Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1909)
- Date
- 1909-08-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1909 ntarer giöses ihilane mit Gesetze \ geitocr, der allcrihaftes n be irde es rs zu »einen ' doch glichen könnte lgreich > von i vertthülfe ie geiinsicht lkie richtet rische dem n die ationen er heberatur, ehung; )ie nur überlrcuzen rer eine Ber- Stück- Kulmr m den hagltch seinen Brote/ tamm', Unser Wohl er was andert- »tädten > Brot As ged doch le un- Brote Steinhäuser, n gibt, rt, und :, und daß sie langen Threnhinzuvt Äit* er ihre jte als Seele neben f' . daß hatten, d Be- 13 August 1908 die Entwicklunasmvalichkett zu geben, die ihr gebühren, so müssen wir den Weg aller Gemetnschiften gehen, die leben wollen) wir müssen eine Gesamtorganisation schaffen, die alle Kräfte des lebendigen HeVrätSmuS in sich sammelt und zu organischer Tätigkeit vereinigt." Es gibt wohl kaum einen thoratreuen Juden, dem nicht die Liebe zur heiligen Sprache tief im Herzen wohnte und der sich der Pflege dieser Sprache nicht lebhaft freuen möchte. Wenn man heute trotzdem in gesetzestreuen Kreisen der Sache ein gewiffes Mißtrauen entgegenbringt, so liegt das einzig und allein an der Richtung, die die Entwicklung der hebräischen Literatur in den letzten Jahrzehnten eingenommen hat und die die Mißerfolge, über welche heute das Kongreßkomitee klagt, ohne ihnen auf den Grund zu gehen, nicht zum geringeren Teil verschuldet hat. Will man jetzt Abhilfe und Besserung schaffen, so wird es durch Kongresse und Organisationen allein nicht zu erreichen sein. Es müßten vor allem die Quellen des Nebels bloßgelegt werden. Bon einem solchen Versuche ist aber, wenigstens im Aufrufe, nichts zu merken. Eines sei jetzt schon betont; bie Einwendungen »en, die von vornherein jede Neubelebung Eschen Sprache im Prinzip verwerfen und meinen, die hebräische Spxache könne nur noch, wie das Lateinische und Griechische, als Sprache des Wissens und des Gebetes, nicht aber als Sprache des Lebens gelten, ist in der Tat irrig und durch den Aufschwung der neuhebräischen Literatur gründlich wiederlegt, die bei all den Klagen, die wir gegen sie zu führen haben, doch Zehntausenden hebräisch lesend er Juden die Geistesgüter der modernen Menschheit übermittelt, eine blühende Belletristik, wie eine auf alle Lebens¬ und Zeitprobleme reagierende Publizistik geschaffen hatnoch mehr aber durch die Tatsache, daß g^nze Landstriche in Palästina jetzt schon ein kleines hebräisches Sprachgebiet bilden; andererseits darf aber nicht verschwiegen werden, daß durch den Uebereifer mancher im Zeichen der nationalen Renaissance segelnden Schriftsteller, die hebräische Sprache unter allen Umständen lebendig und elastisch zu machen, die heilige Sprache viel von ihrem ursprünglichen weihevollen Charakter, von ihrer unvergleichlichen Schönheit, von ihrem einzigartigen prägnanten Wesen verloren hat. Und das Vertrauen in den Kongreß wird gewiß dadurch nicht stärker, daß viele Männer, die die Profanierung der hebräischen Sprache nach dieser Richtung in erster Reihe auf dem Gewissen haben, wie Ben Jehuda, Sokolow, Breinin l. v. m. mit an der Spitze auch dieser neuen Bewegung stehen. Daß es wohl möglich ist, die hebräische Sprache bei Wahrung ihres Charakters und ihrer Wesensart in allen Beziehungen lebensvoll und elastisch riedlgung gestrebt, daß ste aber jetzt auf anderes ihr Augenmerk richten müssen: auf das, waS dem Munde Gottes entstammt, auf die Lehre der Väter, die Gottesfurcht. Aber freilich nur die tiefer fühlenden Seelen werdm solche Umwandlungen erfahren. ntt W ^»D31 PT vb -1P2 v'A „Der rohe, dem Tiere verwandte Mann wird solche Erkenntnis nicht erlangen, und der oberflächliche Tor nicht solches begreifen." So ist auch dem Einzelnen das Lebe» gar oft ein Weg der Erziehung. Da prüft uns die Vorsehung, ste läßt unS leiden, läßt unS hungern. Werden wir darob nicht unwillig. Gott liebt unS) zu unserem Heile und Besten läßt er uns leiden. Er will uns durch die Erfahrung am eigmen Leibe zeigen und uns belehren und ausklären, was in unserem eigmen Herzen noch für reiche Schätze schlummern, die noch mrr nicht gehuden find, waS wir für eine Menge von Geduld, von Ergebung entwickeln könnm. Er will uns zeigen, was wir leisten, welche Kräfte wir zu entfalten vermögen, wie reich an Liebe, an Hingebung, an Opfermut