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Der Israelit · 1909-08-12 · Heft 32 (12.8.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 32 (12.8.1909)
Date
1909-08-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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12. Aygust 1909. Der JSraettt. Nr. 32 Sette 7 ttucht geführt habe. Infolge des Alarms von dieser Seite, hat die Regierung die Rabbiner und jüdischen Matrikelführer zur Einlieferung aller auf die Uebertritte bezughabenden Daten aufgefordert. Soweit das Material heute vorliegt, kann jetzt schon festgestellt werden, daß die antisemitische Presse die ganze Angelegenheit arg übertrieben hat. Wahr ist es aber, daß eine Anzahl derjenigen seinerzeit getauften Juden, die im Geheimen ihr Judentum bewahrten, die Gelegenheit wahrnahmen, öffenttich zum Judentume zurückzukehren, sowie, daß einige Mitglieder der „Sabbat"-Sekte zum Judentums übertraten. Bor einigen Tagen fand in Petersburg eine Konferenz statt, in welcher über die Mittel zur Hebung des jüdischen Buchhandels in Rußland beraten wurde. Es wurde allgemein konstatiert, daß der jüdische Büchermarkt ganz darniederliege, und die Lage der jüdischen Buchhändler eine prekäre sei. Ursprünglich bestand die Absicht, eine Landeskonferenz jüdischer Buchhändler einzuberufen, doch mußte mit Rücksicht auf die geringe Zahl der jüdischen Buchhändlerfirmen davon Abstand genommen werden. Von den verschiedenen Anträgen wurde bloß der eine angenommen, unter dem Namen „Liebhaber des jüdischen Buches" eine Landesorganisation ins Leben zu rufen und mit der Bildung derselben die jüdisch-literarische Gesellschaft zu betrauen. * * * In Kiew wurde, wie „Rjetsch" berichtet, wieder eine Zensorstelle für jüdische Druckschriften errichtet. Tie Zensorstelle für jüdische Publikationen wurde im Jahre 1905 aufgelassen. Ueber die Gründe dieser neuen Maßregel wird nichts bekanntgegeben. Kowno, 8. August. Man spricht viel von den Leiden der Emigranten in den Einwanderungshäfen. Aber nur den Bewohnern der Grenzstädte in Littauen ist es bekannt, daß der dornenvolle Leidensweg der jüdischen Emigranten schon mit dem Passieren der Landesgrenze beginnt. Bekanntlich ist zum Ueherschreiten derselben ein spezieller Auslandspaß erforderlich. Das Erlangen eines solchen Passes ist aber mit großen Schwierigkeiten verbunden. Man muß dazu durch verschiedene Behörden und Instanzen gehen und mannigfache Dokumente bekommen und der Gouvernementsverwaltung vorlegen. Abgesehen von den dadurch verursachten beträchtlichen Kosten, die für die meist unbemittelten Auswanderer eine empfindliche Last bedeuten, ist auch diese Prozedur sehr langweilig und mit vielfachen Hemmnissen verknüpft. Zahlreiche Emigranten sind deshalb gezwungen, sich ohne Auslandspaß auf ihre trauiige Wanderung zu begeben und sich selbst, sowie rhr Hab und Gut den „Grenz-Agenten" anzuvertrauen. Diese verfahren häufig gegen die hilflosen Auswanderer in geradezu haarsträubender Weise. Tage- und wochenlang halten sie sie in dunkeln, engen Verstecken und exploitieren sie schonungslos und ohne Erbarmen. Die „Grenz- Agenten" bilden den Schrecken der Emigranten, den sie jedoch sehr häufig nicht umgehen können. In der öffentlichen Meinung der russischen Judenheit gibt sich deshalb das Verlangen nach Abhülfe in dieser Beziehung kund. Das Wichtigste und Nützlichste wäre dabei, sämtlichen Emigranten Auslandspässe zu beschaffen, wodurch ihnen das freie Passieren der Heimatsgrenze ermöglicht und jede Berührung mit den Agenten erspart würde. Und hier ist ein großes und eminent bedeutendes Arbeitsfeld für die großen jüdischen Organisationen, welche direkt oder durch materielle Hllfeleistung dazu beitragen könnten, eine spezielle, über ganz Rußland ausgedehnte Organisatton zu begründen, die jedem Auswanderer auf seinen Wunsch einen regulären Auslandspaß besorgen sollte. Eine solche Organisatton würde sicherlich die weitgehende Förderung seitens der führenden jüdischen