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Der Israelit · 1909-08-26 · Heft 34 (26.8.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 34 (26.8.1909)
Date
1909-08-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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?•&: Kraft, so folgen niüwtt und dann 8bft ty. — Es bedarf nicht besonderer Worte um darzutun, wie diese bloße Gruppierung des SündenbekenntnifseA in hohem Grade geeignet ist, die Gedanken und Empfindungen zu wecken, deren tiefer Ernst den Lebenden in die für das Sündenbekenntnis erforderliche rechte Stimmung versetzen. (Fortsetzung folgt.) bumanität ««a Judentum. Aus dem literarischen Nachlasse von Solm Berlin. (Fortsetzung.) Wenn 82'py/*i in den N128 'piS lehrt: „'im d$S2 0"18 2'2n: Gott liebte den Menschen, da Er ihn in Seinem Ebenbilde erschuf, eine besondere Liebe war es, daß er sich dessen bewußt wurde, er sei im göttlichen Ebenbilde geschaffen," so soll das hier prägnant hervorgehobene Bewußtsein der Gottebenbildlichkeit auf das dem Menschen eingepflanzte Streben Hinweisen, eine Lebensführung zu entfalten, die dem Walten der Gottheit ähnlich istja ausdrücklich wird an , einer Stelle des Midrasch die Gottähnlichkeit darin gelehrt, daß der Mensch in Gott ein Vorbild für die Werke der Liebe und Barmherzigkeit habe p:m oim nn« *]K p2m Dirn *nn no: So wie Er gnädig und barmherzig ist, sei es auch du, wie Er die Natten bekleidet, die Hungrigen speist, so auch du, und die dem Mosche gelehrten rrno mtpy sind vorwiegend solche, die der Mensch hier auf Erden nachahmend zu betätigen vermag. Auch die griechische Philosophie hat eine Vorstellung von der Gottverwandtschaft des Menschen. Plutarch lehrt geradezu: Der Mensch sei den Göttern ähnlich geschaffen. Aber weil man keine richtige Vorstellung von Gott und seinem Verhältnis zur Welt hatte, so führte diese geahnte Gottverwandtschaft des Menschen zu menschlicher Ueberhebung, zu einer Vergötterung des Menschengeistes, indem man mit den Göttern sich auf gleich und gleich stellte, eine Anschauung, die wohl am klarsten durch die übereinstimmende Lehre aller Philosophen zum Ausdruck kommt, daß man berechtigt sei durch den Selbstmord, wenn man am Leben keinen Gefallen finde, das Mangelhafte des Weltlauss zu korrigieren. In der min prägt sich dagegen nach der Lehre unserer Weisen durch die in den nvttm mtP)? gegebeneGegenüberstellung von'228 undn^m 8*7 der Ged anke aus, daß dieH eili g h a lt un g des Menschenlebens auf Grund der Gottebenbildlichkeit gefordert wird. Dieser hohe Adel des Menschen aber, den wir nach der Lehre der mm soeben in seiner Beziehung zu Gott, in der mit dem Körper gepaarten Sotiähnlichen Seele gefunden haben, ist nach derselben Lehre der mm Eigentum aller Menschen auf dem ganzen Erdenrund, weil sie Alle einen Vater haben, weil ein Gott sie alle geschaffen, weil sie auch einem und demselben Menschenpaare entstammen. Auf die Bemerkuug des /mi 82'py: mim Vm V?2 i? 7102 ranK: „Das Gebot der Nächstenliebe sei ein wichtiger Grundsatz unserer Lehre", meinte '8?y p: *»BDnr i2vv Vru 8m :0“i8 nnVin die Lehre von der gleichen Abkunft aller Menschen sei noch ein umfassenderes Prinzip. Wir finden hier im Judentum den Menschheitsbegriff in einer Angemessenheit zur menschlichen Natur und Universalität, wie