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Der Israelit · 1909-08-12 · Heft 32 (12.8.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 32 (12.8.1909)
Date
1909-08-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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12 August 1909. ©et Hsraem No. 32. Leite 5. das innere kernige Leben bleibt und erbaut stch werter auf die übrigbleibenden Schätze, während im Judentum bei einiger Erkenntnis man sich bald von all den Dingen, die bei niederen: Bildungsgrade volle Herrschaft ausübten, loswtndet und fie gleichgültig und spöttelnd wegwirst. Allerdings steht auch das Christentum schon seit längerer Zeit und immer mehr an einer Krists, und wir zweifeln gewiß nicht daran, baß es überwältigt wird. Aber teils ist der Kampf mir ihm ein so großartiger Wettkampf, die Kräfte, die eS zu seiner Verteidigung ausfendet, find selbst wieder so mannigfaltig, so innerlich reich, daß das Interesse daran, wenigstens bei dem, der innerlich steht, lebendig bleibt, teils w rb die neue Zukunft und die neue Reltgions nschauung an dassel. e fich anknüpfen und von ihm ausgehen, was alles bei dem Judentum nicht der Fall ist . . . Wäre ich nicht Rabbiner und hätte ich dann überhaupt eine unabhängige Stellung, so würde ich vielleicht eine vollständig oppostttonelle Richtung nehmen, in dem Geiamtstreben der Zeit meinen Mtttelpuntt finden und von dem aus über Judentum und jüdisch-literarische Bestrebungen schreiben, . . . . aber nun ist dies ein Anderem Jedoch ich habe mich noch nicht aufgegeben und gebe mich nicht aufich ringe fort in mir und mit mir und muß z r Einheit gelangen." Es ist bemerkenswert, daß die in diesem Briefe von Geiger ausgesprochenen Ansicht, daß seine Bestrebungen, die Juden faktisch oder innerlich dem Judentum zu entziehen, sich auch in dem bereits erwähnten, von den Anhängern Geigers inspirierten Berichte findet, den der Breslauer Polizeipräsident an den Minister des Innern und dieser an den König sandte: „Es ftägt fich, ob ein anderes Auskunftsmittel übrig bleiben wird, als eine Trennung der Gemeinde, wenigstens in ihren kirchlichen Einrichtungen in Mosaisten und Talmudisten zu gestatten. Die Ersteren, deren Gesinnungen unter dem Einfluß des Dr. Geiger sichtlich veredeln, nähern sich offenbar dem Christentum und befinden stch offenbar in einer Uebergangsperi ode, die nicht übersprungen werden kann." (Lebendes Judentum 1908 II S. 46.) Tiktin erkrankte durch die Aufregungen, welche die Kämpfe und deren häßliche Begleiterscheinungen im Gefolge hatten, und starb am 20. März 1843. Geiger zollte, wie es in einem Berichte (Israelit des 19. Jhrh. 1843, Nr. 17) heißt, in einer „herrlichen Predigt" dem Andenken des Verstorbenen ergreifende Worte, die „aus tiefem Herzen kommend, von Wehmutstränen begleitet, großen Eindruck machten." Der Nachfolger Salomon Tiktins wurde dessen Sohn Gedalja Tiktin. (Die Fortsetzung der Artikelserie behält sich der Verfasser vor. Die Red.) bensgenosseu bemerke ich sogar solche aus Algier, die nicht nur durch originelles Gewand, sondern gegenüber manchen unserer europäischen Brüder auch dadurch auffallen, daß fie rituell leben. denke ich freudig erregten Gemütes. Auch habe ich Gelegenheit, zu sehen, daß sie ihre Waffen in erprobter Tüchtigkeit zu handhaben verstehen, ich meine damit nicht etwa Gewehr, Pistole und sonstige menschenmordende Instrumente, wie das Luzerner Friedensmuseum sie drastisch zur Abschreckung dem Besucher vorführt, sondern — — — Tallis und T'fillin! Tenn sie sind ja unsere besten Verteidigungsmittel gegen die bunte, in allen möglichen Uniformen anrückeudeu Armeen der Leidenschaften und Triebe, welche ihre Attacken gegen die friedliche Seele unternehmen. Die Tallis- und Tifillin-Pslicht ist wie eine tägliche Wache, die uns der Allgütige geschenkt, denn sie erinnern uns an das ewig Bleibende in der Erscheinungen Flucht: Au >^ott und sein Gesetz. Im Restaurant nehme ich cur