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Der Israelit · 1909-08-19 · Heft 33 (19.8.1909) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 33 (19.8.1909)
Date
1909-08-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Der Israeli:. Seite V. Nr. 33 19. August 1909. __ der glücklichen Lage von seinen Ersparnissen so viel zu erübrigen, um seiner Verlobten ein Billet für die Ueberfahrt einzusenden. Da sie selbst als. alleinstehendes Mädchen nicht genügend Existenz-Mittel aufweiien konnte, wurde sie zunächst von der ihres Amtes mit voller Strenge waltenden Behörde zurückgestellt. Das einzige Mittel, die Landung doch noch durchzusetzen, war die „Trauung". In aller Eile beschafte man von der „Ost-Seite" einen natürlich autorisierten Rabbiner, der mit Zeugen versehen, aus Ellis Island erschien, um die Trauung vorzunehmen. Zehn zur Heimfahrt „verurteilte" Juden wurden aufgetrieben, und die Zeremonie nach jüdischem Ritus durchgeführt. Nunmehr stand der Landung der Frau Maislik nichts mehri m Wege und die „Heiligkeit der Ehe" harte sich wieder einmal glänzend bewährt. vermischtes. Berlin, 17- Aug. In der jüngsten Zeit find dem Hilfsverein der Deutschen Juden eine Reihe von Zuwendungen für seine humanitären Zwecke gemacht worden, darunter folgende größere: 1 Die Eheleute Wilhelm Lippmann in Nikolaiken übergaben dem Hilfsverein rin Kapital von 10000 Mark. 2. Der verstorbene Rentier- Richard Levy in Berlin hat testamentarisch dem Hilfsverein ebenfalls 10000 Mk. vermacht. Winzenheim, 12. August. Der Gemeinderat hatte die Aufhebung der israelitischen Knabenschule, die nur 30—40 Schüler gegen 50—60 früher zählt, beschlossen und wollte den dort angestellten Lehrer als Klassenlehrer an der katholischen Knabenschule anstellen. Dagegen haben aber nun der Rabbiner und der Vorstand der jüdischen Gemeinde Beschwerde erhob.n. Höchberg 18. August. Sämmtliche Schüler des 3. Kurses der i rael. Präparandenfchule dah er haben die diesjährige Schlußprnfung bestanden. Schwabach, 15. Aug. Unsere Gemeinde hat die Anschaffung neuer jY'D — statt der gewordenen — beschlossen. Der hierfür ersorderli i e Betrag ist zum größten Teil durch freiwillige Spenden aufgebracht worden. Könitz, 11. Aug. Der kürzlich verstorbene Rentier David Herrmann, ein lang ähriger Könitzer Bürger, hat der Synagogengemeinde in Könitz, deren Reprasentanten-Bersammlung er über 20 Jahre angehörte, verschiedene Legate in Höhe von 8000 Mk zu wohltätigen Zwecken vermacht. Ferner vermachte er der Synagogengemeinde Bartschin (Kreis Schubin) und der Synagogengemeinde Danzig Legate von 1000 bezw. 2000 Mk., sowie dem Israelitischen Waisenhaus zu Graudenz 3000 Mark. Wallertheim, 18. Aug. Am fOW find es 25 Jahre, daß die hiesige Synagoge erbaut wurde. Anläßlich dieses JubiläumstageS wird ein Festgottesdtenst abgehalten. Bon den Mitgliedern der Gememde Wallertheim und Gau-Bickelheim wurde zu Ehren des Jubiläums ein herrliches gestiftet, welches an dem Ehrentage seiner Bestimmung übergeben wird. Petersburg, 10. August. Das ruffische Ministerium des Innern versendet soeben an alle Gouverneure ein „Sammelbuch jüdischer Vornamen". Das Sammelbuch enthält sämmtliche üblichen jüdi chen Vornamen und ihre Schreibweise in jüdischer, hebräischer und ruffifcher Sprache. In dem Begleitschreiben werden die Gouverneure aufgefordert, die Städtischen Behörden, Rabbiner und Militärvideusbureaux anzuweisen, die Register der jüdischen Namen und die Matrikel nach dem Sammelbuche zu führen. Petersburg, 10. August. Wie „Rjetsch" meldet wird im russischen Kriegsministerium j.tzt die Erfindung des jüdischen Ingenieurs M. Eisenstein ausgeprobt, die geeignet ist, große