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Der Israelit · 1909-07-01 · Heft 26 (1.7.1909) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 26 (1.7.1909)
Date
1909-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette L Nr. 26. Schaden gereicht. Ein Hintertürchen, durch dader unentbehrliche Jude doch noch unter gewissen Umständen ins Jnnenland hineinschlüpfen kann und soll, hat die Regierung selber offen gelassen durch das Privileg des ersten Steuergrades (Gilde) usw. Wer hindert nun eine findige, aus Judenrozzias abgerichtete Pozizei daran, auf eigene Faust die Grenzen etwas weiter zu ziehen und dem Juden, dem im Gegensatz zum allgemeingeltenden Rechte alles als verboten gilt, was ihm nicht das Gesetz ausdrücklich erlaubt, dem Bürger von Pristaws Gnaden, E Geld und gute Worte manches zu errt, was dem christlichen Bürger ohne Weiteres erlaubt ist, dieweil es ihm von gesetzeswegen nicht verboten ist? Und die Käuflichkeit der Polizei, dieses Charakteristikum der im verfahrenen System bebegründeten heillosen Verworrenheit wird von der Regierung in einer sonderbaren Verzwickung von Ursache und Wirkung den Juden auf das Schuldkonto gesetzt und muß als Vorwand zu neuen Ausnahmegesetzen d. h. zur Schaffung neuer Einnahmequellen für die Polizei, dienen. Wie hemmend diese abgeblich als Schutzmaßregeln für das russische Volk gedachten Judengesetze auf jede freie Regung und Bewegung, auf jede heilsame Kraftentfaliung im Lande wirken, beweist, wie kaum ein anderes Gesetz, der nur noch in Rußland zu Recht bestehende Paßwang. Noch vor kurzem dachte man ernstlich aran, das unwürdige, das öffentliche wie das Privatleben so empfindlich störende Paßsystem abzuschaffen. Bon Anfang an aber zeigte sich ein unüberwindliches Hindernis in den Sondergesetzen für die Juden. Wie, sagte man, sollte man ohne Paßzwang den heiligen Boden des Jnnenlandes vor dem Betreten durch einen Juden bewahren? Ist es doch der Paß, der Auskunft über die Konfession des Bürgers und die einzige Handhabe zu seiner Behandlung bietet. Der Paßzwang blieb also dem Juden zu liebe für das gesamte russische Volk in Kraft. Und die Schuld an dieser Rückständigkeit — tragen natürlich die Juden. Jeder vonseiten der Regierung gegen die Juden geführte Schlag kehrt sich gegen die Schläger selbst und gegen das Volk, zu dessen Schutze sie angeblich geführt worden seien. „Gebt dem Juden Rechte, verschafft ihm die Möglichkeit, ungestört zu leben, gemäß seiner ihm angeborenen Intelligenz und seiner durch den Druck der Jahrhunderte gestählten Energie sich überall betätigen zu dürfen, und nicht ihm, sondern auch dem russischen Arbeiter wie Arbeitgeber, dem Handwerker wie dem Bauersmann ist geholfen!" Ja selbst dem Bauer. „Es könnte wohl den Anschein haben, meint Tolstoi, daß die Argrar- Das Zaiwdsrell. Bon Rabbiner Dr. M. Kahn in Eßlingen a. N. Zum Wochenabschnitt. Eine Fülle von Gütern ist in den Zelten Jakobs zu finden, apj?' 121V HÖ Auch das Volk Israel unterscheidet sich nicht von den übrigen Böllern, insofern es wie diese abhängig ist von der Erbe, von den Gaben, die der Erdboden spendet, eS angewiesen ist, ein Leben, angemessen der irdischen Natur, zu führen, und die Bedingungen des Daseins sich zu schaffen und zu verbeffern, wie alle anderen Menschen unter dem Himmel. Israel ist zunächst Jaakauv, der Mensch, welcher allen Zufällen und allen Leiden der übrigen Wesen unterworfen ist) Israels Häuser find auch MchtS Wetter als als Zette, die nicht für die Ewigkeit gebaut find, sondern nur eine Rast bieten für die kurze Zeit des Erdenwallens. Kn JakobS Zelten fühlt und leidet man ebenso wie in denen der übrigen »« JSrarNt frage sich ohne Rücksicht auf die Gleichberechtigung der Juden entscheiden ließe, da gewöhnlich, und auch nicht ohne gewissen Grund, die Eignung der Juden für den Ackerbau gering angeschlagen wird. Aber bei näherer Betrachtung der Dinge muß auch die Bedeutung der