er sich besonders in den Anfängen der Geschichte, bevor noch eine Verbindung der östlichen und westlichen Völker eingetreten war, nur auf dem Wege der Offenbarung hat vollziehen können. Dies lehrt uns als unbestreitbar die Geschichte der Kultur. Denn die ganze antike Periode hat diese Anschauung nicht gekannt, ja selbst diejenigen Völker, welche den Typus des antiken Lebens zur höchsten Vollendung in sich gebracht haben, die Griechen und Römer, treffen wir auf einer Stufe der Welt- und Menschheitsbetrachtung, die dem Gedanken der natürlichen und geistigen Einheit geradezu entgegengesetzt ist. Ihnen war die Entstehung des Menschengeschlechtes nichts anderes als eines dtzr unzähligen Produkte der schaffenden Natur. Das allen Menschen ohne Unterschied gemeinsame geistige Wesen erkannte das ganze Altertum nicht. Daher überall partikulariftischer Raffenstolz, überall die schroffe Scheidung. Jeder einzelne hielt sich für das Haupt, die anderen für untergeordnete Glieder des Menschengeschlechtes und nannte sie Barbaren. Und diese Anschauung tritt nicht nur im rein menschlichen Verkehr, sondern auch in der Rechtspflege und der Gesetzgebung durch ausschließende Bestimmungen hervor. Auch die großen Philosophen des Altertums kamen über eine Schranke zwischen Mensch und Mensch nicht hinaus. Nach Aristoteles, wohl sicherlich dem größten griechischen Denker, unterscheidet sich der Sklave vom zahmen Vieh nur sehr wenig. Er lehrt: der Sklave kann ungestraft beleidigt werden. Gerechtigkeit existiert nicht in Bezug auf den Sklaven, es kann gegen ihn von einem Verhältnis der Liebe und Freundschaft nicht die Rede sein, wie nicht gegen einen Affen oder ein Pferd. Die Frauen erklärte Aristoteles für eine Gattung von Ungeheuern, für einen Anfang zur Ausartung der Natur. Nach dem Standpunkt der alten Philosophie gab es, wie bereits im Eingänge flüchtig erwähnt, nur ein Mittel, den ' v - ÜfeT 84. Sette echten Menschheits-Charakter herauszubllden^ das ist durch Vermittelung der Geistesbildung und der Wissenschaft. Nur der Gebildete kann den Namen Mensch voll beanspruchen, und die Unterschiede in den Menschenrechten gehen als notwendige Folge aus diesem Prinzipe hervor. Erst mit dem Zusammenstürze des Heidentums treten durch die Vermittelung der israelitischen Offenbarung die Ideen von der Gottähnlichkeit des Menschen und der Einheit dcs Menschengeschlechtes in das Gesamtbewußtsein der Menschheit ein. Dies zu bewirken, die Erkenntnis einer vollkommenen Weltanschauung der Menschheit zu vermitteln, war Israels Beruf, dazu war es auserwählt worden, und wenn man bis auf den heutigen Tag gegnerischerseits das Judentum ob dieses Anspruchs des Partikularismus zeiht und in diesem Gedanken eine Schranke finden will, die das Judentum fast auf eine Linie mit den partikularistisch denkenden anderen Völkern stellt, und die das Christentum als universellere Weltreligion habe durchbrechen müssen, so ist dies nicht nur eine vorurteilsvolle Würdigung und Beurteilung dessen, was in dem Gottesworte unter dem auserwählten Volke verstanden werden soll, sondern zugleich eine grobe Versündigung an der Wahrheit unbestreitbarer Tatsachen. Die Erwählung Israels hat keineswegs einen Partitularismus zu seiner Grundlage, sollte nicht die Ausschließung der anderen Völker von dem göttlichen