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Der Israelit · 1909-08-05 · Heft 31 (5.8.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 31 (5.8.1909)
Date
1909-08-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«eite 8. Nr. bl. vielen Kolonien vieles zu wünschen übrig läßt. In unserem Fülle braucht es nicht einmal religiöse Gleichgiltigkeit, sondern es mag die scharfe, außerpalästinensische Konkurrenz und die Eigenart der palästinensischen Berhältniffe gewesen sein, welche zahlreiche Besitzer von Esrog- Gärten im heiligen Lande im Laufe der Zeit dazu brachte, auch ihre Esrog-Bäume mit Zitronenbäumen zu propfen. In den allerersten Jahren trägt der junge Baumschlag noch keine Früchte, dann beschränkt daS n^-»y-Verbot den Genuß der ersten Jahre,- wenn die ErtragSzeit dann einige Jahre gedauert hat, stirbt der Baum ab, falls ihm nicht durch Propfen mit Zitronenbäumen eine längere Dauer gesichert wird,- man begreift, daß zum mutigen Ertragen aller dieser Eventualitäten eine größere Hingebung an Thora und Mizwos erforderlich ist, als man sie durchschnittlich erwarten kann. Uebrigens befinden sich weitaus die meisten Esrogim- Gärten gar nicht in jüdischen Händen, sondern im Besitze der reichen Araber in Jaffa. So kommt es, daß heute ein großer Teil auch der aus Erez-Israel importierten Esrogim so wenig Garantie für ihre Zuverlässigkeit bietet, wie die außerpalästinenfischen Esrogim. Dazu kommen noch bei den E-rogim aus Erez-Jsroel die Rücksichten auf nvinn und n*ny für deren gewissenhafte Beachtung ebensowenig eine Bürgschaft vorhanden ist. Durch den Bezug von Esrogim aus Erez-Jsroel schlechtweg ist daher, wie die Dingeheute liegen, die Kalamität nicht beseitigt, sondern noch verschärft. Diese Kalamität kann nur mit Erfolg bekämpft und mit der Zeit gänzlich beseitigt werden, wenn sie nicht länger verschleiert sondern vor die öffentlichste Oeffentlichkeit gebracht wird. Die jüdische öffentliche Meinung muß dagegen mobil gemacht werden. Dazu müssen sich, soweit es nicht bereits geschehen ist, unsere Herren Rabbiner mit der Sache eingehend befassen und sich überzeugen, daß wenn es in dem bisherigen Schlendrian weiter geht, die Erfüllung einer naipna xn”"wn nixv gefährdet ist. Sie brauchen zu diesem Zweck nur eine kleine Schrift zu studieren, die der Rabbiner A. I. Kuk in Jaffa dem Gegenstand gewidmet hat und die wohl durch den Verfasser zu beziehen ist.*) Diese Schrift, welche die religionsgesetzliche *) Der volle Titel lauttt: f)*W 1 *1H yy x"aaun p'nx nax 'mnx jrirr Tr na^n ans« nxa 'x rroin ♦D'aanuan Str fnoai masnam w p"irra Tax pip pan pnr .x"aam Bcx Xtrnem und die technische Seite der Angelegenheit mit leicher Meisterschaft und klarer Uebersichtlichkeit ehandelt, wird ihre Leser von selbst dazu führen, darauf zu dringen, daß fortab kein Esrog gekauft wird, dessen einwandfreie Zuverlässigkeit nicht durcheinen, "iteo'n von zuverlässiger Seite festgestellt ist. So wenig man heute MazzoS, Wein, Fleisch, Tefillin u. a. m. ohne eine solche Garantie kaufen und verwenden kann, so wenig sollte dies bei Esrogim der Fall sein. Auch die Esrogim-Händler werden dann, um dem Wunsche ihrer Abnehmer zu entsprechen, es sich mehr als bisher angelegen sein, ihren Bedarf nur von einer solch anerkannten Seite zu beziehen. Es gibt glücklicherweise im heiligen Lande Esrog-Gärten, die unter zuverlässiger Aufsicht stehen,- diese wären festzustellen und das Erforderliche zu veranlassen, taß der Bedarf an Esrogim von dort bezogen werden kann. Das ist wohl die Bedeutung eines Beschlusses, welchen die „Palästina-Kommission" der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" auf dem letzten Vereinstag, gefaßt hat, und in den jüngsten „Mitteilungen" dahin präzisiert: „Eine Anregung, die Palästina-Kom- „mission möge die Förderung der ausschließ- „lichen Benutzung palästinensischer Esrogim „in die Hand nehmen, wurde beschlossen, „den Pekidim der Städte des heiligen „Landes in Amsterdam behufs weiterer „Veranlassung zu überweisen." Da die Pekidim seit einiger Zeit ihr eigenes Büro in Jerusalem besitzen, so dürften sie leicht in der Lage sein, dieser Anregung zu entsprechen, wenn auch zunächst nur für ihre Genossen in Deutschland und Holland. Das Jerusalemitische Büro wäre von den Pekidim in diesem Sinne zu instruieren und die Organe der Pekidim in den einzelnen Gemeinden Deutschlands und Hollands wären dann in Kenntnis zu setzen, daß durch Vermittlung des Büros in Jerusalem ungepropfte Esrogim zu beziehen sei. Eine Aussprache mit dem Leiter des Jerusalemer Pekidim-Büros, der sich zur Zeit auf einer Reise in Europa befindet, hat mich überzeugt, daß hier der rechte Mann am rechten Platze ist und daß speziell die Esrogim-Angelegenheit sich bei ihm in besten Händen befindet. Danach dürfte sich die Tätigkeit der Pekidim nicht auf das Gesagte beschränken. Es wäre von ihnen oder der „Palästina-Kommission" der „Freien Vereinigung" eine Aktion in großem Stile einzuleiten durch Ankauf von Gärten zur Anpflanzung von Esrogimbäumen, die dann der Aufsicht des Jerusalemitischen Pekidim-Büros zu 5. t unuft it>o9 unterstellen wären. Dieses hätte sich für alle nach dieser Seite zu unternehmenden Schritte mit Herrn Rabbiner Kuk in Jaffa in Verbindung zu setzen, der, wie wenig andere, gerade auf diesem Gebiete sich nicht nur durch literarische, sondern auch durch seine sonstige hingebende und erfolgreiche Tätigkeit als die geeignete Kraft bewährt, um der Esrogim-Kalamität mit Erfolg entgegen zu treten. Wer durch seinen Rat und seine Ausführung die ungetrübte Erfüllung des DTE P ermöglicht, hat eine Großtat geübt, deren Tragweite nicht überschätzt werden kann. Daß speziell an die Heilighaltung dieser Mizwo unsere höchsten, heiligsten Anliegen für alle Gegenwart und Zukunft geknüpft seien, das haben unsere Weisen uns in so eingehender mannigfacher Weise nahe gelegt, daß es genügt diese Zeilen mit einem der vielen hierher gehörigen Ausspruche zu schließen um jedes weiteren Wortes zur Würdigung dieser Kalamität und ihrer Bekämpfung enthoben zu '2K '-in ptwnn ova oa1? onnpVi roara wy nt piwnn p oa1? y-nsi jump oa*? xiax piwn oa*? naiai ptwnn xri n'a a'nan y«nn o'pD ptftno maa xoa n'a man p"on'a nr a'nan n'wvn nr p^x-i oa1? xacn lampo .px -iLav o'Wn'Vi Din nan pwx-i 12 P. A. Kochmimn-scha«. Pofemhln’sche Dörfer. Als die von der „Alliance Jsraelite" zur Beruhigung der orthodoxen Opposition nach dem Orient entsandte sogenannte „Inspektions-Kommission" sich auf dem Wege nach Konstantinopel befand, konnte unser dortiger Korrespondent unter der obigen Überschrift die interessante Mitteilung machen, daß man in den Konstantinopler Alliance- Schulen die Kinder in aller Geschwindigkeit im Hebräischen „ausbildete". Diese Ausbildung bestand darin, daß hebräische Texte in französischen Buchstaben niedergeschrieben und von den Kindern auswendig gelernt wurden. Auf diese Weise gedachte man, der Kommission Sand in die Augen zu streuen, ein Verfahren, das denn auch, wie der von der Alliance mit großem Geräusch ausposaunte Kommissionsbericht beweist, trefflich ge- Medi vom Brot allein lebt der Mensch. 3*« WocherraLfchuitt. Aus unserem Wochenabschnitt, der so reich ist an «ätzen tiefster Wahrheit, an Gedanken, welche durch alle Erfahrung erprobt find, wollen wir heute einen herausgretftn, von dem wir glauben, daß er die Grundlage aller Religion enthalte, daß er uns darüber aufklärt, waS für eine Anschauung wir unS bilden sollen über die Schicksale, die unS treffen, welche Anschauungen über daS ganze, ungeheure, mannigfaltige, unendliche Weltgetriebe. Und endlich belehrt uns dieser BerS über daS, waS von «NS verlangt wirb, was wir tun sollen, «o ist also in diesem Berse ein ganzes Gebäude der Philosophie, b. h. einer