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Der Israelit · 1909-08-26 · Heft 34 (26.8.1909) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 34 (26.8.1909)
Date
1909-08-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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" Geile 13. 9fr.84 Der KSraeltt. ms §6. Au mft 13Ö9. Die religiöse Gleichgültigkeit, die sich Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Rheinprovinz in unliebsamer Weise bemerkbar machte, erfüllte weitausschauende Männer der verschiedensten Berufskreise mit ernster Besorgnis für die Zukunft des traditionellen Judentums. Ausgehend von der durch die Praxis zu allen Zeiten bestätigten Erfahrung, daß dessen Bestand nur durch die Jugend und ihre Lehrer garantiert wird, forderten Männer von Namen anfangs 1867 zur Gründung eines Seminars auf, „in welchem ebenso treu dem Religionsgesetze anhangende wie gesetzlich qualifizierte und allseitig berusstüchtige jüdische Lehrer ausgebildet werden "sollten." Der am 25. März 1867 einberufenen Generalversammlung - konnten bereits mehr als 2000 Taler zugesicherte Jahreseinnahmen und zugleich eine von König!. Regierung zu Düffeldorf erteilte Konzession vorgelegt werden In dieser Versammlung wurde dann der „Verein zur Unterhaltung eines jüdischen Lehrerseminars im Rheinland" gegründet, das Vereinsstatut festgestellt und ein Vorstand gewählt. Derselbe bestand aus Herrn S. H. Prag-Düsseldorf (der sich durch Zuwendung eines Gründungskapitales von 2000 Talern um den Verein besonders verdient gemacht hatte) als Vorsitzenden, .und den Herren Js. Frank-Cöln a. Rh., B. Rothschild- Grevenbroich, Sal. Benjamin - M. - Gladbach, Meyer Cahen-Mülheim a. Rhein. Nachdem der Vorstand für die neue Anstalt in der Person .unseres hochverehrten Herrn Dr.' Plato ots^n rroaen I'v' pK' einen Direktor gewonnen hatte,*) wurde die untere Klaffe des Seminars am 11. Juli 1867 in Düsseldorf mit 5 Schülern eröffnet, deren Zahl sich bald auf 8 steigerte. Die Seminaristen erhielten als Jnternatszöglinge in Mietsräumen gegen sehr geringe Vergütung Wohnung und Beköstigung und wurden nach einem von der Fachkommission entworfenen und von der Kgl. Regierung zu Düsseldorf genehmigten Lehrplane unterrichtet. Die Fachkommission, die bedauerlicher Weise nur bis höchstens 1873 bestanden hat, hielt mindestens halbjährlich eine Prüfung ab und stellte der jungen Anstalt, die doch wegen der ganz verschiedenartigen Vorbildung ihrer Zöglinge mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und aus naheliegenden Gründen auch bei der Aufnahme keinen rigorosen Maßstab hatte anlegen dürfen, das Zeugnis aus, daß „der Unterricht mit seltener Lehrtüchtigkeit und außerordentlicher Hingabe erteilt und von den Schülern mit entsprechendem Fleiße und sehr erfreulichem Erfolge benutzt wird." Auch die Kgl. Regierung zu Düsseldorf sprach bereits im Jahre 1868 unter Bezugnahme auf eine von einem Regierungsschulrate abgehaltene eingehende Prüfung, deren Ergebnis als „sehr gut" bezeich- , net wurde, dem Vorstande „für zweckmäßige Einrichtung des Instituts und für gute Resultate des Unterrichts" ihre Anerkennung aus. Nach den Herbstfeiertagen des Jahres 1869 fand zum zweiten Male eine Aufnahme statt- 7 junge Leute traten in die Anstalt ein und bildeten die Unter- oder sogen. Präparandenklassemit dem seitherigen Kursus wurde am 14 Okt. 1669 das eigentliche Seminar eröffnet. Vorweg fei schon hier erwähnt, daß die Aufnahme nicht in jedem Jahre erfolgte und daß die Anstalt lange Zeit nur aus zwei Klassen bestandbei der jedesmaligen Entlastung der Oberklasse (erstmalig 1871, dann 73, 74, 77 usw) erfolgte die Aufnahme einer neuen Unterklasse. Auch das sei schon hier bemerke, daß die Anstalt zwar in, aber nicht nur für Rheinland gegründet worden warschon den ersten Kursen gehörten in West- % falen beheimatete Jünglinge an, der 3. und 