Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1909)
- Date
- 1909-08-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette »0 91t. 83 Der Israeli!. 19. August 1909 Inhabers jeu üttal ü. erledig! war, wurde zetzr dem Lehrer Dest ler auS Sttelno verliehen. Sprechsaal. Kleine Wichtigkeiten. Zu dem unter dieser Ueberschrift im Sprechsaal der Nummer 31 behandelnden Gegenstand ist uns eine Flut von Zuschriften zvgegangen, die wir mit Rückficht auf die Geduld unserer Leser unmöglich veröffen.lichen können. Wir beschränken uns daher auf die Wiedergabe eines dieser Artikel, in dem die wichtigsten von der . Gegenseite geltend gemachten Gesichtspunkte enthalten find. Im üorigen sei auS den anderen Zuschriften noch die Anregung zur Gründung eines „Vereins jüdischen Hotel-Besitzer" mitgeteilt. Wir find gern bereit, die Adrcsie derjenigen unserer Leser, die sich für diesen Gedanken interessieren, dem Verfasser der betreffenden Anregung zu übermitteln. Redaktion des „Israelit". Eine Angelegenheit, deren Bedeutung für das religiöse Leben von sogenannter liberaler Seite allein geleugnet werden kann, die Kaschrusfrage ist in einem „Eingesandt" in der letzten Jsraelitnummer, wenn auch eindringlich, aber doch nicht ersa öpsend, besprochen worden. Die Frage ist nun einmal angeschnitten und muß im Interesse aller Beteiligten auch weiter erörtert werden. Ich glaube einige Kommentare dazu liefern zu können und will mich b mühen, Licht und Schatten möglichst objektiv zu verteilen und dabei dem viel geschmähten jüdischen Restaurateur ebenso gerne sein gutes Recht zukommen zu lassen, als den ja nicht minder schwer geprüften Reisenden uns sonstigen aus rituellen Tisch reflektierenden Gästen. Nicht aus grauen Theorien sondern aus des Lebend ja gerade auch nicht immer goldnen Baumes gesammelten praktischen Wahrnehmungen, will ich versuchen, weitere Beiträge zu der immer trennender werdenden Kaschrusfrage zu liefern. Daß das Kaschrus im Hause von einschneidender Bedeutung für das ganze, leider jetzt so stark gelockerte jüdische Familienleben geworden, kann nur von Kurzsichtigen geleugnet werden. So lange weder die einzelnen Fmnilienmttglteder, noch gar die El.ern außerhalb ihres Hauses ihre Hauptmahlzeiten genossen, und Ausflüge am Sonntag und an nichtjüdischen Feiertagen ganze Familien über die Tischzeiten hinweg aus dem Hause führten, war die Tischzeit noch der ideale Sammelpunkt aller zur Familie gehörigen Personen. Mochte auch, wie häufig in der Großstadt mit ihren oft in der kurzen Mittagspause nicht zu überwältigenden Entfernungen, bald der Bater, bald die zur Schule oder ins Geschäft gehenden Kinder des Tags über verhindert gewesen sein, gemeinsam die Mahlzeit einzunehmen, so sah doch der Abend bestimmt alle Familienmitglieder beim gemeinsamen Abendbrot versammelt. Erst als die „Bequemlichkeit", d. h. die Durchbrechung des Speisegesetzes gestattete, auch einmal des Abends „auswärts" in einem, wenn auch nichtjüdischen Restaurant zu speisen sei es, um dann in genügender Zeit zum Theater, zum Klub, oder wozu sonst ohne Hast und mit mehr Bequemlichkeit gehen zu können, wnrde die Lücke, die so nun einmal, wenn auch ganz allmählich, in die Familtenordnung und auch bald darauf in den Familtenfinn hineingelegt wurde, immer größer. Fehlten dann endlich einigemal die Eltern bei Tisch, weil sie „der Bequemlichkeit halber", oder weil ste fich mit Freunden verabredet hatten, auswärts zu speisen, so ging damit auch die Gewissenhaftigkeit gegen die Jnnehaltung der Speisrgesetze bei sämtlichen Familienangehörigen verloren, zugleich aber auch allmählich und unbewußt ein Teil des Familienfinnes. Es