Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1909)
- Date
- 1909-07-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 10. Rr. 26 Der JSraeltt. X. ifJUU 19W. _ »nd - L ür ttzet«, 2i. Juni. Herr Lehrer M. Meyer in Dürkheim a. H. begeht am 1. Juli fein 2ü jährigeS OrtSjublläum. London, 18. Juni. Gestern wurde unserem Chief Rabbi Dr. Adler die seltene Ehre zuteil, von der Universität zu Oxford das Doktordiplom für Jurisprudenz, honoris causa, anläßlich seines 70. Geburtstages in feierlicher Weise zu erhalten. Rach altherkömmlicher Sitte versammelten sich die Professoren und Studenten im großen Hörsaale (Sheldonian Theatre) und der Empfänger des DoktortitclS wurde von den Fahnenträgern rm Profefforenkostüm etngeführt. Der Vizekanzler prästdiette und der Rektor, Professor Gaudy, verlas oaS Dokument in lateinischer SpracheeS lautet wie folgt: «Ich stelle Ihnen eine Persönlichkeit vor, die Ihnen schon wohlbekannt ist, jemanden, der von unS allen hinsichtlich seiner öffentlichen Stellung als auch feines Privatwirkens halber hochgeachtet wirb. Er ist nicht bloß der Rabbiner über die jüdischen Gemeinden des Britischen Reiche», sondern wird vcn sämtlichen Israeliten der ganzen Welt als einer ihrer leitenden Vertreter anerkannt. SS ist schwer zu entscheiden, ob daS Lob, das ihm zu zollen ist, seiner eminenten Gelehrsamkeit im Hebrätschm-gebührt ober den großen Dienste», die er a!S Mann der iOeffentlichkett der Menschheit im allgemeinen leistete und dadurch ihre gesellschaftliche Entwicklung förderte. ES find volle vierzig Jahre, seitdem er seine Tättgkeit in London als Lehrer und Prediger begann, und von Jahr zu Jahr während dieser langen Periode erhöhte sich sein einflußreiches Wirken, so daß jetzt wmtge Namen in dieser großen Weltstocht «ehr geachtet find al» der feine. Er hat ein Leben der angestrengtesten Tätigkeit verbrachtmüßige Stunden waren ihm ein fremder Begriff und find auf ihn die Worte CatoS anwendbar: ,Er ist niemals beschäftigter, als wenn er frei von seinen Amtspflichten ist/ Während er sein Hauptaugenmerk auf die Förderung der Wohlfahrt seiner Gemeinde richtete, hat er fich in keiner Weise darauf allein beschränkt. Ohne Unterschied der Raffe oder deS Glaubens fanden die Armen, die Notleidenden und die-Gedrückten stets in ihm etnm verebten Annehmer und wohltättgen Helfer. Indem er jüdische vhilantroptsche Bestrebungen gleichzeitig mit dm christlichen zur Ausführung brachte, hat er viel dazu beigetragm, feinen Glaubensgenossen in diesem Lande den wahren Geist unserer Nationaletnhett beizubringm. Bon seinen zahlretchm Schriften — teils im Hebrätschm, teils im Deutschen und Englischen — will ich nur folgende erwähnm: „Jbn Gabtrol und seine Beziehung zur scholastischen Philosophie", die vor 4b Jahren erschien, und sein Traktat: „Ueberblick über die englisch-jüdische Geschichte". — Anläßlich seines 70. Geburtstages steht rS diese Untverfität als ihre Ehrenpflicht an, alle die großen obm erwähnten Leistungen durch einen Ehrentitel, den wir unserem Gaste verleihen, anzuerkennen. Wir betm mit unserem ganzen Herzen, daß seinem Alter weiterhin die