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Der Israelit · 1909-09-23 · Heft 38 (23.9.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 38 (23.9.1909)
Date
1909-09-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ttetu 1. «r. 8S. Hat das Recht seine Würde eingebüßt? Ist daS Gesetz zur Willkür geworden? Es ist, als ob in dem Weinen des greisen |T TS SK, als ob in dem Beben seines Körpers ein großes Ringen sich 'abspielte. Das Recht ringt mit der Liebe. Aber die Liebe erzählt, daß sie älter sei als das Recht, daß auf der Liebe der große Gottesthron, der durch die Welten reicht, e r b a u 1, daß 1'NVNI *]W1, daß nsn D b 12 S, daß sie von Uranfang an waren, und daß, von der Liebe mit ihrem großen Jomkippur- Wunder geleitet, alles Menschen - Irren einst einmünden werde in das große Halleluja verwirklichten Gottesrechtes: rru 1200 prr b'ib Trübe sieht's aus in Israel. Der DW32 sind Taufende, Zehntausende geworden, und aus tausend Wunden blutet der Volkeskörper. Väter und Mütter müffen, den Tod im Herzen, ohnmächtig mit anschauen, wie der Taumel der Zeit ihre Kinder hinwegreißt. Jüdische Kinder, in deren Blut die Gottesfurcht und die todbereite Liebeshingebung ewig lebender Ahnen aufgesveichert schien, wenden sich irrend ab von den Gräbern dieser Ahnen und zerstäuben ihr Sein in der Jagd nach fremden, wahngeborenen Idealen. — Und dennoch: Jaum haki.ppurimist b(a! ,ntoö ns'vsi bw nsnra Anpn nm 721 vipvn bv ♦D’jnsrn 02 bbünrtb pviö 12k Oeffnet die Pforten, öffnet sie wiederund wieder! Sie werden dennoch einst wicderkehren, die verlorenen Kinder,und keine Seele wird Jhm verloren gehn, der die „Welt nach Seinem Willen erschaffen." d^sik erounnsi ikt ’ssa Weinend, aber aufrecht stehen die Vertreter des Gesetzes vor Gott, da der Tag dämmert. Das Gesetz bleibt in ewiger Majestät und der Jaum hakippurim wird ihm die entfremdeten Söhne einst zurückgewinnen! Das ist die Heilesbotschaft, die aus der gewaltigen Lebenssymphonie des VHpPi DT» uns ins Herz klingt und die dem Juden die Kraft giebt, in den Kämpfen des langen Jahres aufrecht zu bleiben, auch wenn er blutenden Herzens den eigenen Brüdern die Stirne bieten muß. 2*120 12'212N2» nf?2’ — aus abendlicher Mischung steigt, mit den Thränen heimkehrender T2T22 gemischt, unser Flehen zum Himmel empor, auf daß aus Morgendämmer der kommenden Sonne Strahl ein Ahnen künftigen Bruderglückes in die Herzen gieße— 2*12 *12 12212"! HKT1 und dann, wenn der Tag vollendet 3"i2 M2^ TT TK TT/ der Jubel eines durch Gott und sein Gesetz geeinten Volkes wie Sphärenharmonie Der durchs Weltall klinge.-Dann laßt uns Hütten bauen! KochermmWa«. niedriger hängen! Es ist, wie unseren Lesern bekannt, gerade nicht unsere Spezialität, den Kampf gegen antisemitische Dummheit und Bosheit zu führen. Wir meinen vielmehr, daß es eine unverzeihliche Krastvergeudung bedeutet, ein unnützes Gefecht nach außen zu unterhalten, während im Innern so vielfache und schwere Aufgaben unserer harren. Es ist indessen doch von Interesse und auch von Nutzen, sich von Zeit zu Zeit nach dem antisemitischen Lager umzuschauen, um nach der dort zum Ausdruck kommenden Gesinnung den jeweiligen Tiefstand, den die Herren in ihrer kulturellen Rückentwicklung wieder erreicht haben, zu konstatieren. Die niedrig gelegenen Redaktionsräume der „Staatsbürger-Zeitung" haben sich, wie sie in einer ihrer letzten Nummern jammert, in den letzten Tagen zeitweilig verdunkelt. So schwarz und dunkel flutete es vorbei. Was war geschehen? Es waren Juden, die ln Scharen vorüberzogen, Juden, die, wohl gemerkt, nicht etwa lärmend und johlend nach Art der schacktreuen Deutsch-nationalenHandlungsgehilfen oder sonstiger antisemitischer Radaumacher in eine Demonstrations-Versammlung zogen, sondern die ruhig und friedlich, ja sogar andächtig und würdevoll in ihre Synagogen gingen, um dort am Hohen Fesste zu beten. Aber es wckren dunkle jüdische Erscheinungenso etwas fällt der guten „Staatsbürgerin" auf die Nerven, und sie schreibt: «Das Jubenvolk hält Neujahrstag. Nicht den kalendermäßtgen, wie er gilt für uns, für unfern Staat, unser Bott. Ein Bott im Bott, ein Staat im Staate trumpft auf: Was gilt uns Euer Brauch, was scheren unS Eure Gesetze! Wir find daS starre unveränderliche Judentum; noch heute wie vor 2000 Jahren die gleichen.