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Der Israelit · 1909-06-10 · Heft 23 (10.6.1909) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 23 (10.6.1909)
Date
1909-06-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Bk Nr. 23 ch allerlei Verleumdungen und Bergen unmöglich zu machen. Gerade jetzt hnen gelungen, eine Untersuchung gegen \ angeblicher Beihilfe an einem politischen beim Justizminister zu bewirken. Der ihnen die Beute entrissen. Für die lieb er der Jude und auch für die e, die sich hartnäckig weigerte, ihm einen \ auf dem griechisch-kathouschen Friedhofe >ren und erst dem Drängen des Dumanisterpräsidenten nachgebend seine Be- ' erdigung ohne jede geistliche Mithilfe gestattete. | Wie er sich mit der Religion abfand, der er t einmal, um „Karriere" zu machen, den Rücken t kehrte, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen. Ein- | geweihte wollen von seinem festen Entschlüsse zum -s Judentume zurückzukehren, wissen, dessen Ausi führung aber immer und immer wieder die Be- 1 Hörden zu verhindern verstanden. Was aber | alle anerkennen müssen, ist, daß P. in der Duma ' unerschrocken und allen Anfeindungen trotzend,!l allezeit mit so viel Liebe und Wärme für die i Juden eintrat, daß es schwer fiel, in ihm den > Abtrünnigen und Verräter zu sehen. Zu großem | Danke hat dasAuftreten R's. die russische Juden- & tyü. verpflichtet, nnd inch M Hoffnungen mancher » Art berechtigt, die nun leider nicht erfüllt R werden sollten. f FinnLerrrLt. I Helsingfors, 4. Juni. Im Anschlüsse | an Ihre Wochenrundschau in Nr. 20 über die [I Aussichten der Judenemanzipation im neuen finni- I, schen Landtage kann irunmehr berichtet werden, f daß der vom fwnländischen Senat ausgearbeitete I Gesetzentwurf über die Rechte der Juden in Finnland jetzt von den städtischen Kommissionen, denen der Entwurf zur Begutachtung vorliegt, in Beratung gezogen wurde. Bekanntlich sollen nach dem Senatsentwurf bloß die Rechte der in Finnland geborenen oder schon seit vielen Jahren im Lande wohnenden Juden erweitert werden, während neu einwandernde Juden auch weiterhin rechtlos bleiben sollen. Die Kommission der W Stadt Aba faßte eine Resolution, durch welche I der Senatsentwurf abgelehnt und in sehr scharfem U Tone der Wunsch ausgesprochen wird, endlich y; einmal die ganze Judenfrage in Finnland ohne § jede Beschränkung für die Juden überhaupt einer | befriedigenden Lösung entgegengeführt werde. f. Entgegen diesem Kommisfionsbeschlusse hat | der Gemeinderat von Helsingfors in seiner am K 22. Mai abgehaltenen Sitzung sich für den Senats- ( enttvurf mit allen seinen Beschränkungen auss gesprochen. gvankveitty. Paris, 4. Juni. Dem sehr marokkokundigen „Matin" wird aus Fez berichtet, Sultan Muley Hafid habe den in Fez wohnenden Juden aufs strengste untersagt, sich fortab auf ihren Hausterrassen sehen zu lassen, weil er einen neuen Pavillon in seinem Pataste bauen lasse, auf den der Blick der für unrein geltenden Juden nicht fallen dürfe. Da dieser Pavillon von allen Punkten des Ghettos aus zu sehen sei, so habe er den Juden den Aufenthalt auf ihren flachen Hausdächern überhaupt verboten und sie sogar mit sofortiger Erschießung bedroht, wenn sie diesem Verbote zuwiderhandeln sollten. Das genannte Blatt fügt hinzu, das Ghetto sei für seine immer zahlreicher werdende Bevölkerung bereits