Schweizerisches Wochenblatt zur .Hand und bemerke da zufällig, daß sich der Leitartikel nebenbei in liebenswürdiger Weise mit meinem jüngsten Briefe beschäftigt. Der Schreiber bricht eine Lanze für den jüdischen Witz. Man müsse dessen Erhaltung sich angelegen sein lassen. Auch sei er — der Schreiber des fraglichen Artikels — Zeuge einer interessanten Diskussion gewesen über die Frage, ob man in der Gegenwart überhaupt noch von einer jüdischen Konfession reden könne, statt von jüdischer Abstammung. Seit jener denkwürdigen Zeitepoche, da die Geistesfürsten Spille! und Schamai ihre tiefen Problerne erörterten, ist jedenfalls solch interessantes Thema nicht diskutiert worden. Schade, daß mir das Vergnügen des Anhörens entging. Die geistige Not des Ju- LDr«*. Morrespondenzen und Nachrichten. Derrtfrhes gteid?. Frankfurt a. M., 5. August. Aus dem Bureau d-r „Freien Vereinigung für die Interessen des ortho boxen Judentums" wird uns geschrieben: Nach mehrmonatlichen Verhandlungen, die eine sorgfältige Durchberatung aller in Betracht kommenden Momente ermöglichten, hat sich der Vorstand der „Freien Vereinigung" veranlaßt gesehen, unter Zustimmung des Ausschusses, zu der in Berlin gegründeten Allgemeinen Jüdischen Kolonisations- Organisation (A.J.K.O.) behufs Förderung von' ^nar» *,pK IIL?'' in ein Vertragsverhältnis zu treten. Der Vertrag sieht eine größere Kapitalbeteiligung der Fr. Vg. an dem Kolonisationsfonds der A.J.K. O. sowie die ständige Delegation von fünf Vorstandsmitgliedern der Fr. Vg. in die Leitung der A.J.K.O. vor. Die letztere hat vertragsmäßige Garantien dafür geboten, daß ihr gesamter Betrieb sowie derjenige ihrer Betriebs- und Tochtergesellschaften sowohl in Europa als im heiligen Lande im Einklang mit den Bestimmungen des jüdischen Religionsgesetzes geführt wird. Diejenigen Gesinnungsgenossen, die sich mit Kapitalzeichnungen an den Kolonisationsfonds der A.J.K.O (Mindestbetrag 500 M.) zu beteiligen beabsichtigen, werden gebeten, ihre Anmeldungen im Interesse der Sache entweder durch Vermittlnng unsres Bureaus oder direkt bei der A.J.K.O., jedoch unter Berufung auf die Fr. Vg. zu bewirken. Berlin, 5. Aug. Das Büreau der AJKO schreibt uns: Die auf Grund der Beschlüsse der zwei Internationalen üdischen Konferenzen in Berlin vor einigen Monaten ins Leben gerufene „Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation", welche sich die landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation dentums in der Gegenwart, die Frage, wie dem fortschreitenden Zerfall, der sich in der Vernachlässignng alles dessen, was jüdisch heißt, dokumentiert, wäre vielleicht als Gesprächsthema, namentlich bei solch günstiger Gelegenheit zwangloser Konversation, ebenfalls nicht ungeeignet gewesen. — Nebenbei bekommt iil^ bezeichnetern Artikel setbstverständlich auch der „Israelit" den obligatorischen Teitenhieb. Der „Israelit" ist dem Verfasser zu freimütig. O, wie unerläßlich ist solche Lssenheit, geehrter .Herr! Durch unsere geistlichen Steuermänner wäre das schwankende Schifflcin des Judentums auf der wogenden, sturmumtosten See der Gegenwart längst ans den Grund gebohrt worden, wenn nicht das' Fähnlein freimütiger Kritik sie hin und wieder zurückschreckte! (Eine Erinnerung aus dem Frankfurter Ghetto.) Der „Tägl. Rundschau" wird folgender Ausschnitt aus einer älteren Zeitung übersandt: „Den Franzosen verdanken wir bekanntlich den ersten Anstoß zur Emanzipation der Juden. Zu Frankfurt wurde in buchstäblichem Sinn des Wortes „Bresche geschossen": ein großer Teil der Judengasse brannte bei der Beschießung durch die Franzosen im Jahre 1796 ab: die jüdischen Bewohner mußten sich in der Stadt Wohnung suchen und — blieben nun in der Stadt. Der abgebrannte Teil des Ghettos wurde in „Bornhcimcr Straße" umgetauft. Gleichwohl stellte, wie Herr S. Levy in der Frankfurter Zeitung mitreilt, Herr v. Bethmann den Antrag, der frühere Zustand möchte wiederhergestellt, das Judenquartier wieder durch