Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 50 (1909)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1909)
- Date
- 1909-06-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Ziele der Verwirklichung der Idee der Mensch heit arbeiten wollen. Hierauf hielt, der Schriftsteller und Biblio thekar Dr. Bernh. Münz einen mit größtem Beifall aufgenommenen Bortrag über die „grund legenden Ideen de- Judentums". Ungarn. kieilgionMrer. (Von unserem Korrespondenten.) Budapest, 11. Juni. In Szobotift, einem kleinen Orte im Neutraer Komitate, ereignete sich ein unliebsamer Vorfall. Ein Mitglied der dortigen jüdischen Gemeinde hatte sich zum Leichenbegängnisse seiner Gattin einen Kantor aus einer Nachbarstadt kommen lasten, damit dieser beim Leichenbegängniste Ge sang-produktionen leiste. Infolgedessen erschien nun der Präsident der Gemeinde und der Ehewra Kadstche sowie ein ergrauter n"n und legten öffentlich Verwahrung gegen diese Nachahmung fremder Kulte ein, und forderten jeden D'ötf ny* auf, sich vom Schauplatze dieser Zeremonie zu entfernen. Hierauf klagte der Gatte die genannten drei Herren beim kgl. Bezirksgericht in Szenitz wegen Religionsstörung an. Dasselbe sprach die Be klagten auf Grund der Aussagen der als Sach verständige geladenen Rabbiner von Szenitz und Miava frei. Doch appelierte der Gatte gegen den Freispruch an den Gerichtshof in Neutra, und hier wurde jeder der drei Angeklagten zu 30V Kronen Strafe und zur gemeinsamen Tra guna sämtlicher Prozeßspesen verurteilt. Nun wird die Angelegenheit, infolge Apella turn der Verurteilten, vor das kgl. Gericht in Preß bürg zur endgültigen Austragung gelangen. — Vielleicht findet man hier, datz die Religionsstörung nicht von den Beklagten, sondern von dem Kläger ausging. HUtfttamfe. Petersburg, 12. Juni. Der Minifterrat hat dieser Tage ein neues Gesetzesprojekt für die Semstwowahlen beraten und angenommen, das u. a. folgende Bestimmung enthält: „Juden dürfen sich weder aktiv noch passiv an den Semstwowahlen beteiligen, und zwar sowohl bei den Kreiswie auch bei den Gouvernements-Körperschaften." Bleibt noch die, allerdings nicht gerade starke Hoffnung, daß die Duma zu einer solchen himmelschreienden Ungerechtigkeit ihre Zustimmung versagt. In Karitzkin (Gouv. Grodnow) haben die Bauern an einem Markttag plötzlich und ohne jede Ursache die Juden aus den Straßen überfallen und die Fenster in jüdischen Häusern ein- E" agen. Die 00 jüdischen Familien hielten darauf den ganzen Tag versteckt, bis die gegen Abend wieder hergestellt war. jinnlanfr* Helfin gfors, 12. Juni. In Ausführung des Ihren Lesern bekannten Beschlusses der Rabbinerkonferenz in Wllna hatte der Petersburger Rabbiner Katzenellenbogen eine längere Unterredung mit dem Generalgouverneur von Finnland, Beckmann, wegen Aufhebung des SchächtverbotS in diesem Land. Der Generalgouverneur bekundete seine Sympathie gegenüber en Wünschen deS Rabbiners und erklärte ihm, daS Schächtverbot werde im finnländischen Landtag beraten werden, dann werde er sich beim Zaren in dieser Angelegenheit zu Gunsten der Juden verwenden. England. London, 11. Juni. Die offiziellen Feierlichkeiten zu Ehren de» 70. Geburtstages des Chief Rabbi Dr. Adler begannen am letzten Sonntag mit dem Empfang einer unendlichen Zahl von Deputationen, an deren Spitze die- ';en bei Board of Deputies und des Jewish lege. ES folgten die Schechita-Beamten, das 17. Statt 1909' Der JSraelit. Russische Comite, die Londoner Rabbiner, die Talmud-Thora-Schulen sowie eine Menge auswärtiger Gemeinden. Daß unter den Gratulanten weder der König von England, noch die höchsteu Spitzen der staatlichen, städtischen und «en Behörden fehlten, ist selbstverständlich. Mittelpunkt der Veranstaltungen bildete ein glänzender Empfang bei Lord Rotschild in GunneSbury-Park. Dr. Adler hielt den Repräsentationspflichten ausgezeichnet stand und wußte jedem in der