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Der Israelit · 1909-07-01 · Heft 26 (1.7.1909) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 26 (1.7.1909)
Date
1909-07-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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1. Juli 1909 Der JSraeltt No. 26; Sette 5. orinb icü ber er lon ms hit nir so gen di" >ill. lnd der an- 'lig ten ren en, ach 3» der der ein ds> rill e de ich tcen n- >e, o. m C' )r it :s >ls te iiors ir et, u t: r, £ i) n n n e e r r, r r i i i tionierten Religionsschulen zulassen, sowie für den Religionsuntericht an Profanschulen Vorschlägen werde: 1. staatlich geprüfte Lehrer, welche vor einer von ihm eingesetzten oder von ihm anerkannten Kommission eine Prüfung bestanden haben/ 2. Lehrer, welche die Rabbinats-Autorisation in einem jüdisch-theologischen Seminar der Berliner „Hochschule" oder bei der Prüfungskommission der „liberalen" Rabbinen-Bereinigung erworben haben/ 3. Lehrkräfte, welche an der hiesigen „Hochschule" die theologische Vorprüfung bestanden unddie Seminarkurse an den Gemeinde-Religionsschulen mit Erfolg besucht haben. — Was an diesem Erlaß schon auf den ersten Augenblick auffällt — oder, richtiger, nicht eben auffällt — ist die offenkundige Bevorzugung der Hochschule (Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums) vor den anderen, speziell vor dem Berliner Rabbinenseminar. Während von den Zöglingen des Rabbinenseminars, wenn sie würdig befunden werden wollen, von dem Vorstand als Religionslehrer „anerkannt" zu werden, Rabbinatsautorisation d. h. Bestehen der Prüfung aus sämtlichen Lehrfächern der Anstalt gefordert wird, genügt für die Hörer der Hochschule die theologische Vorprüfung, um ihnen die nötige Reife zum Religionsunterricht zu geben! Da drängt sich denn doch die Frage auf, wer dem Vorstande der hiesigen Gemeinde das Recht zu dieser differentiellen Behandlung der beiden Anstalten gegeben hat? Ist vielleicht die Rückständigkeit des Rabbinenseminars, das von seinen Hörern immer noch fordert, daß sie ntmpatP □''"Ql nicht unbedeckten Hauptes treiben, gegenüber der Fortgeschrittenheit der Hochschule, wo selbst wpOlSI D"tP unbedeckten Hauptes „gehört" werden, darum so groß, daß sich andere Maßstäbe hier und dort rechtfertigen? Oder will der. Vorstand behaupten, daß das Wiffensmaß in dshrawis el jucksieis hier um so viel geringer ist als dort, so daß dort schon wenige Semester das Ziel erreichen, das hier erst mit dem Studienabschluß erklommen wird?! Diese Art ausgleichender Gerechtigkeit wäre selbst dann nicht zu rechtfertigen, wenn sie der Vorstand nur für seine und die von ihm subventionierten Religionsschulen in Anwendung brächte, denn der Vorstand soll und darf nicht Geschäftsführer einer religiösen „Richtung",sondern Vertreter aller in der Gemeinde vorhandenen, also auch der glaubenstreuen Richtung sein. Aber damit nicht genug, will der Vorstand auch für die Profanschulen, deren Religionsunterricht nicht unter seiner, sondern unter Aufsicht der städtischen Schuldeputation stehen, dasselbe System befolgen und auch dabei sein Vorschlagsrecht in einer Weife gebrauchen, die als eine Zurücksetzung des Rabbinerseminars gelten muß! Es wird Sache dieser Anstalt sein, in einer ihr zu- Sinnbilde blühenden Lebens, umstanden. Die Namen, die man auf ihnen siest, erzählen vom Ursprung ver (Geschlechter: die Hanau und Todesco sind aus Deutschland zur Zeit der Kreuzzüge gekommen, die Sullam, Ancona, Ravenna,. Cesana und Fano haben sich von der Levante aus, wo sie zuerst mit Venezianern in Berührung kamen, an der italienischen Wria angesiedelt, die Errera und Silva de Gomez sind durch die Judenverfolgungen des 1->. Jahrhunderts ans Spanien vertrieben worden. 