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Der Israelit · 1909-06-17 · Heft 24 (17.6.1909) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 24 (17.6.1909)
Date
1909-06-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Organ des Bundes gesefcesfreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. ij 1 Crzie^ung and E*el?n Ls Pädiqaqiaci)« Beilage A Bund gesehestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Bei genügender regelmäßiger Beteiligung findet auch in diesem Jahre während der Sommerferien (Juli) ein Kursus für Kantoren unter Leitung des Herrn Oberkantor Pesachowitsch - Frankfurt a. M. statt. Meldungen sind an unseren Schriftführer, Herrn A. Hirschberg, Uhlandstraße 17 zu richten. Mitglieder des „Bundes" erhalten Reisezuschuß. Lose Blätter. I. In der religiösen Erziehung gibt es heutzutage ebenso viel Nieten wie in der Lotterie. Und das kann nicht wunder nehmen, wenn man bedenkt, wie viele günstige Faktoren Mitwirken müssen, um einen religiösen Charakter heranzubilden, der sich in allen Stürmen des Lebens bewährt. Es ist ja eine allbekannte Wahrheit, daß vom Wissen einer Sache bis zum beharrlichen Wollen und Tun ein recht weiter Weg ist und daß mehr und eindringlicher als die Lehre das lebendige, sinnlich anschaubare Beispiel wirkt. Deshalb wird die religiöse Erziehung am stärksten von dem im Elternhause herrschenden Geist beinflußt. Das Beispiel der Eltern und Geschwister fordert zur Nachahmung auf Diese ist aber mehr als bloßes Wissen, sondern schon in die Tat übergegangener Wille. Persagt das Elternhaus in religiöser Beziehung, so kann auch von der Schule nicht viel erhofft werden. Nur wenn Schule und Haus Hand in Hand gehen, kann auf ein günstiges Resultat gerechnet werden. Mit Sicherheit? Keineswegs. Mächtig wirkt wohl auf das Kind der Geist der Schule, der durch die Persönlichkeit des Lehrers bestimmt wird. Sein Beispiel wirkt anregend und befruchtend, wenn er in Lehre und Leben dem Schüler ein Vorbild ist, an dem jener sich emporranken kann. Seine Lehre wird Wurzel schlagen, wenn sie der Ausfluß einer tiefernsten, sittlichreligiösen Denkungsart ist. Ob aber das im Elternhause Geschaute und das in der Schule Erlernte dauernder Besitz bleibt, das hängt noch von anderen Umständen ab. Man kann Tag für Tag von Religion predigen und dozieren, und es war doch alles in den Wind geredet und umsonst getan. Cs kommt nämlich die Zeit, wo das Kind dem Elternhaus nnd der Schule entwächst, wo es den verherenden Einflüssen einer unjüdischen Umgebung ausgesetzt ist. Wohl soll die religiöse Unterweisung so tief gegründet sein, nanSrw ns, daß ihre Flamme von feit ft emporsteigt, aber wenn wir uns an die Macht des Beispiels — in gutem wie in schlechtem Sinne — erinnern, so dürfen wir nicht darüber erstaunt sein, daß so mancher Jüngling, dr im Elternhause nur echt jüdisches Leben vor sich gesehen, der in der Schule in den Geist des Judentums eingeweiht und für alles Edle, Schöne und Gute begeistert wurde, den Reizen und Verlockungen einer unjüdischen Welt folgte. Von einem gefestigten religiösen Charakter kann man übrigens erst dann sprechen, wenn eine gewiffe Reise des Urteils eingetreten ist und diese wird in der Regel vor dem zwanzigsten Lebensjahre nicht erreicht. Glücklich der Jüngling, der in dieser für die religiöse Entwickelung so gefährlichen Zeit gleichstrebende Altersgenossen gefunden, die, sich gegenseitig stützend und emporhebend, sich jenen Geist des Judentums bewahrt haben, für den ihre Ahnen sich begeistert, für den sie gekämpft und gelitten haben. Dieser wird sie auch vor einer Klippe bewahren, an der unsere Jugend so häufig scheitert: an der in den Hörsälen der Universität gepredigten atheistischen Welian schauung. Wie stark verankert muß die Religion sein, wenn sie auch diesem Ansturm widerstehen kann! Und wie glücklich preisen muß sich der jüdische Vater, wenn er von dem aus der Fremde zurückkehrenden Sohne sagen kann: D1W2 ton 01^2 D32i er ist all jenen Gefahren entgangen, vor denen ihn nur ein gütiges Geschick, die Gnade Gottes, bewahren konnte. Der Erzieher aber