Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 30 (29.7.1909)
- Date
- 1909-07-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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so. Juli 1909 9CX 30 £n JaraeUr. Teae 19 Das Daniel Wormser - Daus in kamdurg. (Mit Bild.) Das große Ziel, dem der edle Gründer des Hamburger Israelitischen Unterstützungsvereins für Obdachlose, der unvergeßliche Herr Daniel Wormser, nachstrebte, ist durch jahrelanges, eifriges Bemühen des jetzigen Vorstandes endlich erreicht worden. Das Daniel Wormser-Haus, das in keiner Weise nur Zwecken der lokalen Hamburger jüdischen Wohltätigkeit dienen, sondern Klinische Patienten. eine allen deutschen Juden obliegende Pflicht zu erfüllen helfen soll, wurde ein geweiht. In diesen Räumen sollen nämlich unsere notleidenden Glaubensgenossen, armeDurchwandernde, besonders auch Auswanderer, welche gezwungen sind, die heimatliche Schplle zu verlassen und sich in der Ferne neue Wohnsitze zugründen, während ihres Aufenthalts in der Hafenstadt beherbergt, verpflegt und gekleidet, sowie für ihre weitere Reise unterstützt werden. Daher verdient diese Einrichtung das le - b endige Interesse und die werktätige Unterstützung aller Juden, speziell der deutschen. Eine kurze Beschreibung des Hauses dürfte alle unsere Leser interessieren. Im sorgsam ausgebauten Keller finden sich die modernsten Badeeinrichtungen (Voll- und Douche- Bäder) sowie ein Disinsektionsapparat, um die Kleider der Gäste zureinigen. Di" hinteren Räumlichkeiten des Kellers, die Oberlicht vom Hofe erhalten, dienen als Lagerräume für die Bekleidungsqegenstände, welcher der Verein aus ganz' Deutschland für die Bedürftigen sammelt. (Eine Filiale dieser Zentrale befindet sich in den großen Auswandererhallen der Hamburg-Amerika-Linie auf der Weddel für diejenigen Auswanderer, die die Stadt nicht berühren und dort eingekleidet werden.) Im Parterre des Hauses betreten wir gleich rechts vom Eingang die große, helle Küche, von wo aus durch Schalter das Essen direkt in den anstoßenden großen Speisesaal gereicht wird. Dieser Speifesaal dient gleichzeitig als Aufenthaltsraum am Tage. Daneben befindet sich ein Bureau, in dem jeden Abend ein Vorstandsmitglied mit den Beamten die Angelegenheiten und die Unterstützungsgesuche der Wanderer einzeln erledigt. Ein kleiner Hofraum hinter dem Speisesaal bietet Platz zum Ergehen und für die zu errichtende Laubhütte. Drei Etagen bieten in großen und kleinen Zimmern luftige Schlafräume für ca. 35 Personen. In jedem Zimmer befinden sich feste Waschtische mit fließendem Wasser, auf jeder Etage im Flur kann auch warmes Wasser einer Leitung entnommen werden. Der Anlage der Toilletten auf jeder Etage und im Keller ist selbstredend. besondere Sorgfalt gewidmet. Unter dem geräumigen Dachboden befindet sich noch die äußerst praktisch angelegte Waschküche sowie noch Reserveräume. Einfach und gediegen ausgestattet, mit größter Rücksicht auf alle gesundheitlichen Erfordernisse, soll und wird dies Haus eine Musteranstalt werden, in der die armen Wanderer fühlen sollen, daß sie als Brüder behandelt werden und sie werden das Haus verlassen mit frischem Mut für den weiteren Lebenskampf. Als Hausverwalter ist ein tüchtiger Mann gewonnen, der sich das Vertrauen des Vereins in fünfjähriger Tätigkeit als jüdischer Schiffskoch verdient hat und der es versteht, außer für peinlichste Sauberkeit auch für rationelle Ernährung der Leute in einfacher Form zu sorgen. Ihm mit seiner Frau wird bäude ein kleiner Kreis Eingeladener. Vertreten waren die Rabbiner, der Vorstand der Gemeinde, das Repräsentantenkollegium, der Synagogenverband, die Henry-Jones-Loge und viele befreundete Institutionen des Unterstützungsvereins für Obdachlose. