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Der Israelit · 1909-07-29 · Heft 30 (29.7.1909) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 30 (29.7.1909)
Date
1909-07-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
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Seite 18 No. 30. Der Israelit. 29. Juli 1909 damit er nicht schreie, dann zog man ihm die Kleider aus und legte ihn nackt auf einen Tisch. Sie sollen ihm nun mit spitzigen, scharfen Messern und Nadeln die Adern geöffnet haben, daß das Blnt vom Tisch in die unterstehenden Geschirre floßso lange sollen sie den Knaben fortgemartert haben, bis er seinen Geist aufgab. Nach vollbrachter Tat sollen sie den entseelten Körper in einen Sack gesteckt und diesen bis nach beendigter Hochzeitsseier unter die Treppe gelegt haben. Später habe einer, namens Anselm, den Sack auf die Schulter genommen und ihn aus der Der ermordete Ludwig Etterlin wurde in der Stadtpfarrkirche zu Ravensburg hinter dem Hochaltar beigesetzt und als Märtyrer gefeiert, der im Tode noch Wunder erzeugt habe. Die Folge dieses Mordes war eine gräßliche Judenverbrennung in Ravensburg und Lindau. Im städtischen Archiv zu Ravensburg befindet sich eine Urkunde vom Jahre 1430, in welcher Blinde arabische Juden. Stadt hinansgetragen; unterwegs sei er einem Fuhrmann mit einem leeren Wagen begegnet. Der Fuhrmann sollre den Sack in den Wald mitnehmen für hohen Lohn und dabei, durch einen Eid versprechen, über dre ganze Handlung Diskretion zu beobachten. Aus Liebe zum Geld tat der Fuhrmann alles, was man von ihm wollte. Wer weiß, ob der Fuhrmann nicht eben von christlicher Seite bestochen war, einen Chriftenknaben zu töten und dann das Gerücht auszusprengen, die Juden hätten den Knaben ermordet,' wer weiß, ob diesem Märchen von dem sogenannten Ritualmord in Ravensburg anno 1428 nicht die historische Tatsache zugrunde liegt, daß christlicherseits ein Mord begangen wurde und die Blutschuld, dann den Juden aufgehalft wurde, um ihnen so den Prozeß machen zu können und ihrer dadurch einfür allemal los zu werden. Jedenfalls ist diese Kriegslist auffallend gut gelungen. Als der Knabe Ludwig längere Zeit nicht heimkam, wurde sein Hausherr stutzig. Er suchte ihn in der ganzen Stadt, ohne ihn jedoch zu finden. Eines Tages kamen viele Knaben in den Wald, um Vogelnester zu suchen, da fanden sie ihren Schulkameraden Ludwig tot im Walde hängen. Sie meldeten den grausigen Fund sofort dem Hausherrn, der seinerseits die Anzeige beim Rat der Stadt machte. Man ging hinaus und holte den Leichnam. Die ruchlose Tat wurde bald weit und breit bekannt. Der Fuhrmann soll nach Entdeckung des gräßlich. verstümmelten Leichnams von Ravensburg nach Ueberlingen an den Bodensee gestohen sein, da der Verdacht auf ihn gefallen war, weil er öfters durch jenen Wald gefahren. Der Fuhrmann, Nikolaus Knoll mit Namen, wurde in Ueberlingen gefangen genommen und peinlich beftagt. In seiner Aussage bezichtigte er die Juden des MoÄes, er wurde aber gleichwohl aufs Rad geflochten. die Städte Ravensburg und Lindau wegen der Verbrennung der Juden gerechtfertigt werden: „Wir Erkinger von Saunsheim, Herr zu Schwarzenberg, und Jacob, Truchseß zu Waldburg, des Reichs Landvogt in Schwaben, bekennen uns offenbar mit diesem Brief: Als von des Mords wegen, so die Juden zn Ravensburg an einem Knaben von Brugg im Ergöw gethan und begangen haben, darum uns der allerdurchlauchtigst Fürst und Herr, Herr Sigmund, römischer König, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, und zu Ungarn, zu Böheim, Dalmatien und Croatien König, unser gnädigster Herr, mit seiner Gnaden königlichen Briefen empfohlen, und darinn Macht gegeben hat, solch' Uebel und Mord an Seinerstatt zu verhören, und fürzunehmen, besonders den Stätten mit Nahmen: Constanz, Ravensburg, Ueberlingen, Lindau, Buchhorn (das jetzige Friedrichshafen