Sensationen hervotzurufen. Ingenieur Eisenstein hat ein neues System der drahtlosen Telegrafie erfunden, durch welches ein Telegrafieren auf sehr tonte Strecken ohne Drahtverbinduug möglich ist. Eine Probe mit einem Telegramm von Petersburg nach Konstantinopel ist tatellos gelungen. Das Kriegsm-nisterium beschloß, Dlegrafenstationen nach Eisenstein' schen System in Petersburg, Moskau, Bobonisk und auf einer der Uralspitzen zu errichten. Ingenieur E senstein wurde von der Regierung mit den Arbeiten betraut und mit einem Stabe vertrauenswürdiger Techniker versehen. NeW'Uork, 1. August. Im Monate Juni d. JL. find in New Aork 6802 jüdische Einwanderer gelandet und zwar 3681 Männer und 3121 Frauen. Unter ihnen befanoen fich 1562 Kinder unter 14 Jahren. Bon den Angekommcnn blieben 4883 in Rew-Dork, während der Rest fich auf 34 verschiedene amerikanische Staaten der« teilten. ES kamen aus Rußland 4789, Oesterreich 982, England 3Ungarn 215, Rumänien 151, Astatische Türkei 107, Deutfthland 58, Frankreich 31, Afrika SS, Südamerika 24, Bulgarien 11, Europäische Türket 87, aus anderen Ländern 16. Meltll«, 10. August. Der franzbstsche Dampfer "Aude" ist von Mettlla mtt einer großen Anzahl marokkanischer Juden an Bord nach Oran abgegangen. Der Dampfer war ursprünglich nachMelilla abgeganaen, um die franzöfischen Familien, welche fich in Mettlla nicht sicher fühltm, nach Oran zu bringen. Doch erwiesen fich die Befürchtungen der franzöfischen Anfiedler als unbegründet, weshalb fie in Melilla vert lieben. Uerein$we$en. Frankfurt a. M., 15. Aug. Der Zentralverein israelitischer Gemeindemitgliever hat in seiner letzten Mitgliederversammlung fich auf . folgendes Programm aeeinigt, das die Grundlage für die fernere Tätigkeit des Centralvereins bieten soll: „Der Centralverein israelitischer Gemeindemitglieder setzt sich zum Ziel, alle diejenigen Gcmeindemitglieder, denen die Erhaltung des Judentums im überlieferten Sinne am Herzen liegt, zu gemeinsamer Arbeit an den Aufgaben der Gemeinde zusammenzufassen. Er wird dahin zu wirken suchen, 1. daß bei einer Neuordnung die Gemeindeverfaffung den Gemeindemitgliedern ein größerer Einfluß auf die Verwaltung gewährt wird wie bisher) 2. daß ble rituellen Einrichtungen so beschaffen find, daß alle Mitglieder sie ohne Bedenken benutzen können) 3. daß die Gemeinde in hohem Maße jüdisch-soziale und jüdisch wissenschaftliche Einrichtungen pflegt und fördert) 4. daß die Gemeinde den Sabbat als einzigen offiziellen Wochenfeiertag anerkennt und daß das Hebräische in der Gebetssprache erhalten wird. In Anlehnung an diesen § 1 des Statuts stellt der Centralverein israelirt cher Grmeindemitglieder folgendes Programm auf: 1. Wahl des Aus chufses der Gemeinde auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts. 2. Wahl des Vorstandes der Gemeinde durch den Ausschuß. 3. Erweiterung des Ausschusies und Erhöhung seiner Kompetenz. 4. Vollständige Ocffentlichkeit bei den Ausschußsitzungen, soweit nicht Fragen in Betracht kommen, deren öffentliche Verhandlung die Gemeindeinteressen verletzen würde. 4. Einführung bezw. Erweiterung des Jugendgottesdienstes. 6. Verpflichtung der Gemeinde, dafür zu sorgen, daß den Kindern der Gemeindemitglieder oer Besuch unentgeltlichen Unterrichts in der Religionslehre und im Hebräischen ermöglicht wird. 7. Stärkere Subventionierung der Wohlfahrtseinrichtungen und Mitwirkung der Gemeinde bei deren Verwaltung. 