Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1909-08-26 · Heft 34 (26.8.1909) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 34 (26.8.1909)
Date
1909-08-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449352-2449387--65803-2508461
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Crzie^utKj und Del; PäJ^ogixl)* B«ii Organ des Bundes gesehestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Herein der jüdischen Lehrer der Havvinairveririre kmüen-vldenvurg ° Bremen, rr. kinlaOung zu der Mittwoch, den 1. September d. Js. nachmittags 5 Uhr zu Emden im Nordheimer'schen Gasthofe beginnenden Jubiläums-Ronkerenr. Tagesordnung. 1. Begrüßung. 2. Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung des Vereins. (Herr Apt-Emden.) 3. Berichterstattung und Rechnungsablage. 4. Religion und Naturwissenschaft. (Herr Strauß-Papenburg.) 5. Die geplante Zwangsorganisation sür die preußischen Synagogengemeinden und die gesetzestreue Lehrerschaft in der Provinz Hannover. (Herr W olfs-Aurich) 6. Vorstandswahlen und Wahl eines Delegierten in den Vorstand des g. j. L. in Deutschland. 7. Anträge und sreie Besprechungen, insbesondere die für uns wichtigsten §§ des neuen Besoldungsgesetzes. Am Abend des 1. September findet ein Kommers statt, Beginn der Verhandlungen am 2. September morgens 9 Uhr. Das gemeinschaftliche Esten findet am 2. September statt. Vorherige Anmeldung bei Herrn Nordheim er dringend erwünscht. Ein Zuschuß zu den Reisekosten aus der jüdischen Zentral-Unterstützungskaffe des Großh. Oldenburg, sowie aus der Kasse des Bundes g. j. L. in Deutschland ist bewilligt. Jever, den 10. August 1909, Der z. Vorsitzende H. Löwenstein. Die pädagogische Bedeutung der körperlichen Arbeit. Bon N. A. Der Vorwurf, daß wir Juden zu sehr Gehirnmenschen seien, daß die Kultur des Geistes nur allzusehr auf Kosten des Körpers gefördert werde, läßt sich nicht so ohne Weiteres von der Hand weisen. Man braucht dabei nicht einmal an dasrussische oder galizische Cheder zu denken. Ein Volk, dem der Ackerbau und das Handwerk, wenn auch ohne eigenes Verschulden, fremd geworden sind, gerät nur allzuleicht in die Gefahr, den Wert der intellektuellen Ausbildung zu überschätzen, besonders wenn es durch äußere Umstände geradezu darauf hingedrängt wird. Wer so wie wir von Feinden rings umgeben und ihren ungerechten Angriffen und Verdächtigungen stets ausgesetzt ist, wird seine numerische Schwäche gern dadurch auszugleichen suchen, daß er vor allem seine geistigen Kräfte ausbildet, um den Kampf ums Dasein bestehen zu können. Dadurch wird aber die Harmonie zwischen Körper und Seele gestört und zwar in einer für das Volkswohl nicht ganz ungefährlichen Weise. Denn jede Bevorzugung des Geistigen auf Kosten des Körperlichen muß sich ftüher oder später rächen, und manche drohenden Anzeichen der Gegenwart sollten nns anspornen, dieser Einseitigkeit entgegenzuarbeiten. Wir finden uns bei diesen Bemühungen im Einklang mit den Anschauungen unserer Weisen 's A., die den Wort der körperlichen Arbeit nicht nur in gesundheitlicher Beziehung zu schätzen wußten, sondern auch ihren Einfluß auf das religiössittliche Verhalten des Menschen klar erkannt haben. Als die Pforten des Paradieses sich hinter den ersten Menschen schlossen, wurde die Arbeit das Mittel zu ihrer sittlichen Hebung und Vollendung: rr"2pn 1L3KV f!PW 1VK mrai rrr iAt *p N'v2li iyvti pp m&b sl'2 .IN« O12K2 *?2K3 '->18311 '3K 33 V21 l'IO^ injn n-npnä tan*? bsnh -s'SK N212 NVKV (n"'p DTiDO) Noch deutlicher ist dies an einer andern Stelle ausgedrückt: 12 «"1 '1 183K dw ktö ini' lrra rmn Sro «Sin rrwa 'nuT ntr« 2'N2 dw kt '23 ^>2Kfl '2 -s'S2 tf’3' 2'N2 