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Der Israelit · 1909-08-26 · Heft 34 (26.8.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 34 (26.8.1909)
Date
1909-08-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 34 E^; f f I: Lfr' L' I |c. dern. So haben sich z. B. auf einem Spielplätze sämtliche Knaben zu einer Art „self government" zusammengeschlossen, einen „Mayor" und ein „Parlament" gewählt, Polizisten ernannt und Gesetze aufgestellt, welche Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe und anständiges Betragen „allen Bewohnern der Stadt" zur Pflicht machen. Es ist erfreulich, daß man sich allmählich der Verpflichtung gegenüber der Jugend auf diesem Gebiete bewußt wird, wenn auch diese Arbeit natürlich gegenüber der Anzahl der in Betracht kommenden Kinder bis jetzt nur einen Tropfen auf einen heißen Stein bedeutet. * * * Mit der Fürsorgeerziehung jüdischer Kinder, die natülich in Hunderten von Fällen in den wirtschaftlich und moralisch überaus traurigen Verhältnissen des Elternhauses keinerlei sittlichen und jüdisch-religiösen Halt finden können, beschäftigt sich die hiesige jüdische Presse jetzt in großem Maße. Man sieht die Notwendigkeit ein, die Kinder, die sonst der Polizei und den Gerichten in die Hände fallen, rechtzeitig von guten Händen in religiösem Geiste erziehen zu lassen. Leider werden diese Bemühungen eben deshalb, weil sie bereits angefreffenen Früchten gelten, keinen allzu großen Erfolg haben. Wichtiger wäre es, durch Gründung selbständiger jüdischer Schulen ein Geschlecht heranzubilden, das von vornherein im Boden der Tradition Wurzel schlagen und mit jüdischem Geist erfüllt werden kann. Vaiästtna. Jerusalem, 16. Aug. Wie ich Ihnen soeben telegraphisch meldete, ist Oberabbiner Samuel Galant gestern abend gegen 10 Uhr (litt 28 onaö v"2 ovS) nach wiederholten Fieberanfällen sanft verschieden. Bis in die letzten Tage hinein erfteute er sich trotz großer körperlicher Schwäche bewunderungswürdiger Gedächtnisstärke und geistiger Frische. Die Trauer, die hier herrscht, ist unbeschreiblich. 'Man fühlt, daß der gemeinsame Mittelpunkt der aschkenasischen Gemeinden, der Mann, zu dem alle wegen der Lauterkeit und Geradheit seiner Gesinnung in unbegrenzter Verehrung aufblickten, uns genommen ist. Möge der Allmächtige sich der Gemeinde erbarmen und einen Mann als geistigen Führer uns bescheren, der mit fester Hand die dem Heimgegangenen Großen entfallene Fahne aufnimmt, und sie in den unbeschreiblich schwierigen und komplizierten Verhältnissen mit unbeugsamer Energie hochzuhalten versteht. t fy E . t' fy 1 vermischter. Frankfurt a. M., 24. Aug. Der in Polen und Rußland allgemein bekannte jüdische Landschaftsmaler, Herr Abraham Neumann, einer der besten Schüler der Krakauer Akademie der Künste, der auch in Rußland mtt bedeutendem Erfolg ausgestellt hat, führt fich mit einer kleinen Kollektion von schönen und fein gemalten Landschaften im Salon Schneider, Roßmarkt, in Frankfurt ein. Dieser jüdische Maler, der zugleich als Kunstkritiker in hebräischen Zeitschriften mttarbettet, gehört zu jenen begnadeten Künstlern, die ihre unmittelbaren Eindrücke lebhaft und stimmungsvoll zum Ausdruck bringen. Gr sollte auch von den Frankfurter jüdischen Kreisen, die für Kunst und jüdische Künstler Interesse haben, nicht unbeachtet bleiben. M. M Winzenheim (Elsaß), 16. Aug. In seiner letzten Sitzung beschloß der Gemeinderat die Aufhebung der israelitischen Schule. Der Gemeinderat will trotz der Ueberführung