Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 33 (19.8.1909)
- Date
- 1909-08-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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... ‘ ' K/- . -- -:.. ■’• ....’ - y. v - r , .■*.*■.,'■ *. ' ‘ *"vr . ' IS. «u,ust isos Der gpMteitt Zu widmen und dafür dem Abfall in ihren Reihen, aus denen sich ja 99°/» aller Mischehen rekrutieren, kräftig entgegenzutreten. Calumniare audacter .... Die „Kreuzzeitung" brachte dieser Tage die nachfolgende Notiz: „Die Verurteilung des französischen HauptmannS Mar ix durch daS Pariser Zuchtpolizeigertcht zu einem Jahre Gefängnis und 100 FrcS. Geldstrafe wegen Ordens- und Beförderungsschwindeteien zeugt wieder einmal dafür, daß die Erfahrungen, die Frankreich mit seinen jüdischen Offizieren macht, keineswegs gute sind. Hauptmann Marix ist jüdischer Herkunft, ebenso wie Drehfus und der vor einigen Monaten wegen Landesverrats verurteilte Schiffsfähnrich Ullmo. Es ist doch wohl nicht ganz zufällig, daß es immer wieder jüdische Offiziere waren, an deren Namen sich derartige sensationelle Skandalprozesse knüpften. Jedenfalls sprechen diese Borkommnisie dafür, daß diejenigen Länder, in denen das Judentum isher nicht zu Offiziersstellen zugelassen wurde, durchaus auf dem richtigen Wege damit find und keinerlei Veranlassung haben, von ihren» Standpunkte abzugehen." Man darf wohl annehmen, daß diese Notiz mit dem Abgang des Krtegsministers, General v. Einem, im Zusammenhänge steht. Wie bekannt, hat Herr v. Einem sich für die Gleichberechtigung der Juden, soweit es sich um die Wahl von Reserve-Offizieren handelt, in energischer Weise eingesetzt, wenn auch ein Erfolg bisher nicht eingetreten ist. Die „Kreuzzeitung" scheint nun zu befürchten, daß sein Nachfolger die gleichen Wege wandeln wird, Und versucht daher, dem vorzubeugen. Daß ihr hierzu jedes Mittel recht ist, versteht sich bei der „Kreuzzeitung" beinahe von selbst. Nur geht sie diesmal etwas zu ungeschickt zu Werke. Denn unter den jüdischen Offizieren, mit denen Frankreich „niemals gute Erfahrungen gemacht haben" soll, nennt sie auch Dreyfus, obwohl es doch sicher selbst den Lesern der „Kreuzzeitung" bekannt sein sollte, in welch glänzender Weise Dreyfus nach seiner unschuldig erfolgten Verurteilung rehabilitiert wurde. Es liegt uns natürlich gänzlich fern, den verurteilten Hauptmann Marix in Schutz zu nehmen. Und gerade uns gesetzestreuen Juden wird man weder Übertriebene Nervosität gegen antisemitische Ausfälle noch besondere Sehnsucht nach den äußeren Ehren der militärischen ob r. administrativen Beamten-Hierarchie nachfagen können. Protestieren müssen wir aber doch gegen dieses nichtswürdige Verfahren, aus dem Vergehen eines Einzelnen Schlüsse auf einen ganzen Stand oder gar ein ganzes Volk zu ziehen. Wo käme denn die edle „Kreuzzeitung" selbst hin, wenn man ihr gegenüber nach diesem Rezept verfahren wollte? Wir brauchen nur daran zu erinnern, daß an ihrer Spitze jahrelang der edle Freiherr v. Hammerstein als Cheftedakteur waltete, der nachher wegen einer ganzen Zahl Verbrechen verurteilt, feine Carriere im Zuchthause beendete. Daß auch unter den akttven Offizieren Deutschlands mannigfache Vergehen recht häufig Vorkommen, ist ebenfalls bekannt. Wir brauchen da nur an die