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Der Israelit · 1909-07-01 · Heft 26 (1.7.1909) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 26 (1.7.1909)
Date
1909-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Rr. 26 als der Beschluß in einer gemischten Kommission gefaßt wurde und die Kommiffare des Vorstandes auch diesem zustimmten. Der Beschluß der Kommission sei nur mit Rücksicht auf die Hebung der Gemeindefinanzen gefaßt worden. Das Ergebnis der Beratungen ist die Annahme eines von mehreren Herren gestellten Antrages, in welchem der Gemeindevorstand ersucht wird, Kommiffare in die Sitzung des Repräsentantenkollegiums zu entsenden, zwecks gemeinsamer Beratung der finanziellen Verhältnisse der Gemeinde. Der Antrag des Herrn Paul LaSkar, die Mitglieder der Armenkommiffion um 3 Pflegerinnen zu vermehren und dementsprechend daS Reglement der Armenkommission abzuandern, wird wegen Verhinderung des Antragstellers bis zur nächsten Sitzung vertagt. Der nächste Punkt der Tagesordnung, Antrag des Herrn Joseph Oettinger, ist dahin lautend, daß den Mitgliedern des Repräsentantenkollegiums mit Bekanntgabe der Tagesordnung gleichzeitig der Wortlaut der zur Beratung gestellten Anträge, sowie der zur Vorlage kommenden Berichte mitgeteilt werde, wird nach kurzer Begründung durch den Antragsteller ohne Debatte einstimmig angenommen. Der nächste Punkt der TageSoronung betrifft den Antrag des Gemeindevorstandes, der ,^kelilath Jofi- und Agudath Jescharin-Bereinigung" für die innere Einrichtung ihrer an der Hohelust-Ehauffee zu errichtenden Synagoge eine einmalige Beihülfe von 600 Mk. zu bewilligen, der angenommen wird. Herr Dr. H. C. Plaut erstattet dann den Bericht der BibliothekLkommission. Nach längeren Verhandlungen sei es gelungen, die Errichtung einer allgemeinen jüdischen Bibliothek und Lesehalle zu sichern. Der Kommissar des Gemeindevorstandes habe zwar erklärt, daß die Bezeichnung Gemeindebibliothek abgelehnt werden würde, dagegen würde der Gemeinoevorstand der Gründung einer Gesellschaft zur Errichtung einer jüdischen Bibliothek und Lesehalle durchaus sympattsch gegenüberstehen und dieser nicht nur die Gemeindebibliothek leihweise zur Aufstellung überlassen, sondern auch die Gesellschaft mit einem größeren Betrag, etwa biS zur Höhe von 1000 Mk. fubventtonieren. Da andere Institutionen das Gleiche erklärten, so wurde die Gesellschaft begründet und wird die Lesehalle voraussichtlich bereits am 1. Juli eröffnet werden. Die Versammlung erklärte sich mit diesem Bericht einverstanden und nahm auf Antrag des Herrn Dr. Samson eine Resolution an, in welcher daS Repräsentantenkollegium sein Einverständnis mit der Gründung einer Gesellschaft zur Errichtung einer jüdischen Bibliothek und Lesehalle erklärt und den Gemeindevorstand baldigst um eine Vorlage zur Subventtonierung des Unternehmens ersucht. Herr Levy knüpft daran den Wunsch, daß der Vorstand des Instituts nach einem dem Repräsentantenkollegium einzureichenden Wahlauffatz gewählt werde und der Gemeindevorstand sich das Recht Vorbehalte, das Institut jederzeit als Gemeindeinstitution zu übernehmen. Beiden alsdann vorgenommenen Wahlen wird für den ausscheidenden Herrn Heinrich Levy Herr Otto Joschua zum Vorstandsmitglied des Altenhauses gewählt. Als Vorstandsmitglied des Vereins zur Speisung hülfSbedürstiger israelitischer Kinder wird Herr Sam. Kohn wiedergewählt, ebenso wie die turnusgemäß aus dem Armenkollegium ausscheidenden Herren Mar Jelen, Diewtcz H. Levin, Ed. Meyer und Albert Wolfs Straßburg, 25. Juni. Das „Oberelsässische Konsistorium" hat, dem Beispiele des „Konsistoriums im Unterelsaß" folgend, in feiner dieser Tage bekannt gegebenen umgearbeiteten „Kultus-Gemeinde-Ordnung für den Bezirk Oberelfaß" folgendes bestimmt: „Die Sorge für die Unterweisung der Kinder in der Kenntnis und dem Verständnis unserer hebräischen Gebere sowie der Thora, muß der Synagogenverwaltung besonders am Herzen liegen. Es wird daher den Gemeinden (Kultusgemeinden) zur Pflicht gemacht, dem Lehrer einen angemessenen, in das Budget aufzunehmenden Zuschuß zu gewähren. Der bisherige Gebrauch, daß die Kinder selbst Der JSraelit. dem Lehrer einen „kleinen" Beitrag als Entgelt bringen, ist des Lehrers und der Gemeinde nicht würdig und soll abgeschafft werden. Die