Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1909)
- Date
- 1909-06-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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ib ht glß on: litt,?r!N N te erie l* t, n ir c°- ih n n / r e r r s Sette 18. Nr.^35. den Streit entweder gaW vermeiden, oder ihn doch nicht heftig werden lassen." (W. Z. f. j. Th. IV S. 338 f.) Diese Ausführungen Geigers, welche mit den pathetischen Worten schließen, daß er dem Herrn der Wahrheit sein Leben und fein Streben weihe, vergleiche man mit seinen hier zitierten Darlegungen aus den vorhergehenden Jahren, und man wird verblüfft sein über den plötzlichen tiefgehenden Wandel, der sich in der Gesinnung Geigers vollzogen hat. Was hat diese Sinnesänderung vollbracht? Der Inhalt einer simplen Zeitungsannonce, die am 13. April 1838 in der „Allg. Zeitung des Judentums" stand und lautete: „Erössnete Konkurrenz für eine Rabbinatsassessor-Stelle in Breslau. Das Unterzeichnete Kollegium beabsichtiget, die durch Quieszierung eines Mitgliedes des hiesigen Rab-- binatskollegii erledigte Stelle eines Rabbinatsassessors iDajan) bald wieder zu besetzen. Es wird für dieses hochwichtige Amt, innerhalb einer Gemeinde von mehr als 5000 Seelen, ein Gottesgelehrter von umfassender biblischer und talmudischer Gelehrsamkeit, von gründlicher wissenschaftlicher Bildung und von strenger Religiosität gewünscht, der außer den amtlichen Funktionen eines Dajan zugleich die Mhaltung allsabbathlicher belehrender und erbaulicher Synagogal-Reden in rein deutscher Sprache zu übernehmen im Stande ist. Das dem Rabbinatsassessor zu fixierende Gehalt und die mit seinem Amte verbundenen Emolumente sichern dem zu Erwählenden ein gutes Auskommen, und das allgemein und lebhaft sich aussprechende Verlangen nach religiöser Erhebung und Erbauung eröffnet dem gewissenhaften Seclenhirten einen überaus erfreulichen Wirkungskreis. Diejenigen Herren Theologen, welche um das gegedachte Amt sich gw bewerben geneigt sind, wollen ihre Gesuche mit Beifügung der nötigen Studien- und Rabbinats-Besähigungs-Zeugnisse innerhalb der nächsten drei Monate dem Unterzeichneten Kolligium zukommen zu lasten". Breslau, Ende März 1838. Das Obervorsteher-Kollegium der israelitischen Gemeinde." (Fortsetzung folgt.) ücherscha« a-in rmö tDBttö |tfn pbn pnr rrn n'w “iac rmrr pnr n*mo y'naai pnacn ymn b1 in Warn aiaS p"ptatsk fy'an lsrpbpöw .‘rpjm Hvyn p"pna* priyb jn: i'mn i:nn Die unter dem Titel pn2T ITO rühmlichst bekannten Responsen des Lemberger Oberrabbtners Rabbi Jzchak Schmelkes haben nun mit dem von besten Schwiegersöhne, Herrn Notar» Lewtn, Rabbiner in Rzeschau, herausgegevmrn 6. Band ihren Abschluß erreicht. Die früheren, noch zu Lebzeiten des Verfassers erschienenen fünf Bände haben bekanntlich nicht bloß durch den in ihnen oufgespcicherten immensen halachischen Stoff, sondern auch wegen der trefflichen Auswahl der aus aller Welt und a-ö dem vollen jüdischen Leben geschöpfte an ihn ergangenen Anfragen und deren ausführlichen Behandlung und lichtvollen Beantwortung den ihnen gebührenden Ruhm erlangt und eine wette Verbreitung gefunden. Der nun erschienene letzte Band dieser Responsenfammlung reiht stch würdig jenen 5 Teilen an. Derselbe enthält ebenfalls neben den Responsen eine Reche halachischer und agadischer fyiETH' die der Verewigte an Sabbaten Festtagen, wie auch bei sonstigen feierlichen Anläffen gehalten hat. Rabbi I. Schmelkes ^7 war auch ein hervorragender Redner, und seine agadtschen Borträge zeichnen sich durch eine elegante Sprache aus — was bekanntlich bei den großen Rabbtnen alten Stils nicht immer der Fall war —, vorzüglich aber durch eine geistreiche Interpretation zahlreicher Talmud- und Midraschstellen. — Dieser Band hat aber