- Intoleranz und Orthodoxie im Verein, da wandeln fie hin, Erzväter in moderner Kleidung. Die ganze Bernvurger Straße gehört ihnen. Immer mehr, immer neue Mafien spuckt die Philharmonie aus. DaS arbeitende Berlin wird auf den Damm gedrängt, der deutsche Geschäftsmann muß fich seinen Weg zwischen dem Wagenpark suchen. DaSJubentum trumpft: Berlin ist unser! Wir halten Parade ab. Unser altes 45j8hrigeS Firmenschild „StaatSbürger-Zeitung", das golörn vvn unseren Fenstern hernteoerleuchtet, beginnt zu wirken. Der alte Haß bricht üuS Manchen Augen, die schwarz und brünstig aüS dem listigen Orientaknaeficht schauen. Der alte ekle Haß, wie er geleuchtet, SW fie auf Golgatha ihr „Kreuzige" schrien, der blutglere Fanatismus von SoNltz, Xanten. Höhnische Blicke tUkffen uns, wir aber lachen, lachen! Wer fühlte fich nicht versucht, SchwechtMS „Lied Vom Levt" zu fingen? usrv."- Und ttutt kommt noch eine Blumenlese jener wohlbekannten verhaltenen Drohungen auS dem Wörterbuche des edlen Dreschgrasen von Klein-Tschirne .wie: „Was seid Ihr, wenn sich das deutsche Volk seiner Kraft besinnt?" — „Wir haben andere Vergeltung!" — „Triumphiert nicht zu früh!" — „Unsere Reihen werden sich fester kitten, und einst halten wir Parade, Judenparade!" Von einem solchen Meisterstückchen antisemitischer Demagogie, das die in diesen Kreisen immer zunehmende Verrohung der Gesinnung drastisch dokumentiert, gilt doch wirklich das Wort des alten Preußenkönigs: „Niedriger hängen!" Es ist eigentlich recht gut, daß der Antisemitismus endlich einmal sein wahres Gesicht zeigt und offen bekennt, welchen edlen Zielen er zustrebt. Man 5 müßte wahrlich an der Kultur unseres Jahrhunderts verzweifeln, wollte man nicht glauben, daß nach diesen Bekenntnissen .einer schönen Seele die beffer Gesinnten, die, ohne im Prinzipe Judenfeinde zu sein, aus diesem oder jenem Grunde mit den Antisemiten politische Interessengemeinschaft pflegen, von den Hetz-Aposteln, wie sie durch die „Staatsbürger-Zeitung" vertreten sind, ordentlich abrücken werden. Und erst diejenigeen Herren aus der konservativen und Zentrumspartei, die oft genug religiöse Motive für ihr Zusammengehen mit den Antisemiten vorschützen, was werden diese nun zu dieser unerhörten Verhöhnung des religiösen Empfindens Andersgläubiger seitens ihrer ehrenwerten Verbündeten sagen? Der Handelsstand, in den die Juden vor Jahrhunderten gewaltsam gedrängt wurden, ist von ihnen zu einem Ehren stände erhoben worden, was natürlich den Neid der heutigen Antisemiten erregt und ihnen Anlaß gibt, über den „Schachergeist" des Juden herzufallen. Welche dunkle psychologischen Momente können indessen unseren Rassen- und Geschäftsanttsemiten die brutalen Ausfälle gegen die Juden diktiert haben, in einer Stunde, da diese, der Erwerbssorgen bar, sich vor ihrem Gotte sammeln, um für sich und die Gesamtmenschheit zu beten? fahr geg« Völl dem nach verh an i Voll die i Kroc davo her Volk mit wird Heut Pol von und zu fl 3 fest! genai auf grüni besser ihre inneg Ihre unter Wort unter Verte wahr^ den * sich n dern mitlei einer seit d hatter als ei auszu nahm« aussch da wi gar e den E w alt ren. deren sind, der sten E c.fr-c,. ßacbkiäNge aer $cftofar$. (Teschuwah-Gedanken.) Es entspricht ganz der durch die Dauer im Wechsel gekennzeichneten Welt- und. Lebensanschauung des Juden, daß er den neuen Zeitabschnitt nicht an sich heran- und vorbetkommen läßt, sondern ihm schon ein gut Stück Weges entgegenzieht. ihm dann auch ein Stück auf seinem Wege St; daß er des Jahres Anfang schon recht eigentlich am e des vorhergehenden Jahres zu feiern beginnt und ihn noch durch eine Reihe von Tagen weiter feiert. Was bedeuten Anfang und Ende, was die Zeitgrenzen, da wir Ihn suchen und finden, der, erhaben über Zeit und Raum, durch seine Gebote einen Abglanz seiner ewigen Majestät auf unser Erdenleben 'allen läßt, der ihm mitten in Wechsel und Vergänglichkeit einen Zug von Größe und Ewigkeit verleiht und ihm bleibenden Wert und Inhalt sichert? Die Zeitgrenzen sind verwischt. Sanft auf den Schwingen des Gebet s und der Schofartöne