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Der Israelit · 1909-08-19 · Heft 33 (19.8.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 33 (19.8.1909)
Date
1909-08-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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19. August 1909. No. 83.' Seite &. heit zu einer von dieser Idee getragenen idealen Weltanschauung, sondern sowohl das Ideal, wie auch die Art seiner realen Verwirklichung trat auf dem Wege der Offenbarung in das geschichtliche Leben unseres Volkes ein. Dieses Verhältnis der Menschen zu Gott, von dem wir ausgehen, wird selbst durch die in der heiligen Sprache für den Menschen dienenden Bezeichnungen zum Ausdruck gebracht. Es heißt D1K Erdensohn, VU8 Schwacher, weil der Mensch nichts ist und nichts vermag gegen die göttliche Ordnung der Dinge, weil er Alles ist und Alles vermag mit und durch die Gottheit, weil er nicht unabhängig von Gott vermöge seiner menschlichen Natur Hoheit und Würde besitzt, sondern alle seine Bedeutung erst gewinnt durch seine Abhängigkeit von Gott, durch das zwischen ihm und der Gottheit bestehende Verhältnis. Dieses Verhältnis besteht aber auch nach den Worten der Schrift in der Gottähnlichkeit, in dem D'pVK D^X3. Diese Gottähnlichkeit des Menschen hat man mit Unrecht allein in seinen geistigen Eigenschaften in dem Selbstbewußtsein des Menschen und in seinem sittlich freien Willen zu finden geglaubt, sie besteht vielmehr in der wunderbaren Vereinigung von Körper und Geist, von Leib und Seele, die den Menschen durch eine unübersteigliche Kluft von den übrigen Wesenreihen der Schöpfung trennt und ihn hinstellt als gottähnliches Wesen. hk ,-ix^O not« pjtt o^iyn bo n"3pn na iietw rstt rwu uw rwn n"3pn na ,*)un *?3 oViyn 73 nN p n"apn na ,nwa uw nun .1^3 oViyn *?3 n« p nam (Fortsetzung folgt.) Mische Literatur-Wegweiser. Man schreibt uns von geschätzter Seite: Niemand wird leugnen, daß eine Sichtung der Literatur nach der religiösen Seite sehr wünschenswert wäre, nicht für den Gereiften, in seinen Meinungen Befestigten, sondern für unsere Heranwachsende Jugend. Freilich wäre es besser, unsere jungen Mädchen läsen wie weiland unsere Mütter und Großmütter den Zeeno urenno, statt oder mindestens neben der modernen schöngeistigen Literatur, die im günstigsten Falle Schwärmer züchtet, freilich wäre es für Geist und Gemüt unserer jungen Männer zuträglicher, sie läsen den Kusari oder den Gabirol, aber der Geist der Zeiten will es anders, und alle Verbote würden die verbotenen Früchte nur um so verlockender erscheinen lassen. Und darum ist es besser, die Eltern geben ihren Kindern, vertreten, das in der ganzen Welt, bei >lnltur- und Naturvölkern, von jeher heimisch war: das sog. Somieuzeichen. Ein einfacher oder mehrfach gezogener Kreis mit einem Mittelpunkt. Ob dieses Ornament (das oft nur bloße Verzierung fein will; in diesem Halle dem Gedankengebiet angehört, ans dem anderwärts das Sonnenzeichen gleichbedeutend mit Gott, Schöpfung, Leben, Ewigkeit usw. ist, mus; ich dahingestellt sein lassen. Vielmals kommt die gesenkte Dackel vor: ebenso oft die zun: Teil verhüllte Urne oder der zum Teil verhüllte Sarkophag. Mein Führer gab in treuherziger Weise seine "Meinung darüber ab: bas Verlöschen des Lebenslichts und die Heimlichkeit der Totenwelt erschienen ihm treffend angedeutet, und mit allergrößten: Eifer machte er nrich auf Wiederholungen aufmerksam. Tort ein Stein „oon menora!“ Ta mit ward der siebenarmige Leuchter bezeichnet, der selbstverständlich oft vertreten ist. Noahs Taube, die über einen: Grabe schwebte, gab uns wieder neuen Gesprächsstoff: wir fanden übereinstimmend, daß dies ein schönes Sinnbild sei. — Auf vielen Gräbern standen Lampen, recht verschieden in Form und Farbe, meist hellblau oder grau, manche mit großer Glocke, andere einem gewöhnlichen Wasserglas entsprechend. Das „Gedächtnislicht" und der Zusammenhang zwischen Licht und Seele wurde von uns erörtert und gleichfalls als sehr bezeichnend gefunden. „Und es macht mir Freude, über so etwas zu sprechen", sagte der Mann. — Ordentlich