Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1909)
- Date
- 1909-06-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449352-2449378--65632-2508281- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
24 Juni 1909 LDfCi. Morrespondenzen und Nachrichten. Derrtstye« MeUtz. Frankfurt a. M., 21. Juni. Der in Nummer 23 veröffentlichte Artikel „Provinzialverbände und Religionsunterricht" hat, wie nicht anders zu erwarten war, ziemlich starken Widerhall gefunden und uns u. a. eine längere /Berichtigung" seitens des gar nicht angegriffenen Borsitzenoen des „Vereins ostpreußischer Religionslehrer", Herrn Jakob Sturmann in Osterode, eingetragen, der wir die sachlich wichtigsten Stellen entnehmen. Herr Sturmann möchte Folgendes festgestellt wissen: „1. Der Ostpreußische Synagogenverband ist vor 29 Jahren, unabhängig vom „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" ins Leben gerufen worden und erst später in Verbindung mit dem Gemeindebund getreten. 2. Es Lst unrichtig, daß der Verband überzeugungStreue Und kenntnisreiche Beamten verdrängen will. Tie Leistungen dieser alten, frommen Kultusbeamten werden im Gegenteil auf jedem Verbandstage anerkannt. 3. Es ist unrichtig, daß der Begriff „seminaristisch geprüfter Lehrer" für Ostpreußen gleichbedeutend sei mit „Zögling des Berliner Lehrerseminars." 4. Mir in kleinen und armen Gemeinden, die vom Verbände einen Zuschaß beanspruchen, sucht letzterer bei eintretender Vacanz einen seminaristisch geprüften Lehrer zu empfehlen und wendet sich, um solchen zu erlangen, an alle Seminare, ebenso wie nach Berlin so auch nach .Cöln, Hannover usw. In unserer Provinz wirkt mit Unterstützung des Verbandes nur ein einziger Lehrer aus dem Berliner Lehrerseminar, und gegen dessen religiösen Lebenswandel ist nichts einzuwenden. 5. Die ostpreußische Schul - Inspektion, aus Rabbinern und Lehrern aller Richtungen zusammengesetzt, besteht seit 1883, und die Inspektion ist trotz der Regierungsverfügungen eine freiwillige; eine jede Gemeinde kann sich ihren Jnspicienten wählen, der ihrer religiösen Anschauung nahesteht. Die Inspektion wählt von Zeit zu Zeit unter sich einen Vorsitzenden. Der derzeitige Vorsitzende, Herr Dr. Vogelstein in Königsberg, denkt nicht daran, die Jnspicienten in ihrer religiösen Ueberzeugung zu beeinflussen. Ihm liegt nur die äußere Geschäftsordnung und Berichterstattung ob. Diese regelmäßige Inspektion ist zum Segen unserer Gemeinden und unserer Schulen geworden." W i r haben hierauf Folgendes zu erwidern: 1. Wie der ostpreußische Synagogenverband entstanden ist, scheint uns gleichgültig; heute ist er, wie die uns vorgesührt werden, wirken durch sich selbst. Die Erzählung spielt in einer kleinen Gemeinde, in der altjüdische Frömmigkeit etwas Selbstverständliches ist, das gar nicht erst betont zu werden braucht. Der ganze Gang der Handlung dreht sich um bas „Recht", den Hawdoloh-Wein für die Synagoge zu liefern, das ein Gemeindemitglied, Jekef Levi, durch eigene Schuld verloren hat; Jekefs Sohn aber, Schmusche, der Held der Erzählung, glaubt, daß seinem Vater Unrecht geschehen sei, und setzt nun alles daran, um das Familienrecht wceder zu gewinnen. Schon diese Wertschätzung eines Rechtes, das nur eine ideale Bedeutung hat, zeigt den Geist, von dem diese altväterlichen Juden beseelt sind. Und auch sonst ist