am Bodensee) und Meersburg, als sie die Juden, bei ihnen wohnhaft, und ihr Gut von des berührten Mords wegen gefangen und gehefft Hand, geschrieben und denen geboten hat, uns an solcher seiner Befehlnüsse und Werbung nicht zu säumen, sondern uns dazu berathen und' beholfen zu sehn, als das Seiner Gnaden Brief uns und ihnen darum gesandt, mit mehr Worten der Geschrift klarlichen Inhalt. Und auf solch' unser Werbung, so haben sich dieehegenannten zwo Städte von Ravensburg und von Lindau, in des benannten unsers Herrn des Königs Befehl, gehorsam und willig finden lassen, und haben wir beide, und sie mit uns, den Handel des berührten Mords für uns genommen, und von einem Stuck nach dem Andern uns mit einander unterredet, und dazu den ganzen Lands-Läumden (Ruchbarkeit) für uns genommen, und dazu mehr denn ein redlich Ireffenlich Stuck daraus wahrlich zu erkennen und zu merken ist, daß die Juden eigen tznnsiegel laffen hängen an diesen Brief, der geben ist am Montag nach St. Peter- und Pauls-Tag der heiligen zwölf Boten, nach Ehr. Geburt, als man zählt Tausend Vierhundert und in dem Dreyssigften Jahr." ,■ (Schluß folgt) Die Augenklinik in Jerusalem. (Zu den Bildern.) Wir haben bereits in einem Artikel „Heilige Stätten in Palästina" in Nr. 21 unseres Blattes, der segenstiftenden Augenklinik des Vereins Lemaan Zion in Jerusalem Erwähnung getan. Die Errichtung der Anstalt im Jahre 1908 entsprach einem äußerst dringenden Bedürfnis und wurde mit Begeisterung und freudigem Jubel begrüßt. Die Äugenheilanstalt zählt 22 Betten und ist mit einer sehr stark frequentierten Poliklinik verbunden. Dieselbe erfreut sich eines sehr lebhaften Besuches nicht nur von Seiten der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem, sondern auch der Bewohner von Jaffa, Chaifa, Tiberias, Saffed, Chewron und sämtlicher jüdischen Kolonien. Auch der mohamedonifchen und christlichen Bevölkerung Palästinas kommt diese segensreiche Anstalt sehr zu statten. In diesem Gebäude fitzen die Anhänger der verschiedensten Nationen und Bekenntnisse friedlich beisammen. Hier ist eine Stätte in Jerusalem, wo die Rassen-, Klassen-, Religions- und Nationalitätsunterschiede nicht beachtet werden, denn hier ist jeder nur Patient. Die Dankbarkeit dieser armen Leute ist sehr groß, oft geradezu überschwänglich. den berührtenKnaben lästerlich getödtet und gemordet haben, und sehen auf solche Macht, die der benannte unser gnädigster Herr, der römische König uns darum gegeben und empfohlen hat, mit den benannten zween Städten Ravensburg und Lindau, und sie mit uns, ganz einig worden, daß wir zu den Juden und Jüdinnen, so jetzt in denselben zween Städten behaft gewesen sind, verhängt, und mit dem Feuer haben laffen richten, als denn solcher, übelthätiger Jüdischheit von Recht zugehört, und sehen auch dabey und mit gewesen, und haben die Sach also mit einander gehandelt und gethan, und wir, ob der ehegenannt unser Herr, der römisch König von Jemand Anders, wer der wäre, über kurz oder lang unrecht unterweißt würde, daß er oder andere Leute von dieser -- Geschichte wegen an die von Ravensburg oder an die von Lindau darüber Verantwortung thun würden) so sollen und wollen wir beide sie dessen gegen Seiner Gnaden, und gegen männiglich allweg verantworten, vertreten, versprechen und verstehen, nach allem unserm besten Vermögen, nach ihrer Notdurft, ohne alle Gefährde. — Und deß' zu gutem Urkund, so haben ich, Erkinger von Saunsheim, und ich, Jacob, Truchseß zu Waldburg, vorgenannt unser jeglicher besonders, sein Jemenitische Knaben. Im Monat Juni allein wurden durch die Aerzte des Vereins „Lemaan Zion" neben 1154 diversen Kranken nicht weniger als 2460 Augenkr.anke behandelt. Ferner wurden 4 kleinere und 3 größere Augenoperationen ausgeführt. - I t i ' i I i.fc.lil iiiTitoH'MinWi tV I ä

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