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Der Israelit · 1909-09-23 · Heft 38 (23.9.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 38 (23.9.1909)
Date
1909-09-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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23. September 1909. Sündenbekenntniffes, unseren schlechten Ratschlägen ein besonderes Gedächtnis gewidmet haben und uns reuig bekennen laffen: jn 13XP' „Wir haben zum Bösen geraten!" An die Täuschung, die unser Rat zum Bösen bedeutet, reiht sich das Bekenntnis der Täuschung im allgemeinen: 132*3 „wir haben getäuscht!" Daß die Welt getäuscht werden will, ist eine der vielen fragwürdigen Wahrheiten, die nur im Sprichwort leben, in Wirklichkeit dürste es aber schwer fallen, jemanden zu finden, der gern getäuscht ist. Vielleicht hat einer der geriebensten unter den Täuschern dieses Wort gemünzt, um die so allgemein geübte Täuschung mit einem dürftigen Schein von Berechtigung auszustatten. Die Welt liebt nur die Täuschung, die sie übt, aber nicht diejenige, der sie zum Opfer fällt. Es gibt deshalb kein Gebiet unseres privaten und öffentlichen Lebens und Wirkens, das nicht von Täuschungen derart durchsetzt ist, daß es ungemein schwer fällt, die Wahrheit ungetrübt zu erkennen und zu bekennen. Der raffinierte Betrug im geschäftlichen Verkehr, die Heuchelei und Schmeichelei in unserem gesellschaftlichen Leben, die Täuschungen und Selbsttäuschungen über unsere Beziehungen zu Gott und seinem bündig ausgesprochenen Gesetz, die ganze Legion dieser mit unserem ganzen Tun und Lassen innig verwachsenen und zur zweiten Natur gewordenen Gesellschaftssünden zieht daher an unserem Innern vorüber, wenn wir uns vor Gott bekennen: 132*2 „wir haben getäuscht!" Was diese Erkenntnis so ungemein erschwert, ist der leichtfertige Witz und der frivole Spott, dem kein Heiligtum zu heilig ist, um es in den Staub zu ziehen, weshalb auf 132*2 sofort das Bekenntnis: 1326 „wir haben gespottet!" folgte. Nicht die Täuschenden trifft der Spott, sondern die Getäuschten sind ihm so rettungslos verfallen, daß derjenige, der den Schaden hat, für den Spott nicht erst zu sorgen braucht. Er überschüttet die ängstlich über sich wachende Scheu vor jeder Täuschung durch Wort und Tat mit der Lauge seines Witzes und macht daher diese Gewissenhaftigkeit zum Gelächter. Ein einziges Wort des Spottes hat die unheilvolle Macht, hundert gute Vorsätze im Keime zu ersticken. Es hat nun zu jeder Zeit Spötter gegeben, die mit dem verheerenden Einflüsse ihres Wortes sich und andere zu Grunde gerichtet haben. Aber so verbreitet und tief eingefreffen wie dieses heutzutage sich breit macht, war es vielleicht doch noch zu keiner Zeit. Wir haben ja, wie in keiner früheren Zeit nicht nur [13C7 ’93K, einzelne Leute, sondern eine ganz' Anzahl von Organen der Tagespresse, die — ausschließlich im Dienste des . _Der ggmitt. laxen Spottes und der alles verlachenden Ironie stehen und das Edle und Reine dem Gelächter und der Verachtung preisgeben. Unser ganzes Wirtshaus- und Cafohausleben hat ferner in dieser Sucht seine ganze Begründung. Der größte . Teil derjenigen, die regelmäßige Stammgäste des dort gepflegten ü'xb 2*21v sind, gehen ja nicht dahin um dort zu 'essen und zu trinken, was sie zu