Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1909)
- Date
- 1909-08-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Crtte 4. 19. Kttguft IMS der in seiner Zeit amtierte. Durch die Wirren, die leider noch immer in der sephardischen Gemeinde herrschen, ist nun die Zahl 9 auf 11 gestiegen. In den jüngsten Jahren wurde sein Geburtstag in Jerusalem alljährlich festlich begangen. Die hervorragenden Rabbonim und führenden Persönlichkeiten Jeruschulajims machten ihre Aufwartung beim heiligen Greis — "WHp töD,, so nannte man ihn allgemein — und wie auf Verabredung wiederholte jeder den Wunsch: „Der Rabbi soll Moschtach erleben!" Es versäumte auch kein jüdischer Pilger, dem es gegönnt war, das heilige Vaterland zu besuchen — mochte er welcher religiösen Richtung immerangehören — diesen hochwürdigen Lehrer Israels den Zoll ehrerbietigster Hochachtung persönlich abzustatten. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend war er mit Thora, Anwodah und Gemilloh Chassodim oder mit na* 'ans beschäftigt. Er empfing Besuche, erteilte gern erbetenen Rat, entschied in strittigen Fragen und noch im Krankenbett überraschte er alle Welt durch die unglaubliche Versabilität seiner Geisteskräfte. Er war — wenn es sein mußte—in allen kritischen Situationen vortrefflich informiert und das körperlich kleine und schwache Männchen mit dem schneeweißen Haar galt weit und breit in allen aesetzestreuen Kreisen Israels, speziell in sämtlichen Erez Jisroal Angelegenheiten, als inappellable rabbinische Autorität. Es wird schwer sein, die Lücke auszufüllen, die dieser große Rabbi in der heiligen Stadt zurückgelaffen. Die Bedeutung eines geistigen Führers für die aschkenafische Judenschaft Jeruscholajtms läßt sich kaum in Worte fassen. Mannigfache große.und kleine Schäden, an welchen alle Anliegen des heiligen Landes so schwer kranken, können nur Heilung finden, wenn an die Spitze des Rabbinates der rechte Mann, der allerdings auch ein "lnn sein muß, als würdiger Nachfolger berufen würde. Und wir dürfen uns über die Schwierigkeit einer solchen Berufung keiner Täuschung hingeben. Doch der Heilige, gelobt sei Er, verläßt sein Volk nicht und wird auch seinen Erbsitz nicht vernachlässigen. jo jrmn rvan 1122 nvr» Vna pwnn. Dann wird größer sein die Herrlichkeit des anderen Hauses als die des vergangenen, und es sendet der Allgüttge Trost der trauernden Gttesstadt, bis auf dem Trümmerfelde Zions einst ersteht das ewige Haus K'^aa Vau jl'X? 821 ßunamtät und üudentiiM. Aus dem litterarischen Nachlasse von Solm - Berlin. Alles Schöne und Edle, alles Sittliche und Gute, das aus menschlichem Willen und Vollbringen je hervorgegangen, umfaßt wohl sicherlich > MWU OWPWI» das eine Wort Humanität. Humanität ist das roße Grundprinzip der Gegenwart geworden, as als Gradmesser gilt für die Höhe und Gediegenheit zu welcher sich eine Kulturstufe entwickelt hat, dessen man sich als Maßstab für den sittlichen Wert menschlicher Handlungen und Empfindungen bedient. Ist nun schon eine Untersuchung darüber, wie die Lehre des Judentums als geoffenbarte Religion die einzelnen zum Humanitätsprinzipe in Beziehung tretenden Fälle bemißt und behandelt, an sich von größtem Interesse, so wird dasselbe gegenüber den in neuester Zeit leider wieder stärker hervortretenden Angriffen unserer Gegner, die dem Judentum nicht nur die volle Verwirklichung des Humanitätsprinzipes absprechen, sondern sogar das Judentum als demselben feindlich hinftellen möchten, noch um ein Beträchtliches gesteigert. Treten wir sofort unserer Aufgabe näher, indem wir versuchen, den Begriff der Humanität zu bestimmen. Was ist Humanität? Humanität bedeutet nach seiner wörtlichen Uebersetzug Menschlichkeit und stellt sich in dieser uns allen geläufigen Bedeutung als eine Tugend, als eine sittliche Lebensaufgabe dar. Es ist eine Tugend, die wir als Pflicht empfinden nnd die in dem Mitgefühl und der Teilnahme besteht, die ein Mensch dem anderen entgegenbringt. Doch ist mit dieser Bedeutung der Begriff der Humanität keineswegs erschöpft. Denn es ist klar, daß dieMeußerung der Teilnahme wesentlich von der Vorstellung abhängig sein wird, die wir uns von dem Wesen und der Bestimmung des Menschen gebildet habendiese Vorstellung hat stets auf die Gestaltung der menschlichen