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Der Israelit · 1909-09-15 · Heft 37 (15.9.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 37 (15.9.1909)
Date
1909-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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SD« JSraelit. Nr. 37. Seue 7 15. September ivou. Rockfchöße gehängt zu haben! Wir erklären demgegenüber, daß u n s die Tatsache der Ausstoßung A.'s aus dem Kreise der Zionisten durchaus fremd, und daß es uns ausschließlich darum zu tun war, dem Doppelspiel A/s als Vertrauensmann der russischen Polzei und der russischen Juden im * Interesse der Gesamtheit entgegenzutreten. Wir dürfen das Gleiche mit Sicherheit auch bei unserem Korrespondenten vorausfetzen. I st Herr A. bereits entlarvt, umso bester. In jedem Falle verdient die Form, in der das Zentralorgan der zionistischen Partei hier ohne jeden berechtigten Anlaß über die gesetzestreuen Kreise herfällt und sie durch Verdächtigung ihrer sittlichen Qualitäten zu beschimpfen versucht, die allerentschiedenste Zurückweisung. Leute, die in solcher Weise hetzen, haben das Recht verwirkt, sich als Verfechter der „jüdischen Einheit" aufzuspielen und sollten von den ruhiger denkenden Führern zur Ordnung gerufen werden. Berlin, 3. Septbr. Die beiden Berliner Antisemitenblätter, die „Staatsbürger-Zeitung" und das „Reich", sind so weit heruntergewirtfchaftet, daß sie trotz aller für sie vorgenommenen Sammlungen bei reichen Protektoren des Antisemitismus nicht mehr zu existieren vermögen. Sie sollen deshalb ganz in den Dienst des Konservatismus gestellt und künftig in der Druckerei der „Kreuzzeitung" gedruckt werden. Den reinen Antisemiten geht dieses Ende der hauptstädtischen antisemitischen Bewegung gegen den Strich. Es ist deshalb begreiflich, daß die Magdeburger „Sachsenschau" sich in ihrem Aerger folgenden schönen Nekrolog leistet: „Die Berliner S . . Wirtschaft hat dahin geführt, daß nun die „Staatsbürger-Zeitung" ihre Selbständigkeir völlig aufgibr. Wie jetzt erzählt wird, sollen die Schwesterblättcr „Staatsbürger-Zeitung" und „Reich" vom Oktober ab in der Druckerei der „Kreuzzeitung" hergestellt werden . . . Daß es in Berlin soweit kommen konnte, dafür ntögen sich die Antisemiten bei gewissen bekannten „Führern ', in erster Linie aber bei stch selbst bedankeit. Was diese „Führer", welche ehedem von den (Gesinnungsgenossen in den Himmel gehoben wurden, an Wirtschaft geleistet haben, das ist aus keine Bullenhaut zu schreiben. Schließlich mö^en sich die Gesinnungsgenossen die Hauptschuld selbst zuschreiben. Wer fand am meisten Gehör und Unterstützung?' Immer die großen Schwadroneure, die den Massen' etlvas vorblümeln konnten, aber nicht die ruhigen, ehrlichen, verständigen Männer. Deshalb war es den ehrlichen Leuten nicht möglich, jene Schwadroneure auszumerzen und die Bewegung solide aufzubauen. Jetzt geht die Ernte dieser S . . Wirtschaft herrlich auf." Wo sind die ruhigen, ehrlichen, verständigen Männer im Antisemitenlager? In der Redaktion der „Sachsenschau" sind sie, nach dem Tone, in welchem man dort von den eigenen Gesinnungsgenossen spricht, zu schließen, auch nicht zu finden. ' Würzburg, 7. September. Was in der ersten stürmisch-bewegten Tagung an 13. Juni so erfolgverheißend begonnen — in der zweiten Tagung, die am Sonntag, 5. Sept. ebenfalls in Würzburg stattfand, ward's auch mit Gottes Hilfe vollendet: „der „Verein für die Interessen des gesetzestreuen Judentums in Bayern" (e. B)." ist nun gegründet, und wird hoffentlich gegründet sein für lange