Hause viel leichter, beffer und billiger haben könnten, sondern der Unterhaltung wegen, die diesem Verkehr seinen Reiz verleiht. Wenn sich Jemand einmal die Mühe nehmen wollte, die Gespräche zu notieren, die dort geführt werden, er würde erschrecken über die Unsumme von Niedrigkeit, die da zu Wort kommt. Wenn Jemand bei dem Bekenntnis i3lA den entschlossenen Vorsatz faffen wollte, dem Laster der Spottsucht, das nnsere ganze Zeit infiziert, für seine Person entgegen zu treten, so müßte er hier einsetzen. Er würde damit allerdings selber sofort dem Spott seiner Genoffen verfallen, die dieses Treiben mit geschäftlichen Rücksichten und mit dem Hinweis auf ihr Erholungsbedürfnis zu begründen suchen. Aber daß Leute, die das ganze Jahr hindurch vom Wert der Zeit sprechen und mit der Minute geizen, daß biete die schönsten Stunden des Tages und ganze Abende auf solche Weise totschlagen, daß sie die Jämmerlichkeit nicht scheuen, in solcher Atmosphäre ihre Erholung zu suchen und zu finden, das ist und bleibt eine Ungeheuerlichkeit, die groß genug ist, daß an ihr die Pfeile des blasierten Witzes und der lasciven Spottlust abprallen müßten. Aber leicht ist das nicht. Ihr Spott stattet die Spötter mit einer Überlegenheit aus, der sie nicht nur hoch über jede vernünftige Erwägung und über jede gute innere Regung hinweghebt, sondern die selbst vor Gott und seinem Sittengesetz nicht Halt macht und sich gegen jede göttliche Autorität derart auflehnt, daß wie in unserem 'in, so auch im Leben I3nv „wir haben uns empört" auf 132? folgt. Die nächste Konsequenz dieses Zungenuno Wortheldentums ist, daß es nicht einmal mehr Gott als Herrn anerkennt, iivK i*2K 13V jm 'D ,i3nK 13'nsti? V333 133**M. (Psalm XII,5). Aber sie ist nicht die letzte. Die Lacher und Spötter begnügen sich nicht niit der Absetzung Gottes, sondern sie ergehen sich darüber in kränkender Verhöhnung, bis sie ihm völlig den Gehorsam gekündigt und so selber der Krümme verfallen, in die sie ihre Umgebung gelockt und geködert haben. Aber auch hierbei bleibt der Hohn und Spott nicht stehen. Man kann Gott nicht leugnen, kränken und ihm den Gehorsam versagen, ohne ihn vorauszusetzen, ohne ihn gerade durch diese geflissentliche Ignorierung und Persiflierung anzuerkennen. Diese mittelbare, unfreiwillige Anerkennung muß durch völligen R0.88. Sette» Abfall von Gott beseittgt werden, wenn diese Schwätzer ohne jede Skrupel ihr trauriges Metier ungestört fortsetzen wollen, wie dies unsere 'in durch die bloße Reihenfolge zum Ausdruck bringt, indem sie auf das Bekenntnis des Spottes 13TH3 wir haben uns empört 13XK3 wir haben gehöhnt 13*no wir waren ungehorsam 13'iy wir sind der Krümme verfallen 13y*PS wie haben frevelnd unfern Abfall vvllzogen folgen läßt. Wenn Menschen, jüdische Menschen, auf diese Stufenleiter des Abfalls, nach aller Verspottung, Empörung, Höhnung, bei allem Ungehorsam, bei allen Krümmen und allem Frevel, die tiefste Tiefe sittlicher Entarturg erreicht haben, so ist ihnen kein Strohhalm zu schwach und schwankend um sich an ihn vor der sie beängstigenden Oede und Leere ihres inneren Lebens zu klammern. Sie sagen sich und jedem, der es hören und nicht hören will: Wohl hätten sie sich von den alten hergebrachten Formen der Verehrung Gottes und der Erfüllung