Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1909)
- Date
- 1909-08-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449385--65766-2508422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 8 Rr. 33 Der Israel». 12 2tugi.fi 1909 zunächst einen Bericht der Verwaltunqskommisfion, dem zu entnehmen ist, daß auch d«S verflossene Schuljahr ein Jahr ruhiger, steter Entwicklung sowie stiller, aber rastloser Tätigkeit war. Nach 13jähriger Lehrtätigkeit an der Schule hat Herr H. Etnstädter dieselbe verlassen, um einem Ruf an eine hiesige städtische Schule zu folgen. Als Nachfolger ist Herr Moses Steinberger in das Lehrerkollegium etngetreten. Anstelle des turnusmäßig aus der Verwaltung ausgeschicdenen Herrn Michael RapP wurde.Herr JakobStrauß gewählt. Auch in diesem Jahre hatte sich die Schule der Gunst edler Wohltäter zu erfreuen - von größeren Spenden ist zu verzeichnen: von Frau Baronin Edmond de R o t h s ch t dh, Paris, für den Penstons ond 1200 Mark, für den unangreifbaren Fond 1000 2RL; von Herrn Louis Feist, hier, für die „Selma Feist geö. Falck- Stiftung" 1000 Mk., von den Erben des sel. Herrn Jakob Cr am er 500 Mk., von einem ungenannten Wohltäter 1000 Mk., von Herrn R. A. Dr. Siegfr. Schwarzschild und Frau für die „Emil und Flora Schwarzschttd- - tt'tung 2 00 Mk., für bte „Selig und Clementtne Goldschmidt-Stiftung" 100) Mk., der sel. Herr Anton Marx Sulp testierte eine Summe von 5000 uz.k., die zur Gründung einer „Anton Marx Kulp- Stiftung" verwendet werden soll. Au« dem Bericht deS Rektors ist zu ersehen, daß die Schule im Interesse eines gedeihlichen Unterrichts in den oberen Klassen mit behördlicher Genehmigung zu einer stebenstufigen Anstalt erweitert wurde. Sie zählt jetzt 8 Klassen. Die sechs unteren Klassen find gemischte Klassen. Klasse 1 und 2 find vereinigt und bilden nach Geschlechts n getrennte Parallelklassen. Eine Teilung der dritten Klasse (6. Jahrgang) in Knaben- und Mädchenklasse ist für das kommende Schuljahr in Ausficht genommen. Umfang und Verteilung des gesamten Lehrstoffes für die sechs unteren Jahrgänge decken fich mit den Einrichtungen an den städtischen Bürgerschulen, nach Maßgabe des „Lehrplanes für die Bürgerschulen in Frankfurt a. M.", ausgestellt von der städtischen Schuldeputation und genehmigt i urch Verfügung der kgl. Regierung zu Wiesbaden im Jahre 1907. Den tvmbintirten Oberklassen l egt-ein vereinfachter Lehrplan zugrunde, der an der Hand des städtischen Lehrplanes auSgearbeitet und von den Vorgesetzten Behörden im Jahre 1908 genehmigt wurde. Für die Religtonsfächer (Hebräisch und Religion) wurde, der Neuetnreilung entsprechend, ein neuer Lehrplan entworfen, der im rächsien Schuljahre probeweise durchgefühlt werden wird. Königsberg i. Pr«, 5. Aua. Der Jahrerbericht über die Reltgionsschule ter Ad aß Jisroei dahier für bas Schuljahr 1908/0) ist jetzt im Drucke erschienen. Die Frequenz der Schule überstieg die des vorigen Jahres und erreichte die Zahl 131 (73 Knaben, 50 Mädchen, zusammen mit den ^1 Teilnehmern am Fortbildungskursus) Als eine cif euliche Neuerung in .dem Lehrplan sei erwähnt, daß der außerpentateuchische biblische Geschichtsstoff — Josua, Richter, Sam. el, Könige, Esra, Nehemia Daniel, Chronik — von der 3. resp. 2. Knabenklasse aufwärts m der hebräischen Bibel durchgenommen werden soll Der Versuch (zunächst mit der 3. Knabewlasse) 8zeigte, daß