Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1909)
- Date
- 1909-07-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 29 ' er Israelit 22. Juli 1909 den neuen Mann ganz als den ihrigen reklamieren, sich nicht erfüllen. Berlin, 18. Juli. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund war am29. Januar d. I. bei dem Preußischen Kultusminister darum eingekommen, bei Gewährung von StaatSbeihilfen für den jüdischen Religionsunterricht auf das Erfordernis einer Mindestkinderzahl von 12 zu verzichten und solche auf 8 herabzusetzen. Darauf erhielt jetzt der Gemeindebund folgenden amtlichen Bescheid: „Auf die Borstellung vom 29. Januar d. I. erwidere ich dem Ausschuß/ daß ich nach eingehender Erwägung aller in betracht kommenden Verhältnissen nicht in der Lage bin/ dem Anträge auf anderweite Regelung der Gewährung von Staatsbethilfen bei Einrichtung besonderen Religionsunterrichts für volksschuipsttchtige jüdische Kinder (Festsetzung der Mindestkinderzahl einer Unterrichts station auf 8 statt auf 12) zu entsprechen. Nach § 37 Abs. - des BolksschulunterhalrungSgesetzes besteht für die christlichen Konfesfionen das Recht, einen eigenen Religionsunterricht vdn der schulunterhaltungspflichtigen Gemeinde zu fordern, nur dann, wenn in einer öffentlichen Volksschule die Zabl der der konfessionellen Minderheit angehörigen Schulinder dauernd mindestens 12 beträgt. Diese Vorschrift entspricht der bisherigen, bereits seit dem Jahre 1886 beobachteten Verwalt ungspraxis lvergl. die Erlasse vom 18. Mai 1886 und 1. August 1902, Zentr.-Bl. f. d. Unterr.-Berw. 1887 S. 251 und 1903 S. 232). In der letztgedachten Rundderfügung ist insbesondere ausdrücklich betont, daß bet Sinken der Kinderzahl unter 12 die Beschaffung des Reltgionsuuterrtchts den Ktrchengemeinden zu überlaffen, die Gewährung staatlicher Beihilfen aber einzustellen sei. Demgegenüber würde, wie ich im Einverständnis mit dem Herrn Finanzminister und dem Herrn Minister beS Innern bemerke, eine abweichende Behandlung der jüdischen Religtonsgesellschaft nicht gerechtfertigt werden können und zu Beru>ungen seitens der christlichen Konfesfionen Anlaß geben. ES mutz daher bet den Grundsätzen des Runöerlasses vom 14. November v. I. (Zentr.- Bl. f. d. Unterr.-Berw. S. 1004) sein Bewenden behalten. Im Aufträge Schwartz kopff. Nach diesem Bescheide sind also die kleineren jüdischen Gemeinden, die weniger als 12 volksschulpflichtige Kinder zählen, genötigt, sich zu Schulstationen zusammenzutun, wenn sie auf eine Staatsunterstützung rechnen wollen. Der D30B. n (Bon unserem Korrespondenten). (Schluß.) E. B. Berlin, 29. Juni. Diese Stagnation dauerte bis zum Jahre 1881. Man bekämpfte den Antisemitismus durch papierne Erklärungen und Broschüren, debattierte und entwarf Pläne für Einordnung des Religionsunterrichts in die öffentlichen Lehranstalten, faßte Resolutionen gegen den Wanderbettel, für Beamtenpensionen u. v. A.; heraus kam bei alledem blutwenig. Kohner war inzwischen gestorben, daß dies für die Seelen ein lIM ist, eme dis tn" die uns verhüllte Welt reichende Labe und Erquickung ist. Aber da haben wir's wieder: Wer andere überzeugen will, muß eS selbst sein) er darf nicht tn schmeichlerischer Larve vor das Volk treten und selbst diejenigen mit dem Mantel schonender Liebenswürdigkeit decken, welche öffentlich die göttlichen Vorschriften gewiffenlos mißachten. Ewig vielsagend und schön ist der letzte Wunsch des sterbenden Moscheh, der auf uns wirkte, als sei er in gegenwärtiger Stunde uns gesagt worden: Möge doch der Allgütige einen Mann über die Gemeinde setzen, einen ganzen Mann, der fie aus- und einführt, damit die Gemeinde Gottes nicht umherirre wie eine Herde, die keinen Hirten befitzt. Männer brauchen wir, die mit Moscheh-Getst getränkt, an ihre Aufgabe herantreten, und die mit unwandelbarer Liebe zu ihrem Volke fie zu erfüllen suchen. Die Liebe zwischen Führer und Volk muß den Kontakt bilden, und überstrahlt muß fie werden, wie eS bei Moses war, von der Liebe >zu seinem Schöpfer. Dann wird es nicht mehr nötig fein, die jeweiligen wiffenschastlichen TageS-Ergebniffe der Ethik von der Tribüne herab mit oratorifchem Glanze zu entfalten, sondern eS genügt, tn das Meer des Talmud zu tauchen, um Perlen des Geistes und Gemütes in reichster Fülle hervorzuholen." (Die