Krone der Ehre und deS Glückes Adler. deS Alters aquilav seneetus verliehen sein möge." (Diese AuSdruckSwetse ist dem Psalm 103 BerS 5 entlehnt. ES wird von allm Uebersetzern als »Adler" wiedergegeben, waS jedoch in Widerspruch mit Tofsephat Ehultn 6Sa steht, woselbst bewiesen wird, daß -gp) nicht aquila bedeutet.) ft. Sengenau, 21. Juni. Das Schweiz, jüd. Altersashl hat am Sonntag dm 20. d. M. ein seltenes Fest gefeiert, und zwar wmde der 100 jährige Geburtstag des Insassen JonaS Gib ton, der in voller Rüstigkeit seinen beschaulichen Lebensabend in obiger Ansteilt verbringt, begangen. Die Feier wurde vom Vorstand der Anstalt entsprechend dem biederm Sinne deS Jubilars in engstem Rahmen veranstaltet, an der neben sämtlichen Jnsaffm der Anstalt die Vorstandsmitglieder mit chrm Damm tellnahmm. Der Jubilar wurde in kurzer Rede vom Präfidmrm, Herm JaqueS Guggenheim, begrüßt und beglückwünscht, worauf ihm im Ramm deS Asyls eine schöne Uhr überreicht wurde. Die etgmtttche Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Littmann aus Zürich. Eine Ueberraschung für die ganze Festgesellschaft war eS, als nach dem zweiten Gange des Diners fich ein Vertreter der Aargauischm Regierung, welche durch ZettungSnottzm von der Feier Kenntnis erhielt, etnfand, und dem Jubilar namenS des RegterungSrateS die besten Wünsche und auch ein Geschmk von 50 Fr. überbrachte. Herr Moritz Gugaenheim von Lmgnau überbrachte die Glückwünsche und ein Geschenk von der Kultus gemeinde Lmgnau. Dm Dank an die Regierung erstattete bann als nächster Redner Herr Rechtsanwalt E. Guggenheim aus Badm, daran erinnernd, baß der Jubilar alle Pbasm der polittschm Unterdrückung, sowie die Befreimm der Juden in der Schweiz mitgemacht hat. Biele Gratulationen von Privaten und Bercinen liefm noch ein, die zur Erhöhung der Festesstimmung beitrugm. New Vork, 18. Juni. Nach lange« und schweren Leidm starb hier vor kurzem der bekannte jüdische Dramaturg Jakob Gor bin im 60. LebmLjlchre. Gordin galt als der größte Bühnendichter in der Jargonltteratur und als der eigentliche Vater des jüdischen Theaters. Sprecdraal. Jüdisches RestaurntionSwefeu. In Nr. 32 Ihres gesch. ' Blattes fanden wir eine Korrespondenz über „Jüdisches Restaurationswesen." Wir müffen der in diesem Arttkel vertretenen Ansicht, daß viele jüdische Speisewirte zu ihrem Berufe sich wenig qualifizieren, leider beipflichten. Unsere Bemühungen zur Förderung von rituellen Speisehäusern mußten bereits in vielen Fällen an der Unersahrenheit sowie an der ungenügenden Vorbildung der Unternehmer scheitern. (Ein Versuch, den wir bereits vor mehreren Jahren in die Wege leiten wollten, um diesem Mißstande für die Zukunft abzuhelfen, ist uns leider mißlungen.) Die erwähnte Korrespondenz ermutigt uns, auf diese Angelegenheit von Neuem unsere Bemühungen zu richten und von Neuem die Wege zu suchen, auf welchen wir zur Abhilfe dieser bedauerlichen Tatsache gelangen können. Es werden voraussichtlich größere Mittel dafür erforderlich seinda unsere eigenen Mittel in keinem Falle ausreichen werden, so hoffen wir, daß man erforderlichen Falls in weiteren