zu klein und da der Aufenthalt auf den Terrassen das einzige Mittel sei, fAsche Luft zu schöpfen, so beaünsttge das Verbot den Ausbruch einer Epidemie. H)er englische Gesandte habe in Begleitung des Konsuls seines Landes dem Großrabbiner von Fez seinen Besuch abgestattet und ihn der britischen Sympathie versichert. Ob diese Sympathie und noch mehr der englische Einfluß ausreicht, diesen neuen, in seiner Wirkung unberechenbaren Gewaltstreich abzuwenden, ist indes sehr ftaglich. Maiuutäi&iM Der Israelit. Valästtrra. Jerusalem, 1. Juni. Die palästinische Bevölkerung ist in der Beschaffung ihres Bedarfs an Nahrungsmitteln, Bau- und Kleidungsmaterial in hohem Maße auf das Ausland angewiesen. Die Wareneinfuhr nach Palästina erreichte im verflossenen Jahre den Wert von 20225000 Frcs., während die Ausfuhr nur 12108500 Frcs. betrug. Die Einfuhr stieg gegen das Vorjahr um 3450000 Frcs.; die Ausfuhr sank dagegen um 400000 Frcs. gegen das Vorjahr. Im Jahre 1905 betrug die Einfuhr 10800000 Fracs., die Ausfuhr — etwa 800000 Frcs. In dem Zeitraum von 1905 bis 1908 war somit die Ausfuhr um 50 pCt., die Einfuhr um fast 100 pCt. gestiegen. In Jerusalem befinden sich 75 pCt. des Handels in jüdischen, 15 pCt. in mohammedanischen und 10 pCt. in christlichen Händen. In Jaffa verteilt sich der Handel etwa gleichmäßig auf diese drei Bevölkerungsteile. In Hebron liegt der gesamte Handel in mohammedanischen, in Nazareth in christlichen Händen. Ueber die Juden Jaffas äußert sich der soeben erschienene Bericht des britischen VizetotVju\§> m Jrrrchvkm Jvhx 190&-. „Die Bevölkerung umfaßt ungefähr 15000 uden, die als die fleißigste und arbeitsamste lasse inbezug auf den Handel und die Landwirtschaft des Landes gilt, wie auch in der noch geringen Industrie. Während der letzten zwei Jahre haben die Juden zwei neue Handwerkerschulen in Jaffa errichtet. In der einen werden die eingeborenen jungen Leute zu Schmieden, Drechslern und Werkmeistern ausgebildet, die andere enthält eine Zimmermannsschule. Nach genügender Lehrzeit verdienen die jungen Burschen ihren Lebensunterhalt in der Stadt selbst oder in den Kolonien." llermkcdter. Fraukfrrrt a. M., 10. Juni. Herr Sam eck, Vertreter der berühmten Thoralehranstalt tn Nowoa r u d o ck (Rußland), weilt zur Zeit im Aufträge der Anstalt hier. Die Bände, von denen tm verflossenen Jahre die genannte Stadt wiederholt hetmgefuchr wurde, haben auch die bedeutende I e s ch i w o h stark tn Mitleidenschaft gezogen und bedarf fie noch mehr als sonst der kräftigen Unterstützung eknlgefinnter Glaubensgenoffen. Berlin. 24. Mai. Auch die Hörer des Berliner Rabbiner - Seminars hatten sich bei der Beerdigung des von ihnen hochverehrten Oberrabbiners M. Hirsch, Ham - bürg, durch einen Abgesandten vertreten kaffen. Dem großen Schmerze, der sie alle getroffen, gaben sie besonderen Aufdruck durch nachstehendes Telegramm, das sie am Tage der Beisetzung der Wittwe überlandten: Frau Oberrabiner Hirsch Hamburg. Die gesamte Judenheit hat durch beit Heimgang Ihres Gatten einen unersetzlichen Verlust erlitten. Einer der größten Führer in Israel ist mit ihm dahingegangen, ein Mann, der sein ganzls Leben dem Dienste des Judentums geweiht hatte. In ganz besondere Trauer aber sind wir, die Hörer des Rabbiner Seminars zu Berlin, versetzt, denen der Verewigte, als Curatoriumsmitglied persönlich