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Der Israelit · 1909-07-01 · Heft 26 (1.7.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 26 (1.7.1909)
Date
1909-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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' <**. *- -~*"'1*Wj *&?;’■ %. 3«ft im Der JSraelit. Contor M. Roth stein intonierte das «3N ^12 und 12D HD, worauf Herr Dr. M. Frankfurter den illustren Gast in deutscher Sprache begrüßte und für den höhen Besuch dankte. In seiner Ansprache lenkte der Rabbiner die Aufmerksamkeit des Banus auf das Treiben des kroatisch-antisemitischen Hetzapostels Obradovic und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Landesregierung bei zeiten Vorkehrungen treffen werde, um das Judentum vor den bösen Folgen dieser lügenhaften Ausstreuungen und Verleumdungen zu schützen. Der Besuch des Banus in der Synagoge — so führte der Redner aus - ist ein Beweis dafür, daß Sr. Excellenz die Verdienste der Juden um Kroation zu schätzen wisse und so sind sich denn die Juden seines Schutzes gewiß. Mit einem herzlichen Zivio auf den BanuS, in das die zahlreich versammelte Gemeinde einstimmte, schloß der Redner seine Ansprache. Der hohe Beamte dankte für den ihm bereiteten herzlichen Empfang und sagte, daß er hier an heiliger Stätte die Versicherung gebe, daß seinem Herzen alle Bürger des Staates, gleichviel welcher Konfession sie angehören, gleich nähe stehen. Er halte keine Regierung für würdig den Namen Regierung zu führen, die die Rechte einer Konfession verkürzen würde. So können denn die Juden, deren Patriotismus, Loyalität und Tüchtigkeit ihm wohl bekannt ist, stets seines Schutzes und seiner Förderung versichert sein. Hierauf wurde die kroatische Hymne von der versammelten Gemeinde angestimmt. Sr. Excellenz zeichnete Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Frankfurter mit einer persönlichen Ansprache aus und sprach ihm nochmals seine Befriedigung aus. Unter lebhaften Ziviorufen verließ der Banus mit seinem Gefolge die Synagoge. Zu dem zu Ehren deS Banus veranstalteten Festbankette wurde auch der Rabbiner zugezogen. RuMarrd. Zum To0e Krufdienrans- Kischinew, 25. Juni. Eine der finstersten und schreckenerregendsten Gestalten auS der jüngsten blutdurchtränkten Geschichte der russischen Judenheit hat das Zeitliche gesegnet. Pawulaki Kruschewän, dev Hauptveranstalter deS grauenhaften Kischinewer Pogroms, ist von einem plötzlichen Tode hingerafft worden. Kruschewän hat sich den skrupelosesten Kampf gegen die Juden zur Lebensaufgabe gemacht. Seine Tätigkeit auf dem Gebiete der antisemitischen Publizistik begann er im „Wilenski Wjestnik." Bon Wilna übersiedelte er hierher und trat in die Redaktion des „Bessarobski Wjestnik" eiy. Sämtliche Mitarbeiter dieses Blattes protestierten aber dagegen und wollten auf keinen Fall mit ihm zusammen arbeiten. Da begründete Kruschewän ein eigenes Organ, das er ausschließlich der Hetze gegen die Juden widmete. Nach dem hiesigen Pogrom wurde er vom Minister Plehwe nach Petersburg berufen und begann dort die Herausgabe des von der Regierung subventionierten schwarzen Blattes „Snamja", besten einziges Streben ebenfalls die Aufhetzung der christlichen Bevölkerung gegen ihre jüdischen Mitbürger bildete. In der zweiten Duma, wohin er als Vertreter von Kischinew eingezogen, fand Kruschewän noch ein neues Feld für sein „patriotisches" Werken. Nach deren Auflösung kehrte Kruschewän hierher zurück, um ein neues antisemitisches Organ „Drug" zu begründen. In niederträchtigster Weise beschimpfte dieses Blättchen die Juden fortwährend, und noch