'Noch heute haben diese verschiedenen Gemeinden, die aus Nord und Süd, aus West und Ost in der Weltstadt an der Mria zusammenfanden, ihre eigenen Synagogen im alten Ghetto am Canareggio unfern vom Bahnhöfe. Diese Tempel sind stimmungsvolle Orte: der levantinische hat kunstvoll geschmiedetes, dichtes Eisengitterwerk an seinen Fenstern und reiche Skulpturen aus Ebenholz an der Decke und den Wänden; die Frauengalerie ist eng und durch eine Jalousie halb verdeckt, wie es der Stellung der orientalischen Frau entsprach. Tie spanische Synagoge ist ein Werk Longhenas, des berühmten Architekten von Sta. Maria della Salute. (Die Toleranzpfeife.) Der verstorbene H o f p r e - diger Fromme! war, wie man weiß, ein vielgelcsener Volks- und Jugendschriftsteller. In zwei seiner schönsten Erzählungen liegen uns Zeugnisse für seine echt menschliche, duldsame Gesinnung vor. Die eine, „Aus der Familienchronik eines geistlichen Herrn" betitelt, ein Kapitel darin „Meines Vaters Türkenpfeife". In demselben erzählt der Verfasser, wie sein Vater, obwohl er nie geraucht hat, doch eine Pfeife besaß, welche er in hohen Ehren hielt. Mit dieser Pfeife hatte es aber eine besondere Bewandtnis. Sie war das Geschenk eines armen alten Juden, den des Verfassers Vater vor vielen Jahren auf Sizilien zusagenden Form gegen dieses System zu protestieren/ hier sei der Vorgang nur als Beleg dafür registriert, wie selbst der Wunsch, auch den Gesetzestreuen gerecht zu werden, deffen Vorhandensein wir bei der derzeitigen Zusammensetzung des Vorstandes ihm nicht bestreiten wollen, vor seiner Erfüllung durch Einflüsse zum Scheitern gebracht wird, denen die Herren, infolge ihrer Lebensanschauung und ihres Verkehrs auch ungewollt unterliegen. — Das Groteskeste bei der Sache ist aber, daß die Hochschule in dem Verlangen, daß ihre Vorprüflinge noch einen Seminarkurs an den Gemeinde-Religionsschulen sollen besuchen müssen, einen „Affront" gegen ihre Kurse erblickt und durch ihren Protest es zu bewirken wußte, daß die Vorlage betreffs Einrichtung jener Seminarkurse von der Repräsentanten-Versammlung an den Ausschuß zur Vorberatung zurückverwiesen wurde. So zart ist das Empfinden der Herren, wenn es sich um die Ehre der „Hochschule" handelt! Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes ist für den verstorbenen Justizrat Dr. Edm. Lach mann von der Repräsentanten-Versammlung Herr Karl Levpold Netter gewählt worden. Da diese Berufung zweifellos oum jurs suoeeäeQti erfolgte, so stellt sie sich als einen weiteren Schritt in der Entwickelung, welche diese Verhältnisse seit Jahren zeigen, dar, die auf Zurückdrängung des akademischen Berufs und Bevorzugung der Männer des praktischen Lebens in den führenden Stellungen der Gemeindeverwaltung geht. Vom glaubenstreuen Standpunkt kann man diese Entwickelung nicht beklagen. Die Erfahrung lehrt, daß in Männern dieser Art der Keim für ein entgegenkommendes Verhalten und Vermeidung von Provokationen religiös Andersdenkender gemeinhin besser ausgebildet