nebst den auch die anderen Teile kennzeichnenden Vorzügen noch eine Bereicherung seitens des ehrwürdigen Herausgebers erfahren. Diese besteht nämlich in den gelehrten Glosten und 'Vnn rnin mit denen Herr Rabbiner Lewin in pietätvoller " iiifliiViitf Iftf^ yrrt. -m _ Der Israelit._ Weise die Responsen seinegroßen Schwiegervater- ^"£7 versehen hat. Ferner noch in einigen seiner formvollendeten, gedankenreichen rtwm nebst zwei nHUDTl auf das Htnscheiden des Rabbi Schmelzes b"Xt und - ndlich in einer gediegenen Etnleituna, worin er m eingehender und anregender Weise das Wesen des jüdischen Rechtes zu beleuchten versucht. — Ein genaues sachliches Register wie auch die gute Ausstattung erhöhen noch den Wert diese- Bandes, der gleich feinen Vorgängern die weiteste Verbreitung verdient. Mähr. Schönberg. Rabbiner Dr. G. Rosenmann. Seelen und Ziele, Beiträge zum Weltverständnis, von Kurd Laßwitz. Leipzig 1908. B. Elischer Nachfolger. XI und 320 S. Kurd Laßwitz hat vor wenigen Jahren in einer Sammlung von Esiahs „Wirklichkeiten, Beiträge zum Weltverständnis" seine Ideen zu dm altm und moüemm Fragen der Weltanschauung in einer auch für gebildete Laten verständlichen und anziehenden Darstellung ausgeführt. Dieses Buch ist jetzt in 3. Auflage erschimen, und schon die Tatsache, daß in unserer Zeit ein Autor, der nicht mit Schlagwörtern und vlendmben Phrasen arbeitet, der die Welträtsel nicht spielend löst, der vielmehr die Probleme in daS rechte Licht stellt und von seinen Lesern Gedankenarbeit fordert, und der noch dazu Anhänger eines ethischen Monotheismus ist, eine solche Verbreitung erlangt, spricht für die Gediegenheit feines Wer'eS. In dem vorliegenden Buche „Seelen und Ziele ' behandelt Kurd Laßwitz zum Teil dieselben Probleme wie in den „Wirklichkeiten, und zwar auf Grund der neueren Fortschritte der Natur» wtffmschaften, zum Teil find es auch neue Gebiete, die er bearbeitet. Die Grundtendenz in allen setnm philosophischen Betrachtungm ist die scharfe Abgrenzung der beiden Gebiete der Naturnotwendigkeit und der Freiheit, in deren gegenseitigem Verhältnis er sozusagen das Problem der Philosophie steht. Notwendigkeit und Frecheit — betve find Wirklichkeiten, Realitäten, Tatsachen. In der Natur herrscht nach ihm absolute Notwendigkeit, und nur unter dieser Voraussetzung ist exakte Naturwiffenschast möglich. Aber ebenso real wie diese Notwendigkeit ist die sittliche F ethett. „Das Wollen des Einzelnen mutz ebensogut wie das Erkennen auf einer allgemein gültigen Form deS Bewußtseins beruhen, wodurch es erst möglich wird, daß die etnzelnm Menschen wollen und auch in ihrem Willen übereinstimmen können, daß es Sittlichkeit gibt, Forderungen des Gewissens. Diese Form ist die Freiheit. Wie bas Erkennm des Wahren auf die Notwendigkeit, so gründet sich das Wollen des Guten auf die Freiheit. Die Freiheit ist also keine subjektive Illusion, sondern eine allgemeingültige Bedingung für die Existenz wollender Wesen" (S. 803). Die Bereinigung dieser beiden Ge iete aber ist gegeben in dem Ich. Wir können sie nicht begreifen, aber sie ist nichtsdestoweniger voll ommen gewiß, denn wir erleben sie fortwährend in unserem eigenen Bewußtsein. Unsere Aufgabe aber ist es, die gemeinsame Stellung zu deibm Welten mit freier Würde zu behaupten. — Die Brücke zwischen den beidm Weiten der Naturnotwendigkeit und der Freiheit steht Kurd Laßwitz mit Schiller in der Idee der Schönheit. Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung (S. 305). Die Selbstbeschränkung, wie sie der Künstler im künstlerischen Schaffen üben mutz, soll der Mensch auf daS sittliche Gebiet übertragen und soll sich damit unabhängig machen von den endlichen Bedingungen der Natur, er soll sich emporarbeiten zur sttttich freien Persönlichkeit. — Bon diesem Standpunkt aus betrachtet Kurd Laßwitz die vtelgestalttgen Probleme des Daseins. Bon den neueren Philosophen find es in erster Linie Gustav Theodor Fechmr uno Kant, deren Ideen er sich zu eigen machtso akzeptiert er auch des ersteren phantafievolle Theorie von der Beseeltheit der Planet» n. Im emzelnen wird man natürlich manchmal seinen Ausführungen nicht zustimmen können. So ist z. B. die Art, wie Kurd Laßwitz, der unbedingter Anhänger der Deszendenztheorie ist, über das Problem der Urzeugung hm »egjukommen sucht, meines Erachtens entschiede., unhaltbar. Aus der Tatsache, daß es bisher auf keine Weise gelungen ist, zu erklären, wie das Lebendige aus dem Unorganischen entstanden sei, folgert er, daß die Form des organischen Shstens, bas Leben, das Ursprüngliche ist, freilich nicht das individuelle Leben, so dern das Leben der Planeten. Das ist aber nur eine Verschiebung deS Problems und keine Erklärung der wissenschaftlich erwiesenen Tatsache, daß a u f dieser Erde zuerst daS Unorganische und dann erst das Organische vorhanden war. — Auch wenn er die Forderung der Autonomie der Vernunft so sehr in d.n Vordergrund stellt, so übersieht er, daß die zahllosen Versuche einer wissenschaftlich begründeten Ethik bisher noch zu keinem befriedige, den Resultat geführt haben. — Aber auch da, wo man anderer Meinung sein kann, find seine Ausführungen geijivoll und durchdacht, . nd es wäre gut, wenn derartige Bücher ein großes Lcsepublikum fänden. Dr. I. U. Graf Cohn. Roman von Paul Langenscheidt. Groß- Lichterfelde-Ost, Verlag Dr. P. Langenscheidt. 4 M. Der Roman gibt die Geschichte deS Berlagßbuchhändlers Isidor Cohn, der sich vom Sohn eines braven, frommen jüd scheu Buchhändlers zum abtrünnigen Asfimila tcn zum Täufling, zum schä blichen Protz, zum Betrüger entwickett. Unter den furchtbarsten Demütigungen, die er feige auf sich nimmt, wenn eS gilt, dem strahlenden Ziele — in der Hofgesellschaft Eingang zu finden — um einen Schritt näher zu kommen, gleitet er immer rascher auf der abschüssigen Bahn herab, an deren Ende Tod und Verderben seiner harren. Kaum sympathischer als dieses 34. Juni 1909. verachtungswürdige Geschöpf find aber jene ' „feinen Kreise", bei denen sich Isidor durch Selbsterniedrigung und protzenhaste Geldderschleuberung Eintritt verschafft hat. Und wenn auch der Jude die Demütigungen, die bald wie Keulenschläge auf ihn herniedersausen, bald wie offene oder versteckte Nadelstiche ihn zu verwunden suchen, zuweilen wie ein Dickhäuter, zuweilen wie ein geschmeidiger Aal zu ertragen versteht, ohne stch ve anlaßr zu fühlen, andere Weqe einzuschlagen — so ist es doch fraglich, ob nicht jene Kavaliere und Hofdamen mit ihrem untadeligen Benehmen von dem Verfasser mir noch größerem Hohne, noch tteferer Verachtung gezeichnet nnb. Und Langenscheidt versteht zu verachten und zu Haffen. Sein Haß ist so glühend, daß er beide Elemen e, den Juden aus wahrhaft adligem Stamme, der stch an lockende „Vornehmheit" wegwirst, und die Gruppe von Kavalieren, die stch solche Eigenschaften eines Verworfenen zunutze macht und ihm sogar eine Frau opfert, m diesem Roman mtt fast zu grellen Farben beleuchte, die sie zu widerlichen Karikaturen werden lassen. Mt Schonung und einer gewiffen respektvollen Zurückhaltung behandelt Langenscheidt dagegen jene exklusiven Kreise, deren Vornehmheit der Gesinnung meist nicht anzuzweifeln ist, und die grundsätzlich einer Vermischung mit jüdischem Blut abweisend gegenüberstehen. Und mit wahrer Liebe und Hochachtung spricht er andererseits von dem alten, ftommen Vater Isidors, der „seinen Glauben wie ein Adelsschild vor sich hertrug". Wer sich selber treu bleibt, dem gilt des VerfafferS Sympathie. Doch was sich wegwirft, was sich