4. Coetus bestand aus 80 bezw. 75 Proz Kurhessen und 20 bezw. 25 Prozent Rheinländer u. s. stauch die abgehenden Lehrer fanden nicht nur im *) Derselbe hatte sich als Lehrer an der Realschule der Jsraelittschen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. sowie als Torsteher eines von Weinhetm (Baten) später nach Karlsruhe verlegten Instituts, in welchem auch Lehrer ausgebildet wurden, den Ruf eines Pädagogen und Gelehrten erworben. Rheinland, sondern auch in den Nachbar Provinzen Anstellung. Einen bedeutenden Aufschwung nahm das Seminar mit der anr 10. Juni 1870 erfolgten Anstellung des von all seinen Schülern über das Grab hmaus hochverehrten Seminarlehrers Schwarzschild ))"}.**) Neben den beiden Hauptlehrern, über deren Tüchtigkeit an späterer Stelle ein kompetentes Urteil folgen wird, unterrichteten noch mehrere Fachlehrer in Musik, Turnen, Zeichnen, französischer Konversation und Synagogengesang. In die Schulpraxis wurden die Zöglinge eingeführt, indem sie nach empfangener Anleitung in der israelitischen Volksschule zu Düsseldorf unterrichteten. Die im Herbste 1871 entlassenen Zöglinge hatten schon vor ihrem Austritte aus dem Seminare Stellen an Volksschulen solcher Gemeinden angenommen, in denen noch ein echtjüdischer Geist herrschte, wie ihn Fernstehende vielleicht in Rheinland nicht vermuten. Sie bewährten sich — wie Schreiber dieser Skizze aus eigener Erfahrung weiß — den Gemeinden und Schulaufsichtsbehörden gegenüber vorzüglich und wurden dadurch der beste Empfehlungsbrief für ihre Bildungsstätte. Gegen die Mitte der 70er Jahre hatte das Seminar mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Obschon anstelle der entlassenen 8 Abiturienten nur 4 Seminaristen ausgenommen wurden — es hatten sich weitaus mehr gemeldet — und obgleich die Lehrer sehr gering besoldet waren, muß das Seminar vor einer wirtschaftlichen Krisis gestanden haben. Indes kam dem Seminar von anderer Seite unerwartete Hilfe: Herr Gutsbesitzer Julius Harff in Cöln schenkte im Jahre 1874 dem Seminare zwei tu der Vorstadt Ehrenfeld gelegene Häuser. Im Nachsommer des genannten Jahres siedelte die Anstalt vonD. nach Ehrenfeld über, was neben anderen Annehmlichkeiten den Vorteil hatte, daß die Seminaristen in der Seminarsynagoge, die auch von den Glaubensgenossen des Ortes besucht wurde, als Vorbeter fungieren und bei vorkommenden Gelegenheiten unter Anleitung des Direktors religiöse Vorträge halten konnten. Aus Praktischen Gründen wurd> jedoch die Anstalt im Frühjahre 4876 nach Cöln verlegt und ihr Weiterbestand war nur dadurch möglich, daß einzelne Vereinsmitglieder für die Verköstigung sämtlicher Zöglin-ge Sorge trugen. „Bei allen seinen äußeren Wandelungen ist uufcr Seminar seiner ursprünglichen wissenschaftlichen und religiösen Tendenz unwandelbar treu geblieben" konnte der Direktor in dem im Jahre 1877 heeausgegebenen Rechenschaftsberichte mit vollem Recht sagen, was ihm alle gern bezeugen werden, die sämtliche „Wanderungen" mitgemacht haben. Hier in Cöln nahm das Seminar bald einen kräftigen Aufschwung. Bei seinem bekannten Organisationstalente scharte Herr Dr. Plato bald einen Kreis gesinnungsverwandler Gemeindemitglieder um sich, gründete die orthoooxe Adaß Jeschurun nebst einer Religionsschule und besonderer Schechitah, alles Einrichtungen, von denen die Seminaristen für ihre spätere Wirksamkeit profitierten. Bold vergrößerte sich auch die Schüleizahl, die bis auf 8 hernntergegangen war, und die später oftmals nahezu 30 betragen hat. Das rührige Curatorium des Seminarvereins hatte sich jedoch höhere Ziele gesteckt - es erstrebte zunächst Korporationsrechte, die ihm im Jahre 1882 auch erteilt wurden - ein weiteres Bedürfnis war der Bau eines eigenen Hauses, das unter großer Opferwilligkeit auch bald in Angriff geitommen und im Jahre 1885 bezogen wurde. Um das Zustandekommen desselben hat sich