vor dem letzten Osterfeste trat es mit einer Blutbeschuldigung gegen die Juden auf. Nun ist dieser „Held" in ziemlich jungen Jahren gestorben. Sein Name wird aber mit oem grauenvollsten Abschnitt der neuzeitlichen Geschichte der russischen Juden verknüpft bleiben. Kursk, 25. Juni. Der hiesige Gouverneur hat eine Bestimmung erlassen, wonach jüdische Kaufleute zudem demnächst hier stattfindenden Jahrmarkt nicht kommen dürft». Daraufhin haben zahlreiche „echte Rüsten", die den hiesigen Groß- und Kleinhandel beherrschen, in Petttionen an die Regierung um Aufhebung dieses Verbotes ersucht, mit der Begründung, daß die Messe ohne Beteiligung von jüdischen Kaufleuten jeden Wert verlieren müßte. (Eine krasse Illustration zu den Ausführungen deS an leitender Stelle abgedruckten Artikels. Die Redaktion). Kown o, 25. Juni. Demnächst soll hier eine Konferenz jüdischer Partei- und Gemeindevorsteher stattsinden. Dem Ministerium des Innern wurde bereits von den Initiatoren daS Konferenzpro-! gramm mitgeteilt, welches folgende Punkte umfaßt: 1. Die Lage der jüdischen Handwerker in Südwest-Rußland. 2. Die zur Verbesserung ihrer Lage und ihrer Produktionskräfte geeigneten Mittel. 3. Die Fleisch- und Lichtsteuer und ihre Verwendung für die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinden. 4. Die Reformierung deS Lehrplanes in den Talmud-Thora-Schulen. 5. Die Regulierung und Organisierung der jüdischen philantropischen Gesellschaften und Vereine. &nglanb. London, 27. Juni. Der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, Herbert Samuel, ist soeben zum Mitglied des Englischen Ministeriums ernannt worden. Herr Samuel ist der erste Jude/ der in England die Würde eines aktiven Ministers bekleidet. Frankreich. Paris, 20. Juni. Der französische Minister deS AuSwärttgen legre soeben einen Gesetzentwurf vor, durch welchen den tunesischen Untertanen das Recht eingeräumt wird, sich in die französische Armee, sowohl im Mutterlande, als auch in den Kolonien und auch in die Marine, als Freiwillige anwerben zu lassen. Den Juden war es bisher verwehrt, in die tunesischen Korps, die durchwegs aus Muselmännern bestehn, einzu treten. Diejenigen Juden, die sich durch Militärdienst daS Bürgerrecht erwerben wollten, waren daher gezwungen, in die Fremdenlegion einzutreten und sich zumindest zu einem fünfjährigen aktiven Dienste zu verpflichten. Das neue Gesetz bedeutet einen wichtigen Fortschritt in der Naturalisationsfrage der tunesischen Juden. Rumänien. I a s s y, 28. Juni. Die Ausweisungen der Juden auS den Dörfern dauern hier fort. Im Distrikt Bacau wurden die Juden aufgefordert, binnen 48 Stunden die Gemeinde zu verlassen. Die Panik unter der hiesiegen Judenschast ist unbeschreiblich. Es haben bisher acht jüdische Familien auS der Gemeinde Faraoni, vier auS Bä l e a -Se aca und zehn aus Cleja Ausweisungsbefehle erhalten. Die Aufforderung wurde ihneu Freitag eingehändigt und schon am Sonntag mußten sie die Gemeinde verlassen. Alle diese Juden sind in der Gemeinde geboren, erzogen und haben faßt alle beim Militär gedient. Die Vertriebenen haben ein Tellegramm an den Minister de- Innern gerichtet, und eine Abordnung nach Bukarest gesandt, um, wenn möglich, ihr trauriges Schiksal zu wenden. Türkei. Türhlscher Brief. ~ ($on unserem Korrespondenten.) Konstantinopel, den 27. Juli Heute vor 14 Tagen traten die beiden Körperschaften der Gemeinde zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um ein vom Großrabbinat ausgearbeitetes und gedruckt vorgelegtes Budget zu beraten. Der Zeitpunkt war insofern günstig gewählt, als gerade 8 Tage vorher das Rabbinat