Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1909)
- Date
- 1909-08-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 10. Nr. 31 Der JSraeltt. 5. August 1909 Sie sind noch mehr; sie sind Weltmenschen, die, wenn auch oft mit Grimm im Herzen gegen anspruchsvolle und rücksichtslose Gäste, mit dem' verbindlichsten Lächeln Wünsche und Beschwerden enlgegcnnehmen. Eine allgemeine Klage an Badeorten bildet der häufige Mangel an Koulanz gegenüber den Gästen. Ich redaure tief, daß ich mich auch hier auf Seiten der koscher speisenden Reisenden stellen muß, wie sehr ich auls meine Ansprüche auf diesen Punkt im Laufe der Jahre heruntergeschraubt habe. Wenn bei der Wichtigkeit der Grüngemüse für etwas Spinat, Karotten. -Kartoffeln, Preise angesetzt werden, die in umgekehrt quadratischen Verhältnis zur Quantität stehen, so wirkt, gerade hier.die Kleinlichkeit peinlich. Und wenn auch meinetwegen Geflügel und Fleischspeisen etwa fünfzig Prozent höher berechnet werden, , als an christlichen. Tafeln und sich dies allenfalls £ noch rechtfertigen läßt, so wird man aber umsoweniger einfehen, warum Gemüse und Fische im jüdischen Restaurant, ebenfalls teurer berechnet werden. Ich will es jedem jüdischen Restaurateur gegenüber nachdrücklich vertreten, wenn ich behaupte, daß Koulanz und Großzügigkeit bei ihnen weit seltener zu finden sind, als bei ihren nichtjüdischen Kollegen. Und nun möchte ich noch auf eine sehr wichtige „ Kleinigk eit " kommen, die, wie es scheint, fast * absichtlich von jüdischen Gastwirten ignoriert wird. Esi st dies die sogenannte „Aufmachung". Die Wüchternheit der Tische, ohne Blumen, ohne Grün, die . Sparst» j.« fjyU - a n T a f e I ii> ä sch e, die fast un- . ästhetisch wirkende SchmüMvsigkeit der Räume, des > Fußbodens, im Vergleich mit der sinnreichen Aus- ' schmückung nichtjüdischer Speiseräume, die Äermlichkeit au Beleuchtung, gegen die Fluten von Licht in christlichen Restaurants, - alles dies, was leider! den jüdischen Inhabern von Speisehäusern sehr belanglos erscheint, ist mit eine der einschneidendsten Ursachen, daß Juden, die sich des ri'HÜD einmal entschlagen haben, schwer oder gar nicht mehr zurückzubringen sind. Unsere heutige Generation hat nun einmal und ganz fraglos einen verfeinerten Geschmack. Sie legt ein großes Gewicht auf das Milieu; sie fordert Comfort — und zahlt ihn auch gerne mit. Sie ist eben kritischer als die vorousgega,,gene Generation, die schon zufrieden war, wenn sie überhaupt nur koscher zu essen' Gelegenheit hatte und verzichtete dafür auf alle Dinge, ohne welche die Menschen von heute gar nicht mehr leben zu können glauben. Früher war das .Koscherspeisen ein Bedürfnis und eine Notwendigkeit, der man alle Opfer an Geld, Propretüt und Behaglichkeit gerne brachte. Das ist heute anders; aber trotzdem gibt es noch tausende jüdischer (Geschäfts-, Bade-' und Vergnügungsreisender, die, selbst ohne inneres religiöses Bedürfnis, jüdische Küche bevorzugen und auch gerne teurer bezahlen. Ja, ich glaube sogar mit Bestimmtheit sagen zu dürfen, daß die Zahl der rituelle Küche unterwegs bevorzugenden Juden sogar gestiegen ist. Wenn wir nun dafür sorgen, daß dementsprechend von der Pike an gediente jüdische Hoteliers und Restaurateure mit allen Kräften danach trachten, — selbstverständlich bei zweifellosem D'HEHD — an Komfort, „Aufmachung", an Höflichkeit und Großzügigkeit es ihren christlichen Kollegen gleichzutun, ■' dann braucht man nicht daran zu zweifeln, daß auch die Zahl der rituell lebenden Juden immer größer werden wird. Wenn aber die größere Zahl jüdischer Restaurateure beim alten Schlendrian beharrt, weil sie von ihrer Unentbehrlichkeit überzeugt sind, dann werden auch in Zukunft jüdische Restaurants nur vegetieren und niemals prosperieren. (Wir geben der obigen Auslassung trotz ihrer scharfen — allzu scharfen — Form Raum, weil sie vieles Wahre enthält und vielleicht anregend wirkt. Allerdings glauben wir andererseits, daß auch die jüdischen Hoteliers manchmal Ursache haben, sich über unberechtigte Ansprüche ihrer Gäste zu beschweren. Red.? nssn Briefkasten. Lehre <3. 