Tore abgetrennt werden. Aber der Antrag wurde abgelehnt: und als Herr v. Berhmann kurz darauf einen bekannten Bäckermeister über die Sache befragte, meinte der sehr sinnig: „Ja, Herr v. Bethmann, es is ewe e anner Zeit: Wann die Worscht geplatzt ist, will's Füllsel net mehr enei." von Juden im Orient zum Zweck setzt, hat bis jetzt an dem Ausbau ihrer Körperschaften und an der Beschaffung der ersten Grundlagen für einen Kolonisationssönds gearbeitet. Sie hat sich ausschließlich auf mündliche, persönliche Propaganda innnerhalb der führenden Kreise der Judenheit beschränkt, ohne an die breitere O essen tlichkeit zu treten. * Dank dieser mehrnionatlichen stillen, aber emsigen Arbeit ist es gelungen, die maßgebenden Persönlichkeiten der jüdischen Hauptgemeinden in Deutschland, Oesterreich und Rußland für die neue Organisation zu gewinnen und sie zum Eintritt in den Zentralrat, resp. in den Vorstand der A. I. K. O. zu veranlassen. Die Bestrebungen der A. I. K. O. haben überall den lebhaftesten Anklang gefunden. Ganz besonders verdient es hervorgehoben zu werden, daß auch die führenden orthodoxen Kreise in Frankfurt und Berlin, der neuen humanitären Organisation sich angeschlosien und ihre Vertreter in die leitenden Körperschaften derselben entsendet haben, nachdem ihnen die Sicherheit gegeben worden war, daß dieses Werk — entsprechend den Ueberzeugungen derjenigen, denen es zugute kommen soll — in vollem Einklang mit den Anforderungen des überlieferten Judentums durchgesührt werden wird. Bei den Sammlungen für den Kolonisationsfonds der A. I. K. O. haben sich die hervorragendsten Persönlichkeiteit der Jüdischen Großgemeinden mit namhaften Spenden an die Spitze gestellt. Die Aufforderung des türkischen Kammerpräsidenten Ahmed-Riza, die bedrückten JudeNmaffen in den Ländern der Türkei anzusiedeln, hat nun die Veranlaffung gegeben, einen geschloffenen Kreis angesehener MitgliÄer der Jüdischen Gemeinde Berlins einzuladen, um sie mit der von der A. I. K. O. eingeleiteten neuen Orient-Kolonisationsbewegung, deren Charakter den Wünschen der türkischen Regierung vollständig entspricht, vertraut zu machen. Die Einladung ging von einer Anzahl von Förderern der A. I. K. O. aus und war u. A. von Kommerzienrat Hermann Bamberg, Justizrat Dr. E. Friedmann, Kommerzienrat Gerson Simon, Aron Hirsch, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Senator und Oscar Tietz unterzeichnet. In der Versammlung, welche am 22. Juni im Hotel Adlon stattfand, ergriffen u. a. die Herren Juftizrat Dr. E. Friedemann, Dr. Isidor Ginsberg,Rechtsanwalt Dzialoszy ns ki, Prof. Dr. Kalischer, Justizrat Dr. Max Fuchs, sowie als Sachkundige Agronom Dr. S. S o s k i n und Kultur- Ingenieur I. Treidel das Wort. Die Ansprachen und Referate genannter Herren sind von der A. I. K. O. in Form einer Broschüre unter dem Titel: „Eine Versammlung im Hotel Adlon, Ansprachen undReferate über die Jüdische Orient-Kolonisation" von der A. I. K. O. Berlin herausgegeben worden." Wir kommen demnächst auf die Broschüre zurück. Berlin, 1. Aug. Herr Oberlehrer Dr. Joseph Carleb ach-Berlin schreibt uns: Im Dezember vorigen Jahres veröffentlichte das Büreau der deutschen Konferenzgemeinschaft des Alliance israelite universelle ein Schreiben des früheren Direktors der eeole prokesslouelle in Jerusalem, des Herrn Niffim Behar, das sich gegen den bekannten Hebraisten David Jellin richtete und diesem nichts Geringeres als Hinneigung zur christlichen Mission vorwarf. Jellin, früher als Lehrer in den Diensten derAlliance, war bei der Uebernahme des Lämelschnle durch Herzberg an diese übergegangen, und der Schreiber dieser Zeilen stellte in einer Zeitschrift: „Palästina" den Abschied Jellins als Symptom dafür hin, daß religiös denkende Männer an dem Erziehungswerk der Alliance auf die Dauer keine Befriedigung und keinen Anteil haben können. Um nun schlagend darzutun, „wie ich mich irren

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