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Der Israelit · 1909-07-01 · Heft 26 (1.7.1909) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 26 (1.7.1909)
Date
1909-07-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit. Sette 8 Nr. 26__ - Methoden durch Bekanntmachung und Verbreitung neuer Maschinen' und Arbeitsgeräte. 3. Anstellung von landwirtschaftlichen Versuchen unter Leitung eines geübten Agronomen. 4. Begründung einer Versicherungsgesellschaft gegen Viehkrankheiten und Anstellung eines tüchtigen besoldeten Tierarztes. 5. Die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in den Kolonien. 6. Die Ausdehnung des Koloniebesitzes und Erleichterung der Ansiedlung neuer Elemente. 7. Verbreitung landwirtschaftlicher Kenntnisse unter den Kolonisten durch Vorlesungen, Demonstrationen u. dergl. sowie durch Erweiterung des Unterrichts in den Schulen. Die Generalversammlung tritt mindestens einmal im Jahre zusammen, je 10 wahlberechtigte Mitgliöer einer Kolonie wählen einen Delegierten zur Generalversammlung. Die Generalversammlung wählt den weitern und engern Rat. Der weitere Rat tritt mindestens einmal in zwei Monaten zusammen und besteht aus drei Delegierten der Kolonie Peta ch- Tikwah, je zwei Vertretern aus Rschon, Ekron und Rechoboth und je einem Vertreter der Kolonien Wadi-Challin, Katra, Kastinie, Bir Jacob, En Ganim,Moza und Artus. Als 17. Mitglied des weitern Rates wird der Vorsitzende gewählt. Der engere Rat besteht aus vier von der Generalversammlung gewählten Mitgliedern und dem Vorsitzenden. Die Organisation der Judäischen Kolonien wird sich um die legale Anerkennung seitens der türkischen Regierung bemühen. Auch an der Organisation der hiesigen jüdischen Gemeinde wird nun kräftig gearbeitet. Das dazu berufene Komitee hat ein vorläufiges Statut entworfen und Schritte unternommen, um einen Zusammenschluß aller jüdischen Bürger zu einer einheitlichen Gemeinde durchWführen. Nach diesem Statut sollen vollberechtigte Mitglieder der Jaffaer Gemeinde diejenigen Juden sein, die über 20 Jahre alt sind, über ein Jahr in Jaffa ihren Wohnsitz haben nnd Gemeindesteuern bezahlen. Die Gemeindeleitung soll in der Weise sich bilden, daß Gruppen von je 25 Gemeindemitgliedern, die sich nur für Wahlzwecke gebildet haben oder auch 'sonst als Vereine irgend welcher Art bestehen, je einen Wahlmattn wählen und diese Wahlmänner sodann den Gemeindevorstand wählen. Die Gemeindeverwaltung soll neben der Wohlfahrtspflege, Friedhofs- und Schulverwaltung u. dgl. auch für die Reinlichkeit und den sanitären Zustand in den jüdischen Vierteln und Wohnungen, für den Sicherheitsdienst in den jüdischen Straßen, für die Aufrechterhaltung des Friedens unter den Juden, für die Erleichterung der Einwanderung von Juden zu sorgen haben sowie die Intervention bei Behörden für Gemeindemitglieder übernehmen. Eine von der Generalversammlung gewählte Schätzungskommission hat die Höhe der Gemeindesteuer aller Mitglieder zu bestimmen. Außer den direkten Steuern bezieht die Gemeinde ihre Einnahmen aus Beiträgen, die gelegentlich der Herausgabe von Zertifikaten in Geburts-, Ehe- und Sterbesällen entrichtet werden. Tunis. - Tunis, 5. Mai. Eine Skandal-Affäre erregt hier die Gemüter und dürfte weit über die Grenzen von Sousse, dem kleinen Stäatchen, wo sie sich abspielt, hinaus, berechtigtes Aufsehen verursachen. — Ein jüdischer Goldwarenhändler ist unter Beschuldigung eines Vergewaltigungs-Versuches an einem muselmanischen Mädchen vor das muselmanische Gericht zitiert worden. Man kann dem Angeklagten zwar durchaus die Tat nicht Nachweisen, da die Beschuldigung nur auf der Aussage des jungen Mädchens fußt, das sich in den Laden des Goldwarenhändlers, Herrn Berrebi, begab, um ein Schmuckstück fassen zu lassen, aber der Haß der muhamedanischen Bevölkerung gegen die Juden ist so groß, daß sie den Angeklagten zu den härtesten Strafen verurteilt sehen möchte. Eine schreiende Ungerechtigkeit liegt darin, daß ein Jude vor ein muselmanisches und nicht vor ein französisches Gericht gestellt worden ist — in einem Lande, das unter französischer Schutzherrschaft steht. Natürlich wird der Haß der Eingeborenen jeden klaren Urteilsspruch der Richter trüben, die ja selbst der feindlichen Partei zugehören. Sie haben es der Partei des Angeklagten bereits sehr verdacht, daß sie überhaupt in der