konnte dann nicht ausbleiben, daß dann auch der Freitagabend, der doch viele eahrhunderte hindurch den stärksten Familienkitt zwischen ltern, Kindern und Geschwistern für das ganze Leben bildete, allmählich verloren ging. Ich will den Lesern selber überlasten, den Faden weiter auszusptnnen. Wie immer fich dieser oder jener Jude zum Speisegesetz stellen mag in und außer dem Hause, in jedem Falle wirb er zugeben müssen, daß diejenige Hausfrau, die die verschiedenen Unbequemlichkeiten, die den rituelle Haushalt angeblich mehr belasten, an denen ja auch unsere Vorfahren nicht allzuschwer trugen, nicht scheute, fich in moralischer Hinficht, um die Innigkeit deS Familienfinnes reichlich verdient gemacht hat . . . Bisher ist bei den unausgesetzten Klagen rituell lebender Reisenden und Kurgästen Licht und Schatten ziemlich ungleich verteilt worden. Und wenn au h schon tm Jntereste unserer Speisegesetze es die unabweisbare Pfli i t der jüdischen Zeitungen ist, in der energischsten Weise. für die verechtigsten Wünsche der kleinen Zahl rituell Lebender einzutreten und den Gasthaltern klar zu machen, daß sie mtt der Befriedigung der Gäste nicht nur ein Gebot unserer Religion erfüllen, sondern auch ihre eigne Existenz und Vorteile sichern, so muß man denn doch auch nicht vergessen, daß ihnen die Ausübung ihres Gewerbes wahrlich nicht leicht gemacht wird. Wer schon einmal .beobachtet hat, wie..bescheiden unsere lieben Glaubensgenossen in einem nichts nbischen Hotel austteten rönnen, — abgesehen von manchen von Hause aus nicht an die besten Manieren-gewöhnten, und infolge mangelnden Taktgefühls -sich rüpelhaft benehmender Gesellen — während ste auch nicht mehr die geringste Nachsicht gegen den jüdischen Hotelier üben, der wird wohl oft fich tm Stillen beglückwünscht haben, daß ihn ein freundliches Schicksal davor bewahrt hat, jüdischer Restaurateur und gar Hotelier geworden zu sein. Betrachten wir doch einmal unfern lieben „Stammesgenoffen" nur hier und da unterwegs bet den verschiedensten Gelegen heilen. Wie liebenswürdig vermag er zu sein, und wie aufmerksam und höflich, wie voller Rücksicht im Coupee, im Wartesaal, im Speisewagen!! Und wiederum wie bis zur Pöbelhaftigkeit ungezogen, laut, rückfichtslos! Und wie bis zur äußersten, schon an engelhaft grenzende Bescheidenheit, wenn im Hotel oder im Speisewagen, in ein m Gartenlokal usw. ein Ntchtjude zur Seite gegenüber fitzt! An sich schon kritisch veranlagt, eine Eigenschaft, deren Nachteile hundertmal von ihren Lichtseiten ausgewogen werden, glaubt der jüdische Gast, daß er ohne weiteres das Privileg habe, an allem, was er in eimm jüdischen Restaurant und Hotel steht und genießt, Kritik üben zu müssen. Mir fällt, wenn ich so etwas wahrnehme, immer das Wort eines christlichen Freundes ein, der einmal, empört über die Tadelsucht jüdischer Gäste, in einem jüdischen Hotel zu mir sagte: „Wir tadeln denn doch nur die Weine oder Biere und find dann leichter zufriedenzustellen, aber Ihr Juden, Ihr fangt mit der Suppe zu tadeln an und hört selbst beim Benschen nicht damit auf." Es ist wahrhaftig nicht leicht, jüdisch: Gäste zufriedenzustellen, sei es im Bade, sei es auf der Rerse. Und solange die jüdischen Gäste nicht mehr schwankend find und es mtt dem Rituell nicht mehr ernst nehmen, dann können sie zum Schrecken der Hoteliers werden. (Schluß solgt.) Briefkasten. M. F. in S. und viele andere. Nähere Auskunft erhalten Sie aus einer diesbezüglichen Notiz in der heutigen Nummer. Oberrabbiner I. R. in <S>. Die Rezension wird demnächst erscheinen. F. L. in B. Sie erhalten demnächst Bescheid. H. K. Rothschildsches Hospital, Röderberq Nr. 