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Der Israelit · 1909-08-12 · Heft 32 (12.8.1909) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 32 (12.8.1909)
Date
1909-08-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6. Nr. 32 Der J-raettt 12. fCuguft 1909 könne", brachte „Ost und West" den Bericht BeharS, in dem es hieß: „Mich schmerzte zunächst die Undankbarkeit eines früheren Zöglings" (was Jellin übrigens nicht gewesen ist). „Doch habe ich mich bald mit meinem Lieblingsspruche getröstet: gam an letowa. Ich war schon froh genug, Herrn Jellin bei Herzberg und nicht bei der Mission angestellt zu wiffen." Eine würdige, streng sachliche Richtigstellung, die Jellin zu seiner Verteidigung dem Büreau der Alliance einsandte, hat dieses in bewährter Loyalität nicht veröffentlicht, aber wie es heißt, an Herrn Behar „weiter geleitet." Nach langem Hangen und Harren trifft jetzt die Antwort ein. Was sagt er, der treffliche Gewährsmann, in Rücksicht auf besten unbedingte Zuverlässigkeit mir die A. I. U. s. Z. empfahl, mich nach andren Gewährsmännern umzusehn? „Das gam SN letowa sei dahin zu verstehen, daß es doch noch viel schlimmer gewesen wäre, wenn Herr Jellin tatsächlich seine Schritte zu den Missionaren gelenkt hätte. Den Gedanken einer Verwirklichung solcher Vorstellung habe er, Behar, keinen Augenblick gehabt. Herr Jellin?ehöre einer sehr achtenswerten Familie an und ei ebensoweit davon entfernt zur Mission zu gehn wie der Großrabbiner von Jerusalem." Sie; und die Redaktion meint dazu mit anerkennenswertem Freimut: „Wir müssen mit Bedauernzugestehen, daß Herr Behar sich mindestens sehr unvorsichtig ausgedrückt hatte." Das kommt den Herrn von der A. I. U. wohl öfters vor, daß sie sich „zum mindesten sehr unvorsichtig ausdrücken." Nur daß sie nicht immer den Mut finden, dies „mit Bedauern zu jugestehn." Uns scheint dabei, daß es mindestens ebenso vorsichtig wie nachsichtig ausgedrückt ist, wenn man eine derartige furchtbare Anklage wie den Verrat am Heiligsten nur „eine unvorsichtige Ausdrucksweise" nennt. Für uns, die wir leider nicht so nachsichtig sind, ist dies Geständnis der deutschen Konferenzgemeinschaft ein beredtes Zeichen, wie ernst wir die Behauptungen der Führer und Leiter dieser Gemeinschaft und ihrer Institutionen zu nehmen haben, die sehr oft wie andre „unvorsichtige Ausdrucksweisen" kurze Beine haben; für uns sind die sophistischen Künste des Herrn Behar ein neuer Beweis, daß jede Organisation solche Beamte hat, wie sie es verdient. Wie sagt der alte Weisheitsdichter: D'ytn rniro te "»pt? wV awu Vbo», zu deutsch: Wie der Herr, so der Knecht! Königsberg, i. Pr., 5. Aug. Im Artikel „Provinzialverbände und Religionsunterricht" in Nr. 27 unseres Blattes, gelangte auch die Zuschrift eines Mitgliedes des Ostpreußischen Religionslehrervereins zum Abdruck, in welcher u. a. gesagt wird, daß die D'ömtP, die auf Wunsch der Gemeinden die n73p eines orthodoxen Rabbiners beizubringen haben, von den Neologen dazu bestimmt werden, lieber zum polnischen zu gehen usw. Dem gegenüber teilt uns der Rabbiner der russisch-polnischen Gemeinde in Königsberg, Herr B. Millakowski, der, obzwar im Briefe kein Name genannt war, den betreffenden Paffus auf sich bezog, mit, daß er prinzipiell keine n*73p ausstelle und seit 15 Jahren keinem tomtr irgend eine Autorisation ausgehändigt habe, se in ePerson somit in dieser Beziehung keinerlei Vorwurf treffen könne. Oesterdeich. Brünn, 5. August. Ein intereffanter Rechtsfall, der die mährischen Schulbehörden seit einigen Monaten beschäftigte, ist jetzt dem Unterrichtsministerium zur Entscheidung vorgelegt worden. Die politische Jsraelitengemeinde Lomnitz erhält eine Schule, an der bis vor einem §ahre der