Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1909)
- Date
- 1909-07-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»er Sftttfift. Nr. 28 Seite 4 15. Jult 1209_ in Rumänien wieder. Auf diese sachlichen Ausführungen antwortet der angegriffene Professor Jorga mit einem langen Artikel in derselben Zeitschrift, in dem er seinen Standpunkt, daß die Emanzipation der Juden den staatlichen und wirtschaftlichen Ruin Rumäniens bedeuten würde, mit der bekannten antisemitischen Sophiftik zu verteidigen sucht. Diese Anschauung wird nun vom liberalen „Bukarester Tageblatt" in einer Weise ad absurdum geführt, die sehr interessante Auffchlüffe über die Verhältnisse der Juden im Lande der Fremden gibt: Das Blatt schreibt in seiner Nummer vom 3. Juli u. a.: „Wir sinden es begreiflich, daß Herr Professor Jorga seinen Standpunkt als extremer Nationalist und Antisemit mit allem Nachdrucke vertritt, und daß er seinen Ansichten durch die Veröffentlichung in einem Blatte von der Wichtigkeit des „Courrier Europeen“ die denkbar größte Publizität zu geben benrüht ist. Was wir aber weder begreifen und noch viel weniger billigen können, ist, daß er, der Gelehrte und Historiker, ver die Wahrheit über Alles stellen mußte, sich mcht scheut, offenbare Unwahrheiten vorzubringen. Es gibt keine 500 000 Juden in Rumänien, sondern höchstens die Halste dieser Zahl. Es ist nicht wahr, daß „das Recht zu wählen und gewühlt zu werden, das einzige Recht ist, das ihnen, als Fremden, vorenthalten ivird." Die Juden stehen unter einer ganzen Serie von gesetzlichen Äusnahmsbestilnmungen, durch die sie nicht bloß in ihrem Erwerb, in ihrer Freizügigkeit und in der Sicherheit der Existenz, sondern auch in ihrer intellektuellen Entwicklung gehemmt werden. — Es ist nicht wahr, daß die Juden „in die Dörfer eingedrungen sind, wo sie den zu ihrem Sklaven gewordenen Bauer allmählich vernichten"; den Juden ist der Aufenthalt auf den Dörfern überhaupt nur in Ausnahmefälten g. stattet, und ihre Zahl in den Dorfgemeinden ist eine so gering?, daß sie dort keinen irgetldwie nennenswerten Faktor darstellen. — Wenig ernst ist auch die mehr als einfältige Erklärung, die Herr Jorga für die Entstehung der Agrarempörung des Jahres 1907 gegeben hat. Die „Pächtertruste" der Fischer, Juster :c. sind vom Standpunkte des allgemeinen wirtschaftlichen Interesses aus gewiß zu bekämpfen, und es wurde durch ein eigenes Gesetz die Massenverpachtung der Güter verhindert. Diese jüdischen Pächter waren nicht um ein Haar schlechter, vielleicht sogar etwas besser, als die zahllosen Gutspüchter anderer Nationalität, denen die vornehmen rumänischen Gutsherren ihre Güter übergeben, um ungestört ein Leben des Luxus und der .Trägheit führen zu können. Es ist absurd, das große Problem der Agrarfrage, die für Rumänien den ganzen Komplex der sozialen Frage in sich schließt, damit abzusertigen, daß man ein Paar jüdische Pächter, die .von den rumänischen Gutsherren einige Tausend Hektare Grund und Boden gepachtet haben, als den Grund aller Nebel darstellt. Das Elend und die Ausbeutung des rumänischen Bauers ist eine traurige und unleugbare Tatsache, diese Zustände sind aber in der gesamten Geschichte und Entwicklung, in der politischen, wirtschaftlichen und administrativen Organisation unseres Landes begründet, und werden durch die Juden als solche weder in der einen noch in der anderen Weise beeinflußt. Geradezu komisch wirkt die Beschuldigung, das; die Juden ihre Naturalisierung in Masse verlangen, um die politische Uebermacht zu erlangen und das „Verehrter Freund, ich habe mir heute Nacht überlegt, ich will Ihnen etwas anvertrauen und