unvergängliche Verdienste Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda erworben, der bereits um das Jahr 1878 ein Lokalkomitee gründete, viele Mitglieder **) Der fett e hatte das Polytechnikum urd die Dr. Plalosche Lehrerbildungsanstalt in Karlsruhe besucht, war kurze Zeit Hauslehrer in Amönebi r^ (Rgbz Cassel) und etwa zwei tahre Lehrer an der Realschule der Israel. ReltgtonSgesellfchast in Mainz gewesen. warb, bedeutende außergewöhnliche Zuwendungen vermittelte und speziell für den Baufonds große Beiträge aufbrachte. Diese Errungenschaften, die die an der Spitze des Vereins stehenden Männer mit Genugtuung, wenn nicht gar mit Stolz hätte erfüllen können, sind ihnen jedoch nur ein Ansporn zum weiteren inneren Ausbau der Anstalt gewesen, die sich inzwischen einen vorzüglichen Ruf erworben hatte. Seit dem Jahre 1886 wiederholt sich in jedem Rechenschaftsberichte der Wunsch nach einer mit dem Seminar verbundenen Präparandenanstalt, um „die Zöglinge für das Seminar und im Sinne desselben nach einheitlichem Plane vorzubilden". Möchte doch dieser so sehr berechtigte Wunsch bald in Erfüllung gehen! In den letzten Jahren sind in und mit dem Seminare große Veränderungen vorgegangen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen « Haebriebten. 40jähriges Amtsjubiläum. Am 5. September d. I. kann Lion Wolfs, z. Zt. Prediger in Tempelburg, auf eine 40jährige Amtstätigkeit zurückblicken. Seine Kollegen, die Lehrer und Kultusbeamten im weiten deutsche Vaterlande, von denen viele aus seinen Werken Belehrung und Anregung schöpften, werden es sich gewiß nicht nehmen lassen, dem Jubilar eine entsprechende Ehrung zu bereiten. Ein vorbereitendes Komitee ist in Bildung begriffen, sodaß man erwarten darf, daß die - Feier sich zu einer des Jubilars würdigen gestalten wird. Llngesanat. Der Verfasser des demnächst erscheinenden Werkes „Libanon", eines exegetisch-homiletischen Komnrentars zu den Psalmen, Herr Rabbiner Josef Nobel in Halberstadt, ist uns Lehrern kein Fremder mehr. Seine früheren Werke „Hermon" „Thabor" usw. schmücken die Bibliothek so manches Kollegen. Wir dürfen als sicher voraussetzen, daß auch das neueste Geistesprodukt des geehrten Verfassers die Hoffnungen erfüllt, die wir in seine Arbeiten zu setzen gewohnt sind. Es war aber zu befürchten, daß der Preis von 14,50 Mark für das ganze Werk, das in 12 Lieferungen erscheint, abschrecken würde. Ich wandte mich deshalb an Herrn Rabbiner Nobel und bat ihn, den Preis für uns Lehrer zu reduzieren. Er ist uns nun entgegengekommen und erbietet sich, das Werk für 9 Mark abzulaffen, wenn 70 Kollegen darauf subskribieren. Ich ersuche nun die verehrten Herren Kollegen, von dem Anerbieten recht zahlreich Gebrauch zu machen und die Bestellungen an mich zu richten. Mit k ollegialem Gruß I. Markus, Asienheim (Oberhessen). Briefkasten. F. A. Wenn bei einem Vorstande plötzlich das Jnreresse für die Religionsschule erwacht, jodaß er den Untericht selbst inspiziert und selbstständig, d. h., ohne das zuständige Rabbinat zu befragen, Anordnungen bezüglich des Unterrichts trifft, so ist zehn gegen eins zu wetten, dvß er den betreffenden Lehrer zu. schikanieren und fortzugraulen sucht, lieber die moralische Seite eines solchen Vorgehens brauchen wir also kein Wort zu verlieren, lieber die rechtliche Seite dagegen möchte ich mich nicht auslassen, da bislang eine bindende Entscheidung nicht vorliegt. Der bereffende Kollege soll sich an das zuständige- Rabbinat, das seine Schritte jedenfalls unterstützen wird, und an die Regierung wenden, um einen endgültigen Entscheid herbeizuführen. Eventuell müßte der „Unabhängige Verein israelitischer Lehrer im Großherzogtum Heffen" die Sache in die Hand nehmen, umsomehr als vor einiger Zeit schon ein ähnlicher Eingriff, eines hessischen Vorstandes vorgekommen ist..

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