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Der Israelit · 1909-07-22 · Heft 29 (22.7.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 29 (22.7.1909)
Date
1909-07-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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- w Gckte 1. Nr. 29. Judenheit ohne Thora denkbar und besitzt sie Existenzmöglichkeit?" Werden alle diese Arbeiten zu Gunsten einzelner Teile und der Gesamtheit der Judenschaft Erfolg haben, wenn man sie nicht mit der Thora und für die Thora betreibt? Ich könnte mir die Antwort sehr leicht machen, wenn ich die außerordentlich zahlreichen Aussprüche der Thora anführte, welche besagen: „Siehe ich lege Dir heute das Leben und das Glück vorden Tod und das Unglück. Indem ich Dir heute gebiete, den Ewigen Deinen Gott zu lieben, in seinen Wegen zu wandeln, seine Gebote, Satzungen und Rechtsvorschriften treu zu beobachten; dann wirft Du am Leben bleiben. Dich vermehren und der Ewige Dein Gott wird Dich segnen in dem Lande, wohin Du, es in Besitz zu nehmen, kommst. Wenn aber Dein Herz sich abwendet und Du nicht gehorchst, sondern Du Dich verleiten läffest und Dich vor fremden Göttern bückst und ihnen dienst, so verkünde ich Euch schon heute, daß Ihr zu Grunde gehen werdet, daß Ihr nicht viel Zeit in dem Ämde jenseits des des Jordans zubringen werdet." Wir könnten auf die sämtlichen Reden der Propheten Hinweisen, welche nur eine Variation dieser Worte sin?, auf die Lehren, weW sie aus dem Falle von Silo, Samaria und Jerusalem ziehen, auch jenes schmerzvolle Bekenntnis aus unserem Gebetbuche ins Gedächtnis rufen: umipnei ehattaeinu golinu meiarzeina „wegen unserer Sünden find wir aus unserem Lande verbannt." Allein wir wollen diejenigen Tatsachen anführen, welchen mehr Beweiskraft von unseren irrenden Brüdern zuerkannt wird, als wie leider der Thora, Propheten und Midrasch. I. Untersuchen wir zunächst den Begriff Volk oder Nation. Unter Nation versteht man gemeinhin eine größere Gruppe von Menschen, welche dieselbe Sprache sprechen oder zumindest, deren Dialekte so nahe mit einander verwandt sind, daß sie sich ohne große Schwierigkeiten gegenseitig verstehen. Man sieht, der Begriff Nation ist nicht so einfach festzustellen. Man wäre geneigt, unter Nation den Kreis derjenigen Menschen zu verstehen, welche gemeinschaftlicher Abstammung sind. Aber dem steht entgegen, daß kein Volk durchaus gemeinschaftlicher Abstammung sich rühmen kann. Denn aus der Geschichte wissen wir, daß alle Völker Wanderungen durchgemacht haben, daß sie sich mit den Ureinwohnern der Gebiete, in die sie eingedrungen sind, vermengten, daß später fremde Eroberer und Eindringlinge ihre Elemente dem ASraeltt Blute beimischten, daß im Laufe der Jahrhunderte unausgesetzt fremde Einwanderungen auf friedlichem Wege stattgefunden haben, welche dann mit den im Lande Geborenen sich verschmolzen haben. Es ist also die Sprache, welche die Nation bildet. Und wir können das leicht begreifen. Die Nation ist etwas Zusammenhängendes, eine Gesamtheit von innerlich sich verbunden fühlenden Menschen. Welch' anderes Mittel aber gibt es, das so eng und unlöslich verbindet, als eben die gemeinsame Sprache? Der Mensch ist ein geselliges Wesen, ohne die Gemeinschaft mit Seinesgleichen kann er nicht existieren, also wird er sich nur an denjenigen anschließen, mit dem er verkehren kann, der ihn und den er verstehtso ist also die Sprache das wichtigste Moment im Zusammenschlüsse der Menschen und das Ausschlaggebende bei der Bildung einer Nation. Mit noch mehr Recht dürfen wir diese Behauptung aufstellen, wenn wir bedenken, daß sie ein Produkt des menschlichen Geistes ist und die Verschiedenartigkeit der Anschauungen und des inneren Wesens sowohl des Einzelnen wie der Nation getreulich widerspiegelt. Bekannt ist das Wort: le style c’e»t l’homme Die Grammatik einer