Beziehulgen zu einander ihre Rückwirkung geäußert und in den verschiedenen Zeiten zu einer sehr verschiedenen Anerkennung der Menschenrechte, zu einer sehr verschiedenen Würdigung und Uebung der Pflicht der Nächstenliebe geführt. Sei es, daß man Menschenwert und Menschenwürde bedingt sich dachte von Bildung und Wissenschaft, wie die griechischen Philosophen, oder von Nationalität und Abstammung, wie die Staaten der alten Welt, oder vom Glauben und den religiösen Ueberzeugungen, wie die propagandistisch auftretenden Weltreligionen, immer mußte in jedem einzelnen Falle, wo im rein menschlichen Verkehre das Mitgefühl angeregt wurde, oder wo es sich im staatlichen Leben um Verleihung von Rechten handelte, die Entscheidung von diesen Vorstellungen wesentlich beeinflußt werden. Daher ist auch der Begriff Humanität nach Inhalt und Umfang in den verschiedenen Zeiten so verschieden begrenzt worden, daher hat man die Humanitätsidee in den verschiedenen Zeiten so verschieden verwirklicht, indem man zu Zeiten einzelnen Menschenklaffen ihre Menschenrechte beschränkte, zu Zeite n nur den Stammesgenossen den vollen Menschenwert züerkannte, zu Zeiten endlich nur in dem Religionsgenossen den Menschen achtete und wertschätzte. Aber grade aus dieser weltgeschichtlichen Erscheinung, aus dieser abweichenden Auffassung und Verwirklichung der Humanitätsidee innerhalb der erfahrungsmäßigen Menschheit, geht als unbestreitbare Norm folgendes hervor: Soll die Humanitätsidee zur vollen und uneingeschränkten Verwirklichung gelangen, so muß sie gestützt und getragen sein von dem Bewußtsein der Würde und des Adels des Menschen, von ein r allen Menschen ohne Unterschied gemeinsamen höheren göttlichen Bestimmung. Unter dem Einfluß dieses Bewußtseins, werden dem Menschen Rechte zuerkannt werden müssen, die er rein als Mensch abgesehen von seiner Bildung, seiner Nationalität und seinem Glauben verlangen kann, vor diesem Bewußtsein werden allen menschlichen Unterschiede zurücktreten müssen, und der Mensch wird dem Menschen rein als Menschen seine Teilnahme zollen. Die Humanitätsidee will nicht die in der menschlichen Gesellschaft, im Staatensyfteme und im Vereine der Völker bestehenden Unterschiede aufheben, aber sie fordert, daß diese Unterschiede nicht störend treten zwischen Mensch und Mensch, sie for ert Rechte, die nicht in persönlicher Ausschließung besessen, Pflichten, die nicht in individueller Beschränkung geübt werden, sondern auf deren gleichmäßigen Besitz und deren gleichmäßiger Uebung der Mensch rein als Mensch vermöge der ihm angeborenen Würde Anspruch erhebt. Die so zu einem die Gesamtmenschheit umfassenden Prinzips gesteigerte Humanitätsidee führt mit Notwendigkeit auch zugleich zum Bewußtsein eines Fortschrittes in der Geschichte der Menschheit, einer allgemeinen Verbrüderung, eines gemeinsamen Zieles, dem die Menschheit in immer größerer geistiger und sittlicher Vollendung entgegenstrebt. Humanität ist demnach das von dem Bewußtsein der Wesensgleichheit und Zusammengehörigkeit aller Menschen, der ihnen allen ohne Unterschied angeborenen Würde und des ihnen allen ohne Unterschied gemeinsamen Zieles beherrschte und geleitete Handelt: und Empfinden des Menschen. Wie verhält sich nun die Lehre des Judentums zu der von uns soeben entwickelten Idee der Humanität? Wie die ganze Ethik des Judentums, so wurzelt auch die Humanitätsidee, als deren wesentlichster Bestandteil, in der Religion. Auch ist die Humanitätsidee hier kein durch das Ringen desMenschengeiftes erzeugter und gefundener Begriff. Das jüdische Volk brauchte sich nicht erst hindurchzukämpfen durch die Dissonanz und Verschtedenartigkeit der Verhältnisse und Beziehungen innerhalb der erfahrungsmäßigen Mensch¬ Kleines Meuilleton. veralte jüaiscde flledboki» vom. Darüber schreibt die „Boss. Ztg.": Der zum südlichen Teile Roms gehörende, heute 48 Mtr. hohe Älventin gibt dem Jtalienwanderer verschiedene Veranlassung, ihn aufzusuchen. Nähern wir uns denr Hügel vom Norden her, so haben wir zur Linken den sich in südöstlicher Richtung erstreckenden Platz, auf dem einst (an den Palatin gelehnt) der Circus Maximus stand, in welchem die entsetzliche Feuersbrunst ausbrach, die allgemein auf Neros Sündenregister gesetzt, von. Nero selber aber den Christen zugeschoben