Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1909)
- Date
- 1909-07-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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W. Jult 1909 Der JSraelit. fto.89 Sette S 1909 r aber 'gen" ewirtone - muten innere der ingene l testen dahinugheit child k im seine halten t und felsen- Recht, auses, insern j auchte -orge Lord Verärung gerne Wells eit — > der ttierte t engt- und langen öchlusz t und h geganz l^anne Volke Recht eit zu Festntari- Vogen »erden olt die so zu . Und ngipfel als esonnicht rauch I und einen;nflen i, wie e, die e r n ", segnen, o ließ tands- Wte l Einzogen. >aß er f das Reize lockenlzig, bluti- Folge c und lmkeit u er* i, da merkoegen Ipflegen. Ihm, dem Menschen, Lloyd George wollen wir oie feuchtfrohe Stimmung, aus der seine etwas burlesken Aeußerunaen geboren sein können, gewiß nicht zu gute halten. Wie sagt doch der brave Jsolani in Wallenstein: „Der Wein erfindet nichts - er schwatzt's nur aus!"! Allein daraus eine Staatsaffäre machen, die zum Zetergeschrei über eine Wandlung der englischen Politik, über antisemitisches Regime usw. berechtigte, ist doch mehr als Uebertreibung, ist eine Verkennung der Traditionen und Prinzipien, auf denen die englische Politik beruht, eine vollständig schiefe von imaginären Vorstellungen beherrschte Beurteilung der Lage im freien England, das seit kurzem sogar einen Juden — Herbert Samuel — als aktiven Minister hat. Nein, so schlimm wird es hoffentlich in England denn doch nicht kommen. Wir haben bereits oben an Disraeli erinnert. Auch ihm wurde mehr als einmal seine jüdische Abstammung vorgehalten, die er ja stets mit Stolz zu Schau trug. Das hat nicht verhindert, daß er als Lord Beaconfield zum allm ächtigen Premier des britischen Weltreichs aufstieg und daß sein Andenken heute noch von der ganzen Nation, nicht nur von den Tories hochgehalten wird. Ein System, daS tief in den durch die Tradition befestigten und geheiligten Anschauungen eines innerlich freien Volkes wurzelt, läßt sich nicht durch Worte eines Mannes über Nacht umwerfen. Die Anklagen, wie sie heute von verschiehenen Setten gegen England erhoben werden, sind daher nicht gerechtfertigt und in der Form auch sehr ungerecht. Die Parlamentskerlen des WIlcken Klubs Es ist der Obstruktion der auf der Basis der Opposition vereinigten slavischen Minoritäten gelungen, den österreichischen Reichsrat zu sprengen und seine Arbeit für längere Zeit lahmzulegen. Kein ungewöhnlicher Vorgang in Oesterreich, der allerdings dieses Mal schon etwas deprimierender wirken muß, weil er die Hoffnungen weiter Kreise auf das Parlament des allgemeinen Wahlrechtes grausam zerstört. Der Jüdische Klub befand sich auf Seiten der obstruierenden Opposition. Und daraus soll ihm, wenn man auch aus naheliegenden Gründen mehr Mäßigung in der Form von ihm wünschen durfte, mit Hinblick auf die die Situation beherrschende Gewaltpolitik der Christlichsozialen durchaus kein Borwurf gemacht werden. Fragen muß man sich aber: War es nötig in einem Parlamente, dessen positive Arbeit man mit Recht oder Unrecht von vorne herein hintertreiben zu müssen glaubte, von dem man also nichts erwartete, nichts erwarten wollte, gegen die jüdische und einem ro"# zusteuern sahen, ihm rechtzeitig und nachdrücklich ein flpyf vorzuhalten. „Ueberschau deinen Weg in der Niederung