Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1909)
- Date
- 1909-09-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Nr. 86 __ gebendeir Faktoren, insbesondere der Königlichen Staatsregierung und den beiden hohen Häusern des Landtagsin Vorlage zu bringen." Diese Resolution wurde, wie schon erwähnt, einstimmig angenommen. VE. Daß auch die äußere Umrahmung einer Versammlung zu ihrem günstigen Verlauf beitragen kann, daS hat sich beesonders in Schweinsurt gezeigt. Die prachtvollen Räume des neuerbauten Hotels Central (Besitzer L. Straußer), die jeder Großstadt zur Zierde gereichen würden und die vorzügliche Verpflegung daselbst wirkten belebend auf alle Teilnehmer, deren Zahl sich auf etwa 120 belief. Wenn einmal ein Baedeker durch die jüdischen Restaurants erscheinen sollte, so wird er dem Hotel Central gleich m e h - rere Sternchen gewähren müssen. Das israelitische Lehrerseminar in £81» a. Rb. (Fortsetzung.) Wohl war durch die im Jahre 1901 er» folgte Berufung des Herrn Lehrer Gut — eines früheren Zöglings der Anstalt — in den Lehrkörper des Seminars frisches Blut gekommen, aber bald machten sich, dennoch große Personaländerungen unabweisbar notwendig. Der Direktor, ein selbst in früheren Jahren körperlich schwächlicher Herr, war bei seinem patriarchalischen Alter den Anstrengungen seines Amtes, wenn auch geistig, so doch physisch nicht mehr gewachsen. Schweren Herzens trat er anfangs 1903 in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Schüler, auch die aus den vorherigen Wirkungsorten, deren Herzen mit denr feinen in Liebe verbunden waren, denen er nie der strenge Lehrer, sondern ein väterlicher Freundgewesen*), hatten wenige Jahre vorher aus Anlaß seines 80. Geburtstages eine Sammlung veranstaltet, die den Grundstock zu einer „Dr. Hirsch Plato - Stipendienstiftung" bildet und durch die sein Namen auf unabsehbare Zeiten mit dem Seminare verbunden bleiben wird. 2 Jahre später, am 26. Mäkz 1905, mußte auch — hauptsächlich infolge eines Gehörleidens — Herr Schwarzschild von der Anstalt zurücktreten, „der er in 35jähriger Wirksamkeit mit hingebender Treue und unermüdlichem Fleiße gedient", wie ihm sein Direktor bezeugt. Nur zwei Jahre konnte er sich des wohlverdienten Ruhestandes freuen - am 30. März 1907 ging er nach schwerer Krankheit in die himml'.sche Seligkeit ein, tief betrauert von seinen Schülern, die ihm für ihre Berufstätigkeit viel zu verdanken haben. „Was waren uns unsere beiden Lehrer, und in welcher Weise lebt ihr Bild in uns fort?" hat sich mancher Cölner schon gefragt. Abgesehen davon, daß sie großes Wissen besaßen, lebten sie uns die Religiosität vor) sie waren uns ein Muster der Berufstreue und Gewiffenhaftigkeir, die auch das Kleinste nicht zu gering achtet, und insbesondere der alles tragenden Liebe. Blickten wir zu Herrn Dr. Plato gewissermaßen wie zu einem Vater empor, so war uns Herr Schwarzschild sozusagen der mitstrebende Studiengenosse) von einer engherzigen Pedanterie war nichts zu verspüren, und gerade dadurch herrschte ein guter Geist in der Anstalt. Nicht versagen kann ich es mir, das früher schon angedeutete Urteil eines Fachmannes an dieser Stelle anzuführen. Im Sommer 1875 hatte der Königl. Kreisschuliuspektor Profesior Dr. Rinck in Cöln eine äußerst eingehende mehrtägige Prüfung abgehalten. In dem von ihm der Königl. Regierung und wohl auch dem Kuratorium des Seminars erstatteten ausführlichen Berichte heißt es am Schluffe: „Der Dirigent der Anstalt, Herr Dr. Plato, *) DaS gab sich tu früheren Jahren auch äußerlich tn der Anrede der Seminaristen durch das trauiiche„Du" kund. Der