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Der Israelit · 1909-06-24 · Heft 25 (24.6.1909) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 25 (24.6.1909)
Date
1909-06-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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24. Juni 1909 Der Israelit. Seit » Seite allzu häufig angewendet worden sei, beginne die junktürktschen Kreise nervös zu machen. Es sei eine Petition an die Kammer gelangtem der entschieden verlangt wird, daß jede künftige jüdische Einwanderung in Palästina zu verhindern sei. Die Petition wird soeben in einer parlamentarischen Kommission geprüft. Auch wird von beängstigenden Bewegungen der arabischen Bevölkerung Palästinas gegen die Juden berichtet. Die jüdischen Parlaments- Abgeordneten sollen — so wird weiter bemerkt — angesichts dieser Strömung umso kräftiger daraufhinarbeiten, daß die jüdischen Einwohner Palästinas so rasch wie möglich türkische Staatszugehörigkeit erwerben. Diese Nachrichten erhalten angesichts des bekannten anti-zionistischen Pronunciamentos im Jahresbericht des Geheimrat Goldberger an die Berliner Alliance einen eigentümlichen Beigeschmack. Man wird abzuwarten haben, ob jene Bemerkungen im Jahresberichte auf besonderen Informationen aus dem Orient beruhten, oder ob umgekehrt die Informationen aus der Berliner Ansprache entstanden sind. (Angesichts der obigen Nachrichten gewinnen die Ausführungen des an leitender Stelle abgedruckten Artikels besondere Bedeutung, wenn wir unsererseits auch keineswegs daran glauben können, daß das türkische Nationalgefüht schon jetzt eine so bedenkliche Anähnelung an unseren westeuropäischen nationalen Chauvinismus aufweist. Red. des Jsr.) London, 20. Juni. Aus Anlaß der 70jährigen Geburtstagsfeier des Chief Rabbi of England, versammelten sich 120 Rabbiner aus allen Teilen des britischen Reiches zu einer gemeinsamen Konferenz. Die Konferenz, trug den Charakter einer Festversammlung zu Ehren des Chief Rabbi. Nach Annahme einer Begrüßungsresolution an den Jubilar, wurde die Frage eines engeren Zusammenschluffes der Rabbiner des britischen Reiches besprochen. Nach eingehender Debatte wurden folgende einhellige Beschlüsse gefaßt: Die Konferenz anerkennt die Notwendigkeit zeitweiliger gemeinsamer Konferenzen der Vertreter des englisch-jüdischen Rabbinerstandes. Die erste solche Konferenz soll, wenn das eingesetzte Organisationskomitee es für gut hält, innerhalb der nächsten sechs Monate abgeh alten werden. In das Organisationskomitee zur Vorbereitung der ersten meritorischen Rabbinerkonferenz wurden gewählt die Herren Rabbiner: G. I. Eman u e l-Birmingham, die Dajanim H y a m s o n und Feldmann, ferner M. Abrahams-Lenda, M. Adler, B. Berliner, A. Chaikin, B. I. CoHen-Scheffield, Dr. Salis Daiches- Sunverland, S. Frindeberg-Liverpool, Dr Gollanz, A. A. Green, M. Hast, A. C. Jacobs-Brighton. gvankreiäj. Paris, 18. Juni. Die Jahreskonferenz des Französischen Rabbinerverbandes, die unter dem Vorsitze des Grand-Rabbin Alfred Levy ftattfand, beschäftigte sich dieses Jahr erfreulicherweise nicht mehr mit der durch die Intervention des Barons Edmund von Rothschild von der Tagesordnung abgesetzten Ehereform; dagegen wandten die Herren ihre Aufmerksamkeit der Frage der „Minjan-Fähigkeit" zu. In echt französischer Ritterlichkeit plaidierte der Referent dafür, daß den Frauen das Recht zur Komplettierung, deS „Minjan" zugestanden werden solle, wagte jedoch zu einem formellen Anträge nach dieser Richtung sich nicht aufzuschwingen. Dre Diskussion über die Vorschläge wurde bis zum nächsten Jahre aufgeschoben. Was die Konferenz sonst beschäftigte, ist von überraschender Originalität: „Piutim", Wiederholung der Schemone- Essredreijähriger Cyclus — fast alles alte Ladenhüter der seligen Reform. — Dabei wurde merkwürdigerweise von einem der Anwesenden angeregt, einen Rabbiner, der „Reformen in den Gottesdienst" einführt, — gemeint ist der Grün der der neuen „liberalen Sonntags-Religion", Mr. Lewy — offiziell zu tadeln. Selbstverständlich fand dieser Antrag keine Annahme. Rumänien. B u k a r e st, 9. Juni. Die rumänischen Aerzte und Apotheker haben beschlossen, sich an dem internationalen