und wisse, was du angertchtet hast!" ruft der große Mahner und unerschrockene Wegweiser JrmejaS, „Erkenne und siehe eS ein, wie unheilvoll und bitter es sich rächt, wenn du den Ewigen, deinen Gott Verlässe st!" ein anderes Mal. Denn Gott gedenkt „der Liebe deiner Jugend, der Hingebung deiner Bräutltchkeit, da du mir gefolgt bist in die Wüste, in ein unbebautes Land!" naw „Zurück auf den Pfad, den Gott dorgezetchnet!" ist das Losungswort, mit dem Israel auch heute noch im Zeitalter der fortschreitenden Knltur seinem Hochziele entgegenzieht. „Wohin, Israel, mit deinem Streben, Denken und Fühlen? Ist es eigener Boden, in dem deine Ideen und Hoffnungen wurzeln?" Dieses der Grundton aller flammenden und doch so liebevollen Mahnreben unserer Propheten, die mit ihrem rQ'W Rufe des Volkes Willen zur Tat und Macht erwecken wollten, auf daß es selber rechtzeitig in sein Schicksal eingretfe und dem drohend heraufztehenden rpvt einen Damm entgegen etze. Auf das Wo wird eS auch heute nrch bei der Bewertung der Trauer und der Hoffnung Israels ankommen. Ist des Juden Fühlen und Denken heute noch das, was den Juden zum Menschen und Juden macht, hat er den Weg nicht verloren, der zurück in die Vergangenheit und hinauf zu den Höhen deS Sinai führt, dann mag schon in seiner elobtc etwas von jener Klangfärvung liegen, die unsere weisen Lehrer in ihre Klageröne um die Zerstörung Jerusalems zu legen wußten. Allein der Juden Klagen und Wünsche von heute bewegen sich zumeist in «derer Richtung und haben oft mit der Summe der jüdischen Hoffnungen und Erwartungen ,^kahalwirtschaft" in Galizienin der Weise ins Feld zu ziehen, wie es vor kurzem seitens der Herren G a b e l und Stand geschehen? War es nötig, die einer Zwangsorganisation abholden Wähler zu verläumden und zu verdächtigen, da wo man auf den Zweck, der solchen gefährlichen Mitteln nur den Schein der Berechtigung hätten geben können, auf Gesetzesbestimmungen, durch die etwa der Reichsrat nach dieser Seite Remedur hätte schaffen können, doch von vorne herein verzichtete? Nun kommt gar das Organ des Klubs, die in Wien erscheinende „Jüdische Zeitung" und sagt: „Anläßlich der Vertagung deS Hauses hätten wir noch einen Wunsch an unsere Aogeordneken zu richten. Me österreichische Gesamwrganisation wurde vor mehr alS einem Jahre leichtfertiger Weife zerschlagen. ES hätte jetzt wenig Sinn, mit den Urhebern zu rechten. Aber sowohl die politischen Berhältniffe in Oesterreich, als auch die Vorgänge in der zionistischen Weltorganisation erheischen die ungesäumte Wiederherstellung der Einheit. Die Abgeordneten find zur Lösung dieser Aufgabe berufen und verpflichtet.. Die Parlamentferien bilden die beste Gelegenheit für' die Durchführung dieser Aktion, an der sich alle arbeitswilligen Gesinnungsgenossen gern beteiligen werden." Das ist wohl sehr vorsichtig ausgedrückt, aber doch im Grunde ebenso sehr naiv gedacht. Es ist hier, wphlgesnerkt, nicht vom letzten Gemeindetage in W len die Rede, an dem ja, wie bekannt, die Herren Abgeordneten auch wacker mitgearbeitet haben, sondern von den Organisationsversuchen, wie sie vor mehr als einem Jahre von zionistischer Seite unternommen wurden. Sowohl damals wie bei Anlaß des Wiener Gemeindetages im Mai l. I. verhielten sich die galizischen Gemeinden gegenüber allem Liebeswerben der Organisatoren durchaus ablehnend. Nun