Ihnen auch zugleich einen Vorschlag machen, als Beweis, wie sehr ich Sie schätze. Wissen Sie, daß ich es bin, der die Submission in Warschau zu leiten hat und der den Zuschlag an denjenigen geben kann, dem zu geben er Lust hat- Ich bin nun bereit, in Anerkennung der vorzüglichen Unterhaltung und Belehrung, die ich auf dieser sonst zum Sterben langweiligen Fahrt durch Sie gefunden, Ihnen den Zuschlag ans die Dauer von zehn Jahren zu erteilen. Sie werden mit der Abgabe Ihrer Offerte warten, bis ich die anderen geöffnet und gelesen habe, alsdann mache ich Ihnen ein Zeichen, aus dem Sie den billigsten Preis herauslesen können, Sie füllen schnell Ihre Preise aus und überreichen mir Ihren Brief. Ich bin dann auch meiner Regierung gegenüber gerechtfertigt, indem ich dann dem Billigsten die Lieferung übertragen habe." Der Rabbi schüttelte ernst sein Haupt. „Exzellenz", sprach er, „ich danke Ihnen recht herzlich für die wohlwollende Gesinnung, die Sie mir durch Ihr freundliches Anerbieten zeigen. Ich bin aber nicht in der Lage, davon Gebrauch machen zu können, unsere Religion gestattet uns nicht, auch die allergeringste Uebervortcilung unserer Nebenmenschen: ich sonnte Ihnen unzählige Verspiele aus unseren Schriften anfzählen, aus denen ersichtlich, wie unsere großen Männer jeden Borterl zurückwiesen, der auch nur den Sckpün eines Unrechten Besitzes an sich trug. Ich werde meine Offerte cinrcichen, so wie ich es für richtig halte und wenn der Staat seinen Vorteil darin sieht, bei mir zu kaufen, dann mag er es tun, sonst nicht." Der General antwortete darauf weiter nichts, **-K eine andere Rede.: Land nach ihrem Gutdünken zu beherrschen. Für die Juden in Rumänien handelt es sich in erster Reihe unr .die Schaffung klarer gesetzlicher und administrativer Zustände, durch die ihre Lage in sicherer Weis? geregelt und ihnen die Existenz nach jenen Grundsätzen ermöglicht wird, die in allen gesitteten Ländern vorherrschend sind. Statt sich darüber zu entsetzen, daß die Juden als eingeborene Bewohner dieses Landes, in welchem sie alle Pflichten der rumänischen Vollbürger zu erfüllen haben, ihre politische Emanzipation anstreben, sollte Herr Jorga lieber sein Talent und seine agitatorische Kraft dazu verwenden, um einen Vorstoß gegen unser abscheuliches Wahlklassensystem zu führen, das nicht bloß die politische Korruption und die Unterdrückung der Massen, sondern auch die gehässigste Oligarchie darstellt, durch die jemals ein Land geschändet worden ist. Einzig und allein die Gesundung und die Erweiterung unseres öffentlichen Lebens auf ehrlicher demokratischer Grundlage wird auch der Judenfrage in Rumänien jenen Stachel benehmen, den sie heute besitzt." Wir meinen, daß solange sich solche Stimmen in Rumänien noch erheben, auch die Hoffnung vorhanden ist, daß sie einmal Beachtung in den Kreisen finden, die offnen Auges um sich schauen und dem Lande wirklich dienen wollen, und die Macht der derzeit unbeschränkt herrschendenI org a- Partei brechen. Hbradam 6e1ger*$ religiöser Charakter. Von Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. (Fortsetzung.) Ebenso verhält es sich mit seiner Motivierung, daß er „im Interesse des ganzen vollen ererbten Judentums" diese Funktionen nicht aufgeben könne, weil dadurch leicht ein dem Judentum nachteiliges und gefährliches Schisma entstehen könne. Auch das entsprach nicht seiner Herzensmeinung. Vielmehr war das Gegenteil der Fall. Er hielt ein Schisma für etwas wertvolles und heilbringendes. Ich zitiere darüber einige Aeußerungen aus seinen Briefen: „Die Furcht vor einem Schisma kann unn nicht abhalten. Erstens ist sitzt keine Zeit zu einem durchgreifenden Sch'sma, und zweitens ist das Unglück eines solchen auch gar nicht so groß, rm Gegenteil, es ist heilbringend." (An Dcdnburg. 