das Buch reich an charakteristischen Schilderungen altjüdischen Lebens. Ich erwähne nur die Darstellung des Lernens in der Chewro, der Feier des Simchas Thora, der Festlichkeit beim Einzug ins neue Haus, ferner die Ausführungen über den Machazis Haschekel, über das „Schütteln", und die.wirklich gemütvolle Schilderung deS Freitag-Abend. Die jüdische Jugend weiß ja heutzutage vielfach gar nichts mehr von diesen Dingen, und deshalb sind gerade solche Darstellungen von besonderem Wert. Dabei sind es fast durchweg gute, liebenswerte Menschen, denen wir begegnen, und wir erkennen an ihnen deutlich den versittlichenden Einfluß der altjüdischen Religiosität. Wir können nur lebhaft wünschen, daß das Buch recht viel Verbreitung finde, und daß der Verfasser dadurch zu weiterem Schaffen in dieser Richtung ermutigt werde. (Dolmen um Jerusalem.) In der „Umschau" schreibt Pros. Dr. Killemann: „Wie wir aus dem alten Testamente wissen, haben die Israeliten überall, tvv wichtige Ereignisse stattfanden, steinerne Denkmäler errichtet, um bas Gedächtnis an dieselben brr Nach- _ Der Israel«. '__ die offiziellen Berichte des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" beweisen, eine Unterabteilung des letzteren. 2. Wir haben weder behauptet, daß der Verband gerade „überzeugungstreue und kenntnisreiche" jüdische Beamten verdrängen will, noch auch daß er etwa versuche, die bereits angestellten ungeprüften Kultusbeamten um ihr Brot zu bringen; behauptet haben wir vielmehr, und das halten wir nach wie vor, auftecht, daß der Verband, soweit es ihm nlöglich ist, die Gemeinden daran verhindert, ungeprüfte Kultusbeamten anzustellen, und daß er dadurch de facto in der Richtung wirkt, Stellen, die sonst mit überzeugungstreuen und kenntnisreichen russisch-jüdischen Beamten besetzt würden, Zöglingen des Berliner Seminars auszuliefern. Es liegt in der Natur der Sache, daß schon aus geographischen Gründen, selbst wenn der Verband ganz unparteiisch zu Werke geht, für Ostpreußen der Begriff „seminaristisch geprüfte Lehrer" mit demjenigen „Zöglinge des Berliner Seminars" ziemlich identisch ist. 4. Es ist unrichtig, daß der Verband sich daraus beschränkt, seminaristisch gebildete Lehrer zu empfehlen. Er zwingt vielmehr — gleich dem D. I. G. B. — tote Gemeinden zur Anstellung solcher Lehrer dadurch, daß er seine finanzielle Unterstützung davon abhängig macht. Hierfür liegen uns die aktenmäßigen Beweise vor. 5. Eine Schul-Jnspektion, in der radikal-neologe Rabbiner und Lehrer eine autoritative Rolle spielen, kann nach unserer, wie wir glauben, auch von jedem überzeugungstreuen Juden geteilten Ansicht, niemals „ein Segen sür die Gemeinden" sein, möge sie dem oberflächlichen Blicke auch noch so einwandfrei erscheinen. Daß selbst konservative Lehrer für diese Tatsache blind sind, ist die bedauerliche Folge einer durch jahrelange Gewohnheit erzeugten Gleichgültigkeit gegen religiösen Abfall und religiöse Leugnung. Wenn der Einsender der Berichtigung die ostpreußische Schulinspektion trotz der Regierungs- Verfügungen als eine „freiwillige" ansieht, so ist diese „Freiwilligkeit genau so einzuschätzen, wie die „Freiwilligkeit" kleiner Gemeinden, die sich von den subventionierenden Verbänden „empfohlen^ Lehrer aufdrängen lassen. Wo sich die Autorität der Regierungsbehörde mit dem Uebergewicht der sozialen