wir. in Wahrheit find. Er will unS beweifm, wie fromm und dankbar, wie gottergeben wir fein können, zu welcher Höhe der Eifer für feine Sache uns emporheben kann. Gott wird uns nicht verzweifeln lassen, wenn wir auch selbst keine Hoffnung auf Rettung und Besserung mehr haben. So speist er dich mtt der Wundergabe Manna, von welcher du nie eine Ahnung besaßest und von der auch deine Väter nie etwas gewußt, damit Du erkennst: „daß nicht vom Brote allein der Mensch lebe, ondem von all dem, was aus dem Munde Gottes kommt". nsgn - _Der JSraetu_ tzn gestatten, beweist schon die Sprache der Misch na, die es versteht, auch ohne den poetischen Schwung der Psalmdichter und das Pathos der Propheten für alle Bedürfnisse und Angelegenheiten des im jüdischen Gesetze sich abspiegelnden, vielgestaltigen, buntscheckigen Lebens immer das richtige Wort und die richtige Ausdrucksweise zu finden. An die Mischna müßten wir auch heute anknüpfen, wenn wir mit historischem Sinne daran gehen wollen, dem jüdischen Denken und Fühlen von heute das heräische Wort zu verleihen. Das ist aber bis heute am wenigsten in Osteuropa' und in Palästina geschehen, wo die zum Teil gänzlich unbegründeten und unberechtigten Neubildungen, nachgerade als Sport betrieben werden und die gröbsten Berstöße gegen den Geist der alten Sprache begangen werden. Daß diese sprachliche Willkür ihre verderbliche Wirkung auch auf das jüdische Denken und Empfinden nicht verfehlen konnte, ist des öfteren an dieser Stelle betont worden und bildet ein Kapitel — und nicht gerade ein erfreuliches — für sich. Der Kongreß wird aber nicht umhin können, auch diesen Punkt in reifliche Erwägung zu ziehen, umsomehr als er, seinem Programme nach, nicht allein die Förderung der hebräischen Sprache, sondern auch die der jüdischen Kultur sich zur Aufgabe machen wist. Wird auch für ihn die jüdische Kultur das sein, was heute gewisse unreife Köpfe aus dem Lager der nationalen Stürmer darunter ^verstehen, die Befreiung vom alten jüdischen Gottes- und Pflichtbewußtsein? Wir wollen es nicht hoffen. Die amerlhanifdien Arbeiter und die jüdildie Einroanderung. Von allen Seiten wird jetzt den armen, heimatlos wandernden jüdischen Massen Halt entgegengeboten. Dem Beispiele Englands ist nun auch Amerika mit drakonischen Absperrungsbestimmungen gefolgt. Selbst Kanada, das zur Kultivirung seines ungeheueren Bodens noch eines großen Menschenmaterials bedarf, will, wie wir in letzter Nummer berichten konnten, keine jüdischen Einwanderer mehr durch seine Tore lasien. Was aber am bedauerlichsten ist und am schmerzlichsten berühren muß, ist, daß, nach dem in voriger Nummer von uns wiedergegebenen Berichte des österreichisch-ungarischen Konsuls in New-Avrk, sogar die „American Federation of Labor,“ die mächtigste Arbeiterorganisation Amerikas, die bisher in der Einwanderungsftage einen sehr liberalen Standpunkt eingenommen hatte, in ihrer jüngsten Versammlung von diesem Standpunkte abgewichen ist und ihre sehr ins Gewicht fallende Stimme gegen die Kleines Feuilleton. ßorderneyer Badebrief. Norderney, Anfang August. In die Gleichförmigkeit der ewigen Regentage des Juli haben uns zwei Sensationen eine erwünschte- Mwechselung gebracht: die Rückkehr des Fürsten B ü l o w und die Eröffnung des neuen F a m i t i e nbades. Fürst Bülow ist zum ersten Male nicht mehr als Reichskanzler zu seinem gewohnten Sommeraufenthalte zurückgeketzrt. Er traf „in den 9 Tagen" hier ein, und vielleicht waren seine Gedanken ähnliche, wie die, die Herz und Sinn der Jehudim in dieser Zeit bewegten: „Kinder habe ich mir großgezogen und auswachsen lassen und jetzt freveln sie gegen mich!" „Die Menschen, mit denen ich im Friedensbündnis lebte, die mein Brot essen, heben gegen mich die Ferse" — — „wie soll ich ertragen eure Belästigungen, eure Last und den Zank mit euch!"