die libendige Darstellung der Bibel die im ebrässchen geübteren Schüler bei Bewältigung größerer tunbenpensen (etwa ein Kapitel in der Stunde) am meisten zu fesseln und daneben in der Kenntnis der hebräischen Sprache in bedeutendem Maße zu fördern vermag. Als w.ssenschaftliche Beilage zum Berichte gelangte zur Versendung. „Die Termini des synagogalen und des häuslichen Ritus." Bon Dr. A. Liebermann. Personalien. Zabrze, 5. Aug. Am 1. August war es unserer Gemeinde beschieden, ein schönes ,^est zu feiern. Herr Michael Kaiser, der seit einem Mcnschenalter an der Spitze des hiefigen Gemeindevorstandes steht, beging an diesem Tage die Feier seines 70. Geburtstages. £et Jubilar, der stets bestrebt ist, die Gemeindeangelegenheiten in jüdischem Geiste zu verwalten, erfreut fich der Achtung und Wertschätzung weitester Kreise. Er bekleidet zahlreiche Ehrenämter innerhalb der Gemeinde, wie auch in der Kon munal- und Kreisverwaltung. S?in Jubeltag wurde chm zu einem hohen Ehrentage. Zahlreiche Deputationen von Vereinen, Wohltätigkeitsanstalten und Behörden überbrachte» ihm ihre Glückwünsche. Ein solennes Festmahl, bei dem insbesondere Herr Rabbiner Dr. Kaatz die Verdienste des Jubilars feierte, beschloß die Festlichkeiten. Möchte es Herrn Kaiser vergönnt sein, sich noch lange Jahre in Kraft und Rüstigkeit seiner segensreichen Tätigkett zum Heile des Judentums zu erfreuen. Wrescheu, 5. Aug. Herr Kantor Czechanowitz ist in den Ruhestand getreten, nachdem er 40 Jahre lang im Dienste der Gemeinde gestanden. Er erfreute fich allgemeiner Beliebtheit, und im alten „Chasonus" war er anerkannter Meister. Görlitz, 5. Aug. Kommerzienrat S. Hey mann Hierselbst hat zum Neubau der Synagoge 30.000 Mark gespendet. Laueuburg (Pomm.), 5. Aug. Bor einiger Zeit feierte die hiesige älteste Einwohnerin, Frau Wittwe Jette! Rieß, ihren 104. Geburtstag. Sie ist zugleich die älteste Frau der ganzen Provinz Pommern und ist noch körperlich und geistig ftisch. Sprechsaal. Kurgebrauch und Kofchereffen. Babenwetler, 27. Juli 1909. Zuweilen erhält man von neologen jüdischen Kurlästen, die man fragt, weshalb sie in einem christlichen ^otel oder Restaurant essen, die Antwort, daß der Arzt Schinken mit Milch und Braten in Butter verordnet habe. Im Gegensatz hierzu antworten oft christliche Kurgäste, sie speisen in einem koscheren israelitischen Restaurant, weil ste da zum Voraus wissen, was fie bekommen werden und deshalb zur Kur gehen, um gesund zu werden. Ein mir befreundeter Herr, der auf Anraten deS Arztes nailD essen sollte, war mißtrauisch gegen diese „Arznei" uno wollte ein gediegenes fachmännisches Urteil hierüber einholen. Er erhielt nachfolgende Antwort. ., den 21. Juli 1909. Sehr geehrter Herr! Besten Dank für Ihr liebenswürdiges Schreiben Milten in Ihrer Kur finden Sie Zeit und Muße, fich schriftlich zu Nutz und Frommen Anderer zu betätigen. Darum beeile ich mich gerne, wenigstens kurz Ihnen meine persönliche Ansicht bezüglich der Anordnungen der Aerzte betr. „Schinken" und „Braten in Butter" zu schreiben. (Eine wissenschaftliche, wenn auch populär gehaltene Abhandlung erforderte eine längere Ausführung.» Meines Wissens gibt es absolut keinen einzigen Fall, der notwendig nur den Genuß von Schinken oder von Braten in Butter erheischte oder auch nur rechtfertigte. Der Arzt, der gegenteiliger Ansicht ist, hat fich nicht genügend mit der Küche