der 40 israelitischen Kinder in die katholische Schule ausdrücklich den Charakter der Konfesfionsschule gewahrt wissen. Streng genommen ist sie baS noch nie gewesendenn von jeher besuchten die etwa im Dorf ansässigen Kinder protestantischer Eltern die katholische Schule. Das Konststortum hat nun gegen die geplante Aufhebung der israelitischm Schule Protest erhoben, und die Gemeinde gibt fich „ bet Hoffnung hin, daß ihre alte Schule erhalten bleibt. Hamburg, IS. Aua. 42 Rückwanderer find über Grimsbh mtt den englischen Dampftrn Coblenz und Oldham hier angekommen. Sie begaben fich nach ihrer Landung sofort zur Bahn, um in ihre Heimat wetterzuretsen. Der von London hier angekommene Hamburger Dampfer Silva übervrachte S mittellose Rückwanderer, Der JSraeltt. die vom israelitischen Hilfskomitee in Empfang genommen wurde, das für ihre vorläufige Unterkunft Sorge trug. Breslau, 26. August. Im Anschluß an die rege Sprechsaal-Diskusston über die Lage des jüdischen RestaurationswesenS machen wir auf eine Anzeige im Inseratenteil aufmerksam, wonach einem tüchtigen Restaurateur zur Zeit Gelegenheit geboten ist, fich hier in Breslau zu etablieren. Wie«. 20. August. Die Mutter des unglücklichen Leopold Hilsner ist oieser Tage im 65. LebenÄahr ver - schieden. Sie soll vor ihrem Tode ihre Umgebung noch beschworen haben, in dem Kampfe um die Befreiung ihres unschuldigen Sohnes nicht zu erlahmen. Charlottenburg, 17. Aug. Mit einer eindrucksvollen Feier wurde am verfloffenen Sonntag die wegen großer Umbauten geschloffen gewesene Synagoge BiSmarckstraße wieder neu geweiht. Mit diesem feierlichen Akte wurde zugleich die Installierung des neuöerufenen Rabbiners, Herrn Dr. Wilhelm Lewy, verbunden. Die Predigt des Rabbiners, tief durchdacht und sehr wirkungsvoll gesprochen, machte einen vorzüglichen Eindruck. Hierauf sprach der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Dr. Arthur Kahn, seine ^Genugtuung darüber aus, daß dieses Gotteshaus, trotz aller Schwierigkeiten, die seiner Existenz entgegenstandcn und es zu einem Schmerzenskind gemacht, heute schöner, umfassender und iiesesttgter dastehe als zuvor. Das jüdische GotteShauS ollte nicht nur eine Stätte der Andacht, sondern auch >er Belehrung sein, nach dem Thoraworte «du sollst forschen in meiner Lehre Tag und Nacht." Auch eine Troststätte für die Unglücklichen, vom Schicksal Gebeugten, von Zweifeln Zermürbten sei die Synagoge, in der nun zu walten, zu lehren, zu erheben, zu trösten und aufzurichten die berrltche Aufgabe des Rabbiners sei. Mit kantoralen und Ehorgesängen schloß die erhebende Feier. In ihrer jetzigen Gestalt enthält die Synagoge Bismarckstraße etwa 750 Sitze' und ist gegenwärttg die größte in Charlottenburg. Gleitvich, 16. Aug. Bubenhände haben wiederum auf dem jüdischen Friedhöfe ihr Zerstörungswerk getrieben. 18 Grabsteine wurden umgestürzt und viele Grabhügel verwüstet. Die Täter find nicht ermittelt. vereivrwrze«. Hamburg, 31. August. Der Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender zu Hamburg von 1906 hielt seine Monatsversammlung ab. Es war von besonderem Interesse zu hören, wie weit der zu erwartende Neubau der Talmud-Thora-Schule auf dem Grindel gediehen ist. Im Frühjahr soll mit dem Bau begonnen werden. Der Vorstand wurde ermächttgt, die nötigen Schritte zu tun, um den Mitgliedern die zu vergebenden Arbeiten zu fichern. Königshütte, 16. August. Für die Jugend wird hier ein Heim gegründet, in dem fich die jungen Leute nach Geschäftsschluß