Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1909)
- Date
- 1909-07-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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n- 0, 0, ll. 3,?u 0,!r, nnitin er er.!l - ldl«- ir. n. 5 6 3 0 3 0 0 R Die Jude» in Darei. Von Rabbiner Dr. Cohn, Basel. Unter diesem Titel veröffentlicht die Baseler Zeitschrift „Für Geschichte und Altertumskunde" eine Monographie von Dr. M. Fiesturze in Sulz, in welcher alles verwendbare Material mit wahrem Bienenfleiß zusammengetragen und verständnisvoll und sachkundig durchgearbeilet ist. Sie behandelt die beiden jüdischen Gemeinden, die bis zum Jahre 1349 resp. 1394 in Basel bestanden. Aus den bemerkenswerten Details sei eines herausgegriffen, das bei den Kennern unserer Litteratur sicherlich Interesse erwecken wird. Aus einem Dokumente, welches das Datum des Jahres 1290 trägt, ist ersichtlich, daß die Juden in Basel nicht wie in anderen Städten im Ghetto wohnten, sondern vom Stift von St. Leonhard eine Anzahl von Häusern gepachtet hatten, wofür sie außer der Zahlung einer jährlichen Pachtsumme die Verpflichtung übernehmen mußten, dem Stift zu jeder Zeit — und das war wohl der Grund ihrer Aufnahme in Basel — fünf Pfund ohne Zinsen aber gegen gute und vollwertige Pfänder zu leihen. Unter den von Juden bewohnten Häusern wird neben der Synagoge das hölzerne Haus des „Rabbi R a s o r" genannt. Der Verfasser meint nun, daß die Gemeinde in Basel um diese Zeit wohl nur klein, und kaum in der Lage war, einen Rabbiner anzustellen, daß aber der Titel „Rabbi" darauf schließen lasse, daß dieser Rabbi Rasor eine hervorragende Persönlichkeit war, die nur in Folge eines äußeren Anlasses sich in Basel aufhielt, der Name Rasor sei durch ein Mißverständnis aus iwtt ^-R. Ascher- Rabbi Ascher entstanden Dieser Rabbi Ascher aber sei kein anderer, als der berühmte Rabbi Ascher ben Jechiel der!P"*P, der Verfasser jenes Werkes, das mit bewunderungswürdiger Klarheit, Kürze und Schärfe den Gang der Diskussionen im Talmud widergibt und entscheidet, nach wem wir uns beim Widerstreit der Meinungen zu richten haben und das mit Rücksicht auf seinen Wert und seine Bedentung in fast allen Ausgaben dem Talmud beigedruckt ist. Welcher Lichtstrahl vom Glanze eines unserer größten Geister fällt mit einem Male auf Basel. Wie viel wertvoller müßte der N122T1 KD2 der Rabbinatssitz von Basel sein, wenn ihn wirklich, wenn auch nur auf kurze Zeit der innegehabt hätte! Ist doch der eine der drei größten Autoritäten, deren Entscheidung bei der Feststellung des Schulchan Aruch, unseres religiösen Gesetzbuches neben n"2nn und maßgebend war (vergl. Vorrede zum □"n mK im). Doch wie sollte Rabbi Ascher ben Jechiel nach Basel gekommen sein? Wir wissen von ihm, daß er in Deutschland geboren wurde, wo sein Vater (nach dem Berichte des Schalscheles) bis zum Jahre 1264 lebte. Er verließ seine Heimat (Grätz nennt unter Berufung auf den Schalscheles das Jahr 1308, während sich die Angabe einer Jahreszahl in jenem Werk nicht findet), fiedelte nach Spanien über und starb als Rabbiner von Toledo, wo sich damals die größte jüdische Gemeinde des Landes mit 70000 Seelen befand, im Jahre 1327. Der Verfasser glaubt hierüber Aufschluß geben zu können. Rabbi Ascher war ein Schüler des Rabbi Meir von Rottenburg an der Tauber (ü"inn pTOJEDViD), welcher unbestritten als der größte jüdische Gelehrte Deutschlands galt und der fast wie ein Heiliger verehrt wurde. (Er ist der Verfasser des zu den Klageliedern am nto'tt gehörenden Trauergesanges two nsw Um den Juden-Verfolgungen in Deutschland zu entgehen, wollte er mit seiner ganzen Familie nach dem Orient auswandern, wo unter der Herrschaft des mongolischen Großchans Argun und seines jüdischen Ministers Saab Addaula sich die Verhältnisse für die Juden besonders günstig zu gestalten schienen. Schon war er in der Lombardei angelangt, als ein im Gefolge des Bischofs Heinrich von Basel befindlicher Apostel ihn erkannte und anzeigte. Er wurde angehalten und vom Kaiser Rudolf von Habsburg in Ensisheim (Ober-Elsaß) gefangen gesetzt (9. Juni- 4. Tamus .1286). Denn obgleich die Juden verhaßt waren und verfolgt wurden, so lag es doch nicht in dem Wunsche des Kaisers, daß sie Deutschland verlassen sollten, weil