jüngsten Skandal-Prozesse zu erinnern. Aber kein vernünftiger Mensch wird es sich deshalb etnfallen lassen, den ganzen Stand für solche Vorkommnisse verantwortüch zu machen. Was endlich die „Länder" anlangt, in denen Juden nicht zu Offiziersstellen zugelaffen werden, so enthält auch diese Behauptung eine Fälschung der Tatsachen. In allen Ländern, in denen Juden einen irgendwie in Betracht kommenden Teil der Bevölkerung bllden, finden wir sie heute auch in militärischen Rangstellungen. Oesterreich und Italien, die beiden Alliierten Deutschlands, zählen eine ganze Reihe von Juden zu Offizieren, ebenso Frankreich, England, Holland, Amerika u. a. Es gibt nur noch zwei Länder, bei denen das nicht der Fall ist. Das sind Deutschland und Rußland! Daß Deutschland für sein bisheriges, den Grundsätzen der Verfassung zweifellos widersprechendes Verfahren nur noch in Rußland einen Gefährten findet, ist eine Tatsache, die man nur zu konstatieren braucht, um ihre Ungeheuerlichkeit zu erkennen. Bon der neuesten Leistung der „Kreuzzeitung" aber werden anständige Christen in dem Gefühle Kenntnis nehmen, das einst Bismarck beseelte, als er dem würdigen'Blatte bescheinigte, es „schände das Kreuz, das es an seiner Stirne trägt." vvmabbiutt Samuel Salant! Bon Rabbiner F. Horovier aus Jerusalem. Aus der heiligen Stadt meldet eine erschütternde Kunde das Ableben des von allgemeiner Verehrung getragen, hochbetagten Oberrabbiners der askenafischen Gemeinden Jerusalems; Rabbi Samuel Salant ist heute, fast 94 Jahre alt, gestorben. Nicht nur die jüdischen Gemeinden Jerusalems und des heiligen Landes, deren geistiges Oberhaupt der Verblichene durch 60 Jahre gewesen, sondern 133' 7tW i"2?2 'n irrm nsitfi n», die gesamte Judenheit auf dem ganzen Erdenrunde hat den Heimgang dieses ^Kiff*3 71121 nr, zu beweinen. Es ist unmöglich in diesem Augenblicke auch nur in kurzen Umrissen das Bild dieses großen Toten vor unserem geistigen Auge erstehen zu lassen und uns in Ermnerung zu rufen, was er für Erez Jisroel, was er für unsere Brüder 723 17121 mxisi gewesen. Rabbi Samuel Salant war wie kein Zweiter mit der Geschichte des ' __ Ko. 88 «ette3 % ttnnpn 3ir in den jüngsten Jahrzehnten aufs engste verknüpft. Seit der Zerstörung Jerusalems zum zweiten Mal haben nicht so viele Juden in Erez Jisroel gelebt wie in den Zeiten dieses Hin und an Allem, was in diesen Zeiten für Thorah Awodah und Gemillus Chassodim in Jeruscholajim geschehen, hat der greise Rabbi zu seinem Teil in hervorragendster Weise mitgewirkt. Das Hinscheiden dieses großen, vielverehrten Mannes wird daher in weitesten Kreisen, in erster Reihe aber im heiligen Lande selbst tiefste Trauer Hervorrufen. Hunderte Rabbiner, die mini **?112 in Jeruschulajim umstehen in diesem Augenblick die heilige Lade, die in sich birgt was irdisch an dem großen Manne gewesen. Die zahlreichen Botye Midrasch find wüst und leer, alles Handwerk ruht, die heilige Stadt ist in Trauer gehüllt. Allenchalben wird die Klage ertönen 38 f*8i 12"1 ü'Din' „wir sind verwaist, unser Vater ist nicht mehr." Ein Vater im idealsten Sinne des Wortes ist Rabbi Samuel Salant, jedem Hohn und jeder Tochter Jeruschulajims gewesen. Millionen an Zedokoh kamen durch seine Hand für die verschiedenen Jeschiboth und Wohlfahrtsanstalten in