Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1909)
- Date
- 1909-07-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 27. 8. Juli 1909. Der JSraeltt. en. -sie er- )er en. on bel »en «en nchen »er nd cht che zu »re »er ste ieuff en en en er;rht fetg, os »r-;r- >rt aß :b er er ts en ht >rt ur uf as zu" en es er ich »t! re nm er en is r- ,te ud, er m r ie tilg aln!N ch!N -ß d. Sämtliche Bankinstitute in Turkestan und die Moskauer Fabrikanten teilten mir mit, daß ihnen die bucharischen Juden bei ihren Geschäftsbetrieben unentbehrlich sind, und baten mich, zugunsten der bucharischen Juden zu wirken. Ich werde mein Möglichstes dazu tun." Finnland. Helsingfors, 1. Juli. Der finnische Senat hat die Einfuhr von koscherem Fleisch aus Rußland nach Finnland unter folgenden Bedingungen gestattet: 1. Jedem Fleischtransport ist eine Bescheinigung beizusügen, daß die Tötung des Viehes nach jüdisch-ritueller Vorschrift erfolgt ist. 2. Das eingeführte Fleisch darf bei Strafandrohung nur an Juden verkauft werden." Böse Zungen behaupten, der Senat hätte die erwähnte Erlaubnis deshalb erteilt, damit er bei der bevorstehenden Beratung des Schächtverbots im Landtag erklären kann, daß den finnischen Juden der Genuß von koscherem Fleisch ja gar nicht entzogen ist. Rumänien. Sur Lage! (Pon unserem Korrespondenten.) B ukarest, 1. Juli. Der frühere Führer der rumänischen Sozialisten Dr. Christ. Racovsky, der trotz seiner Ausweisung noch den lebhaftesten Anteil an den politischen Angelegenheiten in Rumänien nimmt, veröffentlicht im „Oonrrior Earopeen“ über die Judenfrage in Rumänien einen langen Artikel, in dem er unter anderm folgendes sagt: „Den Anhängern der Emanzipation der Juden in Rumänien bleibt nichts anders übrig, als zur Herbeiführung eines wahrhaft demokratischen Regimes möglichst beizutragen. Wenn die sechs Millionen Rumänen, Arbeiter und Bauern, die heute des Wahlrechts beraubt sind, endlich ein freies und modernes Volk werden, so werden sie als ihre erste Pflicht erachten, jede Spur der mittelalterlichen Barbarei zu unterdrücken, indem sie den Juden die Gleichheit der Rechte gewähren. Die Anstrengungen der rumänischen Juden selbst müssen nach dieser Seite hin gerichtet sein Es ist in ihrem Interesse, aus der Trägheit herauszugehen, die sie charakterisiert, und die rumänische Demokratie zu unterstützen, indem sie gleichzeitig das rumänische Volk für ihre Sache zu gewinnen suchen usw." Etwas pessimistischer äußert sich Herr Spencer, der rumänische Konsul in New Aork, über die Lage der rumänischen Juden. Er sagt dort in einem Blatte: „Die Lage der Juden in Rußland ist besser als diejenige ihrer Brüder in Rumänien. In Rußland besteht die Hoffnung, daß die Partei der Progressisten und der anständigen Leute ans Ruder gelange,- in Rumänien aber ist keine Hoffnung auf Befferung vorhanden, da die Verfassung die bestehende Ungerechtigkeit sanktioniert und alle Parteien sie unterstützen. Aus Mangel an Mitteln, um der Unterjochung entfliehen zu können, ist jede Rettung unmöglich. Die Juden in Rumänien leiden unter den schwersten, drückendsten Gesetzen und Maßregeln." Wir finden diese Schilderung etwas übertrieben. Das Schicksal der Juden in Rumänien ist gewiß kein beneidenswertes und die tatsächliche Regelung der Judenfrage, die bis jetzt kaum in formeller Weise erfolgt ist, bildet eines der schwierigsten Probleme für die rumänischen Gesetzgeber und Sozialpolitiker. Durch Uebertrcibuugen wird aber der Sache ein schlechter Dienst erwiesen. Mit der Lage der Juden in Rußland läßt sich die der rumänischen Juden denn doch nicht vergleichen. Der in der letzten Nummer dieses Blattes zur Genüge gewürdigte Professor Jorga wird nicht müde, die Juden für alles Uebel verantwortlich zu machen; neuerdings stimmt er große Klagelieder an über die in jüngster Zeit vielfach erfolgten Bankerotte seitens rumänischer Kaufleute, die seiner Meinung nach auf das Konst? der Juden zu setzen seien, da „die rumänischen Kaufleute von den Juden angesteckt worden seien . . . ." Zur Errichtung eines neuen elektrischen Tramwaynetzes wurde eine kommunale Aktiengesellschaft gegründet. Ein Paragraph der Statuten besagt, daß nur Rumänen als Bedienstete