Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1909)
- Date
- 1909-07-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1. Juli 1909. Der JSraelit. Seite 13. Nr. 26. Lehrergehalts, das ja tatsächlich seit 1897 höher geworden ist. Diesen Lamentos gegenüber behaupte ich und — was selbstverständlich ist — beweise Ihnen, daß sämtliche hessischen Gemeinden trotz der erhöhten Gehälter und der Beiträge zu den Alterszulagenusw. Kassen für ihre Schulen heute bedeutend weniger aufzubringen haben als vor etwa 20 Jahren. Ich gebe ihnen zwei Beispiele, für deren Richtigkeit bis auf die letzte Mark ich garantiere: 1. Die Gemeinde H., eine damals äußerst leistungsschwache Gemeinde, zahlte in den Jahren 1881—86 ein Lehrergehalt von 1210 Mk. (und zwar 780 Mk. Gehalt, 90 Mk. Wohnungsentschädigung, 90 Mk. für Feuerung, 250 Mk. Akzidenzien, sowie 12 Mk. Witwenkassenbeitrag)/ in Anbetracht ihrer Ueberlastung erhielt sie 210 Mk. Ergänzungszuschuß, so daß sie noch 1012 Mk. aufzubringen hatte. Diese Gemeinde, deren Wohlstand in dem verstoßenen Vierteljahr- Hunderte ganz bedeutend zugenommen hat, zahlt heute an Lehrergehalt, Beiträge zu den verschiedenen staatlichen Kassen usw. allerdings 1532.50 Mark, erhält jedoch an Staatsbeihilfe, aus kommunalen Mitteln aus Grund des Schulunterhaltungsgesetzes vom 28. Juli 1906, aus Ergänzungszuschuß 1150 Mk., so daß sie nur noch 388.50 Mk. gegen 1012 Mk. in früheren Jahren aufzubringen hat. 2. Die Schullasten der Gemeinde Ä). betrugen zu jener Zeit 1000 Mk. + 12 Mt. Witwenkassenbeitrag, sowie 200 Mk. Zuschuß zu dem Ruhegehalre des vorherigen Lehrers, also in Summa i212 Mk. - heute, wo zu 1200 Mk. Grundgehalt, Honorierung der Jndustrielehrerin und 533 Mk. Kassenbeiträge kommen, zahlt sie aus eigenen Mitteln noch 755 Mk. (nämlich 1775 Mk. [500 Mk. Staatsbeitrag und 500 Mk. Rückvergütung von der politischen Gemeinde)). Auf die Leistungsfähigkeit der Gemeinde läßt wohl das Anwachsen der steuerpflichtigen Gemeindemitglieder von 29 auf 38 bezw. des Klassensteuersimplums von 583 Mk. auf 699 Mk. einen Rückschluß zu. Aehnlich ist es in fast sämtlichen hessischen Gemeinden/ dieselben haben heute bedeutend weniger für Lehrer und Schule aufzubringen als vor einem Vierteljahrhundert, obschon — allerdings gibt es an kleinen Orten leider auch einige Ausnahmen — der Wohlstand während dieses Zeitraumes im allgemeinen zugenommen hat. Um einen ungefähren Ueberblick über die den hessischen Gemeinden zurzeit durch die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen erwachsenden Kosten, sowie über ihre Belastung und über ihre äußeren Verhältnisse zu gewinnen, hat der Aus schuß Erhebungen veranstaltet, die nachfolgende Zusammen stellün g ergeb en: 1 Gemeinde erzielt einen Ueberschuß von 150 Mk. ('.!) 1 Gemeinde hat nur noch 30 Mk. aufzubringen (!) 1 arrdere 70 Mk., obschon sie dem Lehrer freiwillig 200 Mk. für das Kantorat zahlt 3 Gemeinden zahlen zwischen 300 u. 400 Mk. 6 „ „ „ 400 „ 500 „ 500 „ 600 „ 600 „ 700 „ 700 „ 800 „ „ „ // ow „ „ „ „ 800 „ 900 „ 1 Gemeinde zahlt über 1000 Mk. (Bei vielen Gemeinden läßt sich die Belastung noch nicht genau feststellen, da die Verhandlungen mit den Kommunen wegen' der den jüdischen Gemeinden zu zahlenden Beihilfe noch nicht abgeschlossen sind.) Ziehen wir indes die nicht unerheblichen Subventionen des Vorsteheramtes in Cassel u. dgl., die — wie ich privatim ermittelt habe — in manchen Gemeinden 300 bis 400 Mk. betragen, von diesen Summen ab, so ergibt sich für die Gemeinden ein noch viel günstigeres Bild, das jedoch nicht ganz frei von Schatten ist, da vereinzelte kleine Gemeinden stark belastet und an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sind, l Fortsetzung folgt.) Unabhängiger Herein i$r. Ccbrcr im GroBberzogtum Herren. Protokoll der (JaDresomammlunö