Sprache, rst Sprache gewordene Logik/ d. h. sie entspricht) den Denkgesetzen und zeigt andererseits wieder psychologische Eigentümlichkeiten an. Z. B. im Deutschen geben wir der Sonne den weiblichen Artikel, im Lateinischen haben die entsprechenden Wörter männliches Geschlecht, dem hebräischen Dichter erscheint sie wie ein aus seinem Gemach hervortretender, heldenhafter Bräutigam. Dem Deutschen ist eben die Sonne die milde Spenderin der Wärme und des Lichtes, dem Südländer das überwältigende, alles verzehrende und verheerende Wesen. Die Sprache vermittelt aber auch die Erzeugnisse des Volksgeistes, schafft hiedurch ihrerseits auch wieder Gleichartigkeit des geistigen Lebens unter denjenigen, die sie sprechen und ruft andererseits tiefgehende Unterschiede von Menschengruppen, die einer anderen Sprache sich bedienen, hervor, sodaß hauptsächlich durch sie die geistigen Eigenarten der verschiedenen Völker bedingt sind. Wir haben also mit vollem Recht die Sprache als das entscheidende Merkmal im Begriff der Nation hingestellt. (Fortsetzung folgt.) 32. Juli 1809 ocheirrvnWa«. Antisemitismus in England? „Sie sind sehr kluge Leute, die Juden, aber nicht klug genug, ihre Klugheit zu verbergen." So urteilt der Repräsentant des alten, abgewirtschafteten Adels im neuesten Roman „Tone- B u n g a y" von H. G. W e l l s und die Worte muten uns fast wie eine Beleuchtung der jüngsten innerpolitischen Ereignisse in England an, an die der aus der Schule Bernard Shaws hervorgegangene Milieu-Dichter gewiß nicht im entferntesten gedacht hat. Wir wollen es auch noch dahingestellt sein lassen, ob es wirklich als Klugheit zu bezeichnen war, was Lord Rothschild in Sachen der englischen Steuerpolitik im Parlamente sagte, aber jedenfalls war es seine ehrliche Meinung, mit der er nicht zurückzuhalten braucht^. ..E^ ist von der Unzweckmäßigkeit und Verderblichkeit einer Grund- und Bodensteuer felsenfest überzeugt und so war es denn sein gutes Recht, ja seine Pflicht als Mitglied des Oberhauses, seine Ansicht zu vertreten. Und der unfern Lesern bereits bekannte antisemitisch angehauchte Angriff des Finanzmintsters Lloyd-George wäre auch dann nicht gerechtfertigt, wenn Lord Rotschild auch nicht jeder Unterstellung und Verdächtigung von vorne herein durch die Erklärung vorgebeugt hätte, daß er für sein Haus gerne die gewünschte Steuer entrichten wolle. Nun war aber der Jude, um mit Wells zu reden, nicht klug genug, seine Klugheit — seine Meinung — zu verbergen. Und der liberale englische Finanzminister quittierte diese Offenheit mit Ausdrücken, wie sie im englischen Unterhause seit Disrae lis Sturm- und Drangperiode nicht mehr gehört wurden. Soll aber nun daraus, wie es im ganzen jüdischen Blätternwald heute geschieht, der Schluß gezogen werden, daß Regierung, Parlament und Volk in England über Nacht antisemitisch geworden seien? Das hieße doch wahrlich, ganz nach Art unserer Feinde, die von einem Manne begangene Ungerechtigkeit einem ganzen Volke zur Last legen. Auch Ministern muß das Recht zuerkannt werden, — einmal eine Dummheit zu begehen oder zu sagen, zumal bei einem Festmahle, wo politische Rücksicht und parlamentarischer Takt oft genug von den hochgehenden Wogen der Festesstimmung hinweggespült zu werden C.ft-t. ttlo und (Ule? (3ttm 9* Ab.) „Laßt unS prüfen unsere Wege und ergründen und zu Gott zurückkehren." (Klagelieder 3,40.) „In der Geschichte des ersten Erdensohnes, der, ein Kind des KucadteseS, den Weisungen GotteS zum Trotze stch von der Sünde bestricken ließ und im quälenden Bewußtsein feiner Nacktbett, der Pein und Schande überlaffe», das väterliche Mahnwort vernahm: spiegelt sich in großm ZRgen die Geschichte Israels ab. Auch ihm wurde mitten in feinem verführerischen ParadteSleben auf der blühenden HeimatSscholle mehr als einmal der WarnungSruf: .ES blieb ungehört und unbeachtet, dieses