23. Aua. 1837. A. Z. v. 1.1896. S. 214.) „Ich bin einem Schisma sehr zugetan, aber dies läßt sich nicht machen und ließe sich doch mit dem gehörigen Mute und der gehörigen Stellung machen. Ein Rabbiner in Frankfurt z. B., welcher sich über den Ta mud hinaussetzte und öffentlich danach handelte und sich ausspräche, der könnte schon etwas der Art erzeugen." (An Dernburg. 6. Dez. 1837. A. a. O. S. 236.) „Unsere weltgeschichtliche Bedeutung ist vorüber, wir kriechen nach) wer aber nit t mehr das Weltbewegende ist, der hat albs Recht verloren zum Dasein, und dieses Recht macht sich nach und nach im Leben immer mehr gellend in seiner auflvsenden Gewalt, selbst ohne daß von außen ilm Mittel dazu geliehen werden, was aber auch notwendig geschieht. Des salb entschwindet mir auch das einzige Rettungsmittel des Schisma. (An Dernburg. 22. Nov. 1840. A. a. O. S. 283 '. Gegen Mittag trafen die beiden in Warschau ein und sofort sollte auch die öffentliche Verdingung stattsinden. Vor dem Artillerie-Depot standen eine große Anzahl von Kaufleuten, die alle mitbieten wollten und darauf harrten, daß die Pforten des Depots geöffnet würden. Da, endlich, nach langem Harren sahen sie voll weitem eine Equipage heranrollen, aus der die blitzende Uniform des Submissionsleiters aus der Ferne leuchtete. Eine plötzliche Aufregung beinächtigte sich der Wartenden, diese aber stieg aus das Höchste, als sie im Wagen einen Juden im intimsten Gespräck)e mit dem General gewahrten. „O weh, riefen sie alle, wenn der sich an der Verdingung beteiligt, dann brauchen wir nicht weiter hier zu bleiben, denn der wird mit dem General schon alles ausgemacht haben." Da hielt auch schon die Equipage vor dem Tore, der die beiden Insassen entstiegen. „So mein lieber Rabbi", sagte der General zu seinem Freunde, „lvarten Sie hier mit den anderen, ich werde sofort von innen öffnen lassen. Geben Sie nur Ihre Offerte, wie die anderen ab." ( Diese Worte wirkten wie eine kalte Dusche auf die übrigen Submittenten. Als der General sich entfernt hatte, bestürmten sie den Rabbi, daß er ihrer Bereinigung beitrete. Der aber lehnte ab, da er das mit seinen Grundsätzen nicht vereinbar halte. „Aha," dachten sie, „der Freund des Generals ist seiner Sache so sicher, der braucht uns nicht, der darf fordern, was er will, er wird unter allen Umständcn den Zuschlag bekommen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als sich mit ihm abzusinden." 2lber auch darauf wollte sich der Rabbi nicht einlassen. „Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben, ich habe von dein General irgendwelche Zusage auf LresMUNg nicht bekommen und er wird, wie ich be- „Was vermag uns bet unserer inneren Zerfahrenheit zu retten? Ich weiß nichts anderes als ein Schisma." (An Zunz. 4. März 1841 Leb. in Br. S. 155.) „Das wahrscheinlichste Ende ist eine völlige Spaltung, die übrigens für die Gemeinde wie für das Prinzip nur heilsam sein kann. Es läßt sich die große Kluft zwischen den zwei verschiedenen Richtungen nicht mehr aussüllen, und es lasten sich die Parteien nicht mehr zusammeuhallen." (An I. Auerbach. 