seines Willens losgesagt, aber den Kern hätten sie eben mit Preisgebung der Schale gerettet. Diese äußeren Formen und Zeremonien hätten sie allerdings über Bord geworfen, aber die Hauptsache sei Geist und Gemür, sei das Herz und das sei nicht nur gut geblieben, sondern das schlage heißer, brüderlicher allen Mitmenschen entgegen, weil sie ihm durch die Befreiung von dem Ballast der bloßen äußeren Werktätigkeit, die freie, volle Regung und Entfaltung erst ermöglicht hätten. Sie seien vielleicht schlechte Juden nach dem landläufigen Begriff, aber sie seien die braven, edlen Menschen mit den weichen, von heißer Menschenliebe entflammten Herzen. Daß unsere abgefallenen Brüder ihre Außerkurssetzung der Pflichten gegen Gott durch hingebendere Pflege der Pflichten gegen unsere Mitmenschen wieder gut machen, ist ein verhängnisvoller Irrtum, dem man vielfach begegnet und der auch in unseren eigenen Reihen oft für ernst genommen wird. Allein darum handelt es sich hier nicht. Aus dem Ruhmeskranz der Mildherzigkeit, Wohltättgkeit und Bruderliebe, den sich der Abfall unserer Tage selber windet, soll hier kein Blättchen geriffen werden. Uns interessiert hier nur der folgenschwere Irrtum, man könne die D*1K ]'2 niXD DlpoV aus dem Leben streichen und dabei den Ii3r6 dik j'2*2 nixo dennoch, ja noch beffer gerecht werden. Das Gegenteil ist der Fall. Die Abrogierung der einen hat auch die der anderen zur Folge. Und wenn wir uns auch hundertmal darüber täuschen wollten, unsere 'in erinnert uns daran, daß auf i3y*2S unvermittelt 13"P2C, daß auf den Abfall von Gott die Feindseligkeit Herzen strömte und es umspülte. Die Augen hielt er starr durch die Dunkelheit in die Ferne gerichtet, als fürchtete er, etwas aus dem Blicke ZU verlieren. Und er sah auch etwas trotz Nacht und Dunkel heit. In der Stunde, wo er die Gewalt über seine .Sinne verlor, trat aus seinen Gedanken der brennende, lang gehegte Wunsch verkörpert hervor, stellte sich vor ihn und zog ihn mit ackler Kraft an sich; der Wunsch, sein Heim wiederzusehen, um dort wie seine Frau zu sterben. Die Reihen der niedrigen Holzhäuser wichen zurück, und Rabbi Chaim befand sich außerhalb der Stadt. Freier und mächtiger tobte der Sturm. Dichter und schneller flohen die Schneewirbel, alle Spuren nach dem Städtchen verlöschend. Plötzlich lockerte sich der Boden unter Rabbi Chaims Füßen, und er sank in den Schnee. Er war in den Graben am Wege geraten. Einen Augenblick wurde er ermuntert. Er stützte sich auf beide Arme und versuchte sich aufzurichten, aber der Schnee gab nach, die Arme stachen hinein, und Rabbi Chaim sank tiefer. Bor seinen Augen wurde es hell. Er glaubte stch anzustrengen, um sich zu erheben, in Wirklichkeit jedoch tat er nichts. Sein Geist wurde von den wirren Bildern gefesselt, die vor ihm aufstiegen. Plötzlich war er in seiner Wohnung. Die Frühlingssonne füllte die kleine Stube mit ihrem goldnen Licht. Es ist so warm! Bor ihm, am Herd, steht seine Frau, den Schaumlöffel in der Hand und hält ihre großen Augen auf Chaim gerichtet. Wer merkwürdig, sie schauen gar nicht so traurig wie sonst. Im Gegenteil, sie leuchten so fröhlich, so heiter. Auch um ihren Mund spielt ein treuherziges Lächeln. „Geh, Chaim, wandere weiter! Nimm die Stelle als Hauslehrer bei dem