aus Reichtum aufgibt, der wird sie einst aus Armut aufgeben müffen, wer aber trotz Armut an ihr festhält, der wird einst in Reichtum an ihr festhalten können." Dieser Gedanke ist auch in der Thora deutlich ausgesprochen, indem es heißt: „Darum, weil du dem Ewigen, deinem Gotte, nicht aus Freude und mit frohem Sinne vor lauter Ueberfluß an allem gedient hast, wirst du deinen Feinden .... in Hunger und Durst, in Entblößung und unter Mangel an allem bienen müssen." Anderseits heißt eS aber: „Er ließ dich entbehren, um es dir gut gehen zu lassen in demer Zukunft."

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