väterliche Mahnwort, und als das Unausbleibliche Heranbon, das Schicksal, welches das gewarnte Volk abzuwenden sich nicht auftaffen konnte, mit niederschmetternder Macht hereinbrach, da verschoben sich nur die Punkte, doch das Wort blieb stehenaus dem Fragezeichen wurde ein Klageruf, ein Ausdruck deS bittersten Schmerzes, aus dem ein(Midrasch Echo.) Daß sich unseren weisen Lehrern bet der Schilderung des großm LetbeS ihres Volkes gerade dieses biblische Bild aufdrängte, mag zunächst seine Begründung in der äußeren Formmverwandtschaft der beiden angeführtm Worte, wie in dem von ihnen zitierten Satze Hoseas haben: ma nay D1ND norn »Und sie haben wie Adam dm Bund übertreten." Man vergeffe aber dabei nicht, baß es unseren Weifen fem lag, sich in Weheklagm über Vas Bergangme oder im AuSdmck des Schmerzes über hie Letdm der Gegenwart zu erschöpfen. Sie sahen dm nationalen Zusammenbruch von höherer Warte mit weiterschauendem Blicke an. Ihr Schmerz bohrte tieferer wurzelte in dm Quellen des Unglückes, die bloßzulegm sie ,um Nutzen und Frommen des leidenden und hoffenden Volkes sich mühten. Und in ihrem Bestreben, die jüdische Volksseele aus dem Dasetnsjammer im kühnen F uge sich emporschwingen zu laffm, dorthin, wo ihr über Trümmern und Ruinen neue ungeahnte Trost- und GlückSmögl'chkeitm erblühten, schauten sie zurück und verfolgten den Pfad, der von na^ zum na?M zurückführte. Denn dort von der Stelle, an der sich das erste Symptom des späteren Zusammenbruches ankündtgte, winkte auch Trost und Erlösung. Wo? und Wie? sind daher die Merkworte, an denen sich die wechselvollen Schicksale des jüdischen Volkes in allen Zeiten erkmnm laffm, die beiden Pole, um die sich die Geschichte Israels dreht. Als an den heidnischen Prophetm die Aufgabe herantrat, Israel zu fluchen, so fand eS der weise Scher und Böller-Psychologe für gut, bevor er stch anschickte, auf die Gestaltung des Wie in dm Geschtckm deS jüdi< schm BolkeS Einfluß zu nehmen, sich zunächst über baS Wo recht zu orientieren. Er wechselte wiederholt die Stellung und Warte, von der aus er Israel so zu schäum hoffte, wie es in seiner Vorstellung lebte. Und als alles nutzlos blieb, und er von jedem Felsengtpfel und von jedem Hügel Israel als otö ein Volk bewerten und bewundern mußte, das „gesondert wohnt und unter die Völker sich nicht rechnet", ein Volk, bet dem „kein Machtmitzbrauct, .zu entdecken ist", das „nicht der Ahnung und der Zauberei bedarf", alS er endlich gar einen Blick in „die Zelte Jakobs, in die Wohnungen Israels" tat, die „wie Bäche geneigt sind, wie Gärten an dem Strom, wie Aholsbäume, die Gott gepflanzt, wie Cedern an Gewässern", da konnte er nicht anderser mußte loben und segnen, der Mund, der sich zum Fluche auftat. Das Wo ließ keinen Zweifel über oen Zustand und die Widerstandskraft, die inneren Glücksmvglichkeitm IsraelsdaS Wie war danach von selber entschieden und der äußeren Einwirkung durch Fluch, Schwert und Zauberkunst entzogen. Und so war eS denn die Rache deS Heiden, daß er «bas Wie aufgab und seine Giftpfeile auf das stete. Er ließ die Söhne Israels durch die Reize der Töchter Moabs in die Zelte des Peor-Baal locken- und nun war das Unglück da. Bierundzwanzig, tausend Opfer der Seuche zeigten an, daß die blutigen Folgen der veränderten Lage, das als Folge der Außerachtlaffung des eingetreten war.... Seitdem ist eS denn das Wo, dem die Führer und die Prophetm in Israel ihre gesteigerte Aufmerksamkeit zuwenden, um daS wachsende Uebel im Keime zu ersticken, um Unheil und Ungemach entgegenzuarveiten, da wo es sich zuerst in seinen leisesten Symptomen bemerkbar macht, um überall, wo sie das Volk auf Jrrwegm 23. Z Pfleger wollen der sei sein kc sagt d „Der! Allein zum ’ tischen usw. 1 ist eir zipien. eine stellur freien Juden Minis Ni land 1 oben mehr gehalt trug. 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