18. April 1842. A. o. S. 161.) Aus alledem geht deutlich hervor, daß Geiger anders in seinem Herzen dachte, als er vor der Oeffentlichkeit sprach. Es dürfte ferner daraus sich ergeben, daß es nicht sachliche, sondern rein persönliche Gründe waren, die ihn veranlagten, bei dem Chaliza-Streit auf seinem Schein zu bestehen. XIV. Das Obervorsteher-Kollegium, das ganz die Partei Geigers ergriff, beharrte darauf, daß die Funktionen der Chaliza und Ehescheidung ohne die Mitwirkung Geigers nicht von Titkin vorgenommen werden dürften. Am 22. Januar 1840 wurde beschlossen, eine Deputation zu entsenden „welche den Oberrabbiner Tiktin dahin bewege, sich dem allgemeinen Wunsche des Vorstandes nicht ferner entgegenzustellen und mit Liebe und Nachsicht dasjenige zu behandeln, was er selbst auch nicht ganz mit seinen Ansichten übereinstimmend sinden sollte. Die Deputation soll auch befugt sein, für den nicht zu erwartenden Fall, daß der Oberrabbiner Tiktin durchaus bei seiner Meinung stehen bleiben wollte, den Wünschen des Vorstandes nicht nachzugeben, dem Oberrabbiner Tiktin zu erklären, taß er die Nachteile sich selbst zuzuschreiben habe, welche aus einer Abweisung seinerseits entstehen sollten." Die Deputation verlief ergebnislos. Unter dem 26. Januar 1840 teilte der Vorstand noch einmal Tiktin schriftlich mit, daß es ihm zwar fteigestellt würde, ob er mit Geiger eine Trauungsfunktion gemeinsam vollziehen wolle, weil es einem jeden Gemeindemitglied überlassen bleibe, von welchem Rabbiner es eine Trauung vornehmen lassen wolle, daß aber Tiktin von einem kollegialen Zusammenwirken mit Geiger bei einer Ehescheidung und Chaliza nicht entbunden werden könne. Der Vorstand stand völlig unter dem Banne Geigers, denn es wäre das natürlichste und einfachste gewesen, daß derselbe Ausweg, der für Trauungen gefunden wurde, daß es nämlich jedem Gemeindemitolied freistehen solle, an welchen Rabbiner es "sich wenden wolle, auch auf die anderen Funktionen angewandt, und es jedem überlaffen worden wäre, welchen Rabbiner er mit dieser Funktion betrauen wolle. Geiger hätte dann vorkommenden Falls zwei andere hierzu qualifizierte Männer, deren es in Breslau eine ganze Anzahl gab, zur Ergänzung hinzuziehen müssen, wie dies auch Tiktin tun mußte. Lautete doch § 69 der Gemeindestatuten: „Den talmudistimmt weiß, mich auch nicht bevorzugen, da ich ihn darum gebeten habe und er es mir versprochen. Laßt mich also zufrieden, ich gehe nur meinen geraden Weg." Die Worte des Rabbi fanden aber bei den aufgeregten Geschäftsleuten nicht den geringsten Glauben. Sie hielten alle diese Reden für GeschÜstskllisfe und sie begannen ernstlich böse aus ihn zu werden. Endlich beauftragte man den Vornehmsten unter ihnen mit dein Rabbi weiter zil verhandeln. „Hört einmal," sprach dieser zu dem Rabbi, „für einen T a l m i d ch o ch o m ist es doppelt häßlich, weuii er anderen Leuten ihr Geschäft mit Gewalt ruinieren will. Ihr könnt uns doch nicht blind machen. Wir alle haben doch gesehen, wie eng befreundet Ihr init dem General geworden seid. Es ist ja ein Akt der äußersten Klugheit von Euch gewesen, daß Ihr ihm schon auf eine weite Strecke entgegengefahren seid, während wir hier ruhig auf ihn warteten, aber das dürft Ihr doch nicht allzusehr gegen uns ausnützeu. Beteiligt Euch entweder an unserer Vereinigung oder laßt Euch abfinden. Tut Ihr das nicht, sofordern wir Euch morgen zu Din Thora vor dem hiesigen Rabbiner." Rabbi Alexander sah ein, daß mit diesen Leuten nicht fertig zu werden war und er fürchtete zuletzt aus lauter Ehrlichkeit noch zum Spitzbuben tsestempelt zu werden. Er entschloß sich alsch gezwungenermaßen sich abfinden zu lassen. Inzwischen hatten, als der RabAinit dem Abgesandten beriet, die Anderen weiter «Mer einander verhandelt; allgemein glaubte man, dM der Rabbi wohl sich zwar abfinden lassen werde, aber nicht mit wenigem. Zuerst hatte mall die Absicht, ihm 5000 Rubel zu bieten, aber bald sah man ein, daß der Mann dafür kaum Mt haben sein würde, schließlich machte einer den Vorschlag,