und finanziellen Machtstellung wie in dem vorliegenden Falle vereinigt, und wo diese beiden autoritativen 5kräste leider naturgemäß in die Wagschale des „liberalen" Judentums fallen, da hört für kleine notleidende Gemeinden die religiöse Gewissensfreiheit auf, und es ist die Pflicht der gesetzestreuen Presse, gegen solche Mißstände Einspruch zu erheben. Daß die neologen Leiter des ostpreußischen Provinzialverbandes bei ihren Bestrebungen von dem besten Willen geleitet sind, dem Judentum, wie sie es verstehen, zu nützen, bestreiten wir wicht. ES liegt eben in der Natur der Dinge, nicht in den subjektiven Absichten der Personen, daß diese wohlgemeinten Bestrebungen dem überlieferten Judentume zum Fluche gereichen müssen. welk zu erhalten. So pflanzte Jakob zu Bethel einen Stein aus und Josua ließ zu Gilgal und im Jordan, nachdem er ihn glücklich mtt seinen Heerscharen überschritten und Jericho erobert hatte, 12 Steine auf- - stellen. Ebenso wurde von Samuel nach seinem über die Philister errungenen Siege in Mizpa ein „Stein der Hilfe" gesetzt. Manche dieser uralten Denkmäler haben sich bis zum heutigen Tage erhalten. Ich glaube auch, als ein solches einen eigentümlichen Steinhaufen ansprechen zu dürfen, der sich ans dem Platze des gegenwärtig im Bau begriffenen Deutschen Evangelische»: Hospizes in der Nähe von Jerusalem befand. Er lag links von der Straße, die ans den Oelberg führt, in einer Oeduna. Der Umkreis, den der Hausen hatte, betrrtg einige Meter. Die Steine lagen zerstreut um einen, den größten und ebenmäßigsten, der mit einer Höhe von 1 Meter und einer Brerte von 50 Zettrimeter aufrecht staird und alle überragte. In einiger Entfernung sah man noch einige solcher Steinhaufen, aber nicht so regelmäßig w'e der genannte, der durch den Bau nun sicher verschwunden ist. Das Gesteinsmaterial unterschied sich beim ersten Blick von der Bodenunterlage. Es war von rötlicher Farbe, eigentümlich glasigem Glanze und kantigem Bruche. Man könnte es für Porphyr halten. Palästina gehört geologisch zur Kreidezeit und ist zum größten Teil Kalkgebirge und Kalkplateau. Woher mag nun das fremdartige Gestein, dessen Masse gewiß einige hundert Zentner beträgt, geschleppt worden sein? Sollte es von der sinaitischen Halbinsel stammen, die bekanntlich aus Urgestein sich ausdaut, auch Porphyr und Schiefer birgt? Wir alle, die d'e Steinsetzung sahen, sprachen sic für „Dolmen" an. Solch: sind um Jerusalem jetzt mehrfach nachgewiesen Der erste, der auf sie aus- No. 25. Seite 5. „nun erfl recht.. Bon unserem Korrespondenten.) E. B. Berlin, 22. Juni. Der Zorn ist ein schlechter Berater. Diesen allen Weisheitssatz, den sie in der ersten Erregung über die unerwartete Annahme des Antrags Friedmann auf dem Gemeindetag völlig vergessen, haben die Matadore des Organisationsgedankens inzwischen beherzigen gelernt, und statt, wie sie im ersten Augenblicke drohten, nicht weiter mitzutun, find sie jetzt vielmehr eifrig bemüht, den heillos verfahrenen Karren der Konfistorialverfaffung durch allerlei gewagte und gewalffame Kunststücke wieder in das „richtige" Gleis zu bringen. Und da ja bekanntlich nur der erste Schritt Mühe kostet, so haben sie eS im Laufe der fünf Wochen, die feit dem Gemeindetage hinter uns liegen, in der Kunst der Korrettur des Schicksals bereits zu so erstaunlichen Leistungen