97; Israelitisches Gemeindehospita l Königswarterstcoße. Die Verwaltungen beider Krankenhäuser erteilen Ihnen gern Auskunft. A. F. in N. Ein Organ für gesetzesteeue Lehrer wo Kantoren erscheint unter dem Titel „Erziehung und Lehre" als Beilage zu in „Israelit". A. B. in P. Merianstraße. B. Ehrlich, Frankfurt a. M., Uereinskalender. ^UBerein Mekor-Chojim, Schützenstraße 2: Samstag, den 21. August 1909, Mittags 4'|4 Uhr „Mikro- Vortrag ' des Herrn Noah Bender. lamiliennachricdten. Geburten: Einen Sohn: Julius K a tz (Birnbaum) Herne. — Dr. G. Wert he im (Ferse) Herne. Verlobte: Bettq Herzberg, David Benjamin, Bückeburg-Würzburg. — Recha Blnm, Rabb. Dr. Emil Rosenwasser. Halberstabt''Sofia. — Josrfinr Steiner, H. Josef Fischer, Szenicz-Nvitra. Vermählte: Moritz Leb man tr, Rebecka geb. Mainz, beide dabier. — Nathan Strass er, Lea geb. Gins, Tokai (Ung.)-Bodrogkereaztur. Verstorbene: Elias Werteim, hier, Königs warterstraße 3. 78 Jbr. — Settchen Oppenheimer g-b. Adler. hier. 67 Ihr. — Amalie Strauß geb. Lichtenstein, hier. 58 Ihr. Sabbat - Anfang u. Ausgang D’tDBtt OKI: Anfang Dar»» Uhr >Mm. 1909 5669 MrlMin 21. 4. Elul Frankfurt *. M. 6 oo Aug. 8 20 »erlitt .... — — 8 06 München . . . 7 30 7 57 Strastbnrg . 6 — 8 ^5 Stuttgart. . . . ,7 — 8 09 Polen . ... —• , 7 5z Nürnberg — . — 8 04 Hamburg . . 8 30 Prag . . . - - « 53 inderecke. >*■*1 bs -2 jrxi <e,irxl rS:-. ei? rnx p-6 vz'ca 'v'pp tpsr 'y .r^sn np Lv'L'v .'L'v ni?*:: npp -ztr:" .E'S'Z prpV csn .?c; rrn c-wr:rr? *S *a *;x px :x : -icir?r$x ryrr pnpx --aSn 'h? rx npxj - .L'y cjx'.-.’iXjpSx :f:) Aus der vor kurzem erschienenen Sammlung hebräischer Gedichte cmns von Dr. A. KaMinka (Verlag „Achiaffaf" Warschau). . flufldjung des Raffels in ITr. 30 .noru /Höps /.ioü:’ Richtige Lösungen sandten ein: Lövy Fleischman, Bad-Reichenthal; Hermine- Dessauer, Hanni Birk Sterbfritz; Lehrer Ph. Kanstein, Hameln; Juliana Reimhardt, Mainz; Leo Schenkolewski, Hamburg; Lehrer Ackermann, Wiesloch; Dinchen Wertheimer, Hardheim; Jacob Flörsheim aus Hamburg, Nordeney;. Samuel Welsch, Jnsmingen; Selma Jacob, Rüdesheim^ Lehrer G. Translateur, Miltenburg; Lehrer M. Miko, Ems; Karl Darmstädter, Birkenau; Fritz Niedermann, Nekarbischofshüm; M. Bündiger, Würzburg; B. Kohn, Frankfurt a. M.; Johanna Horwitz, Canstatt; Leo Brilling, Ballensladt; Jacob Stern, Wien; Pinkas Schapira, Zastawna; Israel Schächter, Borzeow; D. Reise, Jaworzno; Samuel Zobel, Boskowitz; Rafael Schächter aus Jassh; Markus Schächter aus Rodjest, Dawid Katz aus Riztschun, Schüler der Thoralehranstalt Beth-Jsrael in Buhuscht, Rumänien. i Landeshuter ft Leinen« und Gebild-Weberei F. V. Grönfeld Königl., Grossherzogi. o. FörstlicherHofJieferant Berlin W., IfyiigtrslnM 21-2. Grösste Aoswab! aller Wascheartikel für du Hausbedarf. flifertisiio sanzer flnsstattiiifi. Preisliste mit Afcblldangen sowie Kostenaneclilige za Diensten. (12423) Das militärberrchtigte Institut Gombricü in Nürnberg war im abgelaufenen 36. Schuljahr von 300 Schülern besucht. Zur Unterstützung deS natnrwisienschaftl Unterrichts wurde ein Schülerlabaratorium eingerichtet, in dein die Schüler chem. und phqsikal. Versuche Vornahmen. Einen lehrreichm Einblick in größere Betriebe gewannen die Zöglinge durch den Besuch der Bieististfabnk von I. Faber, der SchweielsSurefabrik von Schuh Nachf., des städt. Gaswerks, der Lindeschen Eiswerke und der Kühlanlage im städt. Schlachthaus. Durch diese Führungen wurden dm Schülern Bildungsmöglichkeiten gegeben, dis besonders für den künftigen Kaufmann von großem Wert sind und wie sie in' gleicher Reichhaltigkeit und Vollkommenheit außerhalb Nürnbergs nicht oft gefunden werde».