JSraeltr. ist meines Erachtens im Besitze einer reichen wiffenschaftlichen Bildung, welche auf der bestdenkbaren Grundlage, einem tiefen philosophischen Wissen, gepaart mit gründlicher, religiöser Weltanschauung ruht. Herr Lehrer Schwarzschild verbindet mit gründlicher wissenschaftlicher Vorbildung im Allgemeinen ein reiches grammatisches Wissen und eine Bildung in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern, wie sie mir selten gründlicher begegnet ist. Beide Herren sind Schulmänner im besten Sinne des Wortes, das heißt, sie verstehen es, mit inniger Liebe und Begeisterung ihre wissenschaftlichen Schätze den Zöglingen der ihnen vertrauten Anstalt methodisch zu eröffnen und systematisch mitzuteilen." Anschließend an dieses Ehrenzeugnis bemerke ich noch, daß in der Tat gerade in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern — selbstverständlich ohne Vernachlässigung der übrigen Disziplinen — so Hervorragendes geleistet wurde, daß z. B. einer meiner Klassenbrüder Primanern des Gymnasiums bei geometrischen Konstruktionen helfen konnte, einem andern erklärte der Lehrer des katholischen Seminars zu Br. bei der Abgangsprüfung, daß er die Kenntnisse für die Mittelschullehrerprüfung in Mathematik und Naturwissenschaften besäße. Auch sonst herrschte ein reges wissenschaftliches Streben unter den Seminaristen. Mit dem Beginn des Schuljahres 1904 übernahm Herr Rabbiner Dr. Carlebach aus Memel das Direktorat. In kurzer Zeit hat er Großes für die EntwiHlung des Seminars gewirkt, so daß dieses, wenn es auf der betretenen Bahn fortschreitet und mit dem bewährten Alten das unabweisbare Neue auch fernerhin verbindet, mit der Zeit eine Musteranstalt werden wird. Es wurde zunächst das Lehrerkollegium vermehrt, so daß gegenwärtig fünf vollbeschäftigte und drei Fachlehrer an demselben unterrichten) die Errichtung einer früher schmerzlich vermißten Uebungsschule mit einem eigens dafür angestellten Ordinarius ist ein weiterer Schritt der Reorganisation. Ein in die Praxis umgesetzter glücklicher Gedanke ist die Einführung eines vierten Seminarjahres, in dem die Zöglinge nach bestandener Bolksschullehrerprüfung speziell in den Disziplinen des Religionsunterrichts, im Kantorate, in der Schechitah usw. ausgebildet werden. Ueber den erfolgreichen Besuch dieses „Fortbildungskursus" erhält jeder Zögling nach vorangegangener Entlaffungsprüfung ein Befähigungszeugnis. Ein weiteres intensives Streben des jetzigen Herrn Direktors ist darauf gerichtet, die Berechtigung zur Abhaltung der Abgangsprüfung und Ausstellung zu staatlicher Anstellung berechtigender Prüfungszeugniffe zu erhalten. Es ist unnötig darauf hinzuweisen, von welch hohem Werte diese Berechtigung für die Anstalt wäre. Der Vollständigkeit halber möchte ich auch die Kaffenverhältniffe nicht übergehen, um an ihnen die finanzielle Entwicklung der Anstalt zu zeigen. Bei der Gründung des Seminarvereins wurden ihm 3000 Taler als Kapitalstiftungen überwiesen und zwar 2000 Taler von dem schon erwähnten Herrn S. H. Prag in Düffeldorf und je 500 Taler von den Herren Hermann und Joseph Jsaac in Ruhrort,' beim Abschluß des Kassenberichtes pro 1906 besaß er zu bleibender Anlage ein Kapital von rund 213000 Mk., das aus dem Verkaufe der Harffschen Häuser und aus Jahrzeitstiftungen zusammengebracht worden ist. Diese scheinbar große Summe, von der jedoch nur die Zinserträgniffe verwendet werden dürfen, steht indessen mit dem Haushaltsvoranschläge durchaus in keinem Verhältnisse,' ist derselbe doch in seinen Ausgaben, die im Jahre 1867/8 einschließlich der Kosten der ersten Einrichtung 7350 