Heilsplan, sondern chre Anschließung an ihn und Zuführung zu demselben bezwecken. '"»122 '22, erstgeborener Sohn wird Israel genannt, weil es das e r st eVolk war, das für dieGotteserkenntnis gewonnen wurde, dem aber die anderen Völker folgen sollten. An der Stelle, wo es heißt: D'cyn *?2D nVüD p orvvn sagt die Thora zugleich: ip8n *?2 p '2 Was aber dies omyn 72D rV?i2D bedeutet, sagt der darauf folgende Satz: 'tn «mp ll'27,2 ro^Dö vnn onKi Israel wurde durch diese Erwählung nicht zum Herrn, sondern zum Diener der Menschheit, indem es zum Heil derselben ein Jahrtausende langes Martyrium erdulden mußte. Es ist dies eine unbestreitbare geschichtliche Wahrheit, und wenn dir Menschheit Israel weiter nichts zu danken hätte, als die Uebermittelung der Grundwahrheiten von denen wir ausgtnaen, die Lehre von der Gattungseinheit des Menschengeschlechtes, von der Gottähnlichkeit der Menschen und den wahren und reinen Gottesbegriff, so würde dadurch allein schon die Erwählung Israels zu einer weltgeschichtlichen Tatsache erhoben sein, die nicht geleugnet wettlen kann. Die notwendige Grundlage zur Herausbildung der Humanitätsideen ist demnach in der rung seiner Münzenaoteilung die von Leopold Hamburger erworbene Sammlung alter phönizischer und judäischer Münzen. Diese Kollektion wird als die wichtigste in den letzten zehn Zähren bezeichnet. Sie enthält griechische Münzen aus Phönizien, Palästina und seinen Nachbarländern. In der Sammlung befinden sich auch mehrere römische Münzen, die auf Judäa Bezug haben. Die Sammlung besteht aus 17 Gold-, 166 Silber- und 2546 Bronzemünzen. Unter den wichtigeren Exemplaren und Serien werden erwähnt: Eine Serie Silberschekel und halber Schekel aus den ersten vier Jahren der Revolution unter Si- Jtwm Maccabaeus und ein silberner Biertelschekel aus dem vierten Jahre. Eine ansehnliche Serie seltener Münzen von Antigonos (40 bis 37 v. u. Z.). Fünf Anrei von Vespasian und Titus zum Andenken an die Unterwerfung Judaeas geprägt. Eine sehr reichhaltige Serie der überaus seltenen Tetradrachmen und Drachmen, und zwar ein Tetradrachma aus dem ersten Jahre (äußerst selten), 9 aus dem zweiten und 10 undatierte 76 Drachmen, die über römische Denarii geschlagen sind. Bon den phönizischen und palästinensischen Städten sind die folgenden mit seltenen Münzen vertreten: Llbila (drei verschiedene Sorten), Pella (2), Anthedron (3), Antipatris (1), Esbus (5), Botrvs (2), Diospolis Lyda (6), Eleutheropolis (10), Joppa (4), Charach-moba (3), Modaba (3), Nysa-Scythopolis (12), Rabbathmoba (3). (Die Maranen in Persien.) Wie einst Spanien, so hat noch jetzt Persien eine große Anzahl „Maranen", welche selbstverständlich nickt diesen Namen (Neuchristen) führen, sondern „Dshedidin", d. h. „Neubekehrte" heißen. Die „Bekehrung" ist bereits Mitte des 18. Jahrhunderts und zwar an einem unheilvollen Purim tage erfolgt. Dieser Festtag, an welchem die Juden Persiens vor nunmehr 24 Jahrhunderten vor dem Verderben bewahrt wurden, ist allmählich für unsere Glaubensgenossen im Reiche des Schah ein Tag des Schreckens geworden. Zwar wissen die Perser, deren beglaubigte Geschichte erst mit den Sassaniden beginnt, ebensowenig etwas von Haman, wie von Darius, Xerxes und von dem ganzen glanzvollsten, glorreichsten Abschnitt ihrer Vergangenheit, von dem