Gutsbesitzer nicht an! Ich habe keine Langeweile. Meine Nachbarinnen haben mir so viel zu erzählen." Auch Rabbi Chaim ist so vergnügt. Wer er staunt dennoch über seine Frau. „Ich gehe nicht mehr fort, ich bleibe bei Dir! Bist Du damit zufrieden?" Es wurde ihm so leicht, er fühlte gar nicht mehr, daß er einen Körper hatte. Bor seinen Augen wurde es immer heller und heller. Nur summte und sang es um ihn herum. Immer leichter wurde es ihm, bis alles von Acht überströmte, ihn langsam fern und ferner entrückte. Der Sturm tobte heulend fort. Rauschend floh der Schnee vor ihm. Die Bäume des nahen Waldes bebten und. ächzten, steckten wie geängstigte Schafe ihre Wipfel zusammen und schwankten mit den nackten Aesten, wie mit dürren Armen, als wollten sie sich wehren. Am Himmel begannen die aufgeturmten Wolken von ihren Höhen hinabzugleiten, verteilten sich für einen Augenblick und entschleierten einen Stern. Der schaute hinab, sich mit seinem eigenen Schimmer leuchtend, und sah einen schwarzen Punkt, der sich vom Schnee abhob; es war der abgezehrte Körper des verscheidenden Magid. Doch gleich stürzte der Sturm herbei, eine große Schneewelle vor sich herjagend, und begrub hen Erfrierenden unter der weißen, eisigen Decke. (Die jüdische Abteilung im Pariser Cluny Museum.) Nur Wenigen dürfte es bekannt sein, daß Paris in seinem Cluny-Museum eine Sammlung von überaus wertvollen Reliquien aus dem alten jüdischen Gemeinde- und Familienleben besitzt. In einem eigenen „Jüdischen Saal" sind ganze Schätze jüdischer Kultgegenstände zusammengetragen, zumeist Spenden der Pariser Rothschildfamilie. Der Kenner wird hier die seltensten Synaaogeneinrichtungen, Meisterwerke altitalienischer Goldschmiedekunst finden. In einem anderen Schrank befindet sich eine große Anzahl alter hebräischer Heiratsverträge, Kethuboth, Manuskripte alter Megilloth usw. Sehr reichhaltig ist die Sammlung alter Porauches, Sefer-Mäntelchen und Schulchan-Decken. Besonders die letzteren weisen einige historische interessante Stücke auf. Die wertvollste dürfte wohl eine Decke sein, die ausschließlich für den Jomkippur bestimmt, die folgende auf den heiligen Tag bezughabende in hebräischer Sprache abgefaßte goldgestickte Aufschrift aufweist: 1'm 121*2 S*n*2' n'2 121*2 121*2 i«n i2'2n min* bv prS «irr oms3 oi' K2 oi’ narr «in nrra pb "[an 1*72 13'2*7' 3*7*22 D'3*22 D2'KDN 1'H' DK ♦13’2' DnnnK*? rtK* ii?'2*2’ iv2n 1 b (Das Gpld -er Wüste.) Die Wüste hat den Bewohnern des Nil-Tales schon seit sehr alten Zeiten allerhand Kostbarkeiten geliefert, und es ist festgestellt worden, daß beispielsweise ein Goldbarren, der in dem Grabe einer Leiche Ms der ersten Dynastie gefunden wurde, ebenso Feuersteinmesser mit goldenem Griff und ähnlich verzierte Steinkrüge, von denen auch die schönsten mit Gold geschmückt sind, aus derselben Zeit grauen Altertums stammen. Einen Bergbau kann es damals nicht gegeben haben, und die alten Aegypter müssen sich das Gold daher an der Küste zusammengelesen haben. Die ersten ausdrücklichen Nachrichten von Expeditionen, die zur Suche nach Gold ausgesandt wurden, stammen aus der zwölften Dynastie (um 2000 v. d. ü. Ztr.) und Dr. Thomas hat im „Journal der wissenschaftlichen Gesellschaft" in

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