wurde. Genau im Süden des Aventin befindet sich die Porta S. Paolo, d. i. die alte Porta Ostiensis, an der unabsehbar viele geschichtliche Erinnerungen haften. Dies Tor wies im' Altertum auf das hochbedeutsame Ostia, neben Puteoli cheute Pozzuoli) der größte Hasen und Handelsplatz der Römer. Bei der Malteser-Villa befindet sich der bekannte und mit Recht gepriesene „Durchblick": durch das mit Messing eingefaßte Loch oberhalb des Gartentürschlüssellochs sieht man auf die riesig aufragende Peterskuppet, die sich ausnimmt, als stände sie am Ende der Hauptallee des Gartens. Letzterer spricht uns in eigener Weise an; wir vermeinen, in einem Zauberreich zu wandern, — so still und einsam, so ganz uns selbst und unseren Traumen überlassen. Ungezählte Male schon bin ich an diesen geschichtlich interessanten und so überaus malerischen Stätten gewesen, und wiederholt habe ich auch den alten jüdischen Friedhof ausgesucht, der — westlich vom Circus Maximns — neben diesem sich erstreckte und z. T. noch erstreckt, einen weiten, prächtigen Ausblick gestattend. Das letzte Mal bin ich hingegangen, um mich unter den Ornamenten der alten Grabdenkmäler umzusehen. Es war ein Frühlingstag, der zwischen Lachen und Weinen schwankte: recht passend zu solchem Wandern. Der Duft der feuchten Erde konnte den der unfern gelegenen Gasanstalten überwinden und im Verein mit dem zarten Grün von neuerwachtem Leben Zeugnis ablegen. Aus den Grasflächen grüßten mich unsere Gänseblümchen, und Schmetterlinge benutzten die Regenpause zu heiterem Gaukeln. Sonst alles eine große Einsamkeit. Dort unten die Riesenstadt — aber scheinbar weit entrückt. Wenn man den Friedhof erreicht hat, ist die am verschlossenen Gitter angebrachte Glocke zu ziehen. Es dauert eine Weile, bis jemand aus dem langen Gange vom Wärterhaus her erscheint und das Tor öffnet. Die Pflanzungen zu beiden Seiten des Weges erfreuen unser Auge und geben zu mancherlei Fragen Veranlassung. Der Führer fragte bescheiden, ob er mit mir gehen dürfe. Seine Neugier war unverhohlen, als er Papier und Bleifeder in meiner Hand bemerkte, und wurde noch größer, als ich ihm meine Wünsche mitteiltc. Als ich bei schön herausgearbeiteten Akanthusblättern verweilte, machte mich jener aus die Löwenfüße des marmornen Denkmals aufmerksam, aus mein Papier hinblinzelnd, als wollte er sich überzeugen, daß ich auch wirklich von den Löwen Notiz nähme. Natürlich! — sind diese doch ein ganz besonders vornehmes Element in jüdischen Ueberlieferungen. Als Jakob kn letzter Rede zu sünen Söhnen sprach, sagte er: „Juda ist ein junger Lötve. Du bist hochgekommen, mein Sohn, durch große Siege." (1. Mosc 49, 8). Im 2, Chronik 9, 19, 19 heißt es: „Zwei Löwen standen neben den Lehnen. (Es galt die Be schreibung des Hauses „Vom W.alde Libanon".) Und zwölf standen daselbst aus den sechs Stufen zu beiden Seiten." — Bei einem der Gräber hallen Löwen eine Palme. Bei einem andern sehen wir zwei Löwen, von denen der eine in einen Turm steigt, während der andere erst hinaufklettern will. Ziemlich am Anfang unserer Wanderung kamen wir zu einer „abgebrochenen" Säule, über der — ungemein zutreffend — Trauerweiden im Winde wehten. „Salia piangenti“ (Tränenweiden) sagte der Führer leise. — Auf einem Sarkophag ruht die lebensgroße Gestalt eines jungen Mädchens. Der Saum des Kleides ist mit Sternen verziert, welche schöne Darstellung nickt ausschließen konnte, daß nach italienischer (leider auch zuweilen in Deutschland anzu treffender) Sitte eine corona di zinco d. i. ein abscheulicher Kranz aus Zink- und Perlenblumen ge stiftet war. Es ist auf allen Friedhöfen Italiens ein uns befremdender Anblick, wie neben Pracht vollen Denkmälern diese Kränze und andere abstoßende Dinge in Ueberfülle anzutrefsen sind. So auch hier, wo ein benachbartes Grab eine unter runder Glao platte verborgene, in Seide gestickte Widmung erhalten hat. Auch die Sitte, oder Unsitte, den Verstorbenen durch seine ausgestellte Photographie zu ehren,' fehlt hier nicht. Nun kommen toir zu einem Grabmal, bas Tempelform zeigt. In der Höhe sind zwei Tafeln angebracht; auf der einen Tafel lesen wir „Ouora iuo padre e tna madre“ (Ehre deinen Vater und deine Mutter); aus der anderen stehen hebräische Schriftzeichen. Zweimal ist da oben auch, jenes Ornament