goldenen Zeitalter der Achaemeniden. Allein die Tatsache, der harmlosen Sitte der Juden Persiens, am Purimfeste eine Puppe, welche Haman versinnbildlichen soll, auszustopfen, dieselbe zu maltraitieren und schließlich unter Hohngelächter zum Tode, am Galgen zu verurteilen, war von jeher sehr geeignet, die fanatische Bevölkerung gegen sie aufzubringen. Dies beuteten die muhammeda nischen Priester weidlich aus, indem sie dem Volke vorredeten, die Puppe solle „Imam Risa", den größten Heiligen der Schiiten, darstellen, den die Giaurs (Nichtmuslimen) auf diese Weise lästern und entweihen. Hierdurch gelang es den Mullahs am Ende des 18. Jahrhunderts, an einem Purimtage den Pöbel von Meschched und Chorassan derart zu fanatisieren, daß er unter den Juden ein furchtbares Blutbad anrichtete, und die Ueberlebenden zwang, sich zum Islam zu bekehren. Seitdem leben 5000 Juden in Meschched als „Dshedidin". Sie heirateten aber nur unter einander und essen nur Fleisch aus eigener Schechitah, halten am Sabbath ihre Läden zwar offen, verkaufen aber in denselben nichts, vielmehr wird etwaigen kauflustigen Kunden, wenn sie den Laden betreten, von einem Knaben mitgeteilt, daß der Besitzer dringender Geschäfte wegen sich auf einige Zeit entfernen mußte. Während der großen muhammedanischen Fasten (Rmnazan) nehmen sie sich sehr in Acht, in Gegenwart eines MuselmanS zu rauchen oder gar zu essen. Zahlreiche Dshedidin wohnen auch in Merw, wohin sie, lange bevor man von den Russen etwas gehört hat, eingewandert sind. Während aber die. wilden Turkmenen diese „Neubekehrten"' als Muhammedaner gelten ließen, beginnen die Russen sie als Juden zu behandeln. Ihre Schule wurde schon längst geschlossen, und jetzt wird ihre Ausweisung geplant. (Die erste Zinstaxe in Deutschland.) In der „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und Neuzeit", von Dr. Caro, lesen wir darüber: Auf dem Bundestag des rheinischen Städtebundes zu Mainz am 29. Juni 1255 wurde ein auf die Juden bezüglicher Beschluß gefaßt, der wenigstens im westlichen Deutschland bis dahin seinesgleichen noch nicht hatte. Kein Jude, so lautete die Bestimmung, soll mehr als 2 Denar aus die Woche vom Pfund nehmen (431/3 Proz.) ohne Unterschied, ob es sich um Kölner, Haller oder Straßburger Münze handle, wenn aber das Darlehen aus ein Jahr gegeben wird, soll er vier Unzen vom Pfund nehmen (33i/3 Proz.). Die Aufstellung eines Normalzinsfußes war etwas Neues, und schwerlich ist sie unmittelbar durch französisches Vorbild veranlaßt worden. Gleichsam entschuldigend fügt das Protokoll der Tagung hinzu: Die Festsetzung war nötig, weil christliche Wucherer exkommuniziert und gerichtlich zur Rückerstattung der Zinsen genötigt wurden. Es waltete offenbar unter den Bürgern die grundlose Befürchtung ob, daß bei Beseitigung der Konkurrenz christlicher Geldleiher die jüdischen den Zinsfuß übermäßig in die Höhe treiben würden. Um ihn in maßvollen Grenzen zu halten, erfolgte also jene Festsetzung. Im Osten Deutschlands erscheinen Zinstaxen ein wenig früher. Die im Privileg Friedrichs des Streitbaren von 1244 den Juden Oesterreichs vorgeschriebene war freilich viermal so hoch als die rheinische, nämlich 8 Denar vom Pfund in der Woche oder 173% Prozent auf das Jahr.

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