Gemeinde hat daher dem Lehrer ein angemessenes Honorar zu bestimmen und solches auf die Eltern der Kinder umzulegen und mit den Kultusbeiträgen einzuziehen. Wenn in Zukunft eine Lehrerstelle zu besetzen sein wird, so muß daS Kosistorium die Synagogenverwaltung veranlassen, daS Gehalt des Lehrers für den Religion-- und hebräischen Unterricht ftftzusetzen, bevor der Lehrer durch den Bezirkspräsidenten ernannt wird." Zur Erklärung und Begründung dieser Bestimmung schreibt die „Straßb. Post" unter dem 18. Juni folgendes: „Bor etwa hundert Jahren bestanden in unserem Lande keine eigentlichen Schulen für die jüdischen Kinder. Mehrere Familienväter stellten auf eigene Kosten einen Privatlehrer (Bacbur) an, der zur Vergütung fteie Station, außerdem pro Kind, daS er unterrichtete, wöchentlich einige Groschen erhielt. Er erteilte den Unterricht in einem besonderen Lokale (Cheider), das von den Familien abwechselnd zur Verfügung gestellt werden mußte. In größeren Orten unterrichteten zu gleicher Zeit oft 5 biS 10 solcher Saedurim. Lehrgegenstand war nur Hebräischspäter traten auch noch Deutsch, Rechnen und Französch hinzu. Nach und nach entwickelten sich diese Privatschulen zu Gemeinbeschulen (Lcoles eommuaaies), indem die politische Gemeinde den Unterhalt der Schulen und die Besoldung der Lehrer übernahm. DaS war für die jüdischen Familien eine große Erleichterung, für die Kinder aber ein nicht zu verkennender Nutzendenn jetzt traten an die Stelle der Privatlehrer ansgebilbete und geprüfte Lehrer. Da jedoch daS Gehalt, daS die Gemeinden damals bezahlten, zieml ch knapp war (600 Franken im Jahr), beschlossen die jubichen Familienväter, dem Lehrer für (Erteilung des hebräischen Unterrichts eine Extravergütung zu bewilligen, die je nach der Anzahl der Schulkmber bemessen war. Jede« Kind brachte am Ende des Monats, dezw. der Woche einen bestimmten Betrag. Auf diese Weise erhielt mancher Lehrer ein Nebenetnkommen, bas mitunter im Jahre auf nahezu 800 bis 1000 Franken stieg. Damals galten für die besten Stellen diejenigen Schulen, welche die größte Schülerzahl aufwiesen. Schulen mit 80 bis 00 Kindern waren nicht selten. Diese kür die jüdischen Lehrer schöne Zeit dauerte bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, wo auf einmal die Abwanderung der Israeliten nach den Städten begann und ferner die Mode in Schwung kam, die Kinder in die höheren Schulen der S' ädte zu schicken, weniger, um sie studieren zu lassen, als ihnen eine feinere Bildung zu geben. Durch d ese beiden Er cheinungen begann in den jüdischen Volksschulen die Zahl der Kinder stetig zu finken, und manche mußte infolge der zu niedrigen Schülerzahl eingehen. Die jüdischen Schulen von Hattstatt, Sulzmatt, ^ulz, im Oberelsaß, Buchsweiler, Dambach, KüttolSheim, Osthofen, Gerstheim, Düttlenheim, WeilerSwetler, und andere mehr find von diesem Schicksale be eitS getroffen worben, anderen steht eS nahe bevor. (Mederbronn, Lixheim.) Schulen, die vor etwa 20 Jahren noch 50 bis 60 Kinder zählten, weisen heute kaum noch die Hälfte auf. (Bischheim, Grußenheim, Winzenheim, Merzweiler und andere mehr.) An mehreren Orten sucht man der Aufhebung der jüdischen Schulen dadurch vorzubeugen, daß man dem jüdischen Lehrer auch christliche Kinder zuweist. So finden wir z. B. schon mehrere Schulen, die nebst den jüdischen Kindern auch noch einen simultanen Unterricht im gemischten Schuljahr haben. Auf diese Weise bleiben diese Schulen noch längere Zeit erhalten. Die jüdischen Lehrer jedoch stellen fich dadurch nicht bester in ihrem Gehalt. Durch die stete Abnahme der jüdischen Schülerzahl leidet auch das einzige Neveneinkommen dieser Lehrer Einbuße - denn je weniger Schüler, desto weniger beträgt auch die Vergütung für den hebräischen Privatunterricht." * * * Im Landesausschuß ist nun endlich eine Verständigung über das Pfarrerbesoldungsgesetz erzielt worden. Danach sollen die Geistlichen aller Konfessionen statt wie bisher mit 65 schon mit 60 Lebensjahren das Höchstgehalt erhalten. Dieses beträgt für die Rabbiner 3400 Mk. (statt 3000 Mk.). Stuttgart, 25 Juni. Die staatsrechtliche Kommission der 2. Kammer beriet Donnerstag nachmittag in Anwesenheit des Kultusministers v. Fleischhauer die Eingabe des Ausschuffes des Vereins israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg um Aenderung des Art. 53 des Judengesetzes vom Jahre 1828. Zunächst wurde die Frage erörtert, ob die Eingabe mit Rücksicht auf den Kammerbeschluß vom 16. Juli 1907 nicht den Petenten zurückzugeben sei, weil sie der Regierung nicht Vorgelegen hatte. ES war aber zweifthast, inwieweit die Gesuchsteller als Kirchendiener unter den genannten Beschluß fallen und die Frage .