W’3’0 1313 '23 1^'Kl 2^w2 ib 2iBi nrrr o^ir2 ywx "[b 21831 yw* ('n ni313) 123K3 «b 7b 21831 DW KT '23^1 K2N Marr ist in der Gegenwart zu diesen Grundsätzen zurückgekehrt und hat der körperlichen Arbeit als Erziehungsmittel ihr Recht wieder eingeräumt. Zwar hat schon Pestalozzi darauf hingewiefen, daß das beste Mittel, um Selbstbeherrschung zu erzielen in der körperlichen Uebung, in der Handfertigkeit und in der häuslichen Arbeit bestehe. Aber es dauerte lange, bis sich seine Anschauungen Bahn gebrochen hatten. So meint der dänische Pädagoge Palmgren, der sich so große Verdienste um die Verbreitung des Handfertigkeitsunterrichts erworben hat, daß die höhere ethische Blldung der Frauen — die für ihn als feststehend gilt—zum großen Teil daher komme, daß ihr Geist durch die Hausarbeit mehr daran gewöhnt sei, das konkrete Tun zu beseelen und zu bewachen, während beim Manne alles ins Abstrakte gehe. In seinen „Erziehungsfragen" sagt er sehr richttg: „Die körperliche Arbeit würde dem Jüngling auch eine gute Hilfe in seiner sittlichen Entwicklung sein. In den Jugendjahren will jeder gesunde Knabe seine Körperkräfte gebrauchen und von Gesundheitsrücksichten ganz abgesehen, ist es auch sonst für ihn schädlich, den größten Teil des Tages stille zu sitzen und den Körper ohne Beschäftigung zu lassen; das ist schädlich, weil es der Sinnlichkeit große Nahrung gibt. Gerade in den Entwicklungsjahren soll der Körper unter das Joch der Arbeit gezwungen werden und der Jüngling soll lernen, im Schweiße seines Angesichts zu arbeiten. Wenn man aber statt dessen den Knaben ununterbrochen auf die Schulbank setzt, so verwundere man sich nicht, daß die Jugendzeit voll toller. Bubenstreiche ist." Man wird nun erwarten, daß ich für Förderung des Handwerks urrd der Landwirtschaft bei unseren Glaubensgenossen unter Anführung recht zahlreicher Zitate einrreten werde, Ich gehöre aber nicht zu denjenigen, die sich große Dinge von der Tätigkeit der jüdischen Vereine zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft versprechen. Ich lege auch nicht einmal besonderen Wert darauf, an die an Elementarschulen wirkenden Kollegen die Mahnung zu richten, den Turnunterricht nicht zu vernachlässigen und sich möglichst häufig mit ihren Zöglingen in Gottes freier Natur zu ergehen. Das' geschieht wohl schon ohne Aufforderung. Wohl aber kann uns unsere der Schule entwachsene Jugend auch nach dieser Seite hin manche Sorge bereiten, besonders so weit sie ihre fernere Ausbildung in der Großstadt erhält Theater und Eafv! dort verbringt sie ihre freie Zeit und selbst diejenigen Jünglinge die sich den jüdischen Jugendvereinen anschließen, vernachlässigen die körperliche Ausbildung. Neben der relmjösen und fachlichen Fortbildung sollte auch das Mrnen gepflegt werden, damit ein gesunder Geist auch in einem gesunden Körper wohne.. In denjenigen jüdischen Schulen aber, wo es sich ermöglichen lätzt, möge dem Handfertigkeitsunterricht ein bescheidenes Plätzchen eingeräumt werden, lieber diesen Punkt ein ander Mal ausführlicher. Das israelitische Lehrerseminar in €öln a. Rh. Mit nachstehenden aphoristischen Darbietungen, die teils auf persönlichen Erlebniffen beruhen, teils aus Jahresberichten entnommen sind, möchte ein „alter Cölner" zunächst den zahlreichen ehemaligen Zöglingen unserer gemeinsamen Bildungsanstalt einen Dienst erweisennebenbei soll auch den Freunden und Gönnern der bewährten Anstalt eine gedrängte liebersicht über den von ihr ausgegangenen Segensquell geboten und insbesondere nachgewiesen werden, wie sie mit verhältnismäßig kleinen Mitteln Bedeutendes geleistet hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.