ihm eigenen gewinnenden und liebenswürdigen Art in besonderer Weise seinen Dank auszudrücken. Zu Ehren des Jubiläums erscheint als Literarische Gabe unter dem Titel „Anglo Jewish MemorieS" ein Band mit zahlreichen Kanzelreden des Jubilars. Jl muliniert, öur Lage. (Von unserem Korrespondenten.) Bukarest, 3. Juni. Anläßlich der Wiederkehr des Krönungstages deS Königs von Rumänien am 23. Mai fand auch im hiesigen Tempel eine größere Feier statt, zu der der König selbst eingeladen und vertreten war. Nach der Absingung verchschiedener hebräischer Lieder und der rumänischen Nationalhymne hielt Herr Rabbiner Dr. Beck eine längere wohldurchdachte Rede, welche auch auf die anwesenden hohen Gäste nachhaltigen Eindruck machte. Der Vertreter des Königs, Adjutant Major Toroceanu, drückte namens der königl. Familie der Tempelgemeinde den Dank aus. Außerdem waren in der Synagoge anwesend: ein Vertreter des Primars (Oberbürgermeisters), sowie der Kabinettschef vom Ministerium des Aeußern. Die üblichen Vorstellungen erfolgten durch Herrn Dr. Stern, den Präsidenten der Tempelgemeinde. So erfreulich gerade in Rumänien die Tatsache von dem hohen Besuche im Tempel klingt, umso beklagenswerter erscheint es, wenn man auch immer wieder von antisemitischen Ausschreitungen berichten muß. Es sind meistens dieselben Herren, über die man sich zu beklagen hat — die Universitätsprofessoren I o r g a und A. C. Cu za. Letztererversteht es ganz gut dem deutschen Grafen Pückler nachzuahmen. Kürzlich fand in der Provinzstadt Braila eine national-politische Manifestation statt, und zwar eine ökonomische Konferenz unter dem Vorsitze des genannten Herrn Cuza nnd eine politische unter dem Vorsitz des früheren Ministers Filipescu, des Führers der Konservativen. Bei oer Nationalversammlung war auch ein Abgesandter von Jaffy anwesend der in einer feuerigen Rede Herrn Filipescu einlud, nach Jassy zu kommen, um im Moldaugebiet das heilige Nationalfeuer anzufachen. Die Rede, die den Nationalkampf predigte, war von Anfang bis zu Ende eine perfide Verleumdung der Juden und eine Aufforderung zu eine Gewalt- und Ausrottungspolitik gegen dieselben. Exminister Filipescu nahm die Einladung nach Jaffy dankend an. Herr Cuza sprach in der ökonomischen Konferenz über den Mittelstand und wetterte ebenfalls über die Juden. Seine Ausführungen gipfelten in der Aufreizung zu einem Vernichtungskampfe gegen das jüdische Element. Doch ist der Einfluß Cuzas nicht allzu hoch zu bewerten. Er, der in keiner Partei fortkommen kann, sucht sich mit Hilfe des Antisemitismus eine Partei zu schaffen und strebt so nach dem gleichen Ziele, wie Professor Joraa, das sie kaum erreichen dürften. Weit bedenklicher für uns ist aber das Auftreten des Herrn Filipescu. Es ist zu bedauern, daß ein Mann von so hoher Intelligenz und von so großem Ansehen sich auch von solch intoleranten Anschauungen beherrschen läßt, und es nicht begreifen will, daß es ein Glück für Rumänien st, daß die Juden dort zum großen Teile t>andel treibennicht einsehen kann, daß das and nur dem großen Eifer der jüdischen Kaufeute seinen Aufschwung zu verdanken hat. Jetzt erst zahlte die Versicherungsgesellschaft „National«" als Entschädigungen an die von den Frühjahrunruhen 1907 Betroffenen folgende Summen aus: an die s p a n i ol i s ch e S y n a - gogengemeinde: 1000 Lei (— Frks.), jüd. Gymnasium: 600 Fr., Spital „Charitas": 500 Fr., Asiel „Elisabeth«: 500 Fr., Tempelgemeinde: 500 Fr. 4- * * Erfreulicherweise hört man in Rumänien nie etwas von Schächtgegnern. Doch hat man sich etwas anderes jetzt geleistet. Nach Beschluß der Stadtbehörde in Jassy müssen die Juden für das Kilo Fleisch statt 80 Centimes von nun an 1.20 Franks zahlen. Der Beschluß wird sonderbarer Weise damit begründet, daß die Juden extra bedient sein wollen, indem sie nur das Vorderviertek nehmen und dies nach vorherigem Porschen, und somit auch