vom ro. Mal,909. Die Jahree Versammlung des Vereins wurde Donnerstag, 20. Mai in Frankfurt a. M., in dem Hörsaal der Jsr. Religionsgesellschaft abgehalten und war von 42 Mitgliedern besucht. Von den hessischen Rabbinern konnten wir Herrn Rabbiner Dr. Marx-Darmstadt begrüßen, außerdem beehrten der Vorsitzende des „Bundes g. j. Lehrer", Herr Realschuldirektor Dr. Lange, sowie die Herren Professor Altmann, Rektor Falk, Dr. Markus Lange, Reallehrer Kaufmann und Buchhändler A. I. Hofmann, jämtlich von Frankfurt a. M., die Versammlung als werte Gäste mit ihrem Besuche. Der Vorsitzende, Herr Ehrmann-Friedberg, eröffnete unter Begrüßung der Anwesenden die Versammlung und betonte unter Hinweis auf die eindrucksvolle Schilderung des Wochenabschnittes über die Zugordnung des jüdischen Volkes bei der Wüstenwanderung larr*.iVn Vy ttP»K '12 die Notwendigkeit der Pstege des Gemeinsinns und der Einigkeit in Verfolguug unseres Hochzieles im Dienste der Schule und der jüdischen Sache. Die gleichzeitige Anwesenheit Sr. Majestät des deutschen Kaisers in Frankfurt wende den Blick unwillkürlich zu seinem Vorbild als mächtigen Hort des Friedens und aneifernden Förderer aller idealen Bestrebungen. Ein von der Versammlung ausgebrachtes begeistertes Hoch auf den kaiserlichen Landesherrn bekundet den beredten Widerhall, den diese Ausführungen in den Herzen aller Anwesenden gefunden haben. Zum Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr übergehend, begründet der Vorsitzende die verspätete Abhaltung der Jahresversammlung, welche infolge der Kollision mit der Versammlung des Bundes nicht wie 1907 in den Weihnachtsferien stattfinden konnte. Des weiteren erwähnte der Vorsitzende das Ableben des treuen Kollegen Rohrheimer-Biblis, dessen Andenken die Versammlung in üblicher Weise ehrte, sowie das Dienstjubiläum des Kollegen Spier-Großzimmern. Die von dem Vorstande unseres Vereins zum Besten aller isr. Lehrer Hessens im verflossenen Jahre bei der Regierung und den Landftänden unternommenen Schritte beanspruchten naturgemäß die erhöhte Teilnahme der Versammlung. Die vor einem Jahre im Jntereffe der Beibehaltung der nö'rw Funktion für die definitiv angestellten Kollegen bei der Regierung eingereichte, eingehend motivierte, sowie durch persönliche Besprechung unterstützte Eingabe führte leider nicht zu dem erhofften Erfolg. Indessen sind neuerdings anläßlich einer noch später zu besprechenden Maßnahme des Vorstandes im gemeinsamen Vorgehen mit der Verwaltung des anderen Lehrervereins. Bemühungen für diese wichtige Frage gemacht worden, welche s. G. w. einen günstigen Bescheid umsomehr erhoffen lassen, als sie durch gemeinsame Befürwortung sämtlicher hessischen Rabbiner unterstützt wurden. Die vor Jahresfrist in Hessen geschaffene Einrichtung der Fürsorgekasse für Gemeindebeamte, welche auch den isrl. Lehrern die Möglichkeit einer Pensions- und Reliktenversorgunß bietet, gab erwünschte Veranlassung, unsere Mitglieder sofort unter Hinweis auf die zum Beitritt nötigey Maßnahmen durch Zirkular zu informieren. Die aus taktischen und sachlichen Gründen immer wieder notwendige Vertretung unserer Interessen in der Ständekammer hatte auch in der abgelaufenen Tagung der 2. Kammer Herr Abgeordneter Reinhard t-Worms, der von einem Vorstandsmitglied unseres Vereins eingehend orientiert worden war, in bewährter humaner und dankenswerter Weise übernommen. Die Antwort seitens der Staatsregierung beweist, daß das Interesse derselben an der Besserung der Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse der jüdischen Lehrer nach wie vor ein reges ist und zur Hoffnung auf allmähliche Erfüllung unserer Wünsche berechtigt. Daß dieser gute Wille sich nicht nur abstrakt betätigt, bekundet die auf die letzte Eingabe unseres Vereins behufs Erteilung