__1. Juli 1009. wurde deshalb offen gelassen. Die Eingabe wurde einstimmig der Regierung zur Erwägung übergeben, nachdem der Kultusminister erklärt hatte, daß eine Neuregelung des israelittschen Ktrchenrechts und auch damit eine Revision des Judengesetzes in Aussicht genommen sei. Schweiz. Basel, 25. Juni. Das neue RuhetagS- Gesetz wurde gestern, wie nicht anders zu erwarten war, mit großer Mehrheit angenommen. Bon 20,538 Stimmberechttgten stimmten nur 9471, von denen 6700 ein Ja, 2771 etn Nein in die Urne legten. Nur in einigen Landgemeinden überwog die Zahl der Ablehnenden die der Annehmenden. Alle Wünsche der jüdischen sabbathaltenden Geschäftsleute, auch die, die fast überall Anerkennung und Entgegenkommen fanden, bleiben hier völlig unberücksichtigt. Ungar«. Lin Sieg Ser OrttwSoxle. Von unserem Korrespondenten.) Arad, 29. Juni. Die neueste Sensation ist, daß in Arad, dem ungarischen Stammsitze der Neologie, wo schon vor 70—80 Jahren einer der t rften und eifrigsten Reformrabbiner, Aron ChorinS, der einzige ungarländische Begutachter der im Hamburger Tempel eingeführten Reformen, das Banner der Reformen entrollt hat, und in deren Synagoge schon Mischehen eingesegnet worden sind, die seit Jahren bestehende orthodoxe Betgenoffenschaft nunmehr auch die volle Autonomie, das Recht zu einer selbständigen Gemeindebildung erhalten hat. Die Erlangung der Autonomie hat einen schweren langjährigen Kampf gekostet, da die liberalen Machthaber der neologen Gemeinde in Arad durchaus die Erlangung der Autonomie seitens der Orthodoxen hintertreiben wollten. Und da haben sich gar köstliche Verhältnisse herausgebildet. Die Orthodoxen hatten selbstverständlich einen eigenen Schachet, da sie doch n&TitP der Neologen nicht in Anspruch nehmen konnten. Nun aber werden in Arad auch Schlachtgebühren für die Gemeinde erhoben. Und so mußte der eigens von den Orthodoxen für die Orthodoxen angestellte VMV die betreffenden Schlachtgebühren für die neologe Gemeinde erheben, deren ceiw und Institutionen die Orthodoxen schon seit Jahren nicht in Anspruch nahmen. Nun aber hat auch die Tyrannei der neologen Gewalthaber in Arad das Ende erreicht, und die Orthodoxen atmen befreit auf. Den Sieg aber haben sie dem unentwegten Streben ihrer Führer und an deren ^Spitze ihrem Rabbiner Juda Safer zu verdanken. So rufen auch wir dieser neuesten Gemeinde, diesem lebendigen Proteste der Orthodoxie in Arad ein herzliches 3m rro zu! - Daruvar, 22. Juni. Daruvar und insbesondere die dorttge Mische Gemeinde hatte am 17. d. Mts. einen großen Tag! Auf seiner Inspektionsreise durch das Comitat Peregä traf Excellenz Baron P a u l B a u ch, Banus von Kroatien und. Slavonien, am 17. d. M. in Daruvar ein, woselbst ihm herzliche Ovationen bereitet wurden. Im Lesesal des Kurparkes empfing Sr. Excellenz Deputationen. Auch die jüdische Kultus-Gemeinde hatte eine Abordnung entsandt. Auf die kroatische Ansprache des Führers der Deputatton des Herrn Bez.-Rabbiners Dr. M. Frankfurter erwiderte der Banus, daß er sich seiner Pflicht bewußt sei, allen Konfessionen das gleiche Recht zukommen zu lassen und gab die Versicherung, daß auch in Zukunft die gesetzlich garantierte Gleichberechtigung der Juden nicht angetastet werden wird. Nachmittags besuchte Sr. Excellenz die Gotteshäuser sämtlicher Konftsfionen, darunter auch die Synagoge. An der Synagogenpforte wurde der Banus, der in Begleitung des Obergespans v. I u n k o v i c, des Bizegespans K r i z und vieler anderer Honoratioren erschienen war, vom Gemeindevorsteher Herrn F. G l ü ck kurz begrüßt «nd an den für ihn reservierten Sitz geleitet. ii>ü'.i ii*>Vi i iim? * ''n' ’ ~ C. ur de ur Ai de sei H' zei ru A> D fü! da Ki di« he re! de da E, S all fes fei ru ve de ih, sei ve R« Ai B« mi Fe sch ges vei gr« wo )ej tis W un Bl au D( da? wi vo un R, A, D eii fü eu gr Mi öc bc di st' vc rr hc

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