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Der Israelit · 1909-09-02 · Heft 35 (2.9.1909) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 35 (2.9.1909)
Date
1909-09-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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»eile 12. Nr. 85 Der JSraelir. 2. September 1909. namentlich bei der Poesie durchzuführen. Die Gefühlswelt der ersteren und namentlich die Gedankenwelt der letzteren greift doch so direkt in mein wollendes, fühlendes und denkendes Wesen ein, daß ich die Forderung rein „sinnenfälligen", anschauenden Genießens schon gewaltsam aus den bildenden Künsten hinübernehmen muß, um nicht vielmehr die Postulate meines sittlichen Fühlens, Woüens und Denkens als Maßstab von Genuß oder Mißvergnügen daran zu legen. (Fortsetzung folgt.) i-cherschau. Die fünf Bücher Mofis, mit nnpm versehen, von A. L. G o r d o n, Jerusalem 5669. Verlag Schönbaum u. März. In den sogen, modernen Kreisen in Erez Jisröel geht es leider nicht allein mit dem Studium, sondern auch mit dem Ansehen der Thora immer abwärts. In einer Verteidigungsschrift seitens des hebräischen GymnafimS zu Jaffa gegen die Anklagen, welche der „DttSrachi" in der bekannten Unterstützungsfrage vorgebracht ha', beißt es wörtlich: „Jeder, der die Schulen in Palästina kennt, weiß eS ganz genau, daß die Gymnasium-Lehrer zwar fern find von den „Melamdim der Talmud-Thoras und der Jeschiboth", wie der Osten vom Westen, aber niemand würde stch unterstehen, zu sagen, daß die Lehrer anderer Schulen . . . religiöser seien als die Lehrer des Gymnasiums." (Allgemeine jüdische Rundschau 5669, Nr. 18 S. 6, Spalte 2 unten.) Logisch ist der Einwand nicht, namentlich, wenn man sich vor Augen hält, daß er sich gegen den „Misrachi", der bis dahin keine Schulen subventioniert hat, richtet. Darin hat die Verteidigungsschrift recht, daß ein intensives Thora-Lehren leider nur noch in den rp'”Hn anzutreffen ist. Run aber leiden diese daran, daß viele der Melamdim mit der Grammatik zu wenig vertraut sind. Diesem Uebel tunlichst abzuhelsen, schwebte den Verlegern vor, indem sie fich zu einer neuen Herausgabe des Pentateuchs cmschlossen. Und sie haben fich für den richtigen Mann entschieden, indem sie Herrn Gordon mit der Arbeit betrauten. Chemiker vom Fach, ist Herr Gordon ein ebenso wahrer wie ausgezeichneter Schrittsteller und Grammatiker. Bon beidem legen seine bereits veröffentlichten Schriften Zeugnis ab. Bor 18 Jahren gab er eine kurzgefaßte hebräische Grammatik heraus: *HT1 0/ Wilna K"3“iri/ 35 u. VIII S. Bis Ijeute noch unübertroffen ist zumal sein WIM JT)b> Meisterhaft ist die Schrift, die er vor zehn Jahren herausgab: .-frWV.'im rölöRn p?n, Jerusalem fc"nn 66 S. In Briefform handelt sie über: Glauben, Vorsehung und Prophetie, gemäß den drei Fragen, die an chn gerichtet wurden. In gefügiger leichtfaßlicher Sprache gehalten, bieten die Abhandlungen eine reichliche Fülle zum überwiegenden Teil neuer, aus d:m Borne reinster und geklärter Ueberzeugung quillender Gedanken, mit mannigfachen Zitaten aus Talmud und Midrasch gestützt, die uns in Herrn Gordon auch den gewiegten Lamdon erkennen taffen. Daß er ein ebenso tüchtiger Exeget ist, bas ersehen wir nun aus den fYHjm D’ETUP/ mit welchen er den Pentateuch versah. Dte ersten drei Bücher, Gen. Exod. Lcv. liegen uns bereits gedruckt vor, denen aber dte zwei letzten bald folgen werden. Zum Lobe des Verlegers set hervorgehoben, daß den pädagogischen Anforderungen vollauf Rechnung getragen wurde. Dte Ausgabe ist ebenso korrekt wie schön. Zu bedauern ist bloß, daß Herr Gordon nebst den Wurzeln, nicht auch die Formen angegeven har. Sehr treffend find dte Erklärungen, dir er zu schwierigen Stellen bteret. Ich verweise hier besonders auf die ersten Abschnitte