ftemdarttgem Wesen anzubtedern sucht, was stch auS materiellen Gründen solchen Anbiederungsversuchen gegenüber entgegenkommend verdält, das ist ihm die Quelle ttefen Ekels, den er nun reichlich den Leser auskosten lätzr. Stellenweise wirkt die Karikatur ebenso abstoßend wie die Sinnlichkeit, mtt der manche Szenen erfüllt find. Und doch! Gerade dieser scheinbare Mangel erweckt unser eigentttches Interesse an diesem Roman. Denn gerade die übertrieben stark aufgetragenen Einzelheiten in den Phasen von JfidorS Entwicklung, gerade diese Demüttgungen, wie sie sich in ganz kleinen Szenen und scheinbaren Nebensächlichkeiten, ja in einzelnen Worten darstellen, find so trefflich erfaßt und festgehalten, so glänzend der Wirklichkeit abgelauscht, daß eS wohl oft notwendig erschien, fie mit dem BergrößerungSglase zu betrachten, um den Leser, der die Psychologie solcher Situationen nicht kennt, zu ihrer Beachtung und Erfaffung zu führen. So ist denn oft etne psychologische Feinheit im Gebahren dieses Asfimilanten, die nur ein scharfstchtiges Auge lächelnd erhascht, vor dem geehrten Puvltkus zu einer breiten Szene ausgetreten. Aber' sicher gewinnen wir lehrreiche Einblicke in daS Seelenleben eines abtrünnigen Juden. — Wer den Roman nur als Kunstwerk betrachten will, wird fteilich zu keinem günstigen Endurreil gelangen. Nur die dramatische Kraft einze.ner Szenen wird er rühmen müssen. Sb. affin nfftftt nöD Leser Maasfei Chostheb („Die Praxis des Rechners"), ein hebrätfch-artthmettsches Werk des R. Levi b. Gerschom aus dem Jahre 1321zum ersten Male herausgegeben und ins Deutsche übertragen von Dr. H. Lange, Direktor der Realschule -er Israelitischen ReltgionSgesellschast zu Frankfurt a. M., 1909 (Programm- Beilage). R. Levi den Gerson (y'2^'”]), welcher besonders durch seine exegetischen und philosophischen Werke bekannt geworden ist, hat auch auf dem Gebier e der Mathemattk und besonders der Astronomie Hervorragendes geleistrt. Im Alter von 33 Jahren hat er im.Jahre 1321 das obengenannte arithmetische Werk versagt. Diese Schrift ist nunmehr zum erstenmale von Herrn Direktor Dr. Lange unter Benutzung dreier Handschriften herausgegeben und inS Deutsche übertragen worden. Das Werk zerfällt m zwei Teile, einen theoretischen und einen praktischen. Im ersteren werden 68 arithmetische Sätze bewiesen, welche eme Grundlage für den zweiten Teil bilden. Dieser ent» hält in sechs Kapiteln: 1. Addition und Subtraktion- 2. Multiplikation, zu der auch die Quadrierung gerechnet ist- 3. Addition aruhmetischer und geometrischer Reihen - 4. Kombinatorik- 5. Division und Radizierung- 6. Proportion. Die Schrift bietet insbesondere für die Geschichte der Mathemattk vreie- Jntereffante. Der Herausgeber,, der auf mathematischem Gebiete Fachmann. rst, hat stch durch diese Edition unr »ie mathematische Wissenschaft ein großes Verdienst erworben. Er hat mit vielem Fletg und Geschick die Schrift wortgetreu ins Deutsche übertragen, mit erläuternden Anmerkungen versehen und fie dadurch weiteren, des Hebräischen unkundigen Kreiftn zugänglich gemacht. Bon besonderem Nutzen ist daS beigegebene alphabetische Register der in dem Werke vorkommenden termini. Einige kretne Ausstellungen mögen hier Platz finden. Im Titel befremdet die Schreibung „Maassei" gegenüber „Choscheb". Aus Seite XIII des c-orrvorts wird die Abfassung der Wiener Handschrift ins Jahr 1462 gesetzt, währenb aus Note 213 lhebrätsch Seite 96) das Jahr 1552 hervorgeht. Im Register lst J-JEIÖ 5U ergänzen und bei EHE? die Bedeutung „Grundsatz" (vergl. hebräisch Lette 1). Diese kleinen Versehen beeinträchtigen natürlich ven hohen Wert des Ganzen in keiner Weise. L.öge das Werk in den wiffenschaftlichen Kreisen recht weitgehende Beachtung findm. Sbg. rftBn