der Pensionsberechtigung an isrl. Lehrer auch bei 12 Wochenstunden in entgegenkommender Weise von der Staatsregierung bei sämtlichen jüdischen Gemeinden unternommene Enquete, von der zu hoffen ist, daß mehr Kollegen als bisher an den Vorteilen staatlicher Pensionsversorgung teilnehmen können. Zum Schluffe wurde auf die erstmalige Veröffentlichung des Rechenschaftsberichts über die verflossenen 10 Vereinsjahre hingewiesen und zugleich an die Mitglieder das. Ersuchen gerichtet, in stets wachsendem Maße auf die Förderung des Vereins, insbesondere der dringend wichtigen Hilfskasse bedacht zu sein. Da der Rechner — Herr Klein-Gießen — am Erscheinen verhindert war, mußte der nächste Punkt — Rechnungsablage — von der Tagesordnung abgesetzt werden. Unter dem Titel: „Die hebräische Grammatik in der Religionsschule, insbesondere ihre Beziehung zum Lesen" entwickelte hierauf Herr Realschuldirektor Dr. Lange in hochinteressanter Weise die Forderung eingehender Beschäftigung mit der hebräischen Grammatik als Hilfswissenschaft, nicht nur im Dienste der Uebersetzungsfächer, sondern auch des zweckmäßigen Lesens und zur Erlangung einer richtigen Aussprache. Die trefflichen Ausführungen des geschätzten Referenten, welche vorzügliche Sprachkenntnis verrieten und auch durch vielfache Beispiele den Gegensatz zwischen dem landläufigen und dem korrekten Lesen drastisch beleuchteten, fesselten bis zum Schluffe und ernteten den Beifall der Versammlung, welchen auch der Vorsitzende durch Dank an den verehrten Vortragenden zum Ausdruck brachte. Da die eingehende Wiedergabe der interessanten Ausführungen im Rahmen eines Protokolls nicht gut möglich ist, so wird der Vortrag auf Wunsch der Versammlung demnächst im Organ des Bundes erscheinen. Das durch den Vortrag erweckte Interesse löste vielfache Anfragen über den wichtigen Gegenstand, insbesondere über die Aussprache zahlreicher sprachlich eigenartiger Worte aus, die vom Herrn Referenten in geeigneter Weise beantwortet wurden. Zugleich wurde aus der Mitte der Versammlung der berechtigte Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß zur Vermittlung einer korrekten Aussprache und des sprachrichtigen Lesens schon in d'en Seminarien mehr Gewicht auf die wissenschaftliche Behandlung der hebr. Grammatik gelegt werden möge, daß zu diesem Zweck geeignete Hilfsmittel verfaßt, sowie auch seitens des Bundes gesetzestreuer Lehrer in einem besonderen Kurs die Kenntnisse des Lehrers und seine Fortbildung auf diesem Gebiete vertieft und gefördert werden mögen. — (Schluß folgt.) Briefkasten der Redaktion. Rheinland. Das Referat über die Frage: „Wie stellt sich der gesetzestrcuc Lehrer zu dem Plane einer Zwangsorganisation?" hielt Herr Seminarlehrer Elias Gut-Cöln; auch die jüngst veröffentlichten Thesen sind von ihm. .Herrn S. in S. Diese Nachricht ist irreführend. Es handelt sich selbstverständlich nicht um die Verleihung der Rechte eines Bolksschullehrers, sondern um die Gewährung der P e ns i o n s b er e ch t i gu n g. Das; die Herren diesen Teilerfolg — es handelt sich ja erst um Erhebungen — s i ch zuschreiben, ist mehr als lächerlich. Es wurde in der betreffenden Rundfrage ausdrücklich auf die Eingabe des „Unabhängigen Lehrervereins" hingewiesen. Was wir in Hessen während der verflossenen 10 Jahre an Erfolgen zu.verzeichnen haben, verdanken wir fast ausschließlich Herrn Kollegen Lebermann-Darmstadt und der ihm in Frankfurt a. M. votierte Dank war ehrlich verdient. Daß weder der stellvertretende Vorsitzende als Referent noch irgend jemand aus der Versammlung den wahren Sachverhalt in einer so wichtigen Frage kannte, ist sehr seltsam. Die Herren hätten es aber wirklich nicht nötig gehabt, diese ihre falsche Auffassung in die Presse zu lanzieren und sich so öffentlich eine Blöße zu geben.