französischen Presse erst Lärm geschlafen hat! — Und diese Affäre dürfte sogar auch für die ftanzösische Bevölkerung von weitgehenden Folgen sein: Die Mohammedaner boykottieren alle europäischen Geschäfte und verbieten öffentlich den muselmanischen Frauen, daselbst ihre Einkäufe zu machen. So leiden also sämtliche jüdischen und französischen Geschäfte unter dieser unerwiesenen Tat des Angeklagten, der selbst unter der schwersten Anklage steht — weil der Haß der Bevölkerung ein willkommenes Objekt in ihm sieht, sich wieder einmal zu entladen. — Der Urteilsspruch steht noch aus — Wann wird die französische Regierung tatkräftig eingreifen? Amerika. Ruf der Einroanderungsinfel. New-Uork, 15. Juni. Die amerikanische Landungsinsel „Ellis Island", wird ihrem Namen „die Träneninsel" immer mehr gerecht. Der neue Generalkommissar Williams gibt sich offen als Gegner der Einwanderungsfteiheit' zu erkennen. Eine der schönsten Institutionen, die der gewesene Handels- und Arbeitsminister Oskar Strauß auf Ellis Island ins Leben gerufen, das staatliche Jnsormationsbureau am Landungsplätze soll nun, dank der Jntriguen der Arbeitergewerkschaften im Einvernehmen mit Generalkommissär Williams ganz aufgegeben oder zumindest zur Wertlosigkeit herabgedrückt werden. Das Jnsormationsbureau stand mit allen Fabriken, Farmen und Großhändlern in steter Verbindung und hatte ursprünglich den Zweck,, den Einwanderern Arbeitsgelegenheit auf dem Lande nachzuweisen und auf diese Weise eine Verteilung der Einwanderer über das ganze Land zu fördern. Die Gewerkschaften, unterstützt von Williams, haben nun dem gegenwärtigen Handelsminister Nagel ein Memorandum überreicht, in welchem diese Tätigkeit des Jnformationsbureaus bekämpft und behauptet wird, daß dieses staatliche Jnformationsbureau die Arbeiter des Auslandes gewissermaßen zur Einwanderung aufmuntern und auf diese Weise den einheimischen Arbeitern immer neue Konkurrenten ins Land bringen. Das Memorandum hatte bereits die Wirkung, daß das Jnsormationsbureau von nun ab sowohl an Arbeiter, sowie an Arbeitgeber nur dann Informationen erteilt, wenn es darum ersucht wird. vermlrcbter. Schweinfurt, 27. Juni. Herr Rabb. Dr. Stein Schweinttrrt schreibt uns: „Ich bitte die sehr verehr!. Redaktion, zu ihrem Berichte über die Versammlung zum Zwecke des Zusammen)chlusses der Gesetzestreuen Bayerns in Würzburg in Nr. 24 zu konstatieren, daß die dort als von mir „verfaßt" angeführte Resolution, für die ich allerdings gestimmt habe und für dle ich nach wie vor eintrete, nicht von mir verfaßt worden ist. Den Mitgliedern der Versammlung wird es wohl noch erinnerlich sein, daß ich dies bereits in der Versammlung ausdrücklich konstatiert Hab Trier, 24. Juni. Ein echter Hexcnprozeß, der es wieder einmal zeigt, wie unheilvoll der Antisemitismus auf gewisse Wahnvorstellungen unterworfene Kreise wirkt, wurde dieser Tage vor der hiesigen Strafkammer als Berufungsinstanz zum zweiten Male verhandelt. Zwei alte Jungfrauen aus Serrig a. b. Saar waren von der Wahnidee befangen, daß ihre beiden Kühe, die unerklärlicherweise zUm Gerippe abgemagert waren, keine Milch mehr geben wollten und beim Melken wie besessen um sich schlugen, behext sein müßten. Kein anderer als der jüdische Handelsmann Meyer aus Beurig-Saarburg konnte die Tiere bei einem Kuhhandel behext haben. Uw den Teufel aus den armen Tieren zu treiben, lockten fie I. Juli 1909 den nichts ahnenden Handelsm nn umer der Angabe, mit ihm einen Handel abfchlteßen zu wollen, in dm Stall, fielen dort mit einer Heu- und Mistgabel über ihn her und verletzten ihn so schwer, daß er mehrere Wochen lang das Bett hüten mußte. Das Schöffengericht in Saarburg verurteilte die beiden fanattschm Mädchen wegen Mißhandlung und tätlicher Beleidigung zu 14 Tagen Gefängnis und 10 Mark Geldstrafe. Der AmtSanwalt hatte gegen d eses Urteil Berufnng bet der Trierer Strafkammer eingelegt, weil ihm das Strafmaß nicht hoch genug erschien. DaS hiesige Gericht bestätigte jedoch das Urteil. Haren, 35. Juni. Am 13. Juni fand, wie bereits kurz gemeldet, bei überaus reger Beteiligung der jüdischen und christlichen Bevölkerung die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. An den Abschiedsgottesdienst im alten Betlokale schloß stch der Festzug zur neum Synagoge an. Der Landrat deS Kreises öffnete dieselbe und sprach der Gemeinde seinen