Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1909)
- Date
- 1909-08-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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V"»'- Sette 3. ftr. 88. feinen Schabbos hält. Die Zeit ist vorbei, da es in New Jork eine sefardische Gemeinde gab, die aus prächtigen Amerikaners und zugleich prächtigen Juden bestand. Wie gesagt, die Aufforderung, gebildeter Amerikaner zu werden, heißt zur Entfremdung vom Judentum führen. Der Vater mag eine Zeit lang schwer kämpfen, um seine Loyalität zum Judentum zu erhalten, aber er tut dies zum großen Teil, indem er sich von dem amerikanischen Leben ringsum zurückzieht. Wenn er seinen Sohn der Amerikanifierung preisgibt, so verliert er jede Kontrolle über ihn. „Er ist ein amerikanischer Burschewas soll ich da tun?" das ist in der Regel die Ausrede eines jüdischen Vaters oder einer jüdischen Mutter, sobald man sie wegen der Ausschweifung, der Gesetzeslofigkett, Liederlichkeit oder deS ungehörigen Betragens ihrer 5kinder befragt. „Ich vermute, daß die Eltern ebenso viel beeinflußt werden?" „Natürlich. Die Kinder werden bald reich und gehen ihre eigenem Wege. In den wenigsten Fällen bleibt der Vater Herr im Hause." „Wieso aber leiten Sie eine freiwillig gebildete orthodoxe Gemeinde? Könnten nicht noch mehr solche entstehen?" „Ich will Ihnen das erklären. Der Kern meiner Gemeinde wurde von d e u t sch e n Juden gebildet, die in ihrem eigenen Lande gelernt hatten, westeuropäische Civllisation mit ihrem Judentum zu vereinbaren. Die Ruffen verstehen dies nicht und können daher freiwillig beides nicht vereinigen. Die Lösung des Problems kann ihnen nur von oben aufgedrängt werden. Hier unten kann sie niemals proprio motu entspringen." „Bietet das Reftrmjudentum den Immigranten nicht alles Erdenkliche?" „Was die Immigranten betrifft, so rechnet das Reformjudentum nicht auf sie. Ich kann Ihnen sagen, daß ich während meineganzen Aufenthaltes in Amerika selten einem eifrigen Reformer begegnete, der es aus Uebe^eugung geworden. Die Reformbewegung erhält sich in sich selbst. Und wenn die Tempel neuen Zuwachs erhalten so geschieht dies nur durch solche, die sie zu Trauungen, Begräbnissen oder Jochrzeiten aufsuchen. Die Vereine ziehen mehr an als die Synagogen, obgleich ihr Einfluß in religiöser Beziehung rein negativer Natur ist." „Sie haben nun verschiedene Uebel hervorgehoben. Wie könnte man zur Besserung beisteuern?" „Diebedürfte einer sehr langwierigen Arbeit, und man müßte ganz von vorne beginnen. Bevor man mit dem Unterricht beginnen könnte, müßte man tüchtige Lehrer haben, und den Mangel an tüchtigen Religionslehrern verspüren Vicht vom Brot allein lebt der Mearch. 3ntn Wochenabschnitt. (Schluß.) Und mm, da die Zeit -er Erziehung beendet ist, nun, da ste so weit gebildet und erzogen find, daß sie begreifen können die Absicht des Erziehers, da stellt ihnen MoseS das Ziel klar und deutlich vor Augen: „Nicht für das Brot allein lebt der Mensch, sondern für all daS, was auS de« Munde GotteS kommt." Israel sollte ein ganz besonders geartetes Bolk werben. Allen anderen Böllern ist, sowett wir auS der Betrachtung der Weltgeschichte den Schluß ziehen können, die Auf geworden, Macht zu zeigen, Schätze zu sammeln, Bürgern ein behagliches Leben des Wohlstandes zu und alle Zweige menschlicher Kultur zu fördern. Der Asraew wir schon lange. Wir haben schon verschiedene Pläne gefaßt, um diesem Uebel abzuhelfen. SDfö Jacob Schiff hat zweimal 50000 Dollars zur Errichtung von Präparandenanstalten für Lehrer in New Dork und Cincinatti gespendet. Diese sollen mit den dortigen Rabbinerseminaren verknüpft werden. Die Ausbildung der Lehrer wurde von dem New Adrker Seminar unternommen, aber es wurde bald erkannt, daß dieses der Aufgabe nicht genügend gewachsen war. Es war nicht die geeignete Stelle hierzu. Nach fünfjähriger Arbeit wurde diese neue Bewegung eingestellt. Der zweite Fortschritt war der Aufschwung der Talmud-Thoraschulen. Diese Arbeit wurde sehr standhaft fortgesetzt, und diese Frage lenkte anfangs die Aufmerksamkeit der Reichen der Gemeinde auf sich. Die Talmud Thora-Schule betrachtete man ursprünglich als ein Produkt des Ghetto, als etwas Verachtenswertes, das man Wetter