strahlend eilte er zu einem Grabe, dessen vier bronzene Denkmalpfeiler je von einer Flamme gekrönt sind, was wohl den Pechpfannen oder Fackel:: bei feierlichen Begebenheiten gleichkommt. Vorn am Denkmal hängen zwei aus Stein gemeißelte Lampen, ebenfalls mit herauszüngelnden Flammen. Auch das Sonnenzeichen ist vertreten. In der Mitte des Gie- Der Mraeltt. was ihnen doch nicht vorenthalten bleiben wird. Und vielleicht werden wir gerade dadurch erreichen, daß das Herz der Kindern sich ihren Vätern wieder zuwendet, wenn sie sehen, daß sie sich ihrer alten Mutter, unserer alt- und echtjüdischen Literatur im Vergleich mit den neueren modernen Produkte nicht zu schämen brauchen. Der Kampf wird für manchen schwer, der Ausgang ungewiß sein, besonders schwer, wo der Feind nicht mit offenem Visier auftritt, sondern seine Auffassungen von Frömmigkeit, seine Meinungen und Erfahrungen über Menschen- und Judentum in ein anscheinend jüdisch religiöses Gewand hüllt. Hier wollen und sollen wir dem noch urteilsschwachen Werdenden zum inneren Siege verhelfen. Wenn der Vater, die Mutter, der Lehrer mit seinen Kindern das Gefährliche eines Buches vor dessen Lektüre besprochen und seine Unhaltbarkeit dargetan hat, dann, aber auch erst dann, mag man ihnen das Buch selbst in die Hand geben. Dann kann eine solche Lektüre eher noch zur Stärkung des Charakters und zum nnatf Pirn beitragen. Unsere Jugend findet mehr Zeit, Romane und sog. wissenschaftliche Bücher zu lesen, deren Kenntnis als zur modernen Bildung gehörig angeseh n wird, als die beschäftigte Hausfrau und der im Berufsleben stehende Mann und auch aus diesem Grunde wird die an sich gewiß berechtigte pädagogische Forderung, daß das Kind kein Buch lesen soll, das nicht erst durch die Hände der Eltern gegangen ist, eine schöne Utopie bleiben. Aber was nicht Einzelne können, können Viele. Es braucht nur jeder, der ein modernes Buch gelesen, darüber an eine Zentralstelle, sagen wir, die Liter. Kommission der Freien Bereinigung, zu berichten, und es ist ein Mittelpunkt geschaffen, von dem aus sich jeder, dem es am Herzen liegt, Rat und Auskunft erholen kann. Es wäre auch wünschenswert, daß die Recensionen in den gesetzestreuen jüdischen Zeitungen besonders auf diesen Punkt ihr Augenmerk richteten, und dann in Separatabdrücken den Mitgliedern auf Wunsch zur Verfügung gestellt werden. Mancher bekommt ein Buch, das vor .Jahren erschienen ist, erst spät in die Hände und erinnert sich nicht mehr, ob und was er darüber gelesen hat. Anm. d. Redaktion: Vielleicht ist die vorstehende Anregung geeignet, die Arbeiten der „Apologetischen Centralstelle" der „Freien Vereinigung", die durch persönliche Verhinderung des Leiters eine Störung erlitten, dadurch zu beleben, daß sich aus dem Kreise der Rabbiner, Lehrer und gebildeten Laien freiwillige Helfer melden. An Arbeits-Material wird es gewiß nicht fehlen. vels fehei: wir eine ebenfalls ans Stein gemeißelte Lampe, in jener Form, die wir voll den. EaUlstnSnnd anderen .Katakomben her kennen. Leider ist der Eindruck dieser Stätte stark beeinträchtigt durch die lebensgroße Photographie des Verstorbenen, die nniern Blick sogleich auf sich zieht und i» ihrer verblassen den, unkünftlerischetl Art die Schönheit des TenkmalS kränkt. Ein schönes, schmiedeeisernes Gitter umschließt ein Grab, dessen Platte eii: Bündel Mohn zeigt: der sinnbildliche Eharakter des Mohns ist bekanntlich sehr weit verbreitet. Auch sollst ist der Mohn auf diesem Friedhof oft vertreten. Ferner das geflügelte Stundenglas und natürlich das Zeichen Tavids oder der Bundeslade (zwei ineinander geschobene Dreiecke), von meinem Begleiter „il nodo di Salomone“ genannt. Ein Tenkmal bildet ein großes Ruhekissen (ans dem Sarge). Bei den gesonderten Gräbern der Rabbinen wurde ich ans eine ansehnliche fortezza (Festung) aufmerksam gemacht, zu der Löwen gehörter:. Aus der Platte eines anderen Grabes ist ein Schmetterling eingemeißelt. (Ein Bericht über Messina aus dem Jahre 1478.) Ein junger jüdischer Gelehrter, Obadiah aus Bartenura in Portugal machte in den Jahren 1478 