Dauer! (D'öir Otf1? JTD3D D'pnn^ nsiD) und einheitlich war die Stimmung während des ganzen Verlaufs, ernst und im Ganzen friedlich: das vorläufige Fehlen der orthodoxen Vertreter aus München war der einzige Mißton, der anfangs die Harmonie zu stören vermochte. Schmerzlich bedauerten es fast alle Anwesenden, und einstimmig sprach man die sicher berechtigte Erwartung aus, daß sich die „Münchener" bald anschließen werden. Es wurde auch bemerkt, daß eigentlich nur Unter- und Mittelfranken vertreten war. Doch zählt der junge Verein jetzt schon beinahe 1000 Personen, da die bayerischen Mitglieder der „Freien Vereinigung" ohnedies schon als ausgenommen gelten. Nach den trefflichen Begrüßungsworten (Thema: "pW JO 'ilK ’öip) des Herrn Distrikt-Rabbiners N. Bamberger — Würzburg, übernahm Herr Distrikt-Rabbiner Dr. P. K ohn- Ansbach, der schon in der früheren Versammlung durch seine umsichtige Leitung und siegreiche Beredsamkeit ungeteilte Bewunderung ausgelöft hatte, mit Energie die Geschäftsführung. Es wurde in eine längere Spezialdebatte über einen vorgelegten Statutenentwurf eingegangen, die auch wirklich einige prinzipielle Fragen klärte. Hervorzuheben ist, daß jede jüdische Einzelperson, die das gesetzestreue Judentum Mördern will, durch den absichtlich kleinen Jahresbetrag von 0,50 Mk. die Mitgliedschaft erwerben kann. Verhältnismäßig spät kam man erst zur Wahl des Verwaltungsausschusses, der aus 36 Personen, darunter recht vielen Laien, bestehen soll. Das Ergebnis dieser geheimen Wahl ist noch nicht bekannt. Durch Akklamation wurde darauf eine Arbeitskommission für das bevorstehende Revisionswerk berufen und mit dem Rechte der Zuwahl ausgestattet. Obwohl in der späten Stunde das Interesse der Versammelten ziemlich ermüdet war, hielt auf lebhaft geäußerten Wunsch Herr Distriktrabbiner Dr. S.Stein- Schweinsurt ein ausführliches Referat über: „Wesen des liberalen Judentums und Stellung zur liberalen Vereinigung". In formvollendeter und klarer, überzeugender Rede wies der Vortragende einerseits den negativen und negierenden Charakter der Neologie und die Haltlosigkeit eines solchen „Judentums" nach, andererseits deutete er auf die Gefahren hin, die für den sittlichen Schutz des Einzelnen und für den Körper des ganzen Judentums aus den liberalen Lehren erwachsen und noch erwachsen könnten. Zum Schluffe zeigte er, wie der Neologie entgegenzutreten seidenn die Orthodoxie dürste sich nicht auf die Verteidigung beschränken, sondern müsse die Offensive ergreifen. Näher aus den wirklich ausgezeichneten Bortrag, der auch sehr sachlich gehalten war, einzugehen, ist in kurzen Worten nicht recht möglich. Es sei nur gesagt, daß er mit spontanem Beifall ausgenommen wurde. Allseits wurde der Wunsch laut, die gediegene Abhandlung gedruckt zu sehen; und es ward auch gleich die Drucklegung des Vortrages beschlossen, um diesen als wirksames Propagandamitteln zu benützen. (Wir kommen auf die Situation in Bayern demnächst zurück. Red. d. Jsr.) Lemberg, 10. Sept. An Stelle des verstorbenen Landtagsabgeordneten Fruchtmann wurde der galizische Landmannminister Dr. Dulemba mit überwiegender Majorität gewählt. In seiner Kandidatenrede vor der Wahl streifte der Minister auch die Judenfrage. Die einzige Lösung der Judensrage, sagte der Minister, ist, wenn sie überhaupt existiert, die gänzliche Gleichberechtigung der Juden mit der übrigen Bevölkerung. Als Beweis dafür, daß das Land sich für die Lage der Juden interessiere, sei eben die Enquete über die 'Notlage der galizischen Juden, deren Einberufung der Landtag