ist, als bei den Akademikern, die mehr oder weniger den Beruf in sich zu verspüren pflegen, missionierend für ihre Anschauungen zu wirken und sei es auch auf Kosten von Frieden und Recht. Die Repräsentanten-Versammlung hat durch Tod ihr Mitglied, Herrn Jakob Weinberg verloren. Er gehört zu den Begründern des „Zentralvereins zur Vorbereitung der jüdischen Gemeindewahlen", aus dem der nun auch selig entschlafene „Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde" hervorging und hat als erster die Forderung nach „Mehr Synagogen und Religionsschulen" formuliert. Auch in dem Kampfe gegen die Bewegung für den Sonntagsgottesdienst", die vor einem Jahrzehnt die Berliner Gemeinde in zwei Lager schied, stand er mit in vorderster Reihe. Von dem Heißsporn von dazumal ist im Laufe der Jahre, seitdem er sammen mit zwei anderen Deutschen aus den Händen einer rohen Horde Palermitaner befreit hatte, welche den Alten wie ein gehetztes Wild in sein Quartier zurückverfolgten. Vierzehn Tage lang hatte dieser seine Retter vergebens gesucht, um ihnen seinen Dank abzustatten. Endlich fand er sie vor einem Kaffeehause. Seine Freude darüber war unbeschreiblich. „Hört", sprach er sie an, „ich bin ein armer Mann in der Fremde: aber aus der Heimat habe ich noch drei echte Pfeijen, und ich weiß, daß der Deutsche gern raucht, lvie ein Muselmann. Nehmet sie, und so oft ihr daraus rauchet, gedenket daran, daß Israel nicht vergißt, was man ihm Gutes tut!" Dann ging er schnell, ohne den Tank der drei Deutschen äbzuwarten, weg. In der Erinnerung hieran wurde auch in des Verfassers Familie die Pfeife in hohen Ehren gehalten und die „Toleranzpfeife" genannt. Daß der Sohn diese edle Gesinnung des Paters, deren Hochschätzung sich in dieser Geschichte kundgibt, teilte, geht aus einer zweiten, „Aus dem untersten Stockwerk" betitelten Geschichte hervor. In dieser schildert der Verfasser, wie er sich auf der Schule an einen hinkenden Judenknaben, den von den klebrigen geringschätzig behandelten „krummen Elias", besonders herzlich anschloß. Es war sein bester Freund, und er besuchte ihn oft, namentlich an den Freitag- Menden und an den jüdischen Feiertagen, in dem Hause seines Vaters, w'o er das jüdische Familienleben mit seinem stillen Glück und seiner ruhigen Zufriedenheit kennen lernte. Die Erinnerung daran hatte ihn später veranlaßt, seinem Jugendfreunde in dieser Erzählung, ein Denkmal zu setzen. in die heiligen Hallen der Reprasentanten-Bersammlung einzog, nichts übrig geblieben, und wenn heute an seinerstatt ein „liberaler" Ersatzmann dorten.einzieht, so bedeutet das außer dem Firmenschild nicht eben viel des Unterschiedlichen. Die Charlottenburger Juden wollen sich dem Vernehmen nach von der Berliner Jüdischen Gemeinde trennen und eine eigene Israelitische Religionsgemeinde bilden. Ein Umstand hinderte bisher diesen Plan, nämlich das Fehlen eines Friedhofes, bezw. eines hierfür geeigneten Geländes. Die Charlottenburger Juden mußten ihre Toten in dem entfernten Weißensee bestatten. Jetzt soll die Schwierigkeit durch Anlegung eines Gemeindefriedhofes durch die Stadt behoben werden. Ein Teil des interkonfessionellen allgemeinen Friedhofes soll g^gen entsprechende Entschädigung den JsraelitÄ zur Schaffung eines Friedhofes nach ihrem Ritus überlaffen werden, wie es z. B. auf dem Zentralfriedhof in Wien der Fall ist. — Auch in Köpenick, dem