nähergetreten ist. Jahr für Jahr unterzog er sich der Mühe, den Prüfungen beizuwohnen und bei dieser Gelegenheit gab er aus dem reichen Schatze seines Wissens uns vielseitig? Anregung. Sein Wirken als Rabbiner wird uns vorbildl'ch fein, und die Erinnerung an seine in sich geschloffene Persönlichkeit wird unauslöschlich in uns fortleben. Die Hörer des Rabbiner-Seminars". Berlin, 8. Juni. Nack einer Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraeltte Universelle find im Monat Mai in New-Jork 2239 jüdische Einwanderer gelandet. Bon ihnen stammten aus Rußland 1738, Oesterreich 305, Ungarn 90, Rumänien 50, England 26, Deutschland 6, der Türkei 23. 1601 verblieben in New- Dork selbst, während 618 sich nach anderen Orten der Bereinigten Staaten begaben. Hamburg. 6. Juni Das Centtal - Komitee der Alliance Jsraeliie Universelle in Paris hat in seiner Sitzung vom 2. Juni als Beittag zu den Einrichtungskosten des von dem Verein für Obdachlose in Hamburg erworbenen und umgebauten Hauses eine Subvention von 2500 Mark votiet. Freiburg i. Br., 5. Juni. Heute kur; vor 11 Uhr wurde der jüdischen Gemeinde die Ehre zuteil, daß das Großherzogspaar die Synagoge besuchte. Bon dem Shnagogenrate und dem Bezirksrabbiner wurde den hohen- Gästen ein warmer und würdevoller Empfang bereitet. Aitziugeu, 7. Juni. Gelegentlich der XIX. Hauptversammlung deS Kanalvereins, welche am 6. Just hier _ 10. Juni im stattfand, weilte auch der Protektor desselben, der Kronprtnz Ludwig von Bayern, einige Tage hier. Bei der Vorstellung der Geistlichen und Behörden hiesiger Stadt hatte auch Herr Rabbiner Adler die Ehre, Sr. Kgl. Hoheit vorgestellt zu werden, welche sich angelegentlichst nach der Größe der htefigen Kultusgemeinde erkundigte. Als Herr Rabbiner Adler dieselbe nach der Seelenzahl angab, erwiderte Prinz Ludwig: „Die Israeliten pflegen doch sonst die Größe der Gemeinden nach Familien zu zählen!" worauf auch hierüber Herr Rabbiner Adler Bescheid erteilte, sowie auch über die wettere Frage deS Prinzen über die Größe des ganzen Distriktes, welcher dem Herrn Rabbiner untersteht. Außerdem wurden noch vorgestellt Herr Cultusvorstand Benjamin Stern tn seiner Eigenschaft als Mttg ied des HauptauSschuffeS des hiesigen Kanalveretns - Komitees, dann die Herren Kultusvorsteher Albus Roh und Eisenhändler Stegmund Stern a>S Mitglieder deS GemeindekollegtumS (Stadtverordnete). Für alle hatte Prinz Ludwig einige fteundliche Worte. 8. London, 3. Juni. Mit Rückficht darauf, daß der letzte Tag für die Jmmattikulterung an der Universität auf den 26. September d. I. das Rosch - Haschonoh-Fest fällt, beschloß der Universitätssenat für solche Hörer, die ihre Zugehörigkeit zum Judentume Nachweisen, die JmmatrtkulterungSsrist um 8 Tage zu verlängern. Dieser Beschluß deS Senats hat in allen englischen Kreisen Befriedigung hervorgerufen. Utrein$we$eii. Frankfurt a. M., 10. Juni. Wie der „Bund gesetzestteuer jüdischer Lehrer Deutschlands" mittellt, wird o& genügender regelmäßiger Beteiligung auch tn diesem Jahre während der Sommerferten (Juli) ein Kursus für Kantoren unter Leitung des Herrn Oberkant r Pesachowitsch-Frankfurt a. M. stattfinden. Meldungen find bis zum 1*. Juni an den Schriftführer, Herrn A. Hirschberg, Uhlcwdstraße 17 zu richten. Mitglieder deS „Bundes" erhalten Reffezuschusi. Frankfurt a. M., 10. Juni. Für