Mk. betrugen, aus etwa 45000 Mk. — also das sechsfache — angewachsen, während der ersten Jahreseinnahme von rund 10000 Mk. 9. September 1909. im Jahre 1906 einschließlich der Zinseneinnahme und Unterhaltungsruschüffe für die Seminaristen nur rund 24000 Mk. — also kaum das 2 V, fache — gegenüberstanden: mit anderen Worten, die Betriebsausgaben im Jahre 1906 — wettere Berichte liegen noch nicht vor — betrugen nahezu das doppelte der Einnahmen (zirka 41000 Mk. : 23 500 Mk.). Solche Zustände sind selbstverständlich auf die Dauer unhaltbar, und alle Freunde des Seminars müssen deshalb dessen Finanzlage ihre Aufmerksamkeit und ihr tätiges Interesse zuwenden. Damit verbinde ich denn an die ehemaligen Zöglinge der Anstalt die Bitte, den der alma mater schuldigen Dank zum allerwenigsten durch Entrichtung eines Jahresbeitrages und wenn irgend möglich auch durch Gewinnung neuer Mitglieder zu bekunden. Mit Betrübnis erfüllt mich stets die Durchsicht der Jahresberichte, in denen so wenig Namen früherer Zöglinge zu lesen sind) im letzten Berichte waren es kaum zwanzig. Möchte dieser Mahnruf viel gelesen und beherzigt werden,! (Schluß folgt.) £omrponaenre««. kacblicbten. Hannover. Die S i m o n' s ch e Stiftung zu Hannover und der Deutsche Verein für ländliche Wohlsahrts- und HZmatpflege (Vorsitzender Professor Sohnrey) haben gemeinsam ein Buch herausgegeben „Der Schulgarten des In- und Auslandes", verfaßt von Lehrer Bernhard Cronberger in Frankfurt a. M. Der Verfasser ist der bekannte Vorsitzende des Vereins für Kleingartenbau. Diese hübsch ausgestattete Schrift, 244 Seiten stark ilnd mit 12 Gartenplänen versehen, kann vom Verlag der Deutschen Landbuchhandlung in Berlin bezogen werden. Die Schrift soll der Verbreitung von Schulgärten dienen und zwar von Schulgärten, mit denen nicht nur botanische Lehrzwecke verbunden sind, sondern in denen den Kindern im schulpflichtigen Alter gewisse Kenntnisse im Obst- und Gemüsebau vermittelt werden sollen. Hierzu bietet die vorliegende Schrift reichliche Anregung, indem sie bestehende Mustereinrichtungen schildert und Anleitungen gibt, wie ein Schulgarten einzurichten und zu bewirtschaften ist. Die Simonsche Stiftung hat es in der kurzen Zeit ihres Bestehens vermocht, die Gründung einer größeren Anzahl solcher Schulgärte n anjüdisch enLehrerseminaren, Inter »raten, Schulen, Erziehung»- anst alten der verschiedensten Art, zu verwirklichen. Ueberall sind damit gute Erfahrungen gemacht worden. Der gesamte Unterricht hat dadurch eine wünschenswerte Bereicherung erfahren, die Kinder haben durch diese gesunde Beschäftigung mancherlei Nützliches gelernt und insbesondere, wo es sich um kleine Gemeinden handelt, hat der Schulgarten-Unterricht auch schon dazu beigetragen, das Interesse der älteren Generation am Gartenbau zu vertiefen. Jüdische Lehrer, soweit sie sich auch dieser Lehrbetätigung gewidmet haben, haben von der Simonschen Stiftung namhafte Subventioiteit wh alten und einigen ist auch die Möglichkeit geboten worden, besondere Ausbildungskurse an Obst- und Gartenbau-Schulen mitzumachen, um sich die Fähigkeit zur Erteilung des Schulgarten-Unterrichts anzueignen. Bon der Verbreitung der. vorliegenden Schrift ist auch eine Verbreitung der Schulgärten an jüdischen Schulen zu erhoffen, die von der Simonschen Stiftung mit Rat und Tat gefördert wird. Jüdische Lehrer oder Unterrichtsanstalten, die sich für die vorliegende Schrift interessieren, können sie von der Simonschen Stiftung besonders billig beziehen. Ihre Lektüre sei allen empfohlen, denen eine möglichst vielseitige Erziehung unserer In gend am .Herzen liegt.