durch seinen „Hauptmann" bprühmt gewordenen Vorort Berlins, bereitet die dortige jüdische Korporation einen Synagogenbau vor und hat hierfür bereits einen Platz erworben. Wenn das Beispiel Nachahmung findet, so dürfte in wenigen Jahren rings um die Hauptstadt ein Kranz leistungsfähiger jüdischer Gemeinden entstehen und sich, wie in der Natur der Sache ja auch eigentlich liegt, zwischen der.jüdischen Gemeinde Berlin und ihren Vorortsschweftern ähnliche Berhältniffe herausbilden, wie sie zwischen der Kommune Berlin und ihren Nachbarorten bereits seit Jahren bestehen. Der aufmerksame Beobachter wird an diesem interessanten Problem nicht teilnahmslos vorübergehen dürfen. M. Hamburg, 21. Juni. Das Repräsentantenkollegium der Deutsch- I s r a e l i t i s chen Gemeinde hielt im Gemeindebureau, Kaiser-Wilhelmftraße, eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten wurde Herr D. Münden zum ersten Schriftführer gewählt. Die Wahl eines zweiten Schriftführers kommt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung. Der Vorsitzende verlas dann ein Schreiben des Gkmeindevorstandes, in welchem dieser mitteilt,» daß er dem Beschluß des Repräsentantenkollegiums, dahin zu wirken, daß alle in Hamburg ansässigen Israeliten auch Mitglieder der. Gemeinde werden, aus verschiedenen Gründen nicht beitreten könne. Dieser ablehnende Bescheid ruft eine längere, teilweise sehr erregte Debatte hervor, in der betont wird, daß die ablehnende Haltung des Gemeindevorstandes um so eigentümlicher berühren müsse. .1 J - $ i 5 1 ■1 •1 1 A I ii (Fuden in per Republik Panama.) Der jüdische Ingenieur Joseph David, der bei den technischen Arbeiten des im Baue begriffenen Panama- Kanals eine hohe Vertrauensstelle einnimmt, veröffentlicht in einem englischen Blatte einen Aufsatz, über den Kanalbau, dem ryir die folgenden interessanten Stellen entnehmen: Seitdem diese Riesenarbeit in Angriff genomemn wurde, hat die Einwanderung in die Republik Panama sich naturgemäß gesteigert. Unter den Eingewanderten befinden sich zahlreiche Juden, die zum" Teile über Nelv-^jork direkt nach Panama gehen oder von Argentinien kommen, wohin sie schon vor Jahren eingewandert waren. Mer es gibt in Pananra auch viele erbgesessene Juden, es find das fephardische Juden, die schon seit Jahrhunderten in Panama 'ansässig sind. E'n Beweis yiefür ist ihr Friedhof, der den Namen „ K n e s s e s Israel " führt und wie aus der über dem Tore angebrachten Ansschrift ersichtlich, im Jahre lf>r>7 errichtet wurde. Ich begegnete in Panama verschiedenen Juden, die meisten von ihnen sind spanisch-portugiesische Juden, Nachkommen jener Juden, die im Jahre 1192 aus Spanien nach Mexiko flüchteten und später durch die mexikanische Inquisition vertrieben, nach Panama flohen, woselbst sie sich ansiedelten. Die übrigen Juden von Panama stammen aus Rußland, Rumänien und einige auch aus Galizien. Deutschen Juden bin ich dort niemals begegnet. Ebenso traf ich auch keinen einzigen ungarischen Juden. Am meisten überraschte mich die Beobachtung, daß die Sephardim mit den Aschkenasim gar keinen Verkehr halten." Ingenieur David versicherte schließlich, daß die Juden beim Kanalban als tüchtige Arbeiter aller Branchen gerne beschäftigt werden, weil sie sich infolge ihrer Nüchternheit und Ihres Fleißes stets verläßlich zeigen.

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