nicht berücksichtigte. Die dritte Maßregel wäre die Einrichtung moderner Svnagogen in dem Ghetto, die atsolut orthodox sein.müßten, sodaß sie von dem altüberlieferten Judentum nicht entfremdeten und doch den Bedürfnissen der jüngeren Generatton Rechnung tragen könnten. Man ist schon lange damit beschäftigt, wenigstens eine vorbildliche Synagoge in der unteren Stadt zu errichten, mit einem tüchttgen Rabbiner." „Könnte nicht eine der bestehenden Gemeinden zur Errichtung von neuen Gemeinden im Ghetto verhelfen?" „Ich fürchte, nicht. In New Dork verläßt sich jeder auf Jacob Schiff. Ich will damtt nicht sagen, daß er der einzige Spender ist, aber alle Spender richten sich nach ihm. Er aber begünstigt leider nicht die streng orthodoxen Synagogen und ich bi« fest überzeugt, daß darum alle seine Mühe gänzlich nutzlos sein wird." „Ist es nicht traurig, daß die Rettung einer ganzen Gemeinschaft von einen einzelnen Mann abhängig ist?" „Es ist zweifellos traurig, aber uichs destoweniger wahr." * * « Sowett die Darstellung Dr. Aschers, die oh ihres Freimuts und ihrer sachlichen Klarheit gar nicht genug beachtet werden kann. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Schicksal der Hunderttausende von osteuropäischen Immigranten, die sich fortgesetzt über das große Wasser bewegen, und die besinnungslos in den amerikanischen Schmelztiegel hineinstürzen, für die Gesamtheit der überlieferungstreuen' Juden eine schwere Anklage bildet. Mit Ausnahme der wackeren New-Aorker raff 'ivV'Vereins ist vou einer Organisatton der orthodoxen Kräfte in Amerika auf breiterer Basis bisher nichts zu spüren, und gerade die Notwendigkeit einer solchen, be- _ ia. August i>09 wußt traditionstreuen Organisation ist es ja, die aus dem Interview mit Dr. Äscher sich dem denkenden Leser geradezu aufdrängt. Der Anstoß dazu müßte von Europa ausgehen, der alten Heimat jener Massen, die, verwirrt und geblendet von einer neuen, sie mit elementarer Gewalt umfangenden Kultur, sich selbst überlassen, jeden Halt verlieren, und deren religiöses Gleichgewicht durch die unvergleichliche Philantrophie der amerikanischen Brüder, weil sie mit skrupelloser Emanzipation vom Religionsgesetze gepaart ist, erst recht auf harte Proben gestellt wird. Freilich ist's unendlich schwer, in dem gewaltigen Wirtschaftsgetriebe der amerikanischen Welt auch nur die allerersten Vorbedingungen für ein gewissenhaftes jüdisches Leben zu schaffen: indessen, einem be wußten und organisierten Gesamtwillen würde es gewiß gelingen, Zentren jüdischen Lebens zu bilden, die, ohne Absonderung vom allgemeinen Markte des wirtschaftl chen Wettbewerbes, doch die Auftechterhattung des Sabbats ermöglichen Auf dem Gebiete der Erziehung aber könnte eine starke Organisation mit Sicherheit erfolgreich die bessernde Hand anlegenja sie würde, von dem Vertrauen der Massen getragen, bei vernünftigem Vorgehen vielleicht auch die Mithülfe derjen^en Philantropen erlangen, die heute gezwungen sind, nach ihrer individuellen Einsicht selbständig vorzugehen. Kochenrvn-schav. #1 3ur pflege Oer hebräischen Sprache un9 Literatur. Demnächst soll, wie wir bereits kurz berichtet haben, in Berlin ein Kongreß für hebräische Sprache und Kultur stattsinden. In dem Appell, den das vorbereitende Komitee in die Oeffentlichkeit lanciert, heißt es u. a.: "Es find in unserer Zett mancherlei Organisationen und Institutionen begründet worden zur Pflege der hebräischen Sprache, zur Förderung der hebräischen Literatur, zur Ausgestaltung der hebräiichsprachltchen Erziehung: aber alle diese Gründungen und Gruppierungen, die nur dem Wohlwollen und der Initiative von Privaten überlaffen worden find, zersplittern ihre Kräfte, durchkreuzen einander, oder streben gar einander entgegen. Jeder einzelne arbeitet nach eigener Etnstcht und auf cigei e Verantwortung, und darum bleibt diese Arbeit nur Stückwerk. Streben wir daher danach, der hebräischen Kuliur JKÄel soll noch etwas anderes. Auch in seinem Lande, DWunter JudaS Szepter soll jeder einzelne ruhig unbehaglich unter seinem Weinstocke und unter seinem Feigenbäume leben. AVer t»aS Hauptziel Israel« besteht doch im Dienste GotteS. In allen seinen Betätigungen, in allen seinen Geschäften sollte Israel als -der