Mittwoch, den 9. ds., abends 9 Uhr, lud der M o ntefi o re de re in seine Mitglieder zu einer Versammlung ein, in der die Vorstandsmitglieder Herr Felix M e i e r und Herr Rechtsanwalt H o r ov i tz über den am 30. Mai in Berlin zuin Zwecke der Gründung eines „Verbandes jüdischer Jugendvereine Deutschlands" stattgefundene Versammlung, welcher sie als Delegiert? beigewohnt hatten, referierten. Nach kurzer Einleitung und Begrüßung durch den Vorsitzenden Herrn Dr. Löffler ergreift Herr M e i e r das Wort zu feinem Referate, in welchem er ein umfassendes Bild von der Vorgeschichte des Verbandes, von seinen Zwecken und Zielen und vom Gang der Verhandlungen entwirft. Die Großloge, die, unterstützt vom Z e n t r a l v e r e i n, sich um das Entstehen des Verbandes bemüht, beabsichtige ans jede weitere Einflußnahme auf den Verband zu verzichten, sobald dieser lebenskräftig und selbständig seine Tätigkeit beginne. Eine Einigkeit unter den anwesenden Tiertretern der 46 Jugendvereine sei nicht zu erzielen gewesen. Von den 16 Paragraphen des Satzungsentwurses konnte nur einer nnabgeändert angenommen werden. Die Stinimung der Mehrheit sei dafür gewesen, nur neu - träte Vereine, die laut ihren Statuten keine ausgesprochene parteipolitische oder parteireligiöse Tendenz (sie! Red.) verfolgen, in den Verband aufzunehmen. Mit weitaus überwiegender Stiinincnnrehrh-nt sei auch dann der Paragraph angenommen worden, nach dem der Verband nichts unternehmen dürfe, was gegen das jüdische Re li g i o n s g es e. tz verstoße. Entgegen der ablehnenden Minorität, die einen solchen Paragraphen für überflüssig hielt, setzten sich besonders die Frankfurter Vertreter eifrig für denselben e-n. Die Notwendigkeit dieses Statutes bewies in krassester Weise ein an der Spitze des Verbandes stehender Berliner Verein, der einen Ausflug für die Delegierten arrangierte mit u n - ritueller Verpflegung. Die Delegierten des M v n t e f i o r e - Frankfurt legten energischen Protest gegen diese „Taktlosigkeit" ein, mit dem Erfolge, daß dann auch „offiziell" sich nicht mehr als 5 Delegierte am Ausflüge beteiligten. Herr Rechtsanwalt H o r o w i tz als Korreferent fügte dann noch einige ergänzende Ausführungen hinzu und trat sehr warm für den Beitritt znm Verbände ein. Seine Zwecke und Ziele seien noch unklar, auch werde er dem M o n t e f i o r e kaum nützen, aber wegen der ideellen Kräftigung, die von ihm für die Gesamtheit zu erwarten ist, sei er zu empfehlen. Den Ausschluß der parteipolitischen, besonders der ausgesprochen zionistischen Vereine könne er im Interesse des zu wahrenden Friedens nur billigen. Ein positives Programm könne erst bei der nächsten Delegiertenversammlung, nachdem über die Hauptpunkte Einigkeit erzielt, aufgestellt werden. Die Diskussion wird durch Herrn Dr. Hanauer eingeleitet, der zunächst die Notwendigkeit des Zusammenschlusses verschieden gearteter Jugendvereine nicht einsehen kann, dann aber im Statutenentwurfe ein positives Programm vermißt und ferner die Widersprüche in der Stellung der Großloge und des Zentralvereines zum Verbände betont, die wiewohl sie sich von jeder Einflußnahme 'auf den Verband fernhalten wollen, doch andererseits Sitz und Stimme in demselben beanspruchen. Für beit Anschluß an den Verband sprechen dann « i

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