- Dem Menschen, der das Wort „Familienb a d" erfunden, sollten die Verwaltungen der deutschen Seebäder ein Denkmal aus Erz errichten,- denn sie haben sich damit die Anziehungsmittel der französischen und belgischen Seebäder geschaffen, und der anheimelnde Klang der „Familie" erweckt die Vorstellung von der Biederkeit und Sittsamkeit und der deutschen Treue und der Innigkeit des Familienlebens, das man selbst während der einen Tagesstunde, die das Bad erfordert, nicht entbehren will. __Ao. 38 «rtte 8 Einwanderung mittelloser Arbeiter erhob. Bedenkt man, daß diese Organisation zum weitaus müßten Teil aus Arbeitern besteht, die vor kurzer oder längerer Zeit selber als mittellose Arbeiter ins Land gekommen sind, so wird man sich über die Kleinlichkeit und Engherzigkeit einer solchen Politik des Ausschlusses, insbesondere, wenn man sie mit den alten Bestimmungen der jüdischen Gesetzgebung vergleicht, die da lehrt, ,,Liebet den Fremdling, da Ihr einst selber Fremdlinge ward" das richtige Urteil bilden. Und wo bleibt da übrigens der aus dem Papiere stehende Grundsatz der internationalen Solidarität des Prolitariates? Allein wir wollen gewiß nicht mit ethischen Argumenten opersren, da wo Leidenschaft, Klassenegoismus und Rassenhaß die Beschlüsse und Resolutionen diktiren. Indessen genügen die Zahlen und Daten, die aus dem Wirtschaftsleben gewonnen werden, volkommen, um die Absperrungsmaßregeln, insoweit sie die jüdischen Einwanderer treffen, als unberechtigt und daher äußert ungerecht zu charakterisiren. Ist es doch längst erwiesen, daß speziell die jüdische Einwanderung nicht lohndrückend wirkt, sondern daß durch die jüdischen Proletarier in England und Amerika ganz neue Industrien ge sch affenwurden, welche wiederum Tausenden von Arbeitern aller Nationen neue Existenzmöglichkeiten erüffneten. Im neuesten Hefte der Zeitschrift für Demografie und Statistik der Juden konstatiert ein Kenner des East End in London, was übrigens auch längst bekmnt ist und von nichtjüdischen Nationalökonomen wiederholt bestätigt wurde, daß die jüdischen eingewanderten Arbeitskräfte in England sich einen eigenen, von den englischen Arbeitskräften unabhängigen Wirkunskreis geschaffen hätten und zwar nicht auf dem Gebiete der Produktion von Produkttonsmitteln, sondern von Konsumtionsmitteln, daß das jüdische Proletariat eine absolute Mehrung und Steigeruna der englischen Produktion und dadurch des nationalen Wertes herbeigeführt hätte. Ein anderer Grund, den die Feinde der jüdischen Einwanderung gern geltend machen, bildet das angeblich hohe Kontingent, das die Juden unter den Unterstützungsempfängern und in der Kriminalstatistik stellten. Angesichts dieser schon wiederholt bis zur Evidenz widerlegten Behauptung gewinnt die Mitteilung an Jntereffe, daß der New-Aorker Polizeidirektor, Bi.ngham, der bekanntlich im September vorigen Jahres die kühne Auslastung tat, daß 50 proz. aller New- Aorker Criminellen Juden seien und es auch sonst an unbegründeten Verleumdungen und be- Beleidingungen der Juden auf Grund falscher statistischer Angaben nicht fehlen ließ, jetzt demissionirt hat, richtiger demisfioniren mutzte.' Der Die deutsche Frau ist nicht „so Eine", die nach dem sittenlosen Ostende fährt, Mo sogar Männer und Frauen zusammen baden, sie geht in ein deutsches Seebad, wo, wie eben nur in Deutschland, noch alte Zucht und Sitte herrscht, und — badet im „Familienbad". In Frankreich und Belgien sind die gemeinsamen Bäder, die dains mixtes, seit langer Zeit im Gebrauch; Holland hat vor etwa 20 Jahren damit begonnen, seit etwa 10 Jahren hat nun auch Deutschland seine „Prüderie" abgelegt. Aber die Sitte der gemeinsamen Bäder für beide Geschlechter reicht bis in das frühe Altertum zurück und gehörte in Griechenland und Rom zum guten Ton. Der Kaiser Hadrian suchte zwar dem Unwesen ein Ende zu machen, indem er getrennte Bäder einrichtete; aber die später immer wieder erneuerten Verbote und Verordnungen, beweisen, daß das Uebel sich nicht ausrotten ließ. Wie arg der Unfug gewesen sein muß, ersieht man daraus, daß das römische Recht bestimmt, daß eine Frau, die mit Männern zusammen badet, als Ehebrecherin zu betrachten sei. Inmitten dieser Umgebung lebten unsere Vorfahren. Wie stets, waren viele schnell dabei, sich die Unsitten ihrer andersgläubigen Umgebung anzueignen, sich zu assimilieren, wie man jetzt sagen würde. Auch jüdische Frauen badeten gemeinsam mit Männern. Mer die Alten, die durch schöne Worte sich über die Tatsachen nicht täuschen ließen, haben dem Unfug energisch einen Riegel vorgeschoben. „Der Mann hat sich die Frau angetraut unter der Bedingung, daß sie lebe nach dem Gesetze Moses und Israels. Bon einer Frau, die mit Jedermann zusammen badet, mutz der Mann sich daher scheiden, und ihr Anspruch auf die Kethuba wird hinfällig, da sie eben nicht lebt nach dein Gesetze Moses und