Juden für die Landwirtschaft vollauf anerkannt werden." Es ist eine Tatsache, die durch so und so viel Eingaben an die Regierung belegt ist, daß die Bauern, denen eine rigorose Austreibungs Politik die Juden genommen hat, nach und nach um ihre Existenz gekommen sind. Vom Juden holte sich der Bauer Rat und Auskunft bei der Anwerbung und Anbauung neuer Grundstücke, holte sich auch unter den denkbar günstigsten Bedingungen Geld zur Anschaffung der Saaten, zum Bau seines Anwesens, zur Erhaltung seiner Familie in Zeiten der Not. Der Jude ver schaffte ihm den Absatz für seine Bodenprodukte, erschloß ihnl den Getreidemarkt und vermittelte all seine Geschäfte. Mit dem Juden sah der weltfremde, mit der schwarzen Kunst der Buchstaben und Zahlen nicht vertraute Bauer alle Bedingungen und Vo,aussetzungen aus dem Dorfe ziehen, unter denen allein er noch bis dahin dem harten Boden einigen Erfolg abringen konnte. Die Folge war fast in allen Fällen der dringende Ruf : „Gebt uns unsere Juden wieder!" undwo dieser Forderung keine Folge gegeben wurde, vollständige Verarmung der Bauern, Verkümmerung oder Auswanderung. Einen ähnlichen Vorgang erleben wir jetzt, wie in einer Korrespondenz aus Petersbrrg in letzter Nummer des ausführlichen berichtet wird, in der Frage der jüdischen Kurgäste. Da wurde, ebenfalls im Interesse der Christen, den Juden der Aufenthalt in den Sommerfrischen verboten. Die Kurplätze liegen denn verödet da, und die christlichen Vermieter und Geschäftsleute können nun in ihren unfreiwilligen Mußestunden über die weisen Maßnahmen einer auf ihr Wohl und ihren Schutz bedachten Regierung Nachdenken, die vor lauter Fürsorge und Liebe ihnen den Verdienst nimmt, aus dem sie sonst das ganze Jahr ihr Leben fristeten. Die Judenfrage in Rußland ist eine der wichtigsten nationalen Fragen des russischen Volkes und von ihrer Lösung hängt das Schicksal, die Zukunft des Landes ab. Das wird von Tolstoi mit zwingender Logik durch die unerbittliche Gewalt der Tatsachen bewiesen. Und es fällt schwer, zu glauben, daß diese Stimme der Wahrheit bei dem heute so mächtig erwachten Nationalbewußtsein der russischen Intelligenz, bei ihrem sich immer intensiver kundgebenden Willen zur Tat und zur Macht unerhört bleiben könnte. Es darf freilich nicht verschwiegen werden, ' Bewohner, dieselbe Welt der Arbeit und der Tätigkeit, der Wünsche und Begehren hält ihren Kreislauf darin. Und doch ist in den Zelten Jakobs noch etwas anderes zu finden, 12V HÖ' „wie gut find deine Zelte" hat der große Menschen- und Völkerkenner Bileam ausgerufen. Es ist das „Stttlichgute", das Pflichtgefühl, das Bewußtsein, daß man in jedün Augenblick mit jeder Regung des Körpers und der Seele im Dienste des Ewigen steht, was Jakobs Zelte auszeichnet vor den.Zelten anderer Völker. Gott wohnt in den Zelten Echems. 2V Gott ist darin Herr und die Bewohner seine Diener- Diener, welche morgens und mittags und abends auf ihrem Posten stehen und zitternd besorgt find um den Willen ihres Schöpfers. Deshalb ruft der heidnische Seher bei dem Anblicke der in schöner und wohlgeordneter Reihe stehenden Zette nicht aus nö/ ,/wie schön find diese Zelte", wie man wohl hätte erwarten sollen. Nein, der große Hetdenprophet schaut tiefer, er blickt dcn Kern des israelitischen Volkstums, auf das innere Wesen diese- Stammes, und darum kämet sein Lobsprucb: fffc 1212, ,.wte gut, wie fiitlich ist man in diesen Zelten". Deshalb find dies keine keine flüchtig gebauten Zelte, welche des Abbruchs yarren, sondern „Wohnungen", für die Ewigkeit errichtet. Es find deine Wohnungen Israel, des Gottcskämpfers Wohnungen, die es für Gott errichtet hat. 221N2 VÜWI npö IttWl »Sie haben für ihn Heiligtümer errichtet, daß er „Wohnung" nehmen kann in ihrer Mitte." Gewiß, der Stoff, aus denen diese Zelte aufgebaut find, ist gleich dem der anderendie Bewohner darin find 2pV'/ Menschen, ringend und vergänglich wie alle Erdenbürger, aber