des Was Herr Gordon Andern entlehnt, ist mit Quellenangabe versehen. Hin und wieder wird auch der Altmeister S. R. Hirsch ty'w zitiert. Eine Bemerkung dürfte wohl am Platze sein. Gen. 28, 19, verglichen mit 12, 8, ist eine schwierige Stelle. Was Gordon hierzu zitiert, ist sehr gezwungen. Allein Betel hat eS zweie gegeben, wie schon Raschi (Josua 18, 13) hervorhebt, was auch später Estort Happorcht gedruckt Berlin 1852, S. 47—48) treffend bekräftigt. Das eine lag im Gebiete Benjamin, unweit Ai, während daS andere im Stamme Ephraim, fÜdwestl von Schiloh lag. Dieses hieß nun vormals Luz. So berichtet auch R. Benjamin von Tudela (cd. Grünhut J.1, S. 29): EE7E1 rb «'kl innoS DV Nun muß anstatt des verstümmelten das gar keinen Sinn gibt, gelesen werden. Gemeint ist Sinbschtl, daS etwa eine hatoe Stunde sudwejttlch von Schiloh liegt Damit stimmt Estori überein. Bon *rn ist bei R: Benjamin S. 40, dte Rede. Ais Schreiber der Talmud Thora fristet der gelehrte Verfasier ein kümmerliches Dasein. Möchte ihm das Werk wenigstens moralische Anerkennung bringen. Jerusalem. Dr. Grün Hut. Ekstatische Konfessionen. Bon Martin B u b e r. Jena 1909. Verlag von Eugen Diederichs. 238 und XXVIII S. Die religiösen Probleme begegnen heute einem Intereffe, das man noch vor wenigen Jahrzehnten nicht für möglich gehalten Härte. Bet der Beurteilung dieses Interesses find verschiedene Momente zu unterscheiden. Einmal ist cs der Rückschlag gegen den Materialismus, gegen die Ueberschätzung der äußeren Seite de8 Lebens; man beginnt zu erkennen oder zu fühlen, daß Dampfmaschinen und Automobile dem innersten Wesen des Menschen k ine Befriedigung gewähren können. Dazu aber kommt das Streben, sich von den „orientalischen Symbolen", von dem erdichteten „Rachegott" loszumachen, eine „deutsche" Religion zu schaffen. Man lenkt dabei den Blick auf die deutsche Mystik, auf Jakob Böbme, Meister Ekkehart u. a. Und hier liegt nun eine Gefahr für dte ganze religiöse Bewegung. Denn so wenig das mystische Element in der Religion entbehrt werden kann, so wenig darf verkannt werden, daß dieses Element immer nur etwas Subjektives darstellt. Und wenn „ein resoluter Verzicht auf jüdisch-transzendente Spekulationen und dafür eine große Wahrheitsliebe, um die Stimme Gottes in der Brust, d"s Gewissen freizuhalten" verlangt wird, so ist nicht abzusehen, wie daraus ein lebendiger Faktor?ur Förderung der Religion im allgemeinen hervorgehea oll. Es ist vielmehr zu befürchten, daß durch ein Ueberhandnehmen der Mystik dte religiöse Bewegung überhaupt in Mißkredit gebracht wird. Auch das vorliegende Buch scheint mir einen Schritt aus diesem gefährlichen Wege zu bedeuten. „Ekstatische Konfesfionen", schon der Titel klingt mystisch. Der Verfasser will dte Bekenntnisse von Menschen darstellen, die eine Art Verzückung, ein Hinaustreten (Ekstasts) aus dem Bewußtsein, Bistonen gehabt haben oder gehabt zu haben vorgeben. Er sagt in der Vorrede: „Der Ekstatiker mag psychologisch, physiologisch, pathologisch erklärt werden,- uns itt das wesentlich, was jenseits der Erklärung bleibt: sein Erlebnis Hier hören wir nicht den Begriff n zu, dte Ordnung schaffen wollen auch noch in den dunkelsten Verstecken, wir lauschen dem Sprechen eines Menschen von seiner Seele und von seiner Seele unaussprechlichstem Geheimnis. Es ist wie mit der Freiheit des Willens. Gewiß, die große Weltorientierung darf keine Lücke haben. Gewiß, alles ist determiniert. Aber dieser Mensch hat sich frei gefühlt. Widerlegt sein Gefühl mit euren Begriffen! Beweist, daß sein Gefühl eine Täuschung ist usw." Das ist ein sehr bedenklicher Standpunkt. Bei der Freiheit des Willens handelt es fich um ein allgemeines Gefühl, und die Frage ist, ob diesem Gefühl eine Realität zu Grunde liegt. Bet der Ekstase aber find