Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1909)
- Date
- 1909-09-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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'■ ~-».A - ' w:-? * * - ' --n - -;'/•' ••?•. ' - -i'.V mMb Organ des Bundes gesebesfreuer jüdisdier Lehrer Deutschlands. ) L b Augenblidtsbilder von der Konferenz des bayrischen „unabhängigen“ Cebreroereins. I. Wir wollen dem offiziellen Protokoll nicht vorgreifen und wir müssen uns deshalb begnügen, nur Eindrücke und Stimmungen wiederzugeben, die wir von der Versammlung in Schweinfurt, der rebenumkränzten Mainstadt, empfangen haben. Eine Empfindung drängte sich uns bei allen Verhandlungen aus: es ist nicht so ganz unberechtigt, wenn sich die Bayern als die wahren Unabhängigen bezeichnen. Sie werden nicht nach rechts umfallen in jener Weise, wie unsere tapferen, aber sehr blinden Hessen und nicht nach links wie die berühmten „Mnf", die schon auf ein liberales Stirnrunzeln hin in sich zusammenknickten. Auch äußerlich dokumentierte sich diese Selbständigkeit. Auf der Tagesordnung der sechs Tage später in Würzburg tagenden Versammlung -es Vereins für die Interessen des gesetzestreüen Judentums in Bayern stand als vierter Punkt: Wahl einer Kommission zur Ausarbeitung von Grundsätzen für die Revision des Judenedikts von 1813; hier präsentierte uns ein Verein, der in seiner übergroßen Mehrheit ans demselben Boden steht, einen bereits fertigen Gesetzentwurf. Auch die einstimmig erfolgte Annahme der Resolution gehört in dieses Kapitel. II. Wenn Versammlungen offiziell begrüßt werden, so gilt es als selbstverständlich, daß ihnen nur Angenehmes gesagt wird, und besonders der Lehrerstand ist es gewohnt, daß er bei solchen Gelegenheiten recht schmeichelhafte Dinge über seine Bedeutung und über den Segen seiner Wirksamkeit hört. Was uns der Vertreter der Kultusgemeinde Schweinfurt, Herr Rechtsanwalt Dr. Hommel, der Lehrersohn mit den klugen Augen und dem warmen jüdischen Herzen, in seiner Begrüßung bot, stand viel, viel höher. Es war mehr ein Plaidoyer, von dem wir nur gewünscht hätten, daß es eine größere Zuhörerschaft gehabt hätte. Er wies die Gemeinsamkeit der Interessen von Gemeinden und Lehrern nach, wies nach, daß in der Forderung einer anständigen Bezahlung und würdigen Behandlung nicht nur keine Schädigung, sondern eine Förderung der Gemeindeinteressen liege. Während er sprach, kam uns eine kleine Szene in Erinnerung, die sich vor zirka 7 Jahren in einem jüdischen Restaurant der Schweiz an einem Sabbath zutrug. Ein Lehrer hatte soeben das Tischgebet vorgetragen; da stand Herr -I Rechtsanwalt Dr. Hommel auf, drückte ihm warm die Hand und sagte ihm ein herzliches ro IV Wir geben ihm hiermit diesen Dank zurück. Seine freundlichen Worte haben uns sehr wohlgetan, und wir sind überzeugt, er wird sie gegebenenfalls auch in Taten umsetzen. III. Solche verlangen nämlich die bayrischen Lehrer mit Ungestünk. Sie dürfen freilich nicht von der Art sein, wie sie Herr Distriktsrabbiner Dr. Bamberger, Kissingen, ankündigte, indem er den festen Entschluß ausdrückte, bei der Regierung um die Zulassung ungeprüfter Lehrer nachzusuchen, eine Ankündigung, welche die Lehrer sehr erbitterte. Man kann der Ansicht sein, daß für die deutschen Ostprovinzen ein fühlbarer Mangel an regulär vorgebildeten Lehrkräften besteht. Das trifft aber für Bechern auf keinen Fall zu. Hier fehlt es keineswegs an „Arbeitswilligen". Hier kann der ungeprüfte Lehrer nur als „Preisdrttcker" wirken, wenn das überhaupt möglich ist, da die „Arbeitslöhne" ja den denkbar niedrigsten Stand erreicht haben. Für 487 deutsche Reichsmark kann kann man das Recht erwerben, Lehrer, Kantor und Schochet in Gochsheim und dem 3 Kilomtr. davon entfernten Schwebheim zu werden! In dem Augenblick, wo die bayrischen Lehrer so schwer um ihre Existenz ringen, müssen sie