Priester deS höchsten Gottes fich bewähren. Wenn Israel seinen Acker besäte, so sollte eS nicht zweierlei Samen mit einer Hand auswerfen, damtt nicht wuchsen. Wenn eS schnitt, so sollte eS die Ackerecke für die Armen stehen laffen, wenn eS gedroschen hatte, den Dürftigen den Zanten verteilen, wenn es Teig knetete, die Ehalla dem Priester alS heilige Save avsondern. Den siebenten Tag, ein Siebentel seiner Zett, soll eS Gott widmen. Und blicken wir auf das heutige Israel. Auch daS heutig; Israel zeigt, daß nicht vom Brote allein der Mensch lebe, sondern von all dem, was der Ausspruch GotteS ist. Da sind wir ein Bolk, daS kein Land sein eigen nennt, daS nicht von einer gemeinschaftlichen Regierung zuseynmengefaßt wirb, daS nicht einmal zusammen wohnt, sondern überall auf Erden verstreut ist. Wir habm keine gemeinsame Sprache, keine einzige Bedingung ist vorhanden, welche sonst zum Bestände eines Bottes erfüllt few muß, und doch bilden wir ein Bolk, und zwar ein Bolk, so eng verbunden, so eng zusammenhängend, daß wir weniger Volksgenossen al» BolkSbrüder find. Und wodurch dies alles bewirkt ist? Nicht durch irgend etwas Weltliches, Irdisches, Materielles und Greifbares, sondern nur durch unsere Religion, durch unsere Thora, durch «wClHlCywfy oWilfydfy VWUMiCttBV UfUl juuucui nur durch unsere Religion, durch unsere Thora, durch untere mcrzwaus, wenye oer veroamue uno nennte *fuoe auf den eisigen Feldern Sibiriens ebenso auSübt wie der jüdische Bürger unseres Landes. Durch die MtzwanS schlingt sich ein vano, fester denn Stahl und Eisen, um den jüdischen Soldaten, der Ms dm Feldem der Mandschurei unter Waffm und KriegÄärm in der Gedernacht feine mühsam mttgeschlepptm Mazzos verzehrt. Dasselbe dschuret unter Waffm und KriegSlärm in der Gedernacht feine mühsam mttgeschlepptm Mazzos verzehrt. Dasselbe einigende Band schlingt stch um diesen und um den Juden, der in unserem anmuticen Dörslein behaglich und glücklich auf Sederktffm fich anlehnt und seinen Kindern vom Auszuge erzählt. Denn nicht vom Brote, sondem von dem, wa8 dem Munde Gottes entstamm', lebt der Mensch. DaS ist JSraelS Grundlage. Unser Bolk ist das ärmste und dürftigste auf der Welt. Wohl tbt es bet unS hier und da begüterte Juden, aber was edeutet die geringe Anzahl dieser gegenüber dm Hunderttausenden unserer BolkSgenoffen, welche in den Städten aes Ostens Tag für Tag hungem, hungem nach Brot hungem nach Lust, hungem nach einer nur halbwegs geräumigen Wohnung. Und doch lebt Israel, und doch .entfaltet eS eine ungeheure Macht des Geistes, eine ungeheure Macht deS Guten und Sittlichen und Gottgewollten unter allm Rationen. Denn «nicht vom Brote allein lebt der Mensch". Richten wir aber unsem Blick auch auf daS Sleinleben der Familien. Schaum wir hinein in die Häuser, so nehmm wir auch dort wahr, „daß es Mmschen gibt, denen Gott Reichtum und Güter und Ehre gewährt, und eS fehlt ihrer Seele gar nichts, was ste begehrt, und doch gibt ihnm Gott nicht die Herrschaft darüber, daß fie einen Genuß von ihrm Gütern habm". Sie gelangen nicht dazu, eine Freude an ihrm Schätzen und Ehrenstellen zu habm »der in Ruhe deren Gmuß fich hinzugedm. Wie oft find fie krank und müssen fich jeder Annehmlichkeit nthaltmwie oft drückt ein Kummer ihre Seele mrd läßt ihnm all das sonst so hoch Geschätzte als eitler Plunder erschein«. Und mag da, tn solcher Lage, nicht auch die Seele deS Mmfchm tn eine andere Richtung gelenkt werden? Wird da nicht die Erkenntnis aufgestiegm sein, daß biS daher eine falsche Bahn ste beschrittm hatten, indem fie nur nach Reichtum, nach Gmuß und Be- 13 i die En so müf leben t schaffen sich sar E< dem r Herzei Sprai W Kreise entgeg der R Litera hat ui Kongr schaffe uisatic müßte gelegt aber, Ei derjen der he und n noch, Sprat aber e Tat it hebräii all bei doch l Geistei eine bl und schaffei daß g eilt k andere daß dl Nation die Hel lebend! viel voi von ihl zigarttl das B durch i Profar Richtu wie T u. v. t Beweg Da bei W art in irtedtgui ihr « dem D Väter, tiefer fk sahrm. „Der r ErkeNnt Tor ntö das Leb uns die Werden unserem uns dm uns bel, Herzen nicht gel duld, vl zeigen, vermöge mut wir fromm i zu welch kann, tl auch sei mehr h Manna, von bei Du erkei ondern kommt". -fiii f r —