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Der Israelit · 1909-08-05 · Heft 31 (5.8.1909) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 31 (5.8.1909)
Date
1909-08-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ßene Palästina Citeratnr. Von Sdl. II. Das Land ist hier nicht mit den in die Zukunft schauenden Augen dessen betrachtet, der die Chancen einer groß angelegten Besiedelung des Landes mit Juden prüft, es ist nicht für den Praktiker (in dem eben ausgeführten Sinne) geschrieben, sondern es ist eine geographische Monographie, die auf solch praktische Fragen durchaus nicht das Hauptgewicht legt. „Land und Leute" heißt der Titel der Sammlung. Und auch die gesamte Anordnung und Auswahl des Stoffes weist auf diesen Charakter der Darstellung hin. So kommt es, daß ein großer Teil der Ausführungen gerade der Unfruchtbarkeit großer Gebietsstrecken, sowie den mechanischen Gründen und Ursachen dieser Unfruchtbarkeit gewidmet sind. Da hier die Verhältnisse, in wiffenschaftlichem Sinne, nicht einfach liegen, und im Laufe der Zeiten auch mannigfache Veränderungen Platz gegriffen haben, so ist naturgemäß für den Geographen hierüber viel mehr und Interessanteres zu sagen, als über die Fruchtbarkeit anderer Strecken. Für den Laien gewinnt die gesamte Darstellung dadurch einen Anstrich, der ihn zu den trügerischsten Folgerungen verleiten muß, wenn er sich des Charakters und Zwecks des Gutheschen Buches nicht klar bewußt bleibt. Dem Praktiker aber, der den Hauptnachdruck auf die fruchtbaren Strecken des Landes legt, wird sich das Bild anders gestalten. Wenn er auch nur die Gebietsteile, deren ganz besondere Fruchtbarkeit auch von Guthe gerühmt wird, zusammenstellt (den größten Teil der Küste, die Ebene Jesreel, die Inseln um Hebron und um Nablus, Teile des Ghor, die Ebenen um den Tiberiassee, sowie fast das gesamte Ostjordanland, besonders den Hauran), so findet er einen beträchtlichen Teil des ganzen Landes wieder, dessen Besiedlung, selbst wenn sie rein landwirtschaftlicher Art wäre, mehrere Millionen Menschen erforderte, ganz abgesehen davon, daß auch das weniger fruchtbare Land Oelbäume und Wein trägt, und daß auch für nicht landwirtschaftliche Zwecke Boden gebraucht wird. Niemand, der beim Lesen des vorzüglichen Buches den betrübenden, sicher ungewollten Eindruck gewonnen hat, daß dieses trübe Bild auf den aller Palästinakevntnis baren Neuling den nachteiligsten Einfluß ausüben muß, wird die obigen Ausführungen für überflüssig halten. In ganz ähnlicher Weise ist bei der Darstellung der Verwahrlosung des Bodens — so klassisch diese Darstellung auch ist — die durch die moderne Wafferbautechnik mögliche Korrektur so gut wie gar nicht gewürdigt. Auch dieser Punkt gehört eben gewissermaßen nicht zum Thema, aber daß er fehlt, kann eben wieder zu falschen Vorstellungen führen. Allerdings müssen wir uns hier auch gegen den Verfasser wenden. S. 61 wendet er sich ausnahmsweise derartigen praktischen Zukunstsfragen in Kürze zu, läßt aber dabei einen etwas pessimistischen Unterton durchklingen. Dabei werden gerade die technischen Bedenken, die er anführt, von fachmännischer Seite weniger geteilt (vgl. Wasserwirtschaft und Wasserbau in Palästina von Ingenieur Speidel, Altneuland 1906, S. 173), andere, die Kosten, Verwaltung, Initiative betreffen, werden seit den Umwälzungen in der Türkei von Guthe selbst nicht mehr ins Feld geführt werden, und endlich erkennt Guthe den Wert einer Anzahl kleinerer, Projekte selbst an. Wir hätten gewünscht, daß sich der Verfasser hier ebenso objektiv wie svM? aus sein Thema streng beschränkt hätte. ' s* Dieses Thema in seiner bestimmten Umgrenzung hat ihn auch verhindert, über einen Punkt ausführlicher zu sprechen, der für uns hohes Interesse beansprucht, und dessen knappe Behandlung wieder auf den Neuling verwirrend wirken wird: die jüdische Kolonisation. Daß er über die Templer — übrigens auch nicht viel — aber immerhin relativ mehr als über die Juden berichtet, ist bei einem deutschen Autor