das Bestreben, das Niveau des Lehrerstandes durch ungeprüfte Lehrkräfte gewaltsam herabzudrücken, als offene Feindseligkeit ansehen, als einen Versuch, ihnen bei ihrem gerechten Kampfe in den Rücken zu fallen. Das wäre ein etwas seltsames Präludium für die Revision des bayrischen Judenedikts. IV. Die Revision! Sie beherrschte die Gemüter. Alles andere war nur Verbrämung. Auch der einstimmig angenommene Antrag Translateur, die Ausarbeitung eines Normalanstellungsvertrags für bayrische Religionslehrer betreffend, hieb in dieselbe Kerbe. Man empfand eine lebhafte Befriedigung darüber, als man auf seinem Platze den obenerwähnten fertigen Gesetzentwurf vvrfand. Auf der jüngsten Tagung des D. I. G.-B. verkündete der stellvertretende Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Blau, Frankfurt, mit ironischer Betonung: ,cher Vertreter von Langendiebach hat das Wort." Der zeigte ihm aber sofort, was eine Harke ist. Mit einem geringschätzigen Lächeln auf den Lippen wird vielleicht auch mancher justizrätliche Gemeindegewaltige das Schriftstück zur Hand nehmen, das dem Hauptreferate zu Grunde lag: Entwurf eines Gesetzes, die Verhältnisse der Juden in Bayern betreffend . . . von Hirsch Oppenheimer, Lehrerin Laudenbach bei Karstadt. Man spare sich den Spott: die Arbeit ist wahrlich nicht schlechter als die von Justiz- und Landgerichtsräten. Wir wollen kein Wort über sie verlieren. Auch wenn sie nur eiiti Eintagsfliege sein sollte, so hat sie doch ihren Zweck erfüllt. Sie hat vor allem gezeigt, daß die Lehrer geivillt sind, die Autorität der Rabbiner aufrechtzuerhalten. Sie können freilich auch verlangen, daß diese Schulter an Schulter mit ihnen kämpfen, soweit es gilt, für den Lehrerstand günstigere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Für die Lehrer ist die Revision eine Lebensfrage, und sie sind entschlossen, dafür zu sorgen, daß diese Bewegung nicht im Sande verlaufe; darüber herrscht volle Einmütigkeit. V. In untergeordneten Punkten mag man verschiedener Meinung sein. So hatten wir in unserem vorjährigen Bericht von einem Lohnkampf gesprochen und demgegenüber die Pflege der idealen Aufgaben des Lehrerstandes betont. Dem zweiten Referenten, Herrn Dingselder, München, hat dieser Ausdruck recht mißfallen. Wir wissen nun sehr wohl, daß in allen diesen Bestrebungen ein hohes sittliches und ideales Moment liegt und wir haben gar nichts dagegen einzuweuden, wenn man diese Kämpfe euphemistisch als „das Ringen um unseren Platz an der Sonne" bezeichnet. Aber wir hassen jede Verschleierung. Wir wollten mit dem obigen Ausdruck den rein sachlichen Standpunkt Herausstellen und wir möchten auch heute nur den sehr verzeihlichen Wunsch äußern, daß, wenn man alle Jahre einmal zusammenkommt, nicht ausschließlich über Kassenwesen, Gehaltsfragen und dergl. debattiert werde. -:4 -j I 1 1 VI. Zudem ist wirklich schon alles gesagt worden, was sich über diese Angelegenheiten an sachlichen Momenten Vorbringen läßt. Das zeigte sich am deutlichsten auch darin, daß in der Debatte nicht ein einziger neuer Gedanke zum Vorschein kam. Man hätte gar nichts verloren, wenn man sofort nach den Referaten zur Abstimmung über die Resolution geschritten wäre. Diese hat folgenden Wortlaut: Die am 30. 9lug. in Schweinfurt tagende Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern beschließt: In Uebereinstimmung mit den Ausführungen und Forderungen der beiden Referenten Oppenheimer und Dingselder hält die Generalversammlung im Interesse der israelitischen Kultusgemeinden und ihrer Beamten eine Revision des Judenedikts vom 10. Juni 1813 mit der Errichtung einer Zentralkaffe für notwendig und unaufschiebbar. Die Generalversammlung wählt eine Kommission mit dem Rechte der Zuwahl, beauftragt dieselbe, das Material zu einem Gesetzentwurf auf Grundlage der erstatteten Referate vorzubereiten und den maß-