Kreisen, in welchen man Jntereffe für unsere Besttebungen hat, uns eine spezielle pekuniäre Beihilfe für diese ebenso wichtige als verbesierungsbedürfttge Angelegenheit nicht versagen wird. Wir hoffen ebenso, daß wir bei den Inhabern von größeren Speisehäusern, welche wir event. um die Aufnahme von Eleven ersuchen werdm, das richtige Verständnis für unsere Pläne, sowie das erforderliche Entgegenkommen durch Rat und Tat finden. Verein zur Föderung ritueller Speisehäuser, E. B. Hamburg. Hamburg, 10. Juni 1909. * * Geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir als alten Wlrt und Fachmann einige Worte zu dem in Rümmer 22 de» JSraeltt unter obigem Titel veröffentlichten Artikel einige Worte vorzubrtngen. Die Extstenzfähtgkett und dadurch der Anreiz, sich gründlich auf die Laufbahn als Hotelier vorzuberetten, wirb stark dadurch beeinträchtigt, daß zahlreiche GestnnungSgenoffen, die auf "NP2 reflektieren, grundsätzlich nicht in jüdischen Hotels wohnen. Für diese» dem jüdischen Hotel geradezu ruinöse Prinzip werden Rücksichten auf die christliche Kundschaft und ähnliche Ausreden vorgefchützt. Ich führe seit 20 Ja rm ein bekanntes, gut etngeführteS Hotel, in dem auch einzelne christliche Herren regelmäßig wohnen, ja sogar Muster-KolletttonmSauSstellm, während eS mir häufig nicht gelungen ist, jüngere und ältere Reisende von gesetzeStreu« Gesinnung zu dem gleichen „Wagnis" zu bewegen. Der Jude ist gegenüber seinen Glaubensgenossen bedeutend anspruchsvoller als tm christlichen Hotel, wo er fich häufig der größten Bescheidenhett befleißigt. Recht hat der Herr Einsender indessen zweifellos mit der Behauptung, daß viele Leute, die keine Ahnung vom Wtrtschastsbetrteb haben und deren Frauen nichts von 5küche und Keller verstehen, jüdische Hotels gründen. Eine Besserung in dieser Hinsicht wäre gewiß von groß«n Werte. WaS den „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser" betttfft, so sollte er meines Erachtens fich auf sogenannte Speisehäuser, d. h. Garküchen beschränken, wenn er seine Tättgkeit auch auf alte, längst bestehende Hotel» erstreckt und insbesondere bei der Neu-Etablterung müßte er auf den religiösen Sinn des Inhabers sehen. Ist dieser keine gewiffenhaste, zuverlässige Person, so nützt alle Aufsicht nicht». Die Beaufsichtigung mag bei einem Fabrtkationö- Ärttkel, der nach Fertigstellung verfiegelt wird, auSreichen, nicht aber in einem größeren ReftaurattonS« oder Hotel-Betriebe. Ceterum censeo: Ihr gefetzeö treuen Kaufleute, wohnt in jüdischen Hotels! Ermöglicht eS, den jüdischen Hotelbesitzern durch Zimmervermietung zu. verdienen, was daS bloße Essen nicht einbrtngt, und tragt tazu bet, daß der Hotelbranche ein guter Nachwuchs sichert wird. Britftatt«. <£|. Z in Chr». Wenden Sie fich an dm „Schomre SchabboS-Beretn", Frankfurt a. M , Schützenstraße Nr. 14. S. ». 1) ES wirb fich wohl um dm Namen mn handeln. 2) Als Geburtstag muß in Ihrem Falle fOV betrachtet werben. M. C. in H. Besten Tank für dm Brief. Bon dem betreffmdm Buche ist un» bisher kein Rezensionsexemplar zugegangen. Ihre anderen Fragm werben demnächst brieflich beantwortet. Dr. W. H. in M. Wir havm bereit» wiederholt Berichte über die Anstalt gebracht. , «>. 