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Rechtsanwalt L. Alexander, wies in seiner Ansprache darauf hin, daß nicht mit Jubel, nicht mit lauten Freudenkundgebungen der gegenwärtige Moment begangen werde, sondern mit Ernst und würdevoller Andacht. Gelte es doch, ein Werk seiner Bestimmung zu übergeben, welches den Aermsten der Armen eine Stätte der Zuflucht bieten solle. Nur schrittweise habe der Verein für Obdachlose das von seinem Gründer erstrebte Ziel erreichen können, unterstützt von vielen Gönnern, deren Namen aufzuzählen, zu weit führen würde. Mit einem warmen Mahnwort an den Hausvater, nicht nur ein Verwalter des Hauses, sondern seinen Schützlingen ein Vater zu sein und das Haus im Sinne desjenigen, nach dem es genannt wurde, den edlen Daniel Wormser zu leiten, schloß die wirkungsvolle, tief empfundene Rede. Herr RabbinerDr. Nobel sagte in seinem Dankesworte an alle, die zur Errichtung dieser jüdischen Heimstätte beigetragen haben, nicht Fremde sollen hier Unterkunft finden, sondern Brüöer im wahrsten Sinne des Wortes. Brüder seien es gewesen, die während der Verfolgungen vergangener Jahrhunderte aus Deutschland flüchteten nnd bei ihren russischen und polnischen Glaubensgenossen warme Aufnahme fanden. Und die Nachkommen dieser unserer Brüder seien es, die heute an unsere Tore klopften, um bei uns Zuflucht vor ihren Verfolgern zu finden. Eines Weiheaktes ftir dieses Haus bedürfe es nicht, denn in dem Augenblicke, wo der erste Arme über seine Schwelle trete und hier mit Speist und Trank gelabt werde, habe es seine Weihe empfangen. Im Aufträge des Hilfsvereins der deutschen Juden überbrachte Herr Abr. Lewandowsky die herzlichsten Glückwünsche und die Versicherung, daß er immer bereit sein werde, dem Verein für Obdachlose tatkräftige Unterstützung zu leisten. 4 HLarsaas ESS SAAL BEMLEIDUIIGS-VORRAT Mit einer Besichtigung des Hauses schloß die ernste, würdige Feier. das erforderliche Hilfspersonal, as auch im Haufe wohnt, beigegeben. Das Haus erforderte mit dem Umbau und den inneren Einrichtungen ca. 60,000 Mark. Ueber der Eingangstür des Hauses ist eine Platte aus Granit angebracht, auf welcher mit goldenen Buchstaben zu lesen ist: „Daniel Wormser-Haus". o'mK p?D rva. Zur Ginweihungsfeier des Hauses versammelte sich in dem schmucken, freundlichen Ge- Kinberecfe was 6ro6muffer am Sdiabbosnadimittag erjählf. Bon Jofrph Levi. München. Ein sonniger Schabbosnachmittag. Die Strahlen der Sonne erquickten durch ihre Wärme die Menschen, die derselben solange entbehrt hatten. Einer dieser goldenen Sonnenboten, die Arm und Reich gleich freundlich und erfreuend beschienen, neu, drang mit seiner frohen Heiterkeit, die alle Trübsal verscheucht, in eine kleine Dachkammer. Nur ein einziger Strahl und fast hätte auch der das winzige Dachfensterchen übergehen. Doch jetzt mußte ihm das bisherige Halbdunkel in dem kleinen, sauberen Dachstübchen weichen. Tausende von Sonnenstäubchen führten frohe Tänze auf, wo der liebliche Sonnenbote hinsah. Der blinde Spiegel an der Wand fing den goldenen Pfeil BADERAUM Daniel Wormfertzans Hamburg