sollen, nach Meinung der „Jüdischen Zeitung" die Abgeordneten die Parlamentsferien dazu benutzen, die spröden Galizier gefügiger zu machen und sie davon zu überzeugen, wie gut sie daran täten, wenn sie die Geschicke ihres religiösen- und Gemeindelebens in die Hände der Wiener Herren legten. Eine äußerst schwierige Aufgabe unserer Meinung nach, die zudem nicht den geringsten Erfolg verspricht. Denn die Galizier haben seit ihrer letzten Stellungnahme nichts dazu gelernt, es sei denn das, daß zu den sonderbaren „Freunden", vor denen man nicht genug auf der Hut sein kann, nicht allein die von Macht- und Repräsentationsgelüsten beseelten Herren in der Wiener Kultusstube, sondern auch, und vielleicht in noch höherem Maße, ihre eigenen von ihnen gewählten Vertreter gehören. Wir sind übezeugt, daß die nächsten Wahlen, die vielleicht nicht mehr so fern sind, den Mitgliedern des Jüdischen Klubs recht gefährlich werden. von ehedem nichts gemein. Da jammern die einen über Mißachtung und Zurücksetzung, sozialen Boykott und gesellschaftlichen Ausschluß, über Ntchtberückstchttgung bet Verteilung von Ehren «w Aemtern. Da föratte «an doch wohl mit einer Bartterung des Sprichwortes sagen: „Sage mir, was dich drückt und tröstet, ich sage dir, wo — und zugleich auch wie — du bist!" Wo ist aber der um sein Volk besorgte Prophet, der mit Donnerstimme sein erschallen ließe, das fich gewaltig Bahn in die jüdischen Herzen bräche und daS jüdische Gewtffen mächtig aufrüttelte? „Wo bist du, Israel, mit deinen Schmerzen, Empfindungen und Erwartungen? Welche verkehrte Richtung haben deine Klagen und Wünsche, sonst die natürliche «eußeruna deiner jüdtschm LebenSimpulse, eingeschlagen? Wie kannst du, der eine eigene Welt voll verheißenden Glückes besitzt, schmachtenden BlickeS nach fremden Glücksgütern schielen?" Unsere Väter konMen mit stolzem Lächeln über Zurücksetzung und Mißachtung solcher Axt htnwegsehen. Und wenn ste darüber klagten, so galt ihre Klage dem HJOWn dem Umstand, daß gerade durch diese düsteren Erscheinungen eS deutlich an den Tag tritt, wie wett entfernt die Zetten noch von den hoben göttlichen Idealen find, und wie groß und schwierig me Arbeit ist, die wir zu leisten hätten. In all den Letdm und von außen heranstürmenden Gefahren sahen sie einen neuen Hinweis aus ihre Aufgabe, einen neuen Ansporn zu der Arbeit, die in ihrer innerjübischen Welt ihrer harrte, in der unverwüstlichen Hoffnung, eben durch diese Sttllarbctt im engen Ghetto die Menschheit dermaleinst denn doch noch aus der Enge ihrer unduldsamen Anschauung in die Weite und Freiheit deS Menschentums zu letten. DaS war. eine gesunde Reaktton gegen Herausforderung Und Bosheit, eine Reaktton, die in Selbstachtung, Ehrgefühl und Kraftvewußlfein wurzelte. Abraham Geigers religiöser Charakter. Bon Rabbiner Dr. ftaaft in Zabrze. (Fortsetzung.) Der Prinzipienkampf hätte, zumal unter den obwaltenden Umständen, nicht auf den Ruheplatz der Toten verpflanzt werden dürfen. Geigers Verhalten wurde als eine Provokation angesehen, die eine große Erregung hervorrief. In dem Leichengefolge, das aus mehr als sechshundert Personen bestand, gährte es, als Geiger in seinem geistlichen Ornat vor dem Trauerhause ankam. Der Zug langte auf dem Friedhofe an und nach Vollziehung der rituellen Bräuche hielt zuerst Tikttn in der Leichenhalle eine RÄe. Er rühmte