die Richtung ihres Strebens ist nach einem hohen überirdischen Ziele ge- 1 9HiIt 1902 daß er, der scharfe gerechte Beobachter und Beurteiler sich hier und da, und namentlich zum Schluffe, da er von einer durch die Emanzipation bedingten Auflösung des Judentums spricht, einer Verkennung der inner jüdischen Verhältnisse schuldig macht, aber seine Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit heischenden Worte und Gedanken können dadurch an ihrer Werbekraft nicht einbüßen. Sie werden, sollten sie auch jetzt noch die Stimme eines Predigers in der Wüste sein, dermaleinst in einer von der Sonne allgemeiner Menschenliebe erhellten und erwärmten Zeit, die sie heraufführen helfen, zur vollen Geltung gelangen. ochrnrunöschan Im üfterreidiifdten Reithsrat. Tie Budgetdebatten im österreichischelt Abgcordnetenhause sind dieses Jahr von der R e - solution S ch m i d verschont geblieben, von der berüchtigten Resolution, die die Geistesverwandschaft der Christlich-Sozialen mit den E ch t r u s s c n offen vor aller Welt kundtat, und mit ihrer Forderung eines 'Ausschlusses der Juden von den staatlichen Schulet: einen Schandflecken iti der Geschicks" des österreichischen Parlamentarismus aller Zeiten bildet. Indessen verhielt sich der christlich-soziale Vertreter des praktischen Antisemitismus auch heuer nicht ganz untätig. Und konnte er auch mit keiner formgerechten Resolution aufwarten, so wußte er doch in der ihm eigenen Art so manche bittere Klage gegen die Juden anzubringen. Die jüdische Musik hat es ihm dieses Mal angetan und er jammerte unter lauter Zustimmung, seiner Parteigenossen über die Bcrjudnng der staatlichen Adusikakadcmie. Es muß den Abgeordtleten des Jüdischen Klubs zu Gute gehalten werden, daß sie auf solche Kindereien nicht ernstlich entgingen und sie einfach ignorierten. Wer aber darin etwa einen Fortschritt der jüdischen Abgeordneten nach der Richtung des parlamentarischen Taktes und der Fähigkeit, die galizischen jüdischen Massen zu vertreten, erblicken wollte, der wurde schwer enttäuscht durch die Rede des Abgeordneten Dr. Gabel, Der zum Gaudium der Schmid-Partei alle bereits aus dem Wiener Gemeindetage unternommenen Ausfälle richtet, und daher wird aus 2ptf' ein aus dem ein pttfc. Welche Umstände aber bewirk » diese Erhebung Jakobs zur Höhe eines Israel? Bileam hat sie in seinem Scharfblick erkannt. VE2TP7 pltP KTl' „Er sah Israel lagernd nach seinen Stämmen." Es war das treue Zusammenhalten derer, die gemeinschaftlicher Abstammung waren, die Farn! lientreue, und zwar in doppelter Hinsicht. Das Band zwischen Eltern und Kindern war ein starkes, die Sorge der Ettern für die Kinder eine nimmer endendeunablässig dachten jene nur an das Wohl dieser; alle ihre Bemühungen waren auf deren Erziehung zum Guten und Gottgefälligen gerichtet und auf die Förderung ihres Wohles und Glückes. Und die Kinder erkannten dies in Dankbarkeit an und gehorchten in frommer Ehrerbietung den Allen und wichen nicht von dem Wege, den ihre Erzieher sie gelehrt harten. Ste bewiesen treue Liebe, folgen den Eltern auch in ihrem Alter und brachten ihren Namen zu Ehren. Und wo zwischen Bater und Söhnen, zwischen Mutter und Töchtern ein so gutes Verhältnis herrscht, da ist auch Eintracht zwischen den Geschwistern, da werden viel Liebes¬ und Wohltaten geleistet, da steht man zu treuer Hilfe bereit und gerüstet da, einer hält den andern und sucht ihm nur Liebes und Gutes zu erweisen, Schaden und Böses von ihm abzuwehren. Und dte Fan.ittenlicb.- erweitert sich zur Anhänglichkeit an den Stamm und zur Treue gegen das ganze Geschlecht, p*)fp KT1) VtDSwb' so daß Israel sich zusammenschart und zusammen bleibt, wie es der Natur angemeffen ist, der Abstammung und der gemeinschaftlichen Art 13H p VfTDK JV2 bp VmnßWöb V'X Ivv) pl „Rechtlich lagerten ste, ihren Panieren entsprechend, und richtig zogen

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