werden wir fast unmerklich in die neue Zeit hinübergeleitet. Noch war das Herz voll freudiger und wehmutsvoller Erinnerungen und schon schlug es warm und mutvoll dem neuen Leven entgegen, noch waren nicht all die heiteren und trüben Bilder der Vergangenheit an unserem Geistesauge vorübergezrgen und schon tat sich ihm eine neue Welt von Wünschen, Hoffnungen und Plänen auf. So ist des Men chen Herz l eschaffen und so verlangt es auch das göttliche Schriftwort von seinem Bekenner, das des Juden Jahresbeginn als ,“721*1*1 jl“13T bezeichnet, als einen Tag, der der Erinnerung, dem Rückblick auf das zurückgelegte Leben gewidmit ist, doch andererseits auch «ine n21*ifi/ einen Weck- und Kampfruf bedeutet, unser Auge auf die Zukunft lenkt, auf das neue noch geheimnisvoll uns entgegenziehende Leben; den Tag aber, der der Sühne geweiht ist, den D'HlpSn 01’ für die Verkündigung des Jovelerlaffes durch die Teruaschofartöne vorsieht. Die Tage, die all die Erinnerungen an eine liebgewordene Vergangenheit in uns wachrufen, fordern uns zugltich zum sittlichen Kampfe auf gegen Verirrungen und Verfehlungen, zum Verlaffen und Aufgeben alter uns liebge > ordener Gewohnheiten und von Gott nicht gebilligten Beziehungen. Und gewiß spricht es für die geschlossene Einheitlichke t unseres durch Tyotvaeist geweihten Lebens, daß der Schofarton, und speziell die n21*1P1, wie schon bemerkt, nicht allein im religiösen, sondern auch im sozialen Leben des Juden eine eminente Rolle spielt. „Was der Jo b a ls ch a ll am Jom Kippur für die sozialen Hvr'gkeitsbeziehungen von Me schen und Gütern bedeutet, das be deutet 'des Schofars Ruf an» Jahresanfang für die sittliche Beziehung des Menschen zu Gort. Die jährliche pf21“in am Jahresbeginne ladet zum sittlichen Jobal, wie die des fünfzigsten Jahres zum sozialen ruft. Wie diese, ruft sie uns zu Gott und damit zur sittlichen Fr iheit und in den Wiederbesitz aller von uns entäußerten ursprünglich uns ureigenen sittlichen Güter zurück." Denn zur Zeit der großen jüdischen Einheit, da gab s kein zenlüftetes, religiöses, polittsches oder soziales Leben, sollte es keine Z«rklüftung geben, es gab nur ein von einem Geiste getragenes und genährtes, alle Gebiete menschlichen Denkens und Schaffens umfaffendes jüdisches Leben. Und den «inen Geist, der das jüdische Leben beseelte, und heute noch bese len soll, will der Schofar an d esen Tagen wecken. Ob der Schofarton religiössittliche oder wie einst am TIM 01\ soziale Freiheit verkündet, der Grundton ist dettelbe, eine Aufforderung zur eigenen Tätigte t an uns se ber, ein Signal für die Rückkehr au > ftemder und entfremdender Hör gkeit, für die Rückgewinnung und Rettung unserer verloren gegebenen geistigen Güter. Verhallt sind des Schofars Töne in unseren Gottes- Häusern — nicht so aber in unseren Herzen, wo die n21*"lT der Weck- und Kampfesruf weiter sammelnd und zur mutvollen Tat anregend nachwirken soll. Die große Abrechnung, t2B2n s!212N, die der Jude in den Tagen der Buße mit sich vornimmt und die mit einer njppfl am Ausgange des Bersöhnungstages ausklingt, steht ganz unter dem Eindrücke -es Posaunenrufes, so wie der Jude, für den die heiligen Tage göttlicher Annäherung wohl mit Roschhaschonoh beginnen, aber mit dem Ausgange des Versöhnungstages nicht enden, das ganze Jahr hindurch dem göttlichen Rufe entgegenhorcht und dem großen Tag entgegenharrt, da Er „in die große Posaune stoßen wird", Freiheit, sittliche und soziale, erheischend, seine zerstreuten Söhne sammelnd und die Völker auf der Grundlage dzr Erkenntnis und Betätigung Seines Willens einigend und versöhnend. Einst crf afften auch am Jom Kippur die Teruaschofartöne, die wir auch heute noch am Tage der Versöhnung als ergreifenden Mahnruf an die Gesamtmenschheit vernehmen: fcHnS .“72112! 1S112 2N22T “1B112 1T22PI DniBSH DV»2 ttnr6 “111222 T'S 12.1 D22P1K S22-„Am Tage der Sühne laffet ihr Schofartöne durch euer ganzes Land ergehen." Gemei & 3)ie die Tü» laden v drang dem fd 'i’ii. N seines \ ps hell das Lu auf die sprec^n teute ir liehen j berge l 'iue St reden, z and Na Gedanke Elnr, bal Kr kehr!in Nac Glei rach Sb »teilen

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