den Verstorbenen, daß derselbe, der früher unbemittelt geweftn sei und es in späteren Jahren zu Vermögen gebracht habe, ein frommer Mann ^eblieben sei und das jüdische ReligionSgesetz gewiffenhast beobachtet habe. Der Text der Predigt war, wie aus den darüber erhalteren Andeutungen zu ersehen ist, das Wort deS Jeremia, das den Schluß der entsprechenden sabbathlichen Hastara bildete: „So spricht der Herr: Nicht rühme« sich der Weise seiner Wbishett und nicht der StaÄe seiner Kraft und nicht der Reiche seines Reichtums, sondern des rühme fich, wer sich rühmen mag, der da versteht und erkennt, daß ich der Herr bin, der Liebe, Recht und Gerechtigkeit übt, daß ich daran Wohlgefallen habe, spricht der Herr." (Jer. 9, 22). Dieser Satz wurde von ihm im Sinne des Midrasch zur Stelle ausgelegt (Jalkut Jeremia 284): „Drei Gaben gibt es auf der Welt - wer eine von ihnen erlangt, hat daS Köstlichste, auf Erden erlangt. Es find das: Weisheit, Kraft und Reichtum, jedoch nur, wenn sie als Gaben Gottes betrachtet werden und eine Wirkung der Gotteslehre find u. s. w." ES ist übrigeninteressant, daß Geiger in seiner Breslauer Probepredigt denselben midraschischen Ausspruch verwandt hatte. (Nachg. Schr. 1, S. 360 f). Tiktins Redestil war der damals übliche drastisch-populäre, ebenso wieseine Vortragsart die bei einer Leichenkiage (Hesped) gebräuchliche war. XV. AlS Tiktin feine Rede beendet hatte, verließ er den Friedhof, und Geiger begann zu sprechen. Kaum hatte er einige Worte gesagt, als in der Menge ein Zischen und Murren entstand, und einige Anhänger Tiktins die Rede laut unterbrachen. Die Anhänger Geigers, empört über die unwürdige Störung, remonstrierten dagegen; Wohin?" möchte man aber auch denjenigen im heutigen Israel zurufen, die wohl von heißem Wunsche beseelt, ihrem volle zu dienen, ihren MrvettSetftr auf jüdischen Gebieten betätigen, durch ihre Einseitige, subjektive Auffassung des Judentums aber dieses in ungesunde Bahnen zu lenken suchen. Was Jahrzehnte hindurch in Wort und Schrift als Vergeistigung und B rinnerttchung deS Judentums angepriesen wurde, hat fich alS unverzeihliche Verflachung, ja Umkehrung der Mischen Lehre erwiesen. Und alS die unvermeidlichen Folgen rintraten, alle Versuche zur „Erneuerung deS JudeniumS" scheiterten und die Reform am Grabe ihrer Hoffnungen laute ^2^t-Klage über — von chr selbst bereitete — Zerstörung anstimmte, da versäumten es die „Helfer in der Not" wiederum, getreu der fUZ^t-Mahnung deS ri2W Propheten, getreu feinem Rate rrnpro) OTT» HVCTO /al bü N21VU den einzigen Weg, der zu Gott und der zum Glück führt, zu beschretten. Sie suchen nach andern Mitteln, die dem Judentum, well ihm wesensfremd, mehr au« Schaden, benn zum Nutzen gereichen. Staatliche Machtmittel, ZwangSorganifattonen, positive Programme für negative Lehren und ähnliche verzweifelte auS Enttäuschung und Unzufriedenheit und. dem dunklen Drange tV3 OU13 flVU 8«* borenen Notbehelfe sollen die Stelle jenes einzigen bewährten Machtmitteltreten, das durch Jahrtausende bittersten Leidedavoll in all seinen Teilen und Gliedern so fest und treu zufammenhiett, der Souverärität und Autorität der Thora. Wer fich die Rettuug J-raelS auf diese Weise denkt, der möge fich zu Boden setzen und doppelt klagen, dieweil er dadas ihm au» dieser Klage mahnend und warnend entgegentönt, nicht hört, nicht hören mag.