rein subjektive Gefühle der Gegenstand der Betrachtung, und da ist es gar nicht gleichgilttg, ob diese Gefühle etwa pathologisä er Herkunft sind. Sonst könnte man auch die „Konfesfionen- Geisteskranker zum Gegenstand solcher Untersuchungen machendenn auch der Irre fühlt fich" als der Zar von Rußland oder als der Kaiser von China. — Ich will damit natürlich nur den Slandpunk als solchen kennzeichnen und nicht etwa sagen, daß alle in diesem Buche zusammengestellten Bekenntnisse so zu bewerten sind. Aber manches darin Mttgeteitte gehört sicher ins Gebiet des Pathologischenich rechne hierher besonders dte Bekenntnisse von Nonnen, die einen sehr breiten Raum einnehmen. Es ist auch für den Laien unschwer etnzusehen, daß das Klosterleben mit seinem beständigen Beten und den asketischen Uebungen gerade bei dem weiblichen Geschlecht mit seiner letctjt erregbaren Phantasie den Geist in einen abnormen, krankhaft hysterischen Zustand versetzt. Es ist in dem Buche übrigens auch manches Interessante: die Darstellung der Art, wie dte Ekstase bet den verschiedenen Völkern und Religionen fich äußert bei den Indern, im Islam, bet dsn Neuplatontkern, den Gnostikern und im Mönchtum. Im Anhang werden auch einige Aeußerungen aus dem Chasfidtsmus wiedergegeben. Dr. I. U. Die Quelle« zu Hausss „Jud Sütz". Von Dr. phrl. Albert Mannheimer. Gießen 1909. Es liegt ein eigener Retz darin, den Dichter beim Schaff n u belauschen, ihm nachzuspüren, woher sein Werk entstanden, aus welchen Bausteinen er ein literarisches Monument zusammengesetzt, und so schließlich auch vor dem Undefinierten und undefinierbaren „gewissen Etwas" Halt machen zu müssen, das dte Dichtung heraushebr aus dem Rahmen der einfachen Erzählung eines Historismen Ereignisses. Den Literarhistoriker besonders anztrhen müffen die Stoffe, die umstrittene und von der „Parteien Haß und Gunst verwirrte" Charakterbilder behandeln, und so find es fett neuestem meist die historischen Romane der Romanttker, dte nach dem Muster eines Walter Scot. vor nahezu einem Jahrhundert wie Pilze auS der Erde schössen, die stch die Bearbeiter vornehmen. Sicher eine der interessantesten dieser Arbeiten, wenn auch eine Novelle, ist Hauffs „Jub Süß"." Hauff, oer Wurrremverger, nahm hierher dankbar dre Gelegenheit wchr, ein Sückchen Geschichte seines schwäbischen Landes novellistisch zu bearbeiten, und die dramatisch bewegte Geschichte eines Süß Oppenheimer bot ein gutes Relief. Die Novelle ist zu bekannt, auch ist diesem Leserkreise durch die Bearbeitung eines Lehmann und S. Kohn der Jud Süß menschlich so nahe gebracht, daß fich ein direktes Eingehen auf seine Geschichte eriibrigt. Dte vorliegende Arbeit führt unS in dte Werkstätte deS Dichters, wir sehen seine Quellen mit großem Fleiß und Geschick zusommengetragen. Dte Schilderung, die Hauff von dem Juden Süß gibt, entspricht nach Mannheimer genau dm Darstellungen der .r lugschriften und der Beschreibung, die Pfa ff in seiner „Geschichte Württembergs" von ihm gibt. Hauff hat fich nicht bemüht, Süß bester zu machen, wenn er auch die Anwandlungen von Reue, die nach seinen Quellen ihm oft beikommen, noch verstärkt. Darin, daß er ihn den „Rächer seines Volkes" nennt, folgt er Sevt in seinen AuSführungm in den „Suriösen Nachrichten", seine Gleichgültigkeit in religiösen Dingen beionk er nur gelegentlich des PlanS einer Heirat mit einer Christin. Dte Arbeit enthält noch eine ganze Reihe beachtenswerter Anregungen nicht nur über Hauff, sondern auch über Süß selbst »nd eine wertvolle Bibliographie des Süß Oppenheimer-Stoffes bis zu den jüngsten Veröffentlichungen. Hier können wir diesen Fingerzetgm leider nicht nachgehen, und es wäre daher dringend zu wünschen, daß die Arbeit, die nur im Rahmen einer Differtation erschienen, weiteren Kreisen bis jetzt ntchr zugänglich ist, in einer buchhändlerischen Auflage ihren Weg ins Publikum fände. I. L. Kurzgefaftte Geschichte der Bildung «nd Entwicklung der Ligen wider den Zweikampf und zum Schutze der Ehre in den verschiedenen Länder« Europas von Ende November 1900 bis 7. Februar 1908. Bon Don Alsonso von Bourbon und Oesterreich-Este, Jnfanl von Spanien. Autorisierte Uebersetzung aus dem Franzöfischm von Maria Fretin von Vogelfang. 