jetzige Bürgermeister Schiller die teste des Oberlehrers bekleidete. Nach seinem Rücktritt wurde ein katholischer Oberlehrer angestellt, da inzwischen die katholischen Schüler die Mehrheit an der Schule erlangt hatten. Im Oktober vorigen Jahres stellte nun das Lomnitzer Pfarramt an den Ortsschulrat der Jsraelitengemeinde das Verlangen, aus Gemeindemitteln ein Kruzifix anzuschaffen und im Schulzimmer anzubringen. Der Ortsschulrat wies dieses Verlangen in einer motivierten Eingabe an das Lomnitzer Pfarramt zurück, erklärte jedoch, daß gegen die Anbringung eines Kruzifixes während des katholischen Religionsunterrichtes selbstverständlich nichts einzuwenden sei. Das Pfarramt versäumte die Rekurssrist und wendete sich nun an das bischöfliche Ordinariat in Brünn, daS der Schule der Jsraelitengemeinde Lomnitz ein Kruzifix zum Geschenk machte. Die Schulgemeinde und der Ortsschulrat verweigerten aber die Annahme dieses Geschenkes, worauf der k. k. Bezirksschulrat Brünn (Land) die Anbringung des geschenkweise überlassenen Kruzifixes für zulässig erklärte, und nur die Entfernung während der Stunden des jüdischen Religionsunterrichtes verfügte. Zugleich wurde der Schulleiter angewiesen, diese Verfügung durchzuführen. Gegen die Weisung des Bezirksschulrates wurde nun die Beschwerde an den Landesschulrat erhoben. Der Landesschulrat wies mit Erlaß vom 23. Juni l. I. die Beschwerde mit der Verschärfung zurück, daß das Kruzifix permanent in der Schule zu belassen sei, gestattete aber auch, daneben ein jüdisches Symbol anzubringen. Gegen diese Entscheidung des Landesschulrates wurde der Rekurs an das Ministerium für Kultus und Unterricht eingebracht. Lemberg, 5. Aug. Um die Zahl der hebräischen Schulen in Galizien zu vergrößern, das gesamte jüdische Schulwesen in diesem Lande zu überwachen und nach einheitlichen Gesichtspunkten zu leiden, wurde hier im April d. Js. eine Konferenz der Vertreter sämtlicher Schulkomitees in Galizien abgehalten und die Gründung eines „Hebräischen S chulvereins für Galizien und Bukowina" beschlossen. Der Verein beabsichtigt, nach seiner jetzigen Bekanntgabe, über diese beiden Ländergebiete ein Netz zweckentsprechender hebräischer Schulen zu verbreiten. Jede jüdische Gemeinde, möge die Zahl ihrer Mitglieder noch so gering sein, soll ihre hebräische Schule haben. Die Leitung des Schulvereins wird die gesamte Oberaufsicht übernehmen und die Schulen inspizieren lassen. Die Grundlage des Erziehungswesens soll der Kindergarten bilden, an den sich die sechsklassige Schule angliedert, worauf ein Oberbau in Gestalt von hebräischen Fortbildungskursen gesetzt werden soll. Noch läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, weß Geistes Kind der neue Schulverein sein wird, da er seine praktische Tätigkeit noch nicht begonnen hat. Wie aber die Verhältnisse hier liegen, kann von einer ersprießlichen Wirksamkeit des Vereins nur dann ernstlich die Rede sein, wenn es ihm durch sein Schulprogramm gelingen sollte, das Vertrauen der gesetzestreuen Kreise zu gewinnen. Denn im entgegengesetzten Lager, da wo sich die allpolnischen Assimilanten befinden, gilt das hebräische Schulwesen in jeder Form als längst überwundener Standpunkt. (Leider dürfte von diesen „hebräischen" Schulen nichts Gutes zu erwarten sein. Red.) % * -i- Jn St anislau ist ein Verein für Landerwerb in Palästina begründet worden. Jedes Mitglied leistet einen Beitrag von tausend Kronen, wofür ihm der Verein ein Stück Land in Palästina ankauft und dieses so lange bearbeitet, bis dessen Ertrag für die notwendigen Unterhaltungskosten einer Person in Palästina ausreicht. Dem Verein sind bisher 25 Mitglieder beigetreten. Sarajewo, 1. Aug. Montag den 26. Juli wurden hier die ersten Wahlen