Juden in Salonichi.) Im „Neuen Wiener Journal" erzählt Paul Lindau über die Juden in Salonichi sehr interessante Details. Der zwangsweise Aufenthalt des Sultans Wdul Hamid in dieser Stadt, deren Majorität jüdisch ist (90000 Juden unter 140000 Einwohnern) rückt sie jedenfalls auch der allgemeinen Aufmerksamkeit näher. „Saloniki ist wohl die ansehnlichste Judenstadt i i tiii'iilin ui der DJGB. reorganisiert und Jacob Nachod zum Ausschußvorsitzenden, Emil Lehmann zum zweiten Vorsitzenden und Prof. Lazarus zum Vizepräsidenten bestellt worden; die Mühle klapperte lustig, aber sie gab wenig Mehl. Das änderte sich mit der Verlegung des Sitzes von Leipzig nach Berlin, dessen äußere Ursache in dem sächsischen Vereinsgesetz lag, der Uebernahme des Vorsitzes durch S. Kristeller und dem Eintritt glaubenstreuer Männer und Gemeinden in den Bund. In diese Zeit fallen die Grundlagen für eine Reihe segensreich wirkender sozialer Einrichtungen (z. B. die Friedrich Wilhelm- Viktora Stiftung), die Tätigkeit beim russischen Hilfswerk, Leistungen für wissenschaftliche Zwecke (Zunzstiftung, Historische Kommission) u. A. Was man dieser Aera zum Tadel gemacht, daß ihr der große Zua gefehlt, das war gerade ihr größter Vorzug! So bescheiden man von Kristeller denken mag — und wir haben gewiß nicht den Beruf zum Verkünden seines Ruhms in uns —, so verdient doch gerade das an seiner Wirksamkeit hervorgehoben zu werden, daß sie sich streng im Rahmen des Statuts des DJGB. hielt und den Krisen d. h. ein Eingreifen in religiöse und kultuelle Streitfragen sowie in das Innenleben und die Autonomie der Einzelgemeinden sorgfältig vermied. Und wieder änderte sich das Bild — der Bilderwechsel vollzieht sich oft im DJGB. — als mit Prof. Philippson, dem Sohne des alten Reformkämpen, jene Expansionspolitik zur Geltung kam, die planmäßig daran ging und darauf ausgeht den DJGB. zu einer Institution auszugestalten, der die Vertretung der Gesamtintereffen der deutschen und durch Gesetz die Vertretung der preußischen Judenheit sowohl nach außen wie nach innen obliegt, Me sich der DJGBauf diesem Gebiete mit dem Verband zu gemeinsamem Tun zusammenfand, wie er trotz wiederholter, schwerer Schlappen (Rosin'scher Entwurf, Machol'scher Entwurf) trotzdem seinen Plan, die Freiheit der Einzelgemeinden einzuengen, mit der dem jetzigen Regime eigentümlichen Zielbewußtheit und Hartnäckigkeit festhält, wie alle Hebel angesetzt werden, um die unbezweifelbare Verurteilung dieser Bestrebungen durch seinen eignen Gemeindetag vor der Oeffentlichkeit ihres Charakters und Wertes zu berauben, das alles ist noch in zu frischer Erinnerung, um hier in breiter Ausführlichkeit behandelt zu werden. Wie die Sachen heute stehen, hat anläßlich seines vierzigsten Geburtstages die Orthodoxie zu allem andern eher Ursache, als DJGB. Glückwünsche darzubringen. Mag manches Werk sozialer Hilfstätigkeit auch aus der letzten Zeit des DJGB. als segensreich zu bezeichnen sein — die Organisationsbestrebungen des DJGB. sind eine so emider Welt und jedenfalls die jüdische Hauptstadt des Ostens. Ein gelehrter Kenner des Orients wollte die Stadt deshalb auch Samarla genannt wissen. Schön in frühen Zeiten bestand in Saloniki, dem alten Thessalonike, eine ansehnliche jüdische Gemeinde. Diese erhielt zu Ende des 15. Jahrhunderts durch die grausame Austreibung der Juden aus der Pyrenäenhalbinsel einen gewaltigen Zuwachs. Von den 300 000 Juden, die aus Spanien vertrieben wurden, wälzte sich ein großer Teil auf die europäische Türkei, wo sie die gastfreundliche Aufnahme fanden, und das schön gelegene Saloniki bildete einen Knotenpunkt ihrer Airsiedlung im.Osten. Die „Sefardim" oder Spaniolen, wie wir sagen, hatten ihrer alten spanischen und portugiesischen Heimat hervorragende Stellungen eingenommen. Die Spaniolen in Saloniki haben bis auf den heutigen Tag sich die Eigenart ihrer Abkunft bewahrt. Sie sprechen und schreiben die Sprache ihrer Heimat, ein veraltetes, mit hebräischen Bestandteilen durchsetztes Spanisch, das von den Spaniern unserer Tage ohne besondere Schwierigkeit verstanden wird. Ihr Aeußeres macht int allgemeinen einen sehr guten Eindruck. Sie sind fleißig und arbeitsam und scheitelt auch die schwersten körperlichen Anstrengungen nicht. Der Apostel Paulus schrieb einst an die Bewohner von