angestellt werden dürfen. Jedenfalls hat man Aergernis daran genommen, daß die z. Zt bestehende Trambahngesellschaft, an deren Spitze ein Jude als Direktor steht, auch Juden beschäftigt. Ob die ueue Sozietät auch jüdische Aktionäre und Fahrgäste ausschließt? Es scheint nicht, denn es wurden ja große jüdische Bankiers zur Beratung eingeladen. Das jüdische Geld ist eben gerade so rund wie das rumänische und ist stets willkommen. Der Rumäne hält sehr auf Sitte und Konvention. So besteht z. B. auch die Sitte, daß bei Begegnung eines Leichenwagens mit einem andern Fahrzeug letzteres stehen bleiben muß. Auch hat der vorübergehende Passantin irgend einer Form eines Grußes die seine Ehrenbezeugung der Leiche zu erweisen, wenn er sich nicht der Gefahr einer Insultation aussetzen will. Von einer geradezu empörenden Intoleranz zeigt ein Vorfall in Jassy: Ein jüdischer Leichenzug zieht vorüber,' ein daherkommcnder Trambahnwagen hält nicht an, sondern fährt rücksichtslos ohne auszuweichen, durch die Menge. Darob große Entrüstung bei den Juden. Der Wagen wird bestürmt. Aus diesen Zwischenfall hin wurde nun ein Befehl erlassen, daß man bei jüdischen Leichenzügen nicht anzuhalten braucht. Ob sich Männer finden, die mit aller Energie durch alle Instanzen für die Ehre der jüdischen Gemeinde kämpfen, bleibt abzuwarten vermischter. Mülhausen, 3. Juli. Die hiesige Israelitisch Gewerbeschule des Oberelsatz, die durch Dekret vom 18. August 1850 alS gemeinnützige Anstalt anerkannt ist, gedenkt in ihrem Jahresberichte für das Jahr 1908 zunächst ihres im Januar d. I. verstorbenen Prüft Renten Lazare Lanz, der diesen Ehrenposten seit dem Jahre 1857 bis zu seinem Tode versah. Die Zahl der Schüler belrug im Berichtsjahre 34, von denen 10 als jungeHandwerker im Laufe des Jahres entlasten wurden. Neu eingetreten stnd 9 Schüler. Bet der Beteiligung an der Hagenauer Lehrlingsarbeitenausstellung erhielten mehrere Zöglinge 1. nnd 2. Preise. Der langjährige Vizepräsident, Wallach, bat zu Anfang des Berichtsjahres sein Amt niedergelegt. Den Einnahmen in Höhe von 16221,28 Mk. stehen Ausgaben in Höhe von 15699,46 Mk. gegenüber. Der Bericht schließt mit einem warmen Dank an alle Wohltäter des segensreichen Institutes. Zweibrücke«, 4. Juli. Die Kgl. Regierung der Pfalz hat am 30. Juni d. IS. eine Entschließung erlassen, welche die dem BezirkSrabbiner Dr. Mayer erteilte Bestätigung zurückzieht. Eine ähnliche Regierungsentschlteßung erfolgte schon im Jahre 1907. Dieselbe wurde jedoch durch Verfügung des Kgl. Staatsmintstertums deS Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten als zu Unrecht bestehend vollständig aufgehoben. Es bleibt abzuwarten, ob auch die neuerliche Regterungsentschließung, gegen welche von den Anhängern des Herrn Dr. Mayer Beschwerde eingelegt wurde, dasselbe Schicksal erleidet. Niederbron«, 3. Juli. Die hiesige israelitische Volksschule wird, entgegen dem Beschluffe des Gemetnderats, nun doch nicht aufgehoben werden, da sich der Ortsschulvorstand für deren weiteren Bestand ausgesprochen und sich die Schulbehörde dieser EMschetdung angeschloffen hat. Ung. Brod, 29. Juni, Bei der am 22. Juni stattgehabten Prüfung an der hiesigen jüdischen Ghmnasiallehranstalt, die von zahlreichen Schü'ern aus Rußland, Galizien, Ungarn und Mähren besucht wird, wurden sämtliche Zöglinge zum Aufstiege in die nächst höhere Klaffe für reif befunden. In Anbetracht des Umstandes, daß diese Schüler, außerdem einen intensiven Unterricht in u. *pri erhalten, darf dieses Resultat als ein glänzendes bezeichnet werden. Während der Ferien finden Borberettungskurse statt. verelsrmese«. Frankfurt a. M. Der „Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" (Tttlttf 112V) in Frankfurt Ä. M. vor elf Jahren errichtet, ist bestimmt, den den Sabbat haltenden jüdischen Hand- 1 ___ Seit 9 lungsgehilfen eine Stütze i»n Zolle der Stellenlosigkeit zu sein. Gegen einen äußerst mäßigen Jahresbeitrag — in der untersten Klasse nur 6 Mk. — gewährt er seinen Mitgliedern bei Stellenlosigkeit eine Entschädigung, die sie vor der bitteren Wahl bewahrt, Hunger Ml leiden oder aber eine Stelle anzunehmen, in der sie den Sabbat nicht halten können. Damals, im