i. e. mit der Zubereitung der Speisen vertraut gemachtaußerdem macht er mit einer solchen Verordnung eine Verbeugung vor der Neigung der Patienten. Ich kenne ale diese lieben Kranken mit ihrer ausgeprägten Selbstliebefie behaupten fest und steif, sie vertrügen kein Gänsefettetwas Zarteres als das rosawe ße Fleisch des Schinkens fänden fie nicht in der jüdischen Küche. Die armen betrogenen Betrüger! Verstünden alle jüdischen Ehegattinnen richtig i. e. entsprechend der Berdauungskraft ihrer Ttschgenossen die Speisen zuzubereiten, oder gäben ste sich die Mühe, die Fortschritte der Medizin fich zu eigen zu machen, dann gäbe es weniger Leichtfertige, die „überall" besser essen als in ihrem koscheren Haushalte. Wir wollen alle diejenigen außer acht lassen, die fich überhaupt gern und mit Absicht über das Gebot des hinwegzusetzen. Leider gehört dazu das Kontingent der Städter, und das ist die Mehrzahl der Badegäste. entspricht ihrem Geschmack und über Geschmacksachen diskutiere ich nie. Aller alle jene Israeliten, die gerne koscher rssen wollen, dürfen fich nie zufrieden geben, sollte ein Arzt den Schinken anraten. Sie mögen nur fragen, 1. ob denn Schinken gar so leicht verdaulich wäre. 2. ob denn nicht anderes Fleisch, außer vom Schwein mindestens ebensogut verdaut, nicht auch gur schmeckte. — Verordnet ein Arzt dem Gast Rindfleisch in Butter gebraten, dann frage der Patient, 3. ob der gewissenhafte Herr Doktor nicht auch eine gleichwertige Zubereitung von Roastbeaf wüßte. Möglich, daß der gewissmhaite Arzt fich erst bestnnen wird, bis ex die richtige Antwort gibt. Aber schließlich wird er zu folgendem Resultat kommen: Alle jene Jsracliten, die Schinken und Braten essen dürfen, sind nicht krank, wenigstens nicht mögen- und darmkrank. Denn dieserarrig zubereitete Fleischspeisen bleiben bis zu 3—4 Stunden im Magen liegen, entyalren viel Fett und sind schwer verdaulich. Ste gehören auch darum nach den Arbeiten des großen Magen-Darmarztes Geh. Rat von Leube erst zur 3. bezw. 4. Kostart. Sollte aber ein Aequtvalent für Schinken vom lieben Klienten gefordert werden, ei, dann haben wir Israeliten ja die Pöckelbrust dom jungen Rindwir haben die gute milde Ntndszunge. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß die Ergebnisse einet richtigen leichten Einpöckelung stets jene zarten Fleischarten sind, die besser verdaulich sind als selbst der westfälische Schurken. Man nehme nur Bruststück (am besten mittleren Teil), befreie es von den Knochen und deren Anhängsel (dem fettigen sehnigen Bindegewebe)- auf beiden Seiten geklopft, wird das Fletsch mit viel Kochsalz und sehr geringen Mengen chemisch reinem Salze einaeiieben, manche Hausfrauen fügen noch etwas weißen Pfeffer und evt. auch Jngwar hinzu. Etwa 14 Tage lang gut gepreßt, ca. dreimal gewendet, gut w e r ch in heißem gesalzenen Wasser gekocht, gibt dieses dann abgekühlte Pöckelfletsch völlig den „jüdischen" Schinken. Dünn geschnitten, kreuz und quer gelegt, gut gekaut, wird dieses Fleisch auch von dem verwöhntesten Magen vertragen, evt. auch dem Gaumen schmecken. Nun zum Braten! Hi r sei das Butterfett am verdaulichsten? Wie schreibt doch v. Noorden in seinem Werke über Diabetes: „Das ist eine schlechte Köchin, die ohne Mehl ihre Saucen nicht zu binden versteht." — Mchnlich hier. Da versuche es nur die Hausftau mit folltenhem K.chrezept: Ste nehme ein hübsches