Jeruscholajim. Er verfügte wohl auch selbst über viel Geld, welches er im Aufträge zahlreicher Wohltäter an Witwen und Waisen und arme Schriftgelehrte zu verteilen hatte. Für sich, für seine persönlichen Bedürfnisse hatte er mit dem Wenigsten vorlieb genommen ^3111 3p3 17 '1 '23 82*211 und wie er gelebt, so ist er auch gestorben. Rabbi Samuel Salant hat als blutarmer Mann das Zeitliche gesegnet. So lange es seine schwachen Kräfte gestatteten, war seine bescheidene Wohnung für jedermann offen. In den jüngsten Jahren war er zumeist an das Bett gefesselt, aber die fast beispiellose geistige Frische, die diesen Patriarchen bis in die letzten Tage seines arbeitsreichen, gesegneten Lebens zum Gegenstände allgemeiner Bewunderung machte, ließ fest daran glauben, Rabbi Samuel Salant werde auch noch die kurze Zeitspanne überdauern, die ihn vom hundertsten Lebensjahre trennte. Schon in seinen Jugendjahren wurde , er als ,,'17'y" als scharfsinniger Thorahgelehrter allgemein bewundert und im Alter von 33 Jahren kam er ursprünglich aus Gesundheitsrücksichten nach Jerusalem. „Bevor ich nach Jerusalem kam" — erzählte er dem Schreiber dieser Zellen — „hat mir der Arzt verboten, am Jaum Kippur zu fasten. Ich müßte es sonst 1"1 mit meinem Leben büßen." Rabbi Samuel Salant hat auch noch den letzten Jaum Kippur ausgefastet und noch am letzten Hüttenfest hat er die ganzen 7 Tage in der Sukkoh geschlafen. Rabbi Panisel, sagte er mir damals, sei der neunte Chachambaschi, % *<ä •1 ■Jk , V Sr 'Ä .D 'l;.jS -j x: -M % 3 fürwahr wir geloben, daß Gottes großer Name durch uns verherrlicht werde, für alle Zeiten? Ich gestehe, daß von all diesen Gedanken kein einzelner das Fundament dieses Hauses bilde, sein Grundstein heiße Treue zu dem überlieferten Erbe der Ahnen, das Gerechtigkeit, Liebe und Gottvertraucn in sich zu einer Einheit zusammenschließt. Das Erbe der Vergangenheit ungeschmälert in das Herz der Gegenwart zu pflanzen, um es für die Zukunft 51t retten, das ist die große Idee, für deren Verwirklichung wir nicht genug Opfer dringen können. Nicht wollen wir Gottes Gesetz, das die Jahrtausende erzogen hat, das alle kommenden Zeiten zu erziehen beruefn ist, umbildend nach den wandelbaren Meinungen des Sterblichen nach den Wünschen menschlicher Beliebigkeiten und Bequemlichkeit. Es gibt keinen Tempel auf Erden, in welchem das Chamäleon angebetet wird, das Tier, das fortwährend seine Farbe ändert. Wir sind das ewige Volk des ewigen Gesetze?, des ewigen Gottes. Wie traurig wäre es, wenn alle die Mühen und Opfer und Anstrengungen, die Sie, M. A. nicht gescheut, nur dazu dienen sollten, das altgeheiligte Gebetbuch,- das zahlreiche Generationen mit Heldenmut und Begeisterung erfüllte, aus welchem noch heute Millionen unserer Brüder aus den» ganzen Erdenrund belebende Hoffnung und Widerstandskraft in unsäglichen Kämpfen schöpfen, zu entstellen und zu entwürdigen! Oder haben »vir ernstlich bedacht, was wir hier wollen? Wollen wir oder will einer von uns, das einheitliche Gebetbuch, die eine heilige Sprache, die trotz der Trennung durch Länder und Meere alle unsere über das ganze Erdenrund zerstreuten Brüder mit einem Gedanken, mit einem Gefühl erfüllt, das ganze Erdenrund in ein Vaterhaus, alle Beter in ein Herz, alle Bitten in ein Gebet