Welt- und Levensanschauung etnaeschloffen. Und es ist eine schöne und ersprießliche Aufgabe, diesen erhabenen BerS in seiner ganzen Tiefe auf unS wirken zu lasten. NI ypb* 'n ‘■p'bin ypx -pnn *?a nx man '131 naTöa fOT DWIX „Und denke des ganzen WraeS, den der Ewige, dein Gott, dich geführt hat diese 4V Jahre hindurch, damtt du erkennest, was in deinem Herzen ist, ob du zu beobachten vermagst seine Gebote oder nicht." „Er ließ dich leiben und hungern, gab dir dann daS Manna zu effen, welches du und deine Bäter nicht gekannt hatten. Damtt er zu wissen dich lehre, daß nicht vom Brot allein der Mensch lebe, sondern von all dem, was dem Munde GotreS entstammt, der Mensch lefie* Eine große, Welt und Menschen bewegende Frage hat MoseS beantwortet: Wozu lebt der Mensch? WaS ist der letzte Zweck seines Daseins hier auf Erden? Und er erwidert: daß nicht für daS Brot allein der Mensch lebe, nicht allein für seine Bebürfniffe hier auf dieser seiner kurzen Wallfahrt auf Erben, für Kleidung und Wohnung, sür Ehre und Genuß, sondern für all das, waS dem Munde Gottes entstammt." Ja, aber werden wir diese Forderung so ohne weiteres annehmen und ste billigen? Wird fich nicht alles in uns gegen sie empören? Da arbeiten wir Tag und Nacht ohne Unterlaß, um Brot in unsere Häuser zu bringen sür uns, unsere Familie. Da müsten wir sorgen und rechnen, unS plagen und quälen, und nicht freiwillig unterziehen wir unS all diesen Anstrengungen, sondern die btttere Not treibt unS zu alledem. Und da sollte diese täglich sich erneuernde Sorge nur eine nebensächliche Angelegenhett fein, jener ganze Inhalt unserer vtelgeplagten Tage nur nebenbei eine Rolle, aber nicht die Hauptrolle spielen? Da sollte diese wichttgste Angelegenbett unseres Lebens nachstehen einer anderen? Auch Moses hat diesen Gtnwand von feinem Volke erwartet, darum hat er vorausgeschickt: „Denke deS Weges, den der Ewige, dein Sott, dich geführt diese 40 Jahre hindurch in der Wüste." Wie ein reifer, borauSsehender Erzieher feinen Zögling behandelt, den er sür einen besonders hohen und schwierigen Beruf erziehen will, so ist Gott mit Israel Verfahren. Seine erste Jugend läßt der Erzieher den Kn rben, der einst hart arbeiten und unentwegt kämpfen soll, verleben nicht in einem Hause, wo Verzärtelung und Verweichlichung zu befürchten ist, sondern in einer Familie, die gewöhnt ist, mit rauher Hand zu arbetten, in welcher nicht Leckerbissen auf den Tisch kommen, sondern daS grobe schwarze Brot der Mühseligen. Und dort härtet fich der Körper deS Knaben, dort stählt stch seine Seele zu unbeugsamer Tatkraft und Ausdauer. Und wenn die Zeit herangekommen ist für die Reife des Geiste«, des Urteils, da nimmt ihn sein Vormund hinweg, führt ihn hinaus in die Einsamkeit, um die Schlacken, die stch entwickelt haben, zu entfernen und ihn weiter vorzuberetten für die Aufgaben, die seiner harren. Und draußen in der Oebe, fern von allen Menschen, gibt er ihm Aufschluß für so viele dunkle Fragen, dort lehrt er ihn kennen seine väterliche Liebe, damtt der Junge Vertrauen faste zu seinem Leiter, tamit Liebe zu ihm Fuß faste in dem jugendlich fühlenden Herzcn. Dort in der Wüste weiht ihn der Vater ein in daS Innerste seiner Gedanken und Gefühle, macht ihn bekannt mit seinen hohen, gewalttgen Absichten und Plänen. Und der Jüngling gibt fich ganz hin den Lehren und Abfickren seines Vaters und erfüllt fich ganz mit seinem Geiste. Und nun, da der Vater das Ziel erreicht steht, nachdem der Körper des Sohnes gesund und fest geworden, nachdem sein Verstand aufgeklärt, nachdem sein Wille unbeugsam geworden und seine Gesinnung gleich der des Vaters entstammt ist für das Gute und Heiivolle, für daS Reine und WeltSeglückenbe, da geleitet ihn der Bater wird« zu den Menschen, weist ihm dort seinen Platz an, damtt er

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