Glückwunsch aus. Die Weiherede hielt Herr Landrabbiner Dr. Löv, Emden. Derselbe brachte auch beim Festmahle daS Kaiserhoch aus. Der katholische Pfarrer des Ortes, welcher mit noch zwei Geistlichen an dem Festessen teilnahm, feierte in seiner Tischrede das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Konfesstonen in Haren und betonte besonders den religiösen Sinn der jüdischen Gemeinde, der eS trotz ttotz ihrer geringen Zahl (10 Familien) gelungen ist, nicht nur einen geordneten Religwnsunterrtcht zu unterhalten, sondern auch im Besitze sämtlicher religiöser Institutionen, wie Friedhof, Synagoge und Mikwoh zu sein. Spetzor, 20. Juni. Im Synagogensaale fand heute vormittag eine Versammlung der jüdischen Gemeinde- Mitglieder statt, um zu einer Entschließung des kgl. Bezirksamts Dürkheim bezüglich der Besetzung der Rabb.nerstelle des Lanbgerichtsbezirkes Stellung zu nehmen. Bekanntlich besteht in den Kultusgemeinden eine Strömung für Verlegung der.Rabbinerstelle von Bad Dürkheim nach Speyer an den Sitz der kgl. Kreisregierung. Die gutbesuchte Versammlung beschloß, die Rabbinerstelle hier zu übernehmen. Jedoch soll bet der Besetzung der Stelle Rückficht auf einen Rabbiner liberaler Richtung genommen werden (?) Oftrowo, 25. Jnni. Am Montag den 14. Juni feierte ein jüdischer Kaufmann aus Rußland Hierselbst seine Hochzeit mit einem jungen Mädchen auS dem benachbarten Kalisch. Auf Grund emer Denunziation erhielt die rusfische Behörde hiervon Kenntnis und schickte zwei Gendarmen, die den Bräutigam, der im vorigen Winter von seinem Regiment im Kaukasus geflüchtet sein soll, ausgeltefert haben wollten. Die htefige Polizei ließ sich darauf nicht ein und ermöglichte dem Ehepaar die Weiterreise nach Amerika. Oftrowo, 25. Juni. Ein tragisches Schicksal hat die rusfische Emigrantin Sore Alberowitz aus Miusk getroffen. Sie wurde auf der Hinreise nach Amerika plötzlich irrsinnig, daher von den EtnwanderungSbehörden nicht ans Land gelaffen und auf demselben Schiff wieder in Begleitung eines Transporteurs über Antwerpen hierher zurückgebracht. Wongrowitz, 24. Juni. Vom Vorstand der jüdischen Gemeinde in Wongrowitz erhalten wir folgende Zuschrift: „Der In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienene Bericht aus Wongrowitz, in welchem mttgeteilt wurde, baß Herr Rabbiner Dr. Dünner die auf ihn gefallene Wahl als Rabbiner unserer Gemeinde ab gelehnt hätte, entspricht nicht den Tatsachen. Herr Rabbiner Dr. Dünner würde die auf ihn getroffene Wahl angenommen haben, wenn die Gemeinde Rogaf en, in wel - er er als Rabbiner fungiert, ihn von dem Kontrakte entbunden hätte. Da fich dies aber nicht ermöglichen ließ, konnte Herr Rabbiner Dr. Dünner die Wahl nicht annehmen." Arad, 16. Juni. Der Millionär Ignaz Nikolaus, der vor einiger Zeit in Arad in Ungarn starb, hinterließ die Hälfte seines Vermögens der Stadt und die andere Hälfte der israelitischen Religionsgemeinde und der KET'ip JVOIT Die Schwester, die eigentlich die alleinige Erbin ist, veabfichtigte das Testament anzufechten, infolgedeffen trat am 9. Juni d. I. der Muniztpalausichuß der Stadt Arad zu einer Generalversammlung zusammen, um in Güte fich mit der Schwester des Verstorbenen zu einigen. Man kam überein, der Frau 40000 Kronen bar und eine jährliche Rente von 18000 Kronen anzubieten. .Die Schwester des Verstorbenen erklärte fich mit dem Vorschläge einverstanden, wenn die beiden anderen Haupkerben, die israelitische Reltgionsgemetnde und die p"n, fich gleichfalls zu einem Ausgleich verstehen würden, was natürlich geschehen wird. Utrei»$we$en. Stuttgart, 20. Juni. Heute fand hier die Generalversammlung der Landesvereinigung Württemberg und der Ortsgruppe Stuttgart des Verbandes der Sabbattfreuvtze statt. Herr Emanuel Kaufmann eröffnete und begrüßte die Versammlung, zu welcher von den Ortsgruppen des Landeerschienen waren, die Herren Albert Kahn von Baifingen, David ReiS aus Hetlbron, Lehrer Wißmann aus KünzelSau Herr Dr. Sahn aus Eßlingen erstattete den Bericht, auS welchem hervorzuheben ist, daß der Landecverband Vertreter an die Herren Minister des Innern, der AuSwärttgen Angelegenheiten und des Kultus gesandt hatte in Sachen des SonntagSruhegefetzeS, welche auch die Bitte vortrugen, daß auch die Königlich Württembergische Regierung dafür etntrete, m

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