96 S. Druck und Verlag von Josef Roller & Co. in Wien. Preis elegant broschiert 1 Krone. Daß unsere Religion, dte ninfl Du sollst nicht morden, im Dekalog aufführt, den Zweikampf, wie er im sogenannten Duell Ausdruck findet, auf daS entschiedenste verurteilt, ist so sei oft verständlich, baß wir kein Wort darüber zu verlieren brauchen. Aber nicht nur die Religion, auch ter gesunde Menschenverstand kann dte barbarische Sitte des Duells nur verwerfen. Und wieviel unschuldiges Blut so vieler braver Menschen wurde diesem schmachvollen Vorurteil schon zum Opfer gebracht! Wie mancher Laufbahn auch so vieler unserer Brüder, zumal an den Univerfitäten, wurde durch den Tod im Duell ein frühzettiges Ende gesetzt! Mochten auch noch so viele große Geister dte Einrichtung der Duelle lächerlich zu machm suchen, es gelang ihnen nicht, sie einzudämmen, denn Wahn und Vorurteil waren zu groß, und auch diejenigen, die mit Verachtung auf Duelle blickten, wurden, wenn ste irgend als Ehrenmänner gelten wollten, gelegentlich durch den schmachvollen Brauch der menschlichen Gesellschaft gezwungen, tm eigenen Blut die erlittene Beleidigung retnzuwaschen. Hier war Hilfe nur zu erwarten, wenn eine Anttduellbewegung von den höchsten Kreisen auSgtng. — ES ist deshalb nicht genug zu begrüßen, daß Don Alsonso von Bourbon und Oesterreich-Este, Jnfant von Spanten, als wahrer Kulturträger dte Sache s löst in dte Hand genommen, und es ist ihm gelungen, daß der Antiduellgedanke einen Siegeslauf durch alle Länder Europas anzutteten im Begriff ist (? Red.) Heute hat es niemand mehr nötig, der rohen Dummheit des Duells, jener E nrichtung, dte der Vernunft und dem Gewissen, den Forderungen der Zivilisation und dem Wohle der Gesellschaft und des Staates widerspricht, fich zu unterwerfen oder deshalb als Feigling zu gelten. — In obenbetiteltem Werk, welches auch den deutschen Kreisen durch die mir vorliegende mustergültige Uebersetzung der Freifrau von Vogelfang zugänglich gemacht wurde, bietet der Verfasser eine kurzgefaßte Geschichte der Antiduellbewegung. Mit großer Bescheidenheit erwähnt der Prinz sein eigenes Wirken nur ganz flüchttg und nur dort, wo dies nicht zu umgehen warwir wissen aber, baß wir den Erjolg nächst Gottes Hilfe seiner wahrhaft aufopferungsvollen Arbeit zu danken haben. war es, der die Großen aller Kulturstaaten für seine Idee begeisterte, um jene barbarische Unsttte zu tilgen, und den Begriff einer wahren Ehre ins rechte Licht zu stellen. Es wird die Err.chtunsi von Ehrengerichten verlangt, deren Entscheidung dem Beleidigten wirkliche Genugtuung verschafft, sodaß er nicht mehr verleitet wird, sich dieselbe auf zweifelhafte und unerlaubte Weise zu suchen. — Es wird uns von all den Großen berichtet, die wackere Mitstreiter im Kampfe gegen das Duell wurden, dte ihre ganze Arbettskraft und ihre hervorragende gesellschaftliche Position in den Dienst der heiligen Sache stellten und noch stellen. Dem Buche sind an hochgestellte Persönlichkeiten gerichtete Briefe angefügt, die alle Argumente gegen das Duell enthalten. Das Werk ist als eine Propagandaschrtft für die Anttduellbewegung gedacht, und eS bedarf wohl keiner besonderen Aufforderung, daß jeder JSraelit fich zum Träger dieser großen, edlen und ruhmwürdtaen Idee machen sollte. M. A.

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