Persönlichkeiten, Rabbiner, Gemeinde- Borsteher usw. in jeder Stadt erfahren. Die bestehenden Emigrationsbureaus tuen zwar vieles für die Auswanderer,' ihre Wirksamkeit liegt aber vornehmlich auf dem Gebiete der AuSkunftSerteilung. Damit kann aber dem geschilderten Nebel nicht abgeholfen werden. Dieser großen und opferreichen Aufgabe könnte nur eine besondere, umfassende, mit den nötigen Mitteln versehene Organisation gewachsen sein. Mögen die jüdischen Gesellschaften, denen daS jammervolle Los der jüdischen Emigranten wirklich zu Herzen geht, hier eingreifen. Odessa, 8. Aug. Die Partei der Kadetten hat für die demnächst stattfindende Ersatzwahl in Odessa den Odessaer jüdischen Advokaten A. E. Brodski als Kandidaten aufgestellt. Interessant ist, daß die Kadettenführer diese Kandidatur damit begründen, daß die Duma jetzt im ganzen zwei jüdische Deputierte zähle, von denen der eine Nisselowitsch in letzter Zeit dauernd krank sei und seinen Pflichten als jüdischer Abgeordneter nicht Nachkommen könne, und der zweite, Herr Friedmann allein zu schwach sei, die Interessen der jüdischen Bevölkerung in der Duma wirkungsvoll zu vertreten. Deshalb stelle die Partei selbst einen jüdischen Kandidaten auf. Trotzdem 40 pCt. der Odessaer Wahlmänner Juden und weitere 20 pCt. Kadetten und Progressisten sind, befürchtet man doch, daß die Behörden durch Repressalien die Wahl Brodski's zum Deputierten vereiteln werden. Sollte die Wahl normal verlaufen, so erscheint die Entsendnng eines dritten jüdischen Deputierten in die Duma gesichert. Amerika. New-A.ork, 1. Aug. Bezeichnend für die rigorose Handhabung der „Aliens Bill", ist folgender Fall: Ein jüdischer Tabakarbeiter, Hermann Friedmann, der fünfundzwanzwig Jahre in den Bereinigten Staaten gelebt hatte, entschloß sich um die Weihnachtszeit des vorigen Jahres, seine frühere Heimat, Oesterreich, zu besuchen, um einige Wochen mit seinen alten Freunden zu verleben. Wie groß war sein Erstaunen, als er bei der Rückkehr in seine neue Heimat von den Behörden nicht an Land gelassen wurde, sondern der Hamburg-Amerika-Linie zum Rücktransport nach Europa mit der „Amerika" überwiesen wurde! Grund: Körperliche Untüchtigkeit. Der Fall wurde bald auch unter den Kajütengästen des Dampfers bekannt und sein trauriges Schicksal hatte dem armen Manne bald die allgemeine Sympathie erworben. Die schreiende Ungerechttgkeit, welche ihm wiederfahren war, veranlaßte einige Passagiere zur Einberufung eines Protestmeettngs, bei dem die Methoden der Einwanderungsbehörden aufs schärffte gebrandmarkt wurden. Es wurde ein Attest von drei angesehenen Aerzten, die zufällig an Bord waren, vorgelegt, welches nach gewissenhafter Untersuchung Fttedmanns ihn für gesund erkannte. In der Versammlung wurde eine Summe von Lstr. 50?gesammelt, um Friedman in den Stand zu setzen, eine Zulassung durchzusetzen. Dann wurde eine Petttton an den Präsidenten Taft unterzeichnet, die ihn ersucht, eine Revision des Falles anzuordnen. Friedmann hat übrigens schon eine ganze Reihe von Stellenangeboten für den Fall seiner Zulassung erhalten. Das ist ein Fall, der vielleicht durch das Eingreifen bemittelter Passagiere noch zu einem günstigen Ende geführt werden wird. Ein ähnliches Schicksal ereilt tagtäglich Hunderte Namenlose, die vom Hafen der „Freiheit" in die russische Barbarei zurückgestoßen werden, wo ihrer nunmehr, da sie auch die losen Bande des Besitzes, gelöst haben, die sie dort mit der Heimatgemeinde verbanden, ein doppelt trauriges Los wartet. ■■ _i—: Türkei. Konstantinopel, 8. Aug. Wie verlautet, wird sich der Chacham Baschi Chajim Nahoum auf Veranlassung des Gouverneurs von Jerusalem demnächst nach der Helligen Stadt Begeben, um nach verschiedenen Richtungen eine Neuordnung der Gemeindeverwaltung anzustreben. Bei dieser Gelegenheit wird wohl auch die Jerusalemer Chacham Baschi-Frage einer endgültigen Lösung entgegengeführt werden. Es ist im höchsten Grade zu bedauern, daß die glaubenstreue Bevölkerung der Heiligen