aufhalten können und belehrende. Bortrage gehalten werden. Ber«, 17. August. Der „Verein jüdischer gesetzestreuerStudentenTachkemaunt,der mtt Ablauf dieses UntbersttätssemesterL das dritte Halbjahr seines Bestehens vollendet, hat auch in diesem Sommersemester eine reiche, zwecklördernde Tätigkeit entfaltet. Im täglichen 8"1va^Schtur wurden die zwei ersten QW& von rVH)22 fDDÖ gelernt. In fleißigen Zusammenkünften entwickelte stch ein anregender Gedankenaustausch, der zu gegenseitiger Förderung in rnifl und ni22n führte und die Sabbatvorträge waren dazu angetan, Tauroh-Geist in wettere Kreise htnetnzutragen. ES wurden folgende Dorträge absolviert: „Borertnnerung zu den MLVN 'VVV" von cand.Phil. Ludwig Krauß, „Mafforoh, Ursprung und Uebertragung" von cand. Phil. Benjamin Lewtn, „Aesthetische Begriffe in Bibel und Talmud" von cand. Phil. Moses Seidel, und „Ein Kapitel aus den 2'V2N /Tiaöfi" von cand. Phil. Samuel Halevh. ' Personalien. Eperies, s. Aug. In einer Zeit, der es selten vergönnt ist, die ausgedehnte Berufstätigkeit eines Großkaufmannes mit der Pflege altjüdifcher Gelehrsamkeit Vereinigt zu schauen, ist jeder einzelne Träger einer solchen Paarung für die gefeyestreue Judenhett von erhöhtem Werte. Daher wird es auch Fernerstehenden begreiflich werben, daß der Heimgang des am 18. v Mts. verstorbenen Herrn Emil Barkanh eine gewaltige Lücke in unseren Gemeindekörper riß, von der wir heute noch nicht wissen, wann fie sich schließen wirb. Daß ein solcher Mann im Zentrum des jüdischen Lebens fich bewegte, baß er im Vorstände der Gemeinde bestimmend mitwirkte, daß er sämtlichen Institutionen der Gemeinschaft tatkräftige Förderung anaedeihen ließ, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Sind doch sein Rat und seine Tat auch außerhalb des Weichbildes unserer Stadt oft gesucht worben und hörte man doch gern seine Stimme, wenn es galt, die universellen Interessen der gesamten orthodoxen Jubenschast des Landes vor Gefahren zu schützen. ES sei nur daran erinnert, welche Initiative und Energie er entwickelte, um den Bestrebungen auf obligatorische 26 August 1S0S Einführung der Sonntagsruhe einen Damm entgegenzusetzen. Man darf jetzt, wo sein Leben abgeschlossen ist, von ihm sagen, daß er durch Gestnnung und Tat, durch häusliches und öffentlich:S Leben fich wahrhaft bewährt bat als der Sohn jenes Mitorganisators der ungarischen Orthodoxie des gelehrten Rabbi Abtsch Barkany Es waren darum auch aus der Tiefe der Seele sprudelnde Klageworte, die dem verehrten Führer, dem treuen Freunde, dem zielbewußten Vater gleichstrebender Kinder, dem liebreichen Gatten einer treuesten Lebensgefährtin an der Bahre zugerufen wurden. Bor zahlreichen Hunderten widmeten der Oberabbtner Fischer, Rabbiner N e u w i r t h und Dr. S ch e ch t e r - Budapest dem Verblichenen innige Nachrufe. Möge sein Beispiel der Nachwelt leuchten. N"22t)71 - Gunters-!um, 20. Aug. Zum Lehrer der hiefigen israelitischen Gemeinde wurde, nachdem die Stelle acht Monate unbesetzt war, Herr' L e o p o l s au- Marburg bestellt. Wie«, 18. Aug. Am 28 ft"2 starb hier nach langem, schwerem Leiben Herr Arthur Toch, cand. phil. et theol. im 24. Lebensjahre. Der allzufrüh Verblichene verband mtt profundem allgemeinem Wissen — er hatte vor 4 Jahren mit Auszeichnung maturiert und stand jetzt vor dem Doktorexamen — ein großes jüdisches Wissen. Sein ganzes Leben war der PHIM iWPTpn und der geweiht. Ein Mann von wahrer, inniger nKT und streng orthodoxen Lebens, dem das