4$. 1. 1) Ja. 2) Befragen Sie etnen Rabbiner. I 3) Etnm geeigneten plbfi finden Sie in Psalm 136 Satz 1 oder Psalm 135 Satz 8. Uereinskalender. Verein Mekor-Chajim, SamStag, den 3. Juli 1909, nachmittags 41/« Uhr: „Mikro-Vortrag", Herr Josef Sänger. Der „MenauraS Hamoaur"-Bortrag des Herm Kantor Gteinberger fällt während der nächsten vier Wochm auS. „Montefiore", Verein zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Lmte. Mittwoch, den 7. Juli, abend» 9 Uhr: „Die DamaSkuSaffäre von 1840", Herr Wilhelm R sen. fluflösuna des Rätsels in Rr. 21. .pp fP fj /)6 fn Richtige Lösungen sandten ein: Jeanette Rafalowicz, Nürnberg- Levy Fleischmann, Csalloköz-Szerdahely- W. L. Kahane- Tarnopol: Felix Cohen, Altona - M. Bindiger, Würzburg- Abr. Dänemark, Wien- Leo Engelmann, Bonghad - Lehrer E. Wertheimer, Hard - heim- Älex. Diedelsheimer, Lehrer, Friedrichsfeld- Frl. Irene Baum, Bagujhely! Siegfried Stein, Harburg- Mich. Scheftelowitz, Cantor, Tichau- Hersch Fegall, Rafael Schächter, Marcus Schächter, Elias Grünberg, Abr. Dulberger, Moses Segall, Schüler der Jeschiwah „Beth Israel", Buhusi- Felix Wertheimer, Lehrer, Bukarest- Sally Nußbaum, Cöln- Selma Jacob, Rüdesheim- Leo Althos, Karlsruhe i. B. - Ackermann, Lehrer, Wiesloch- Geschw. Fulder, Dießeck.- Sally und Willy Röder, Posen- Hanna Horwitz, Cannstatt- H. Translatem, Lehrer, Miltenberg a. M.- R. Jacol, Maltsch- M. Godlewsky, Neumarkt i. Pf.- M. Ucko, Lehrer, Ems- Adolf Gottesmann, Boldva- Karl Darmstädter, Birkenau- Herczl Manor, Preßburg- Herm. Baßfreund, Trier a. M.- L. Steif, Nagybiecsese: H. Breuer, Dagagyagos- Samuel Markowitz, Lehrer, Kenty: Samuel Zobel, Boskowitz- Mor. Tauber, St. Janos- S. Kornfeld, Lehrer, Leiwen- Juda Bergstein, Rzochow- Friedrich Bergmann, Mezöesat. Sabbat - Anfang u. Ausgang . ORT: Anfang Datma AuSgang UhrlMin. 1909 5669 Uhr IdRin. 3. 14. Tamu» 8nwM«.it. 8 — Juli 9 40 »erliu .... ... 9 38 München . . . 7 15 9 08 Straftbnra . 7 30 9 30 Stuttgart. . 7 15 9 23 Pose« . — — 9 31 Nürnberg — — 9 18 Hamburg. . . — — 10 — Prag .... — — 9 30 Jamlliennacbricbicn. Geburten: Linen Sohn: Hermann Wallerstein (Eisemann) hier. — Elia» Gut (Eschwege) Eüln. — Arthur Bodan-ty (Rapp) Berlin. — Eine Tochter: David Ansbacher (Eschwege) Homburg v. d. H. Vereterbene: Frau Betty Adler (geh. Bendheim) hier. 61 Jahre. — Josef Isaak» hier. 15 Jahre. — Zacharias Darmstädter» Birkenau i. O. 83 Jahre. — Jsaac Strauß Darmiiadt. Barmliwohfeiern: Samuel, Sohn Manuel Dünkel, Cöln. — Art.hur» Sobn von Joseph Sender, Biebrich a. Rh. Lazern. Schiller Hotel aarnl. Neu. Niehst Bahnhof Nur Zimmer u. Frühstück. Sehr komfortabele Zimmer von fr. h.— an. (12341 — Israel. Restaurant neben dem Hotel. — Die Firma S i n ger-W er ke G. m. b. H. in Frankfurta.M. erwarb auf der Großen Jubiläum»-Au»stellung für da» Hotel- und GastwirtSgrwerbe zu Darmsladt auf die von ihr hergeslellte Pflanzenbutter-Margarme» Marke Artol, die in der Branche al» höchste Auszeichnung geltende goldene Medaille. 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