in die bosherzegowinische Handels- und Gewerbekammer ommen. Mit besonderer Freude und großer ung können die Juden auf das bisherige Ergebnis der Wahlen blicken. Von den gewählten 24 Handelskammerräten sind zwölf Juden, und zwar die Herren: Jesua 35. Salom, Dr. Moritz Rothkopf, Josef Fleischmann, Moritz Gerö, Louis Schloßberger, Richard Hartmann, S. D. Alkalay, Josef Israel und Abraham Jsak Papo. — Das für den Juden so überaus glänzende Ergebnis der Handelskammerwahlen dokumentiert besser als alle möglichen Petittonen, wie wichtig das jüdische Element für Bosnien und die Herzegowina ist. Man ersieht daraus, daß das Verlangen der hierländischen Judenschaft nach einer eigenen Kurie im bosnisch-herzegowinischen Landtage begründet ist. Hoffentlich werden die maßgebenden Kreise dies noch im letzten Moment einsehen und uns die primitivsten politischen Rechte nicht vorenthalten. Rutztnnd. Kultur un9 lugenkrage. Petersburg, 6. Aug. In einem Kultur und Juden frage in Rußland behandeln denArtikel sprachenSie jüngsthin an leitender Stelle die Ueberzeugung aus, daß sich die russische Intelligenz der Stimme der Wahrheit, wie sie jetzt von Iwan Tolstoi u. a. m. unablässig erhoben wird, nicht auf die Dauer wird verschließen können. Daß diese Hoffnung durchaus nicht zu gewagt ist, zeigt ein Artikel in der offiziösen russischen Zeitung „Rossia" der in ganz Rußland berechtigtes Aufsehen erregt. Dieses offiziöse Organ hat sich mit einem Male zu einer Verteidigung der Juden und zu einer Verurteilung der Haltung der Regierung in der Judenfrage aufgerafft. Das .genannte Blatt schreibt u. A.: „Es ist kein Zweifel, daß die Juden unzufrieden sind. Aber wessen Pflicht ist es, dafür zu sorgen, daß die 5 Millionen russische Untertanen jüdischer Religion nicht nur laut ihrem Paß Russen werden sollen, wenn nicht die unsrige, die Pflicht der Russen selbst? Die jüdische Emigration unterstützen wir nicht, Land und Bodenbesitz für die Juden suchen wir nicht, Schulen gründen wir ihnen keine, und trotzdem verlangen wir von ihnen, daß sie uns lieben und unsere guten Brüder seien. Als Littauen mit Rußland vereinigt wurde, da hätte man die Sache genau erwägen müssen: entweder die nötwen Mittel anwenden, die Juden zu guten Bürgern zu machen, oder sie aus ganz Rußland hinaustreiben. Jetzt ist es zu spät zu schreien und zu schimpfen! Jetzt muß man das russische Volk so entwickeln, daß es die jüdische Konkurrenz ertragen könne." In weiterem Verlaufe des Artikels beschäftigt sich die „Rossia" mit der Taktik der Volksve'rbändler und schreibt: „Die Haltung der „echt russischen Leute" in der Judenfrage ist im höchsten Maße närrisch, es ist eine Taktik der Schimpfereien und Drohungen. Bei den Juden, wie bei allen Völkern gibt es sehr viele gute Elemente, welche herangezogen werden müßten, um dem Vaterland zu dienen und nicht, es zu Haffen. Ein bekannter Russe sagte mir einmal: Wenn ich in einem kleinen jüdischen Städtchen wohnen, mich von Häring ernähren müßte, und die Stadt niemals verlassen dürfte, so würde ich auch ostentattv mein Recht fordern . . ." Das ist es, woran wir Männer der Regierung stets denken sollten." In solchem Tone hat die „Rossia" über die Juden noch niemals geschrieben und man begreift das Aufsehen, welches der Artikel hervorgerufen hat in einem Blatte, das bisher über die Juden immer hergefallen ist. Petersburg, 6. Aug. Die anttsemittschen Blätter Rußlands veröffentlichen ununterbrochen Berichte über die angeblich steigende Zahl der Uebertritte zum Judentum. Sie bemühen sich zu beweisen, daß das Gesetz über die Gewissensfreiheit, welche schließlich zur Emanzipatton der Juden führen müsse, viele Russen zur Fahnen-

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