6. Förderung der jüdischen sozialen Einrichtungen und möglichste Bereinigung derselben in einem Vereinshause. Personalien. Frankfurt a. M, 15. Aug. Herr Louis Feist, Seniorchef der Firma Beer, Sondheimer u Cie., winde zum Kommerzienrat ernannt. Herr Feist, der diesen Ehrentitel seiner verdienstvollen erfolgreichen Tätigkeit auf kommerziellem Gebiete verdankt, hat fich auch bekanntlich durch hochherzige und opferfreudige Betätigung zum Wohle der Israelitischen ReligionSgesellschaft und ihrer Institutionen die Dankbarkeit und Achtung der letzieien Gemeinde in hohem Maße erworben, die die Auszeichnung ihres langjährigen BerwaimngsmitgliedeS und Borfitzenden freudig begrüßen wird. Nürnberg. 5. Aug. Am Sonntag, den 15. Av wurde hier unter zahlreicher Beteiligung Herr Isaak Hetz, Lehrer a. D., zu Grabe getragen. Der Verstorbene wirkte länger als 40 Jahre als Lehrer, Chasen und Schochet, darunter 36 Jahre in der Gemeinde Ermreuth (Obersranken) Bor zirka zwei Jahren trat er in den Ruhestand und zog nach Nürnberg, um hier seinen Lebensabend zu verbringen. Mit ihm ist ein Vertreter der alten Zeit, wie fie leider immer seltener werden, aus dem Leben geschieden. In hohem Maße hat fich der Verstorbene stets n"a:i rrmn min gewidmet und durch seine Pflichttreue, durch fem zu jeder Zeit hilfsbereites Entgegenkommen fich die Liebe aller, die mit ihm in Berührung kamen, erwerben. Als Lehrer und Erzieher gab er der Jugend sein Bestes und blieb ihnen auch über die Schule hinaus der väterliche Freund und Berater. Am Grabe hielt nun zunächst Herr Rabbiner Dr. Freudenthal in Nürnberg eine tiefdurchdachte Predigt, in der er ein treffliches Lebensbild de- Verstorbenen, der als echter Jehudt gelebt und gewirkt, entwarf. Lehrer Heß in Burghaslach, der Sohn de- Verblichenen, sprach in fchmerzbewegten, rührenden Worten dm Dank der Familie aus und Lehrer G o lösch m t d t sprach im Ramm der AultuSgcmeinde Ermrmth, derm Mitglieder fast vollzählig zur mi2p erfchtenm warm. Wie allgemein geachtet und de liebt'Herr Lehrer Heß auch bei Andersgläubigen war, bewies die Beteiligung des früherm und jetztgm Bürgermeistervon Ermreuth an feiner Beerdigung. Letzterer schilderte die großm Verdienste, die fich der Berftorbme als langjähriger Gemetndeschretber in der poitttfchm Gemeinde erwarb. n*22ön Zabern, 13. August, in»K *b nnöff DTK 1'2'2 tznpön n'2 mn 1TK2 hsiipkt- Ein Tempel ist zerstört, ein Heiligtum, reich an Licht und Sonne. Das war die Empfindung eines jeden, der am 24. Ab die Trauerbotschaft erhielt, daß die allbelirbte Frau unserehochgeehrten Rabbiners Dr. Staripolsky nach kurzem Leiden verschieden sei. Ein jeder fühlte den Schmerz, den der schwerbetroffene Gatte empfand, der ein Vater von acht, zum größten Teil noch unerwachsenen Kindern, d<n Tod feiner Gattin beweint, die nach einer 20jährtgm glücklicken Ehe in der Blüte ih er 42 Jahre, ihm entriffen wurde. Ein jeder empfand ihren Tod als einen persönlichm Verlust, denn bei den herrlichen Tugendm, die sie besaß, bei der warmen Güte ihres Herzens, bet der Freundlichkeit, die ihr in so glücklichem Maße eigen war, war fie die Freundin eines jeden Menschen, immer fie ka nte, mußt-fie lieben ob ihres gold nen Herzens. Ihr Haus war die Heimat der Armen und Verlassenen, jeder, der ihre ckwelle betrat, fand i ei ihr ein freundliches Wort, ein offenes Herz und eine offene Hand. Darum war auch die Beteiligung an der Beerdigung dieser teuren Toten sehr groß. Sämtliche Rabbiner de- Unterelsaß, die Behörden der Stadt und des Landes, all die Freunde und B kannten des Hauses und auch die, die ihr ferngestanden waren im Leben, waren herbeigeerlt zmn letzten Geleite. Im Trauerhause sprachen die Herren Oberrabbiner U r y - Sträßburg und Rabbiner Dr. Bloch- Oberehnhetm den Trauernden Trostesworte zu, und auf dem Friedhof richteten die Herren Rai bin« Guggenheim -Saarunion urd Dr. Goldstein- Mutzig ergreifende