beschlossen hat." Im Auditorium befanden sich Juden, die mit dieser mageren Erklärung des Ministers und nunmehrigen Landtagsabgeordneten der von Juden dicht bewohnten Stadt Stryj nicht zufrieden waren und sie richteten an den Redner einige Anfragen. So interpellierte Dr. Schiss, wie es komme, daß in keiner Landesanstalt jüdische Beamte eingestellt werden, obgleich die Juden in eminenter Weile zur Entwicklung des Landes beitragen und trotzdem es allerorten anerkannt wird, daß die jüdischen Beamten ihre Pflichten in mustergültiger Weise erfüllen. Ferner fragte Dr. Schiff, woher es komme, daß der Minister die Schänkefrage, durch welche die Existenz tausender jüdischer Familien berührt werde, auch mit keinem Worte erwähnt habe. Auf die erste Frage antwortete der Minister, daß er seinen ganzen Einfluß anwenden wolle, damit die Gleichberechtigung auch in der Praxis durchgesührt werde, und daß man bei Anstellung von Beamten sich von der Religion des Bewerbers nicht beeinflußen lasse. Hinsichtlich der Schänkerfrage meinte Minister Dulemba, die Angelegenheit sei gar nicht so schlimm, wie allgemein angenommen wird und Eigentümer zurückzustellen. 4. Wer von der Bedrückung der Armen, Waisen und Witwen lebt, die da ungekanm und unstüt ein trauriges Dasein führen. 5. Wer Bestechung annimmt, um das Recht zu beugen. Bei fünf Sünden ist man gewöhnlich nicht bestrebt Rückkehr zu üben, weil man sie meist für geringfügig oder überhaupt nicht für Unrecht hält. 1. Wer sich zu einer Mahlzeit setzt, die für den Wirt selber nicht reicht. 2. Wer das Pfand" des Armen gebraucht. 3. Wer seine Blicke schamlos schweifen läßt in der Meinung, er tue damit noch nichts. 4. Wer durch Herabsetzung seines Nächsten sich Achtung verschafft, ohne daß dieser es erfährt. 5. Wer unbescholtene Personen verdächtigt. Fünf Sünden können einem so sehr zur Gewohnheit werden, daß es schwer fällt, sie zu unterlassen, darum soll man auch nicht das geringste davon an sich haften lasien, sie alle sind Aeußerungen eines sehr schlimmen Charakters: Klatschsucht, Verleumdung, Jähzorn, der Ränkeschmied und wer mit dem Frevler gemeinsame Sache macht. Obgleich in allen diesen und ähnlichen Fällen die Rückkehr erschwert ist, so ist sie doch nicht unniöglich. Wer daher von diesen Sünden umk hrt, ist ein Bußfertiger und hat Anteil anr künftigen Leben. Stets betrachte sich der Mensch, wie wenn ec dem Tode nahe wäre und vielleicht sofort sterben könnte, während er noch in seiner Sünde verharrt. Darum kehre er sofort von seinen Sünden um und spreche nicht: Wenn ich alt bin, werde ich mich besiern. Vielleicht stirbt er vor dem Aller. Darum sagt Sftomo in seiner Weisheit : „Zu jeder Zeit seien deine Gewänder weiß." Der Büßende meine nicht, er sei wegen seiner Sünden von der Stufe der Frommen verstoßen. Es ist nicht so, sondern er ist so lieb und wert vor dem Schöpfer, wie wenn er nie gesündigt hätte. Das Glück, das für i ie Frommen ausbewahrt ist, ist das künftige Leben, ein Leben, womit kein Tod verbunden, rin Glück, frei von allem Leide.' Daraus heißt es in der Thora: „Damit es dir wobl ergehe und du lange lebst." Rach der lleberliererung wird dies gedeute: aus die Welt, die voller Glück ist, aus die Welt, die von vollkommener Dauer ist, das ist das künftige Leben. Die Fronrmen werden dieses Glückes reilhastig, die Strafe der Frevler ist, daß sie dieses Lebens nicht teilhaftig werden, sondern entwurzelt werden und sterben. Warum beißt es nun aber in der Thora überall: Wenn ihr gehorchet, wird euch dieses treffen, ivenn ihr nicht gehorchet, wird