allgemeine Wissen nur Mittel zum Verständnis der rnttl n ar. Sein Muster, dem er nachstrebte, war S. R. Hirsch dessen sämtliche Schriften er kannte. Wie groß schon als Gymnasiast sein jüdisches Wissen war, erhellt die Tatsache, daß er nach der Matura den ^IN'Titel erhielt. N"2LaN Oftrowo, 15. Aug. Hauptlehrer Hahm Hierselbst feierte das 25jährtge Jubiläum seiner Tätigkeit an der hiefigen jüdischen Volksschule. Schocke«» 15. Aug. Kaufmann Joseph Elias wurde zum Vorsteher der Gemeinde gewählt. Posen, 15. August. Es wurden gewählt die Kantoren : Bornstein, bisher in Obornik, in Kemven - Baermann, bisher in Czarnikau, in Atzongrowitz- Glaser, bisher in Fordon, in Schtldberg- Jtzig, bisher in Flalow, in Bromberg. Fass«, 10. Augnst.- Die bott Antwerpen hierhergebrachte Leiche des bekannten jüdischen Weltreise, den Aron Becht^"D ist dieser Tage hier zur Bestattung gekommen. In Abwesenheit des Herrn Oberrabbiner Kuck hielt der hiesige Dajan einen worauf der Jaffaer Gemeindesekretair sowie Herr Rabbiner Gutmann im Namen des Misrachi sprachen. Alsdann kamen noch einige zionistische Freunde des H> imgegangenen zu Worte. Sprecftsaal. Kleine Wichtigkeiten. (Schluß.) Seien wir doch rin wenig nachsichtig und bedenken wir denn doch einmal, daß auch in unserem eigenen Haushalt zuweilen nicht alles so gerät, wie wir wünschen und gewohnt find. Bor allem sollte man nicht im Hotel und Restaurant mehr wünschen als zuhause auch, und beim jüdische» Hotelier lieber einmal auf einen kleinen Komfort verzichten, den man nicht unbedingt haben muß und auf den man, ohne gleich an Leib und Seele Schaden zu nehmen, verzichten kann. Kein Mensch hat weniger aufrichtige Freunde als ein jüdischer Restaurateur. Man schimpft aus ihn nicht nur bei, sondern auch in Gegenwart der Gäste, beleidigt ihn oft sogar in deren Gegenwart. Das ist undelikat, öfter sogar roh, in jedem Falle eines gebildeten Menschen höchst unwürdig. Dagegen wäre es nur richtig, ihm unter vier Augen seine Nachlässigkeit oder gröberen Versehen vorzuhalten. Oder man schreibe ihm einen Brief, wofür er, wenn er nicht gerade ein überempfindlicher Mensch oder gar ein Dummkopf ist, nur dankbar sein zann. Das find auf beiden Seiten der fich selten freundschaftlich gegenüberstehmden Parteien kleine Wichtigkeiten, durch dt fie einer großen Sache nur dienen können. Merkwürdig ist mir immer eine Sache auf meinen zahlreichen, ständige« Reisen voraekommen. Da war ich auf jüdischen Versammlungen, auf Zusammenkünften von Zionisten und zufällig auch einmal auf einem großen Logenjubiläumalles überreichlich besucht. Die Hotels und christlichen Restaurants von Glaubensgenossen stark ftequenttert. Nur in jüdischen Restaurants und Hotels kaum einige mehr als sonst auch. Da ich bet Licht betrachtet eigentlich nur ein vielbeschäftigter Müßiggänger bin und so Zeit genug zu erübrigen vermag, bei allen stch mir bietenden oder von mir ausgesuchten Gelegenheiten den Dingen auf den Grund zu gehen, so schloß ich mich verschiedenen mir zur Auskunft geeignet erschetnenden Personen an. Der eine schwor mir zu, im jüdischen Hotelbett Wanzen gefunden zu haben, was ja, wie ich aus eigenen Reiseerlebnissen erhärten kann, zur Erhöhung -er Nachruhe durchaus nicht unerläßlich erforderlich ist. Ein anderer entbehrte ein für daS Schlafgemach wichtiges Utensil und dazu noch Trmkwasser- und .haS Trinkglas war obendrein nicht rein. Andere zeigten mir durch vergleichend? Rechnungen, -aß

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