Rippenstück, KWe es tüchtig, reibe es mit Salz und Pfeffer ein, neMe es in eine Bratkachel (in einem Zwischenöfchen wird der Braten am besten), brate es ca. 10 Minuten rechts, dann ebenso lange links in vielem Fett, gleichviel ob dieses Fett Gans- oder Fleischfett ist. Ist der Braten gelb, dann schütte fie das Fett sorgfältig ab und dünste dann dm Bratm nach Zuführung von ca. einem Trinkglas kochendem Wasser entsprechend seiner Größe, etwa im Verhältnis pro Kilo eine halbe Stunde lang. Mein Verehrtester Herr! Ich hoffe, daß diese kur e Schilderung Ihnen leichte Handhabe gibt, jedem Israeliten, der koscher effen will, einen Fingerzeig zu gebm. Auch wir in M. haben in dieser Saison erlebt, daß bet dem jüdischen Wirt F. ein Ntchtjude ea. J4 Tage lang seine Kost nahm, nachdem er acht Tage lang bei dm christlichen Wirten eine kurgemäße Diät gesucht hatte. Im Gegensatz hierzu sehen wir leider nur zu oft, daß mancher Kurgast sehr leichtfertig zur trefe Diät übergeht. Desim Judentum aber ist neologer Natur. Für ihn gelten obige Rezepte nicht Ich erlaube Ihnen gerne, voll diesem Briefe nach Belieben Gebrauch zu machen, sofern sein Inhalt Ihnen zur Veröffentlichung geeignet erscheint. Persönlich möchte ich mich als kompetent in dieser Frage betrachten da wir Kurärzte mit Stoffwechsel-, Magen-, Darm- und Leberkrankhetten alljährlich zu tun haben. Ihr ergebenster gez. Dr. K. Dieses Urteil eines unbefangenen Fachmannes ist gewiß weiterm Kreisen von Interesse, wenn es auch für wahrhaft gesetzestreue Juden natürlich überflüssig erscheint. »rleNtasten. S. T. aus Jerusalem i« B. Für dm Inhalt des betrrffenden Jnserarrs übemehmm wir keine Verantwortung und müssen wir Ste auch mit der Gegenerklärung an „Hasenstein u. Bögler" verweisen, die über dm Inseratenteil unseres Blattes verfügen. M. F. in L. Unter solchen Umständen sollten Ste erst recht suchen, Einfluß zu gewinnen und möglichst auf Abstellung der Mißstände hmarbeilm. Der Umstand, daß Ste Bürger eines anderen deutschen Bundesstaates sind, dürfte in dieser Beziehung kein Hindernis sein. P. P. in N. Anonymes bleibt unberücksichtigt. Lehrer H. K in E Der Artikel kommt zu spät. Manuskript folgt mir Dank zuiück. I. D. I. An solchen Lehrinstttuten fehlt es in Franifurt a. M. nicht. S. K. in C. Ja. V. R., Langeuschwalbach. Soweit uns bekannt, ist kein streng rituell geleitetes Hotel am Platze. öerelnsiralenaer. Verein Mekor-Chajim, Schützenstraße 2: Sams tag, dm 14. August 1909, Mittags 12 Uhr im Hörsaal der Synagoge Frtedberger Anlage: „Menauras Hamoaur" Vortrag des Herrn Kantor Sreinberger. — Nach mi'.tags 41|4t Uhr (Schützenstraße 2) „Mikro-Bortrag" des Herrn Joseph Wohifarth. lamMennacdrlcdten. Geburten: Eine Tochter: Buchbinder (Heldenmut) hier» Baumweg. — G a b e l (Manne) hier, RechneiÜr. — Kantor Grog,' Königsbach i. Bd. — MoseS (Max Oppenheimer Jacobs) London N. Verlobte: Amalie Emannel, Max Gutmann, Fulda - Hamburg. — Lotte Rothschild» Leopold Fränkel, München. Vermählte: Dr. Bernhard Hamburger, Eugenie geb. Wolf, BreSlau-Würzburg. — Fritz Gutmann, Recha geb. Altmann, München. Sabbat - Anfang u. Ausgang OBT: Anfang Dattm» Ausgang Uhr Mm. 1909 5669 UhrlMin. _14. 27. Ab Frankfurt a. M 7 10 Aug. 8 35 verlin .... — — 8 25 München . . . 7 — 8 11 Ttratzdnrg . 6 45 8 30 Stuttgart. . . 7 15 8 24 Pose» .... — — 8 18 Nürnberg . . — — 8 18 Hamburg. . . - — 8 45 Prag .... — — 8 15