tvandelt, wollen wir dieses noch heute noch ganz Israel einigende Band antasten, lockern oder zerstören? Hieße es nicht dem Lebensbaume des Judentums die Wurzel, dem Hause Jakobs das Fundament entreißen? Die Tage, in welchen wir den Grundst in legten, beleben in uns das Gedächtnis der großer Zeiten in welchen Israel “pjlblT D*p^K ]*K „Kein Gott außer Dir," nicht im gemischten Chorgesang, nicht in den Leuten der Alltag spräche rief, wo es dieses Bekenntnis mit dem Herzblnt seiner Männer und Frauen, .seiner Jünglinge und Jungfrauen, seiner Kinder und Säuglinge, besiegelt mitten in den Flammen, die sie umzingelten, freudig den Tod empfingen und bet Ruf ln# '1 die auf Scheiterhaufen erlösten Seelen himmelwärts hob. Möchte doch dieser feierliche Augenblick der Grundsteinlegung einen Funken jener alten Begeisterung für Gott und sein heiliges Wort in unfern Herzen wecken und uns alle im.Geiste um die Leichenhügel jener für die Thora Gestorbenen sammeln, auf daß wir lernen adlerleicht und löwenstark den Willen unseres Herrn und Meisters zu erfüllen und uns schämen, der verhältnismäßig kleinen Opfer zu gedenken, die das Judentum heute von uns fordert. Bei dieser Grundsteinlegung geloben wir von neuem in uns zu gründen und zu befestigen den alten heiligen Glauben der Ahnen, und die Treue, die sie mit dem Tode besiegelt in diesem Gotteshaus, das auf diesem Fundament sich erheben wird, im alltäglichen Leben zu bewähren. Bon unserm Ahnherrn Jakob, der den ersten Grundstein zum ersten Gotteshause gelegt, erzählen unsere Weisen: als in der ersten Nacht seiner Wanderung sein müdes, Haupt zur Ruhe gesenkt, die Steine des Feldes mitemanher zu hadern begannen, indem jeder wünschte, daß auf ihn der Gerechte fein Haupt niederlege. Mgjstige ließ die Meine zu einem. einzigen zusammenschließen und sie alle vereint dienten dem Pilger zum Kissen. Deuten nicht diese miteinander hadernden Steine die Verschiedenheit der einander bekämpfenden Mensrben an? So sehen die Einen den Grundstein auf betu der Mensch am sicherstell ruhen kann in der Gererlitigkeit, welche ein Gesetz für Alle aufstellt, die Anderen in der Liebe, die Alles begreifende. Alles verzeihende. Die Dritten in Gottvertrauen, welches in allen Leiderr aufrichtet. Das Vorbild des mutigen, gottvertrauenden Jakob lehrt uns diese einzelnen Bausteine zusammenzufügen zu einer einzigen Grundlage. Aus dieser Grundlage.ruhend, sah er die Himmel und Erde verbindende Stufenleiter, aus welcher die Engel Gottes alrf- und niederftiege« und erwachend, erhob er diesen Stein, auf dem er geruht, weihte ihn zuin Denkstein, goß Oel auf dessen Spitze und gelobte: „Wenn der Herr mit mir sein wird, auf dem Weg, aus dem ich jetzt wandle, und ich in Frieden zurückkehre in mein Vaterhaus, so soll dieser Stein mir zum Gotteshaus sein. Mit Jakob rufen wir anch: rr3 ,1*1* 13X0 *10v 1V8 181.1 |3K1 lypStf. Auf der Treue zu den heiligen unserer Ahnen, diesem Fundament, welches alle Grundsteine der Gerechtigkeit und Humanität des Gottvertrauens zu einer Einheit hnsammenschließt, erhebe sich hinter Gottes Schutz ein Gotteshaus zur Zierde dieser «tadt, ein Sinnbild der Einigkeit. Ein Quell religiöser straft, eine Mahnung an kommende Geschlechter in unwandelbarer Treue festzuhalten zu Gott und seinem elvigen Gesetze. D