einen „Extra"-Preis zahlen müssen. Mit Spannung sieht man auch z. Zt. einem Prozesse in Jassy entgegen. Vor kurzem hatte, wie bereits bekannt, ein Chemiker auf angebliche Verdachtsmomente hin den Wein eines jüdischen Weinhändlers untersucht und ihn dann für gefälscht erklärt. Daraufhin mußten alle jüdischen Weinhändler, ihren Wein ablaufen lassen. Der betr. Weinhändler wurde nun von den Weinhändlern in den Zeitungen heftig angegriffen, worauf dieser jetzt Beleidigungsklage führt. Der Prozeß wird in den nächsten Tagen vor dem Kassationshofe zur Entscheidung kommen. Wird der Chemiker der Unglaubwürdigkeit überwiesen, so dürfte er wohl oder übel sämtlichen jüdischen Weinhändlern Schadenersatz zu entrichten haben. vermischter. Frankfurt a. M., 15. Juni. Die Tempelausslellung des Herrn Leon Schwarzbach (Allerheiligenstraße 86) erfreut sich des regsten Interesses aller Besucher. Der Eindruck dieses anschaulichen Bildes auf den Juden, dessen Gefühle in der großen Vergangenheit seines Volkes wurzeln, ist ein geradezu überwältigender. Bon Schulen und Vereinen, die bisher die Ausstellung besuchten, erwähnen wir den Melor Chajim-Beretn unter Führung des Herrn Rektor Falk, die Schüler uod Schülerinnen der Realschule sowie der Volksschule bei Israelitischen Religionsgesellfchaft mit ihren Lehrern und Leitern. Mehrere Geistliche anderer Konfessionen sowie Letter der hiesigen Kunstveretne haben ihren Besuch in Aussicht gestellt. Es ist zu erwarten, daß in den letzten Tagen (die Ausstellung bleibt nur noch 14 Tage am hiesigen Platze) sich da« Interesse für das hohe Kunstwerk in den hiesigen jüdischen Kreisen steigern wird. Frankfurt a. M., 14. Juni. In der in der letzten Nummer enthaltenen Wochenschau „Provtnzialverbände und Religionsunterricht" ist ein Artikel des Rektors Guttmann in Berlin irrtümlicherweise dem Seminardirektor Holtzmann zugeschrieben worden. Obgleich von der Charakterisierung des im Holtzmannschen Seminar herrschenden Geistes deshalb nichts zurückzunehmen ist, soll der Irrtum doch ausdrücklich festgestellt werden, da Herr Holtzmann möglicherweise nicht in allen Einzelheiten mit den radikalen Anschauungen des Rektors Guttmann übereinstimmen könnte. Hamburg, 14. Juni. Ein Trauergottesdienst für den verewigten Herrn Oberrabbiner M. Hirsch fand gestern abend in der Gemeinde-Synagoge, Kohlhösen, statt. Schon lange vor Beginn der Trauerfeier war das stimmungsvoll dekorierte Gotteshaus in allen seinen Räumen von einer andächtigen Menge dicht gefüllt. Die Verwandten des Verblichenen sowie die Gemeindevorsteher, die Delegierten der sämtlichen Gemeindetnstitutionen und die Ehrengäste hatten ihre Plätze vor der Kanzel eingenommen. Nach dem Vortrag einiger Psalmen durch den Synagogenchor unter Leitung der Kantoren bestieg Herr Rabbiner Dr. N. A. Nobel die Kanzel, um die Gedenkrede zu halten. Anknüpfend an die Worte 2 B. Samuel, Kap. 3, B. 38: „Ihr wißt es doch, daß ein Fürst und ein Großer in Israel an diesem Tage gefallen ist", gab der Redner dem Schmerz und der Trauer Ausdruck Über den Verlust, den die Hamburger Gemeinde und die gesamte deutsche Jubenheit durch den Heimgang des Herrn Oberrabbiners M. Hirsch erlitten. Nicht nur in Hamburg, sondern auch in Prcu-, Hannover, Breslau und in anderen jüdischen Gemeinden würden heute Trauergottesdtenste für den verewigten Hamburger Oberrabbtner abgehalten. In etwa etnstündtger Rede führte der Redner dann der Gemeinde noch einmal das Lebensbild des Verstorbenen vor Augen. Er wies namentlich auf seine Bedeutung als 22NI JlfcO hin, der während seiner langjährigen Amtstätigkeit stets bemüht war, neben dem jüd.schen Schrifttum auch die profanen Wiffenfchaften zu fördern. Er sei der Meister und Führer gewesen, der fich um die deutsche Judenhett ungewöhnliche Verdienste erworben. Nach beendeter Trauerrede trug Herr Oberkantor Rosenblatt in ergreifender Weise das “i'öK ^or.