Aerzte-Kongreß, der in Budapest stattfindet, nicht zu beteiligen. Es ist dies eine Demonstration gegen die Politik der ungarischen Regierung, die für die rumänischen Staatsretter nicht daS rechte Verständnis hat und sogar soweit gegangen ist, den rumänischen Demagogen Prof. Jorga auszuweisen. Jorga ist ein Antisemit der denkbar ärgsten Sorte. Er hetzt gegen die Juden in heftigster Weise und kennt kein Gesetz der Menschlichkeit, das auf Juden angewendet werden dürfte. Er hat nicht nur die Ausweisung von Juden geduldet und gebilligt, sondern er hat auch die Ausweisung von Rumänen geduldet, die ihrer Rechte beraubt worden sind, viele nur weil sie sich nicht zum antisemitischen und chauvinistischen Dogma bekannten. Herr Jorga wird wahrscheinlich gegen die Ausweisung Berufung einlegen. Ein wirklich Fremder kann eben in Oesterreich nicht ohne weiteres ausgewiesen werden, in Rumänien kann aber ein einheimischer Jude, ohne Grundangabe, ohne Beschwerderecht, aus seinem Berufe heraus und seiner Familie entrissen werden. Wird Herr Jorga, der ja geschworen hat, daß er kein Antisemit sei, etwas aus seinem neuesten Erlebnisse lernen? (Siehe Wochenschau. Die Red.) Jassy, 20. Juni. Sämtliche jüdische Weingarten-Pächter aus den Jassy benachbarten Gemeinden wurden aufgeforoert, sofort die Gegenden zu verlassen, obwohl sie schon seit 30 und mehr Jahren dort ansässig sind. Diese Aufforderung wird damit begründet, daß den Juden der Aufenthalt in den Dorfgemeinden verboten ist. Es herrscht große Panik unter der jüdischen Bevölkerung, die nun ihr ganzes Hab und Gut in Gefahr sieht. Die Juden haben sich an die oberen Behörden telegraphisch gewandt, es wurde ihnen aber geantwortet, daß dies eine Angelegenheit der Dorfgemeinden sei. Vatästirra. contra Nntebi. Jerusalem, 10. Juni. Seit einigen Wochen führr der „Hazwi" B-n Jehudas einen scharfen Feldzug gegen Herrn Antebi. Selbstverständlich sind es nicht religiöse Motive, die den Herausgeber des radikalen Organs unserer Jungjuden zu seinem Kampfe veranlassen — in religiöser Beziehung würden sich die beiden Gegner einander nichts vorzuwerfen haben — sondern sog. soziale Momente, die Benjehuda gegen Antebi ins Feld führt. Die Bewegung gegen den allmächtigen Alliance-Vertreter hat nun auch zu einer Volksversammlung geführt, in der einige hundert Personen sich zu einem Proteste gegen Antebis Willkürherrschaft zusammensanden und die alsdann ein Telegramm, das die Abberufung Antebis fordert, nach Paris richteten. Die ganze Versammlung hatte sehr wenig Imposantes an sich, und es ist natürlich ebenso klar, daß man ein paar Hundert von Antebi zurückgesetzten oder irgendwie beleidigten Leuten jederzeit auftreiben kann, wie es auch selbstverständlich ist, daß Tausende gegen den Leiter der Jca-Darlehenskaffe überhaupt nicht öffentlich aufzutreten wagen. Wir können von unserem Standpunkte auS dem Ausgange der Campagne im Angenblicke ziemlich ruhig zusehenein etwaiger Nachfolger Antebis würde, wenn er dem Alliance-Geiste entspricht, vermutlich auch nicht viel besser sein als der jetzige Machthaber. Charakteristisch ist nur, daß Antebi von Leuten unterstützt und gehalten wird, t ic im Waad Kol Hakaulalim eine Rolle spielen und die keine Ahnung davon zu haben scheinen, wie sehr sie das gesetzestreue Judentum durch ihre unwürdige Diplomatie in den Augen der Gesamtheit heraosetzen. Diese jüdischen „Diplomaten" werden die unheilvolle Ernte ihrer Wirksamkeit wohl bald selber reifen sehen. vermttcdter. Frankfurt a. M., 20. Juni, ordnung vom 4. März 1896 über Bäckereien und Konditoreien, jedes Gehilfen die Dauer von rechnung einer Pause von 1 nicht überschreiten. Die Zahl beitsschichten darf nicht mehr Nach einer Verden Betrieb von darf die Arbcitsschicht 12 Stunden (bei Gn- Stunde 13 Stunden) der wöchentlichen Urals sieben betragen. Gegen diese Bestimmung hatte eine Anzahl jüdischer Bäckermeister verstoßen. Sie hatten ihre Gesellen an jedem Freitag und an den Tagen vor den jüdischen Feiertagen bis zu 15 Stunden beschäftigt. Die Benagten machten durch ihre Verteidiger darauf aufmerksam, daß die Gehilfen zwar an den fraglichen Tagen zwei bis drei Stunden länger beschäftigt worden seien, daß sie aber