Saloniki, an die Tessalonicher: „So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen." Die Spaniolen scheinen diese Mahnung an die christliche Gemeinde zu beherzigen, obwohl sie die Sache eigentlich gar nichts angeht. Sie sind die Lastträger, die Hafenarbeiter, die Kahnführer. Man findet unter ihnen Männer mit herkulischer Kvrperkraft. Sie sind mit einem Wort die Handarbeiter und Handwerker, während die Griechen nur dre leichteren Geschäfte betreinente Gefahr für das gesetzestreue Judentum, ihr Gelingen wäre V'n ein so schwerer Schlag für die Interessen, die wir vertreten, daß wir in dem DJGB. nächst dem „Verbände der deutschen Juden" nur die gefährlichsten Gegner zu erblicken vermögen, die je aus dem Judemtum heraus uns erwachsen sind! Breslau, 15. Juli. Die Stadtgemeinde hatte sich verpflichtet, für die l ehufs Durchlegung der Bahnhofsstraße gezwungenermaßen abgetretene Parzelle vom Friedhof Elaassenstraße eine Barentschädigung von 60 Mark pro Quadratmeter zusammen von 809 ä 60 Mk. 48 540 Mark an die Synagogen-Gemeinde zu entrichten. Die Zahlung dieses Betrages ist bereits erfolgt. Von dieser Summe sind nützliche Bauarbeiten am Friedhofe ausgeführt worden. Der Rest soll für den neuen Schulbau verwendet werden. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde hat die bisherigen Kommissionen auch für die laufende dreijährige Amtsperiode 1909)1912 bestätigt und zwar die Kommissionen für Arme, Schlachtwesen, alte und neue Synagoge, Kultus I und II, Zweiggottesdienst, Schule, Bibliothek, Leipziger Betha Midrasch. Die Zusammensetzung der Mitglieder ist bei Berücksichtigung der in der letzten Periode eingetretenen Veränderungen dieselbe geblieben. Außerdem ist an Stelle oes Herrn Prof. Badt, Herr Spediteur David Schlesinger in die Kultuskommission I eingetreten, Herr Prof. Dr. Wo hl au er in die Schulkommission und in das Kuratorium der Leipziger-Stiftung. Für andere Gemeinde-Einrichtungen hat der Vorstand das bisher bewährte System der Vorsteher-Dezernenten beibehalten. ®eftevxeid}. Wien, 9. Juli. Eine der wichtigsten staatsrechtlichen Institutionen der österreichisch-ungarischen Monarchie sind die Delegationen, welche von dem österreichischen und ungarischen Parlamente entsendet werden, um über die gemeinsamen Angelegenheiten der Monarchie zu beraten und Beschlüsse zu fassen. Das österreichische Parlament hat vergangene Woche ihre Delegation gewählt und hat diesmal eine vollständig judenreine Wahl zustande gebracht. Diese Wahlen, die in Oesterreich nach Kronländern und gewöhnlich im Kompromißwege Zustandekommen, find um so bemerkenswerter, als die 14 jüdischen Abgeordneten, die gegenwärtig das österreichische Parlament zählt, abgesehen vom jüdischen Klub, in verschiedenen politischen Parteien sitzen, denen sie durch ihre hervorragende Fachkenntniffe eminente politische Dienste leisten. Gerade in der kommenden Delegationssession wäre es für die ben, die Bulgaren hauptsächlich die Feldarbeiten besorgen, die Albanesen vorzugsweise als Galadiener den Reichtum des Hauses, in dem sie angestellt sind, repräsentieren. Die Spaniolen gelten als absolut zuverlässig treu und redlich. Zu großen Reichtümern haben es nur wenige gebracht, die Großhändler und Bankiers Allatini und Modiano vor allen. Auch die Zahl derer, die sich eines relativen Wohlstandes erfreuen, ist eine ziemlich kleine; die meisten leben in großer Dürftigkeit. Die Männer sind fast durchwegs stattliche Erscheinungen, und namentlich unter den Kindern und den Greisen findet man auffallend schöne Gesichter. Noch entzückender sind die kleinen Mädchen mit ihren schwermütigen, wundervollen Augen, die reizend und scheu unter langen Wimpern ausblicken — mit tiefbraunen Augen und blauen Augen, blonde, goldige und schwarze Lockenköpfe. Die Mädchen heiraten sehr früh und verblühen schnell. In den Jahren, in welchen sich bei uns die Frauenschönheit zur vollsten Blüte entfaltet, sind die Schönheiten unter beu Jüdinnen in Saloniki sehr spärlich. Wer ich habe doch einige auffallende Ausnahmen gesehen: junge Frauen mit herrlichen, ausdrucksvollen Augen, edelgeschnittenen Nasen, frischen Lippen und von jener zauberhaften, in der Tat nur dem Orient eigenen topasartigen mattgelben Hautfarbe, ohne die wir uns eine Schöne des Morgenlandes garnicht vorstellen können."