lasse sich durch Fehl schlüge nicht entmutigen. Wenn jeder Lehrer nur fünf, nur drei Männer herangebildet, die Hochhalten die Fahne des Judentums, er hat wirklich nicht umsonst gclebr, nicht vergeblich gewirkt. II. In den Negerguartieren des amerikanischen Südens ereignet es sich nicht selten, daß irgend ein barfüßiger Neger plötzlich mit dem Ruf zu predigen beginnt: „1 have got a call — ich bin berufen worden!" Wenn man die ungeheuere Menge von Lehrbüchern übersieht, die im. vergangenen Jahrhundert für die Zwecke der jüdischen Religionsschule verfaßt wurden, so muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß die Verfasser auch einem solchen eall, einem solchen Drange gefolgt sind, denn ein Bedürfnis lag in den seltensten Fällen vor. Wenn man diese Bücher nämlich auf ihre Brauchbarkeit mustert, bemerkt man mit Bedauern, wie wenige wirklich „berufen" waren. Mit Genugtuung kann man aber konstatieren, daß im letzten Jahrzehnt ein Nachlaffen dieser Hochflut zu zu bemerken ist. Schuld daran ist in erster Linie die zunehmende methodische Schulung auf dem Gebiete des jüdischen Relionsunterrichts, in zweiter aber der praktische Geist unserer Verleger, die der übrigens sehr vernünftigen Ansicht huldigen, daß, wer überflüssige Bücher verfaßt, auch die Kosten tragen muß. Der ältere, erfahrene Lehrer wußte ja auch früher schon die Spreu von dem Weizen zu sondern, für den angehenden Lehrer ist es aber ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn ihm die Wahl erleichtert, und er vor Fehlgriffen bewahrt wird. Reminiszenzen. Am ersten Pfingstfeiertage fand in Berlin die konstituierende Versammlung des Verbands der jüdischen Jugendvereine statt. Seine Mitglieder, die sich vorwigend aus Handlungsgehilfen und Lehrlingen rekrutieren, stehen wohl kaum in dem Verdacht zur „Hyper- oder Ultraorthodoxie" zu neigen. Es ist aber interessant zu betrachten, welche Stellung diese noch recht jungen Leute zu einigen Fragen eingenommen haben, die vor Jahren auch in der jüdischen Lehrerwelt recht lebhaft diskutiert wurden. Wir folgen hierbei einem Bericht des „Hamburger Israelitischen Familienblattes" : Cine weitere prinzipielle Frage enthielt der $ 16. der bestimmte, daß bei allen Veranstaltungen des Verbandes nichts geschehen bürte was gegen das jüdische Religionsgesetz verstößt, 8luch diesen Paragraphen wollte man, weil er Selbstverständliches enthielte, von einzelnen Seiten gestrichen sehen. Schließlich fand jedoch diese Bestimmung einstimmige Annahme. Line weitere prinzipielle Frage, dre endlose Debatten, teilweise leidenschastli'chen Charakters, hervorrief, war die Frage des Verhältnisses der (vrißlage, des Zentralvereins und anderer subventionierender Vereine zur Leitung des Berbandes. Schließlich ließ sich diese Frage auch nurWege eines Kompromisses provisorisch in der Weise erledigen, daß man mit Majoritätsbeschluß im Statut festsetzte: „Der Virstand besteht aus fünf Mitgliedern von Jugendveremen und je einem Vertreter der Eroßlvge und des Zentralvereins. Die letzteren beiden aber haben nur beratende Stimme". Es ist recht erfreulich, daß sich unsere Jugend so leidenschaftlich gegen eine Bevormundung wehrt. Sie hat es, wie man aus Vorstehendem ersieht, auch durchgesetzt, daß Großloge und Zenlralverein nur eine beratende Stimme im Vorstand erhalten; aber selbst an diesem geringen Zugeständnis, das lediglich dekorativen Wert hat, nehmen angesehene Vereine, wie der Montefiore-Verein in Frankfurt a. M. Anstoß Dabei muß bemerkt werden, daß die Jugendvereine durchweg die Empfangenden sind, Großloge und Zentralverband dagegen kaum eine Förderung von jenen erfahren werden. Die jüdischen Lehrer dagegen, darunter viele im Dienste ergraute Männer, denen der Gemeindebund mindestens ebensoviel verdankt als sie ihm, — sein Aufblühen datiert von cer Stunde, wo er die Friedrich - Wilhelm - Viktoria - Stiftung gründete — haben ihm, ohne nennenswerten Wider st and, Sitz und Stimme im Vorstand gewährt, trotzdem von vornhereit gar kein Zweifel darüber bestand, daß ein wesenn

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