dafür am Samstag und an den jüdischen Feiertagen, sowie an den Sonntagen und allgemeinen Feiertagen von jeder Arbeit befreit seien und an diesen Tagen vollen Lohn empfingen. Sic arbeiteten also wöchentlich noch lange nicht 84 Stunden: eine Zuwiderhandlung gegen das Gesetz liege nicht vor. Aus religiösen Gründen müsse an den erwähnten Tagen einige Stunden länger gearbeitet werden, damit man die Arbeit noch rechtzeitig vor Beginn des Festtages erledigen könne. Ein Zwang hiergegen bedeute einen Eingriff in die religiöse Gewisscnsfteiheit, die doch durch die preußische Verfassung gewährleistet sei. Das Schöffengericht schloß sich dieser Ansicht an, sprach die Angeklagten frei und übernahm auch die Kosten der Verteidigung auf die Staatskasse. Homburg v. d. Höhe, 21. Juni. Die Tagesblätter berichten über eine Gerichtsverhandlung gegen den Metzgermeister Lubwig Kahn von hier, der wegen Widerstands gegen die Schlachthofbeamten zu 20 Mk. Geldstrafe verurtettt wurde. Um aller Legendenotlbung vorzubeugen, sei der Tatbestand hier authentisch festgestellt. Metzgermeister Ludwig Kahn von hier ließ einen Ochsen schächten. N a ch der NV'NV schlug das Tier mit dem Kopfe so heftig, daß eS dem Burschen schwer fiel, den Kopf so fest zu halten, wie es der Schlachtbofdirektor wünscbt. Durch mehrmaliges Ausschlagen des Kopfes auf dm Zementbodm geschah eS nun, daß die eine Hornschale sich loSlöste und ausfiel. Obwohl daS Tier schon fast vollständig auSgeblulet hatte und die immer schwächer werdenden Bewegungen darauf hindeuteten, daß der völlige Tod nach wemgen Sekunden eintretm mußte, erblickte der Schlachthofdtrektor in dem Borgang eine Tierquälerei und beauftragte dm Hallenmeister, auf daS Tier noch etnm Schuß abzugeben. Als fick der Hallenmetster mit dem Schußapparate dem Ochsm näherteum dem Befehle deS Direktors nachzukommm, stellte sich Kahn so vor dm Kopf seines Ochsm, daß es dem Hallenmetster nur unter Gefährdung von Mmschmlebm möglich gewesen wäre, etnm Schuß avzugebm. Auch der Direktor selbst griff zum Schußapparat, natürlich mit demselben negattvm Erfolg. Nun packte der Hallenmetster dm Kahn an der Brust, mit solcher Gewalt, daß Kahn zurücktaumelte und Bluse und Schürze desselbm dabei in Stücke gingen. Natürlich stürzte stch Kahn sofort wieder auf sein Tier, sodatz man gar nicht zum Schießm kommm konnte. Während dieser Hin- und Herzerrerei war daS Tier längst verendet. Daß Kahn fich gegm dm Hallenmeister gestellt hätte, wie in der Berufungsinstanz settmS der klagenden Partei behauptet wurde, ist vollständig unrichtig, da Kahn nur darauf bedacht war, feinm Ochsm vor dem Gchuffe zu schützen; denn die Tötung deS Tieres durch den Schuß hätte Kahn einen nicht unbedmtmbm pekuniären Verlust verursacht. Bet der Schöffengerichts-Verhandlung hier in Homburg wurde Kahn wegen Tierquälerei fretesprochen, wegen Widerstands gegen deu allen« et st er dagegen zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt. DaS Urteil wurde von der Strafkammer Frankfurt a. M. bestätigt. Berlin, 17. Juni. Durch Erlaß des Herrn Eifenbahnministers ist dem jüdtschm Frauenbund gestattet worden, Plakate zum Schutze allnnreismder jüdischer Fraum und Mäd rm in dm Wagenabteilm dritter und vierter Klaffe in dm Personenzüaen der prmßisch-hesfischm Staatsbahn auSzuhängm, ebenso, wie das seitens evangelischer und katholischer Mädchmschutzveretne seit langem geschieht. Aiel, 18. Juni. Auf Anordnung der Baupolizei wurde der Bau der Synagoge an der Humboldtstraße btS zur wetterm vautechnischen Untersuchung eingestellt. Es zeigten stch an dm Hauptpfetlern, die die großen Bogm von 7 Meter Wette stützm, Riffe. Haren a. Ems, 13. Juni. Heute wurde durch dm Herrn Lanbradbiner Dr. Löb-Emdm in Gegenwart einer nach vielm Hundertm zählenden Mmge aus allm Schichten der Bevölkerung die nme Synagoge etnaewetht. Als Vertreter der Staatsbehörde wohnte Herr Landrat BehneS-Meppm dem feierltchm Akte bet. Eydttuhue«, 20. Juni. Bei der vor Kurzem stattaefunbmen Grundsteinlegung deS jüdischen Sltersversorgungshetms Qijpf 2VNV in Willkowischken, an der auch der dortige Natschalnick lllfllHiiiiiiAlilliilliil II I '1 .r*-v- ‘/f-

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