euch jenes treffen, lauter Dinge des gegenwärtigen irdische n Daseins, z. B. Sättigung, Hunger, Krieg, Frieden, Herrschaft, Untertänigkeit, Wohnen in der Heimat, Verbannung, Erfolg der Arbeit, Mißerfolg und alle die sonstigen Verheißungen des göttlichen Bundes? Alles dieses ist in Wirklichkeit geschehen und geschieht auch ferner. Wenn wir alle Gebote der Thora erfüllen, dann erlangen wir alles irdische Glück, und wenn wir sie übertreten, trifft uits das angekündigte Unheil. Aber trotzdem ist jenes Glück nicht der endgültig: Lohn für die Pflichterfüllung und jenes Unglück nicht die endgültige Strafe für die Nichterfüllung.' Vielmehr ist die Klärung der ^ache also. Gott hat uns diese Thora gegeben. Sie ist ein Baum des Lebens und wer alles Borgeschriebene hält und sie mit der ganzen Kraft seines Geistes ersaßt, erlangt dadurch das ewige Leben und zwar gemäß dem Werte seiner Taten und semes Wissens. Er hat uns nun in der Thora zugesichert, daß, wenn wir sie mit Freudigkeit und in Herzensbeglückung erfüllen und über ihre Weisheit beständig sinnen, Er alles von uns fern halten wird, was uns in der Ausübung der Thora stört, wie etwa Krankheit, Krieg, Hungersnot und dergleichen, und daß Er uns reichlich überschütten wird mit allen Gaben des Glückes, die uns fördern, die Thora zu halten, z. B. mit Sättigung, Frieden, Reichtum, damit wir nicht unser Leben lang für unsere leiblichen Bedürfniffe zu sorgen brauchen, sondern frei bleiben, Weishe't zu lernen und die Gebote zu erfüllen, so daß wir des ewigen Lebens würdig werden können. So erlangt man ein doppeltes Heil, das gegenwärtige zeitliche, das zum kültftigen ewigen führt. Denn würde man hier nicht Weisheit erlangen und gute Werke ausüben, e > käme keine Gelegenheit mehr, Ver.ienste zu erwerben, wie es heißt: Denn nicht Leistung, noch Klugbeir, noch Kenntnis, noch Weisbeit gibt es mehr in der Gruft. Wenn ibr aber den Einigen verlasset und euch versündiget durch Esten, Trinken, Ausschweifung nnd dergleichen, dann bringt Er über euch alle diese Flüche und hält allen Segen fern, so daß eure Tage in Verstörtheit und Angst dahingehen und euer Geist uicht frei und euer Körper nicht stark ist, die Gebote zu erfüllen, und ihr des künftig -n Lebens verlustig gehet, dann habt ibr also zwei Welten eingebüßt. Darum ersehnt Israel, ersehnen seine Propheten, seine Weisen, die Zeiten des Messias, damit sie Ruhe haben vor jeglicher Fremdherrschaft, dre sie nicht gehörig Thora lernen und ih e Pflichten üben läßt, und damit sie Muße finden und an Weisheit zunehmen, so daß sie des künftigen Lebens würdig werden können. Denn in jenen Tagen wird die Erkenntnis, die Weisheit und die Wahrheit sich ausbreiten, wie es heißt: „Denn die Erde wird von der Erkenntnis des Ewigen voll sein." Und es heißt: „Keiner wird mehr den anderen zu belehren brauchen, indem er sprich: Erkennet den Ewigen. Denn alle werden mich erkennen." Auch heißt es: „Ich werde das Herz von Stein aus eurem Leibe entfernen." Tenn jener König, der einst vom Stamme Davids erstehen wird, wird ein Mann von Weisheit sein, größer als Salomo, ein großer Prophet, nahe unserm Lehrer Moses. Daher wird er das ganze Volk belehren und es auf den Weg des Ewigen weisen. Dann werden auch alle Völker kommen, ihn zu hören, wie es heißt: „Am Ende der Tage, da wird der Berg des Ewigen gegründet sein an der Spitze aller Berge." Der eigentliche Lohn aber und das letzte Glück, das ununterbrochen und unverringerr währen wird, ist das Leben der künftigen Welt.

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