selbstverständlich. Bedenkt man, daß über rein geistige Kultur, also z. B. auch über das Schulwesen, dann aber auch über Bankwesen, Literatur, Kunstgewerbe usw. hier nichts berichtet wird, also über Gebiete, in denen die Juden — abgesehen von der Landwirtschaft — sehr viel geleistet haben, so ist es verständlich, daß das Verdienst der Juden Km die Hebung des Landes iin Buche nicht' genügend Ausdruck finden kann. Kühl über einzelne Daten berichtend, geht die kurze Darstellung darüber hinweg, daß die Juden nicht nur in geistiger, sondern auch in landwirtschaftlicher Beziehung vielfach dort die Träger einer höheren Kultur sind und ihre Pioniere waren, und daß sie in dem fruchtbaren Südweststrich des Landes heute bereits das ökonomische Uebergewicht besitzen. Nirgends wird Guthe auch der Bedeutung der jüdischen Kolonisation für die Erschließung des Landes überhaupt gerecht. Freilich macht sich in diesem Punkte neben der kühlen Sachlichkeit auch die nicht genügende Orientierung bemerkbar. Die im einzelnen richtigen Angaben über das vielfache Mißlingen der Versuche (S. 126) treffen zunächst nur für die administrierten Kolonien zu, und es hat sich hier alles völlig geändert, seitdem die Kolonien auf eigene Füße gestellt worden sind. Ferner aber treffen jene Angaben überhaupt nicht zu auf die Kolonien, die aus eigener Kraft begründet und erhalten wurden, also jene, die sich gerade am schnellsten und reichsten entwickelt haben — allen voran Rechoboth und auch Pethach Thikwah. Das Gesamtbild ist also nicht richtig gezeichnet. Jene Angaben können nur als richtig nicht als einseitig gelten, wenn sie durch Mit teilungen über den heutigen Status ergänzt werden. Wer sich aber dieser Grenzen des Buches bewußt bleibt, die, wie gesagt, zum Teil durch das Thema selbst gezogen sind, wird daraus lernen und dabei froh genießen. Das Buch wird sich viele Freunde erwerben und zweifellos in den oben abgesteckten Rahmen reichen Nutzen stiften. Rein inhaltlich sei es uns erlaubt, einige kleine Ausstellungen zu machen. Einzelne sind ja bereits in den obigen Ausführungen enthalten, und zwar gerade die wichtigsten. In der interessanten Auseinandersetzung über den Ausdruck „Milch und Honig" gelingt es Guthe trotz des geistvollen und logischen Aufbaus der Ausführung nicht, alle Schwierigkeiten aufzulösen. Wäre da nicht auch die von Dalman in der ZDPV 1905 gegebene, viel weniger gelehrte, aber recht plausible Erklärung am Platze gewesen? Merkwürdig ist, daß die in so mannigfacher Beziehung interessante Ledschah (Trachonitis) keinerlei Erwähnung findet. Endlich glauben wir, daß etwas mehr Ausführlichkeit in den letzten Kapiteln (Galiläa, Ostjordanland) erwünscht gewesen wäre. ■s Die Juden in der allen schwäbischen Reichsstadt llavensdnrg. Bon Rabbiner Dr. Schweizer-Weikersheim. (Fortsetzung.) Am St. Ulrichs-Abend des Jahres 1430 wurden die Juden von Ravensburg lebendig verbrannt. Ihre Verlassenschaft wurde vom Bürgermeister und Rat der Stadt dem Königlichen Fiskus überantwortet. Das betreffende Dokument befindet sich im Königlichen Staats- Archiv zu Stuttgart: „Wir Erkinger von Saunsheim, Herr zu Schwarzenberg, und Jacob, Truchseß zu Waldburg, des Reichs Landwacht in Schwaben, bekennen uns offenbar mit diesem Brief: Als da die Ehrsamen, weisen, ein Bürgermeister und ein Rath der Stadt. zu Ravensburg, zu etlichen Juden und Jüdinnen gerichtet Hand mit Recht, um von des verlassenen Guts wegen, so dieselben Juden und Jüdinnen nach Tod verlassen Hand, daß selb Gut und Haab unserm allerqnädigsten Herrn, Herrn Sigmund, Römischen König, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, und zu Ungarn, zu Böheim, König, zugehört - da nun Seine königliche Gnade uns empfohlen, und darien Macht gegeben hat, solch' verlassen Gut und Fälle an Seiner königlichen Gnaden Statt einzunehmen und einzubringen; bekennen wir mit diesem Brief, daß die ehegenannten, ein Bürgermeister und Rath zu Ravensburg, uns dasselbe verlassene Gut/ JttL

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