und 79 eine große Reise nach Italien, Egypten und der Türkei und berichtete darüber an seinen Vater in einem hebräisch geschriebenen Briefe. Noch bedeutend mehr wie Zeppelin heute hatte er aus seinem Segler mit widrigen Winden zu kämpfen, mußte oft auf Wochen ans Land und war mehrere Male nahe daran zu ertrinken, lieber Messina, das der Reisende per Abstecher mittels einer französischen Galeere von Palermo ans besuchte, enthält der. Brief und Nachrichten. orrespondenzen Deutsche« Meich. Frankfurt a. M., 15 Aug. Infolge des am 5. August veröffentlichen Leitartikels über die „Esrogim-Kalamität" sind uns zahlreiche Anfragen, aus welchem Wege Esrogim des Heiligen Landes aus zuverlässig überwachten Gärten bezogen werden könnten. Da es für dieses Jahr zu spät sein dürfte, um die Verbreitung dieser von rabbinischer Seite kontrollirten Esrogim auf dem Wege des regulären Handels zu organisiren, so erklären wir uns bereit, Bestellungen unserer Leser unsererseits entgegenzunehmem und die Lieferung zu vermitteln. Voraussetzung hierfür ist, daß erstens die Bestellung sofort erfolgt und daß zweitens die Reflektanten uns mitteilen, welchen Betrag sie anzulegen beabsichtigen. Wir werden dann veranlassen, daß Ihnen die Esrogim direkt von Jaffa zugeschickt werden; auch die Verrechnung würde direkt zu erfolgen haben. Berlin, 15. Aug. Die liberalen Zeitungen aller Schattierungen (heben den Charakter des zurücktretenden preußischen Kriegsminifters Herrn v. Einem lobend hervor und rühmen sowohl seine persönlichen Eigenschaften als auch seine von echter Toleranz zeugenden Anschauungen, die er, insoweit es in seiner Kraft lag, auch zur Unterlage seiner Amtstaktik machte. Besonders wird daran erinnert, daß er mit größtem Nachdruck die Gleichberechtigung der Konfessionen bei der Auswahl des Offizierersatzes betonte und lediglich die persönliche Tüchtigkeit und moralische Intaktheit als Maßstab bei der Wahl zum Offizier gelten lassen wollte. In diesem Sinne hat er sich noch im letzten Winter, wie wir seinerzeit des ausführlichen berichteten („Israelit" Nr. 12. l. I.), deutlich ausgesprochen, und den Offizierkorps, die nach anderen Grundsätzen handeln und insbesondere die jüdischen Einsährigfreiwilligen grundsätzlich die folgenden Angaben: Messina ist ein Handelsplatz für alle Nationen; vor: allen Gebenden konnnen Schiffe dahin, da Messina in der Mitte des Blmrs liegt, so daß Schiffe aus den: Osten und dein Westen da Vorbeigehen, lind auch ist dessen Hafen einzig in seiner Art in der Welt: die größten Schiffe können hier bis aus Ufer komncen. Messina ist nicht so groß wie Palermo und har auch nicht solche gute Quellen, aber die Stadt ist sehr schöi: u,:d hat eine starke Festung. Es find hier an 400 jüdische Fauiilien, die ruhig in eurer eigenen Straße leben: sie find reicher als die in Palermo, und fast alle find Handwerker: doch giebt es auch einige nanflente unter ihnen. Sie besitzen eine Synagoge mit einer Vorhalle, die oben offen, aber an den vier Setten geschlossen ist: in der Mitte der Synagoge ist ein Brunnen rnit Quellwasser. Sie haben eine Verivaltnng bestehend aus AuserivÜhlten, die jedes Jahr neu ernannt werden und find in dieser lvie auch ii: anderen Einrichtungen den Juden in Palermo ähnlich. Ich habe bei einer Trauung, der ich daselbst angewohnt habe, folgendes gesehen: Man hat die Braut, nachdem man die sieben SegenSsprüche verrichtet hatte, auf ein Pferd gesetzt; sie ritt ourch die Stadt. Die ganze Gemeinde ging vor ihr her zu Fuß, der Bräutigam befand sich in der Milte der Aeltesten, und vor der Braut, die allein nur zu Pferde war, trugen Jünglinge und Kinder brennende Fackeln und machten ein lautes Geschrei, so daß die ganze Stadt erschallte; man machte die Runde in den Straßen und in allen jüdischen Höfen; die christlichen Bewohner sahen es mit Vergnügen, und Niemand störte die Festlichkeit. Bon Messina fuhr unser Reisender nach Rhodus, wo er 22 jüdische Familien traf. Sie waren alle arm und ernährten sich kümmerlich von Gemüsen, sie scklach--

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