er durch den Ausfall der Steuern, die seine „Kammerknechte" zu zahlen hatten, eine Schmälerung seiner Einkünfte befürchtete. Die Gefangennahme Rabbi Meirs war also eine Strafe für den Versuch der Auswanderung und zugleich ein Mittel, die Juden hiervon abzuschrecken. Sogleich taten sich die zahlreichen Schüler Rabbi Meirs zusammen, um ihren Lehrer durch eine große Geldsumme aus der Haft loszukaufen. Rabbi Meier aber verbot kategorisch die Sammlung von Geldern zu seinen Gunsten. Er fürchtete, daß der Kaiser, wenn er für seine Freilassung ein großes Lösegeld erhielte, an der Einkerkerung von jüdischen Gelehrten Gefallen finden könne und daß die Feinde Israels so ein neues Mittel gefunden hätten, es zu peinigen und zu brandschatzen. Welcher Edelsinn, welche Selbstverleugnung leuchten uns aus diesem Charakterzug des großen Mannes entgegen, der lieber im Gefängnis sterben, als einen Anlaß zur Bedrückung seines Volkes geben wollte. Im Jahre 1293 starb Rabbi Meir nach siebenjähriger Kerkerhaft in Ensisheim. Seine Leiche ließ der damalige deutsche Kaiser 14 Jahre unbeerdigt, bis ein reicher, kinderloser Mann — Süßkind Alexander Wimpfen hieß der Edle — die Leiche mit einer großen Summe loskaufte und sie in Worms bestartete. Nun meint der Verfasser, Rabbi Ascher ben Jechiel, der ein Lieblingsschüler Rabbi Meirs war, habe sich in Basel angesiedelt, um seinem Lehrer nahe zu sein. Der Zeitpunkt, das Jahr 1290 würde stimmen, da die Gefangenschaft Rabbi Meirs von 1286—93 dauerte. Dafür A'*a*frMinhiT"rrJ I sprechen ferner die Menge der Gutachten, die R. Meir an R. Ascher gerichtet hat, die darauf schließen lassen, daß Lehrer und Schüler zwar nicht im gleichen Orte — denn sonst hätten sie sich mündlich verständigt — wohl aber nahebei einander gewohnt haben, sodaß Frage und Antwort bequem erfolgen konnten. So lockend aber die Hypothese wäre, so schwebt sie doch allzusehr in der Luft. Erstlich ist die Lesung Rabbi Rasor-Rabbi Ascher keineswegs sicher. Es wird z. B. in der Responsenliteratur ein nny '2i erwähnt, ein Namen, aus dem das Wort Rasor viel leichter entstehen konnte. Zugegeben aber, die Lesung Rabbi Ascher sei die richtigewie viele dieses Namens mag es gegeben haben «pitto ND'tt *]DV JiDZ und es gab nur einen Rabbi Ascher ben Jechiel! Wie groß die damalige jüdische Gemeinde in Basel war und ob sie einen Rabbiner erhalten konnte — ein „Judensänger" Bivelmann wird einmal in den Urkunden erwähnt — läßt sich nicht bestimmen. Aber die Bezeichnung Rabbi deutet nicht unbedingt auf einen Rabbiner, es ist der Titel des Gelehrten, der jedoch nicht nur hervorragenden Männern verliehen wurde. Wird doch in der gleichen Zeit, in welcher Rabbi Ascher in Bafel gewohnt haben soll, noch ein zweiter Rabbi genannt und vom Verfasser selbst erwähnt. Im Jahre 1293 nämlich schloß das Stift St. Leonhard mit den Juden einen neuen Vertrag. Als Vertragschließende werden auf Seiten der Juden genannt: Joel Kaltwasser und Enslica, genannt der Rabbi von Neuenburg. Wie wäre es möglich, daß bei Anwesenheit einer so bedeutenden und imponierenden Persönlichkeit, wie es ohne Zweifel der war, ein anderer „Rabbi" statt seiner als Vertreter der Juden fungiert hätte! Von den Gutachten Rabbi Meirs sind sehr viele an R. Ascher gerichtet, sie legen Zeugnis von der großen Wertschätzung ab, welche der Lehrer dem Schüler entgegenbrachte. Er nannte ihn 'Tin, ein Titel, der einem Schüler gegenüber gewiß merkwürdig erscheint, einmal nennt er ihn wp, einmal 'iVi, was wohl auf einem Irrtum des Abschreibers beruht. Was nun die Anfragen und die Antworten selbst anbetrifft, so scheinen sie keinen sicheren Anhalt zu bieten, wo Lehrer und Schüler sich damals aufhielten. Aber wenn wir auch der Annahme des Verfassers beipflichten wollten, die Menge der Gutachten lasse darauf schließen, daß sie nahe bei einander wohnten, so wäre daraus nur bewiesen, daß R. Ascher nicht allzuweit von Rothenburg seinen Wohnsitz hatte. Denn ohne Zweifel hat Rabbi Meir die meisten Gutachten in der Freiheit und nicht im G e f ä n g - n i s verfaßt. Bezieht er sich in ihnen doch häufig auf zahlreiche Werke, während er in einem Antwortschreiben aus dem „Turm von Eufisheim" darüber klagt, daß ihm die Bücher fehlen und die Bitte hinzufügt, seine Meinung nicht