Abschtedsworle an die Verstorbene. Am erschütternsten war der Moment, als der schwergeprüfte Gatte selber das Wort ergriff und mit veiHallen em Schnier^ seine fromme Ergebenheit in den Willen H"2pn zum Ausdruck brachte mit den Worten: jrfl 'n “JT12D 'n Dtt \T npb '.TV Ein Heiligtum ist zerstört, möge n''2pn die Trauernden trösten DTI3D *|1T2 D^K- Regensburg, 10. Aug. Gestern nachmittag wurde die irdische Hülle des Kaufmanns Herr Simon unbb e i m e r, Inhaber dcr Firma Mayer Sundheimer dahier zu Grabe getragen. Die Beteiligung am Leichenbegängnisse war eine außerordentlich große. Außer den Angehörigen und Verwandten hatten fich auch mehrere Offiziere des hiesigen Regiments, Militärbeamte, sowie eine große Anzahl von Leidtragenden eingesunden. Herr Distriktsrabbtner Dr. M a h e r betonte in seiner Tra-eransprache, daß der Geschiedene seinen religiösen Pflichten >n jeder Hinficht gerecht worden sei. Auch als langjähriger Borstand der israelitischen Kultusgemetnde sei er seiner Aufgabe in der gewiffenhafteften Weise nachgekommen. rrr2aün Laudsberg (Warthe), 15. Aug. Einer der angesehensten Kaufleute d r Stadt, der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher und Repräsentant, Herr Emil Frankel, ist gestorben. Seine Beisetzung erfolgte unter außergewöhnlich großer Beteiligung. Alle Spitzen der Behörden, wie Landrat, Bürgermeister, Präfidium der Handelskammer aus Frankfurt a. O. waren anwesend. Blnmeuthal (Hannover), 16. Aug. Am Mi twoch, i,. August beging Herr M. Kaiser und seine Ehefrau Elise geb. Gottschalk hier in Rüstigkeit und Lebensfrische das Fest der goldenen Hochzeit. Welch guten Rufes und allgemeiner Achtung sich das Jubelpaar erfreut, zeugte die Tatsache, daß sämtliche Anwohner der betr. Straße ihre Häuser geflaggt hatten. AuL dem Kaiserl. Eivllkabinett ging dem Paare durch taS Köntgl. Landratsamt die Ehejubiläums-Medaille nebst dem üblichen Begleitschreiben zu, während der Herzog von Cumberlomd die Dove'sche Prachtbibel nebst einem huldvollen Beglettschrriben dem Jubelpaare durch einen angesehenen Bürger überreichen ließ. Aber auch Herr Landrabbiner Dr. Gronemann zu Hannover, der z. Zt. auf Norderney wellte, Uetz es fich nicht nehmen, dem ehrwürdigen Jubelbräutigam, der fich als ein erfahrener Kenner deS bebr. Schrifttums gezeigt und fich von jeher durch einen religiös-moralischen Lebenswandel hervorgetan hat, ein Aner kennüngsfchi eiben unter gleichzelliger Verleihung de- „Chower -Titels zu übersenden. Ebenfalls erschienen die Herren Vertreter der jüdischenFlltalgemetnden Blumenthal, welcher der Jubelbräuttgam jahraus, jahrein die Dienste eines * orbeters und Thora-V orlesers geleistet, um ein hübsches Andenken mtt Widmung zu überreichen. Auch der erste Vorsteher der eigentlichen Gemeinde Aumund-Begesack, Herr Jakob Wolfs war erschienen, um unter Ueberretchung eines Angebindes die herzl:chsten Glück- und Segenswünsche im Namen der Gemeinde darzubringen. König i. O., 15. Aug. Montag, 6. b. IS. N"TK feiert Herr Isaak Ehrmann, Samor und Lehrer dahier seinen 70. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Derselbe hat seinen Beruf in ununterbrochener 36jähriger, Tätigkeit immer in unetgennützigster Weise O’DV Qgn auSgeübt. Möge eS ihm noch lange vergönnt fein, zum Wohle feiner Familie und feiner Gemeinde zu wirken. Bromberg, 12. August. Herr Kantor Gustav Lew in ist von der jüdischen Gemeinde Flatow zum LftlltttSbeamten gewählt Word«- die hiesige Sultu-- beamtenstelle übernimmt Herr Kantor Jtzig auS Flatow. ibrife 10. Aug. Die Lehrerstelle an der hiestge» jüdisch« Schule, die durch Pensionierung debisherig«

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