Jahre 1898, war das Gebiet der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit noch ein völlig unbebautes und auch die großen akonfessionelle kaufniännischen Verbände beschäftigten sich wohl mit dieser Frage, wagten sich aber nicht an ihre praktische Lösung. Der „Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" hat die Genugtuung, daß seine Einrichtungen aus diesem Gebiete sich mährend der ganzen Zeit aus das trefflichste bewährt haben, sodaß Aenderungcn sich nicht erforderlich zeigten. Heute erlebt der Verein die noch weit größere Olenugtuung, daß das Kaiserliche A u f s i ch t s a m t für Privatversicherung ihm nach eingehender Prüfung der Vereinsstatuten nnd der Geschäftsführung die Genehmig ung zum Geschäftsbetriebe für das gesamte deutsche Reich durch Senatsbeschluß vom 16. Juni a. e. erteilt hat, womit dem Vereine auch die Rechte einer juristischen Person erteilt sind. Der Verein hat diese Gelegenheit benutzt, um bei der hierbei vorgenommenen Statutenänderung auch gleichzeitig eine Aenderung seines Namens zu bewirken, die künftig ein Moment zum Ausdruck bringen soll, das bei der Gründung des Vereins nicht vorhergesehen werden konnte. Es betrifft dies die Stellenvermittlung des Vereins, die von Jahr zu Jahr mit wachsendem Erfolge tätig war. Der Name des Vereins wird daher künftig: „Israelitischer Stellen-Bermittlungs- und Bersicherungsverein (HIV 1 “10112?)" lauten. Wie bekannt sein dürste, erfolgt der Betrieb dieser Stellenvermittlung seitens des Vereines in Verbindung mit den H2V T01V-Bereinen in Berlin und Bres tau unter der Firma: „„Israelitische Stellenvermittlungs-Zentrale, Frankfurt a. M." Es ist nun neuerdings gelungen, auch den bisher mehr abseits stehende» gleichartigen Hamburger Verein zu einem engen Anschluß an die Stellenvermittlungs-Zentrale zu bewegen. Damit ist das lange angestrebte Ziel: sämtliche kaufmännische Vakanzen und Bewerbungen der Ladbar baltenden Kreise an einem Lrte zusammenlaufen zu lassen, endlich erreicht. Für Prinzipale wie Angestellte ergibt sich daraus, die Möglichkeit, innerhalb dieses Kreises auf möglichst rasche Befriedigung ihrer Wünsche rechnen zu dürfen. Zinn Schluß sei noch bemerkt, daß die Israelitische Stellenvermittlungs-Zentrale im ersten Semester 1909 91 Stellen beseht hat gegen 72 im Vorjahre. Es muß daher als Ehrenpflicht jedes kaufmännischen Angestellter! — auch der >v e i b l i ch e n — betrachtet werden, sich der Versicherungskasse des Vereines als Mitglied anzuschließen. ■3 :{ ■'S i 1 i 1 3 M Berlin, 5. Juli. Am 10. Jahrzeitstage des Rabb Dr. Israel Hildesheimer veranstaltete die „Bereinigung Jüdischer Akademiker" zu Berlin (im B. I. A.) am Mittwoch den 23. Juni eine Gedenkfeier, bei der Herr Dr. Ed. Biber selb ein Bild der Persönlichkeit des ^“i entwarf. Einleitend bemerkte der Redner, daß er sich nicht die Aufgabe gestellt habe, ein abgerundetes Lebensbild des verewigten RabvrnerS zu zeichnen; denn dies sei für einen, der ihm so nahe gestanden hätte, wie der Referent, nicht möglich. Nur einiges Charakteristische aus seinem Leben wolle er berichten, wodurch des großen Mannes Wesen dem Verständnis der Zuhörer nähergebracht werde. Nach einer Schilderung seiner Jugend- und Studienzeit, wobei der Redner besonders die Oekonomte der Zeiteinteilung hervorhob, die allein die Bielsettigkeit und zugleich die Gründlichkeit seiner Studien erklärlich macht, ließ der Referent sein Wirken in Halberstadt, Ersenstadt und Berlin vor dem geistigen Auge der Zuhörer vorüberziehen. Obwohl er sich in Halberstadt in einer gesicherten, seinen Neigungen entsprechenden Po >tion befand, hätte er, dem Rufe der Gemeinde Eisenslädt folgend, sich tn die unstchere, ja gefahrvolle Stellurm eines Eisenstädter Rabbiners begeben, entsprechend seinem Grundsatz D'2“ll Tn' Doch infolge der widrigen Verhältnisse und der andauernden Kämpfe sei es ihm nicht gelungen, einen nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung der dortigen Judenhert auszuüben. Im Gegensatz hierzu sei es ihm beschteden gewesen, in Berlin, wo bis dahin die Neologie unumschränkt geherrscht hätte, seine in und außerhalb der „ A d a ß Jtsroel" segensreiche Wirksamkeit zu entfalten und äiüiüü