2(. und andere. Die Polemik mit Herrn Steinhardt fortzusetzen, verbietet sich aus Gründen des guten Geschmackes. Gewiß wird es zahlreiche Lehrer geben, die den „Israelit", nicht lesen, die auch No. 24 vom 17. I u n i mit der von Herrn Steinhardt qm 2J. Juli vermißten Berichtigung nicht gelesen haben und die darum den mit Äpplomb vorgetragenen unwahren Behauptungen des wackeren Tribunen und den daran angeküüpften öden Schimpfereien Glaube»: und Beifall schenken. Allein es gäbe gegenüber Leuten vom Kaliber des Herrn Steinhardt als Abwehr nur ein einziges Mittel, das sicheren Erfolg verspricht: die gerichtliche Klage, eine ultima ratio, zu der wir uus im allgemein-jüdischen Interesse vorläufig noch nicht entschließen können. Die Verrohung des literarischen Tones, die der Wirksamkeit des Herrn Steinhardt zu danken ist, hat, wie es scheint, auch auf Herrn Sturmann abgefärbt, der jetzt ebenfalls schimpft, statt zu beweisen oder zu berichtigen, ein neuer Beleg sui generis dafür, wie anst-. ckend das Zusammenarbeiterl neologer und orthodoxer Männer auf diese letzteren zuweilen wirken kann. E. D. L. Heldt &. Wien in Königsberg t.Pr. K. W- Im Verzeichnis des „Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser" ist der hetreffende Platz nicht aufgrsührt und ist uns ein unter Ausficht stehendes Restaurant dort nicht bekannt. $jfi B L. Sie erhalten demnächst Bescheid. 8rtu M. Wir. behaLKr, Ihnen darüber keifte^Äuskunft geben zu können. Rabbiner I. M. in N. Wir danken Ihnen für die Mitteilung, die wir dem Autor des betreffenden Aufsatzes zur gelegentlichen Verwendung überwiesen haben. I. B. in Hamburg. Die betreffende Notiz im Fachorgane für Margarine-Industrie ist uns nicht entgangen. Auf die ebenso sinnlose wie hämische Bemerkung irgendwie zu reagieren, hallen wir nicht für nötig. Jed »falls besten Dank. L. F. in D. Es geht leider nicht an, drn Text der roiö, f° sehr wir die darin zum Ausdruck kommende Pietät der Gemeinde gegen ihren verewigten Rabbiner anerkennen, in unserem Blatte zu veröffentlichen. Uereinskalender. Verein Mekor-Ehajim, Schützenstraße 2: Samstag, den 7. August 1909, nachmittags 41]4 Uhr: „Mikro- Vortrag" des Herrn A. M. Schwarzschild. Jaffliliennacbricbten. Geburten: Einen Sohn. H. MarcuS (March) hier Langestr. 39. — K a h n (Strauß) hier, Seumestr. 7. — Samuel Hecht (Frank) Michelstadt. — Eine Tochter: Salomon Weil (Lewin) hier, Nhlandstr. — Gerfon Posen (Marion) hier, Sandweg 44. Verlebte: Recha Rosenberg, Friedrich D. Weil, beide dahier. — Johanna Straffer, Salomon Neu Haus» Tokaj-Koltha. Vermählte: Mahram Levi, Helene geb. Posen, Antwerpen - Frankfurt a. M. — Arnold Hirsch, Frieda geb. Neumann, Frankfurt a. M. — JaqueS Sann Henny geb. Scheffle r, Antwerpen-Frankfurt a. M. Verstorbene: Eva Pappenheim geb. R00S, Frankfurt a. M. 34 Ihr. — Frl. Babette Strauß, Michelstadt. 73 Ihr. Itormizwohfelern: Maximilian, Sohn von Heinrich Keller, hier, Westendsynagoge. — Siegfried, Sohn von David H.a a S, St. Goar. * Sabbat* Anfang u. Ausgang 121 OKI: Anfang Dutum Au«a«n» > UhrlMin. 1909 5660 Udr ®n* 7. 20. Ab SrankfnrtaM 7 25 Aug. 8 50 »erlitt .... — — 8 39 München . . . 7 15 8 25 dtraüburg . 7 — 8 4 . Stuttgart. . . 7 15 8 37 Posen .... — — 8 33 Nürnberg . — — 8 32 Hamburg. . . — — 9 (5 — — 8 30 W Landeshuter!==■ Leinen« und Gebild-Weberei F. V. Grünfeld Königl., Qrossherxogl. u. forstlicher Hoflieferant Berlin W^» WpiIgmtntN 21-2. Grösste AoswaU aller Wäscheartikel für dea Hausbedarf. flnfertiiMi ganzer flusstattingci. Preisliste mit Abbildungen sowie Kosten- »söhlige zu Diensten. (12423) voWlichsIWr im Konkurrenz-Kampf ist ein wir- . kungsvoll abgefasstes Inserat am richtigen Platze. Derartige Vorschläge hat für Sie kostenlos die Firnia Haaaensteln A Vogler, H. G., Frankfurt a. M., Zell 481. Flr ln lusratintsll ist dlsRsiaktUm sieht Ysrantwortüch; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die ln Inseratenteil mthiit—m Rwpfahiingan ritueller Waren oder sonstlgeingahen rellglonsgesetzllchen Charakters aaf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. 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