Stadt diesen Eingriffen von oben völlig unvorbereitet und völlig unorganisiert, gegenübersteht. vensircdter. Dresden, ü. Aug. Abgeordneter Ztmm ermann hatte, wie erinnerlich, gegen die Dresdener »Deutsche Wacht", die kurz vor ihrem Htnscheiden die Misere im antisemitischen Lager noch mit einigen drastischen Artikeln beleuchiet hatte, einen Ästige» Abwehrartttrl mtt der Ueverschttst „Lichtscheue Ehrabschneider" in der „Deutschen Reform" veröffentlicht. Die von den Redakteuren Geißler und Herrlein, wie dem letzt« Besitzer der „D. W." daraufhin angestrengte Beleidigungsklage ist erst jetzt, »ach Erlöschen der parlamentarischen Immunität ZtmmermannS, vor dem Dresdener Schöffengericht zur Verhandlung gekommen. Zimmermann wurde zu 900 Mark Geldstrafe verurteilt. Die „Deutsche Reform", die über diesen Prozeß unter der anzüglichen Spitzmarke „Lichtscheue Ehrabschneider vor Gettcht" berichtet, erklätte, baß Zimmermann sofort Berufung eingelegt habe. Würzbnrg, 1. Aug. Bet der im Juni/Juli abgehaltenen Semtnarschlußprüfung haben sämtti i c 13 Zöglinge des Oberkurses der iSraelittschen LehrerbilbmwSanstalt das Examen vor der Sgl. Prüfungskommission mit gutem, zum Teil sehr gutem Erfolge bestanden. Die Durchschnittszensur für alle Kandidaten liegt zwilchen I und II, kein Kandidat erhielt eine geringere Gesamtnote alS II. Obgleich 13 Kandidaten für ein Jahr für Bayern eine große Ueberproduktion bedeuten (daS Würzburger Seminar entläßt burchfchntttttch 10 Kandidaten jährlich), findet fich für viele tn Bayern vakante Stellen doch kein Bewerber. Das beweist deutlich, baß für Bayern die Ursache deS Lehrermangels in der ungenügenden Bezahlung der Lehrer liegt und daß der Lehrermangel nur beseitigt werden kann, indem man dem Mangel der Lehrer abhilft. Diese« Funbamentalfatz mögen alle diejenigen Bereinigungen, welche die Erhaltung deS Judentums tn Bayern erstreb«, an die Spitze ihrer Programme stell«. Kiew, 5. Aua. Hier ist ein Verein von jüdisch« Sold«« und Reservist«, die am russisch-japanische» Kriege tellnahmen, begründet Word«. Dem verein fmd 148 Mitglieder betgetretm. AlS Ehrenvorsitzender ist der Verwalter deSSiewerMllttärrahonS, General Iwanow gewählt worben. Odessa, 5. Aug. „Obeßktje Rovostt" bring« die Nachricht, daß die jüdische Gemeinde in Feobosta (Rußland) vor kurzem Gelegenhett batte, daS taufmdjährtge Pubiläum ihre- »Bestandes zu feiern. DaS genannte Blatt erzähtt, daß verläßliche Daten darüber existierten, daß die Synagoge der Feodoser jüdisch« Gemeinde vor tausend Jahren erbaut wurde. Die Synagoge, die aus einem Berge steht, war lange Zeit verwaist, und durch Bergabrutschungen verschüttet. Bor mehrerm Jahrhunderten soll nun die Synagoge wieder freigelegt Word« sein und di«e seit jener Zett ummterbrochm gottesdienstlichen Zweck«. Bialostok, 5. Aug. Rach Zeitung-meldungen soll« Bialostoker Juden ein interessantes Gesuch in hebräischer und französischer Sprache an die türkische Regierung gerichtet habe». Sie wollm auf Teilzahlung Land für 10000 jüdische Familien kaufenzur Beschaffung v« Inventar werde jeder Anfiedler 1000 Rubel mitbrtngen. Auch wollm die Ansiedler die türkische Untertanenschast annehm«, eventuell der müttärifch« Pflicht im türkisch« Heere genüg« und auf dem erwarb«« Grund und Bob« Musterwirtschaften, nach Bedarf auch Fabrik« und Jndustrte-EtabltffemmtS errichten. Wte verlautet, steht die türkische Regierung diesen Gesuch« nicht abgeneigt gegenüber. New-Bork, 1. August. Am 18. Juli erschien in New-Aork die erste Nummer eines hebräisch« TagblatteS unter dem Titel „Hajom" (Der Tag). In ihrem Programmartikel versichert die Redaktion, sich in den Dienst reiner Partei zu stell«, sondern unparteiisch die allgemeinen Interessen deS jüdisch« Volkes zu vertreten. llereisriveres. Srankfurt a. M., 5. Aug. Der Jahresbericht der Israelitischen BolkSschule in Frarckfurt a. M. für das Jahr 1908 ist vor kurzem erschi«« und enrhätt 'S*!* Pi

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