gebracht, daß selbst, wer die Taktik dieser Kreise zu kennen glaubte, durch diese neueste Probe ,,liberales Diplomatie baß in Verwunderung versetzt werden mußte. Zuerst erklärte man, daß infolge Annahme jenes Antrages die ganze bisherige Arbeit pro nihilo gewesen sei — was der Wahrheit entspricht!, — und daß speziell die Berliner Herren ebensowenig wie die Gemeinde, die sie vertreten, auf der durch den Antrag Friedmann geschaffenen Grundlage mitzuarbeiten gedächten. Denn, als der erste Schrecken und der hellste Zorn verschwunden waren, setzte die in voriger Nummer dS. Blattes treffend gekennzeichnete „Abstimmungs-Dialektik" ein, die zu erweisen unternahm, daß die Majorität für den Antrag Friedmann gar nicht zu Stande gekommen wäre, wenn ein paar Herren besser aufgepaßt und gewußt hätten, worum es sich bei ihrer Abstimmung eigentlich handelt. Und heute ist die „ruhige Ueberleguna" der Herren bereits syLroß, daß sie in der Berliner Repräsentanten-Versammlung den Beschluß durchzusetzen wußten, der Gemeindevorstand solle an die bestehende gemischte Kommission zur Beratung des Organisationsentwurfs das Ersuchen richten unter Mißachtung des auf dem Gemeindetag gefaßten Beschlusses an dem Zentraloraanisattonsgedanken festzuhalten und auf dieser Grundlage ihre Arbeiten fortzuführen. Die Ungeheuerlichkeit dieses Beschlusses ist bisher bei Weitem nicht genügend gewürdigt worden. Und diese Würdigung ist dabei um so angebrachter, als dieser Beschluß auch dem blödesten Auge klar zu machen geeignet ist, wessen man sich von einer Organisation zu versehen hätte, in der die „Berliner" und ihre Gesinnungsfreunde aus Frankfurt a. M., Breslau usw. das Heft in Händen hätte asaass^Hsiaa!^ssaasss^=a^asaK£Es^stt merksam machte, war M. ^J. Drake, ein englischer Reisender, der ein Dolmengrab zwischen Khirbet Dikki und Maranas fand. Später entdeckte Janssen südöstlich von Jerusalem, im Tale bei Abu-D^s, dem bekannten Araberdorf, das die Reisebegle'tung nach Jericho stellt, eine offenbar sehr alte Grabanlage. Acht große, rohe Kalksteine sind hier zu einem Primititten Grab zusammengelegt und darüber zwei große Decksteine. Nicht weit davon befindet sich ein viereckiges Steingrab, dessen Steine fast 2 Meter lang und 1 Vs Meter breit sind. Die Araber nennen die Gegend einfach das „Gräbertal". Nördlich von Jerusalem bei Bethel erscheinen 15» alte Denkmäler. Sie sind wie die vorhin genannte»: auch aus dem gewöhnlichen Kalkmaterial oder xius Feuersteinblöcken errichtet, was bei dem von mir in der Nähe des Oelberges gesehenen nicht der Fall ist. Rätselhaft bleibt, wie und woher die große fremdartige Gefteinsmasse aus diese Höhe (800 Meter ü. M.) gefördert rvorden ist." (Gin jüdischer Erfinder.) Bor Kurzem fand im königlichen Palast zu London in Gegenwart daS Königs Eduard VII. die Demonstration einer interessanten Erfindung eines aus Rußland etngewanderren Juden statt. Der Erfinder Sigmund Kutnow demonstrierte eine ganz neuartige Uhr, die eine Revolution auf dem Gebiete der Uhrenfabrikatton herbeizuführen bestimmt ist. Die neuartige Uhr schlägt nicht und tickt nicht, verhält fich immer ruhig,. wodurch sie sich besonderfür Krankenzimmer eignet und hat den Borzug. tausend Tage ohne aufgezogen zu werden, zu gehen. König Eduard sowie eine Anzahl hervorragender Fachleute zollten dem Erfinder große Anerkennung.