die provisorische Unterstützung der Regierung zur Wiedereinführung der Gabella erreicht hatte. Ueber das Vergangene wurde ohne weiteres ein •_ Kt. 26. Seite 7 Strich gemacht, und im Budget find die Summen deS großen Defizit, das durch die Zerstörung der Gabella in den letzten 8 bis 9 Monaten entstanden ist, nicht aufgeführt. Die Versammluna verlief im allgemeinen sehr ruhig. Niemano warf sich zum Anwalt der zahlreichen Beamten und Rabbinen auf, die seit 10 Monaten ihr Gehalt nicht erhalten haben und niemand hatte den Mut, auf die eigentlichen Gründe der Zerstörung der Gabella hinzuweisen. ES ist selbstverständlich, daß diese nicht dem Unwillen der Fleischer, sondern der Unzufriedenheit mit der neuen Verwaltung zuzuschreiben ist. Die großen Machenschaften FrescoS und Consortien, die zu Gunsten R. Nahums waren, rächen sich, die großen Versammlungen auf dem Okmeidans, die zahlreichen Unterschriften für Nahums, waren eben nur gekünstelt. In Wirklichkeit ist die jüdische Bevölkerung gegen Nahum — die Gabella bietet den schlagendsten Beweis dafür. .Das Budget selbst weist keine Neuerungen auf, nur sollen einigen Witwen und der Gehalt abgeschnitten und einige Beamten entlassen werden. Lebhafter wurde die Diskussion als es sich darum handelte, dem Exgroßrabbiner die ihm versprochene Pension von 22 Ltg. monatlich auf die Hälfte zu reduzieren, da chm die Regierung eine Pension von 25 Ltg. monatlich beftinunthat. Die Abstimmung fand diesmal geheim statt. */, der Anwesenden stimmten für die Ausfolgung des vollen Betrags an den ehrwürdigen Greis Mosche Halevy, wiederum ein Beweis für die Sympathien des alten GroßrabbinerS wie für die Verlogenheit all der Rädelsführer bei der Wahlkampagne gegen Mosche Havely. Des weitern beschäftigte sich die Sitzung mit der Wahl verschiedener Ausschüsse, zur Aenderung der Rabbinatsverfaffung, zur Bekräftigung der Gabella, zur Einführung einer Kultussteuer. Eine Kommission wurde ferner eingesetzt, die sich mit der Militärfrage befassen soll. Derselben sollen drei Rabbiner, die zwei Bicepräfidenten des pi R. S. Halevy, R. Elieser TurieS und der Rabbiner der aschkenasischen Kultusgemeinde Dr. Markus und 6 Laien angehören. In den ersten 2 Sitzungen der Kommission wurde beschlossen von der Regierung nur Folgendes zu fordern: 1. Die Regierung möge dafür sorgen, daß die jüdischen Soldaten den religiösen Vorschriften gemäß leben und außerhalb der Kasernen essen können. 2. Jede Division soll einen Divifionsrabbiner erhalten, der an allen Orten unter den Soldaten selbst einen ODFl wählt (der als &mv ev. auch jm fungieren soll). 3. Sollen sämtliche jüdische Soldaten ,NOL 2"m n"i frei erhalten. Bemerkt sei, daß atteo'BDn in Funktion vom Militärdienst befreitfind, auch ETDm das heißt solche Besucher von die Rabbiner studieren. Palästina. Orflantsaflonsfraoen. Jaffa, 18. Juni. Am 4. Juni fand die erste allgemeine Versammlung der Vertreter der jüdischen Kolonien in Rischon le Zion statt, zu der 31 Delegierte der acht größer» judäischen Kolonien erschienen waren. Zunächst wurde ein vorläufiges Statut der Organisation der judäischen Kolonien angenommen, welcheals Zweck der Organisation die Berbefferung und Hebung der ökonomischen, kulturellen und politischen Lage der jüdischen Kolonien in Judäa durch Zusammenschluß und Bereinigung aller Kräfte, bezeichnet. Zur Erreichung dieses Zieles nimmt die Organisation in Aussicht: 1. Die Gründung von Syndikaten zum Verkauf der von den Kolonien erzeugten landwirtschaftlichen Produkte. 2. Die Verbesserung der landwirtschaftlichen

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