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Der Israelit · 1909-06-03 · Heft 22 (3.6.1909) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 22 (3.6.1909)
Date
1909-06-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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WWMMW ttteioT «r. 2» w Gebiete so wenig geleistet wird, muß man unbedingt annehmen, daß des Uevels Wurzel tiefer liegt. Es darf doch Unbedingt nicht verkannt werden, daß gerade die Entbehrun gen und die scheinbaren Opfer, die unserer Jugend da durch auferlegt find, daß sie nicht nur selbst nicht angenehm in einem jüdischen Hotel oder Restaurant sein und speisen kann, sondern sich auch genieren muß, Geschäfts freunde, die nicht Glaubensgenossen sind, dorthin zu führen manchen Schwachen schon dazu geführt haben, überhaupt die SpcisevoSchriften über Bord zu werfen und damit den ersten Schritt zur sog. weiteren Aufgeklärtheit zu tun. Andrerseits bin ich auch gerecht genug, anzuerkennen, das; durch Gründung des „Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser" wohl schon ein Schritt gemacht ist, um die Sachlage zu bessern, und das; es nicht an redlichem Eifer seitens der führenden Herren fehlt. Aber alle Müde, alle schwer erworbenen Mittel, alle Selbstlosigkeit bei Ausübung der Aufgabe können meines Erachtens nicht zum Ziele führen, wenn das Nebel nicht an der Wurzel äuge faßt wird. In keiner Branche, auf welchem Gebiete es auch sei, gibt es nämlich so viel Ungeschulte, so viele Autodidakten, wie im jüdischen Restaurationstvesen. Der Familienvater, dem manches andere n cht glücken wollte, der Jüngling, der vielleicht h er und dort nicht gut getan, fängt an, sich diesem Jache zu widmen, und das Publikum mus; oft noch zufrieden sein, die Abhängigkeit von solchem Hotelier oder Kellner nicht täglich zu spuren zu bekommen. - Bon allen Seiten w rd heutigen Tags darauf hinge wieset! und hingewirkt, das; der Jude wieder inehr dem Segen bringenden Handlverk und körperlicher Arbeit zugeführt und damit neu gekräftigt werden solle und wiederunl allgeme n ertönt die Klage, die Sabbathaltung mache das Ergreifen derartiger Tätigkeit fast unmöglich.' Ich möchte mir nun erlauben, einmal darauf hinzu weisen, das; es doch unbedingt empfehlenswert wäre/dafür Sorge zu tragen, das; junge strebsame Kräfte dein Hotel- und Restaurations-Wesen, diesem ^ticfk'nd jüdischer Berufe zugeführt werden. Es würde damit manchem arbeitswilligen, gewandten Menschen e n neues Feld der Tätigkeit eröffnet und es würde dem reisenden Publikum die Gewähr geleistet, daß Hotels, rvenn sie von sachkundigen, von Anfang an geschulten Männern geführt werden, sich anderen erstklassigen an die Seite stellen können, und das; wohlunterwiesene' Kellner, die durch mehrjährige, ernste Lehrzeit feste Grundlage erhielten, an Geschicklichkeit und Streben keinem Andern nachstehen. Bor aller» aber würde meines Erachtens nicht ferner Berechtigung zur Klage über jüdisches Restaurationswesen rnehr vorliegen. Vielleicht könnte sich der Pere n zur Förderung ritueller Speisehäuser einmal eingehend mit dieser Frage beschäftigen. Er würde sich danrit sicher ein großes Verdienst erwerben, und es sollte mich freuen, ihn: und allen Interessenten durch diese wenigen Zeilen Anregung zur Hebung der mißlichen Lage in dem Jüdischen Restaurationswesen gegeben zu habe». 4' k Einige Vorschläge zu unserem Zedokowefen. ft . So viel auch hinsichtlich Wohltätigkeit von unseren V Glaubensgenoffen geleistet wird, so dürfte doch manches I noch einer Verbesserung fähig sein, wenn man das Ideal l der jüdischen npSst erreichen will. Ohne wettere theo f retische Ausführungen gestatte ich mir daher, einige praktsche Vorschläge zu machen. I Zunächst glaube ich, daß die in npTC '!7 'D "l"' I tD"l2l als höchste Stufe und edelste Form der Wohl- I tätigkcit aufgezählte Vorschrift )b X'LVV mehr f Beachtung finden könnte und sollte. In neuerer Zeit hat man ja große Aufmerksamkeit dem Bestreben gewidmet, x an Stelle des Almosenspendens die weit würdigere Form der Arbeitsgelegenheit crnzusühren, doch sind die I; Resultate bis jetzt nicht allzu groß, da die in Betracht | kommenden Empfänger meist ungeschulte, oft schwache oder % kranke Personen find, die zu keiner schwereren Arbeit | befähigt find. Allerdings kann es auch niemandem zuge-! mutet werden, fich etwa zum Angestellten im Geschäfte eine Person zu nehmen, die weder die erforderliche geistige, noch kö perliche Befähigung besitzt, und erwachsenen Personen dieselbe beizubringen, ist natürlich zu schwierig, oft I auch unmöglich. Doch gibt es im Geschäft und Haus manche leicht ausführbare Arbeiten, welche recht gut von den Armen und deren Angehörigen übernommen werden f können, wie z. B. Besorgungen in der Stadt, leichtere | Reinigungsarbeiten und dgl. In unserer Stadt, die viel | mit Dienstbotennot zu kämpfen hat, ist es oft für eine t Haushaltung oder ein Geschäft ein Gefallen, wenn sich j für zufällige oder ständige Arbeiten derartige Hilfe bietet, jt andererseits ist es eine viel größere und weit \ würdigere Unterstützung, einen Bedürftigen gegen ent- V sprechende Vergütung derartig zu beschäftigen, als ihm in f mehr oder minder beschämender Weise eine Gabe in die [ Hand zu drücken. [: Ein zweiter Vorschlag betrifft die Art und Weise ffder Verteilung von Unterstützungen. Es ist üblich l solche jeden ersten des Monats vorzunehmen, was allert dings das Nächstliegende und einfachste Verfahren sein ij, diirtte. Doch hat dasselbe auch seine Mängel. Wie man f öfters beobachtet, fließen denjenigen Armen, welche mit \ der von der Gemeinde gewährten Unterstützung allein nicht zurecht kommen können, und deshalb von Verwandten | oder Privatpersonen noch Zuschüße erhalten, diese meist r auch zu Beginn des Monats zu. Währen) diese Summe t oft ganz gut bei praktischer Verwertung ausreichen würde, p. zeigt fich hier in der Regel die bekannte Tatsache, daß \ jene Leute nicht richtig zu wirtschaften verstehen nnd für unnötige Dinge Geld ausgeben, bis sie in der zweiten Hälfte des Monats vor leerem Kasten stehen. Die Ge- Der JSraelit. mcindcn und Vereine würben daher in vielen Fällen besser tun, falls fie je nach Bedarf einen Teil der regelmäßigen Unterstützung Mitte des Monats verabfolgen würben. In Mittel- und Großstädten, wo die Zahl der Bebürfttgen in der Regel auch dementsprechend größer, dürfte wohl eme direkteVerpflegung durch die öffentlichen Institute der Geldunterstützung vorzuziehen sein, um zunächst dem obengenannten Uebelstand der zweckwidrigen Verw endung entgegenzutreten, außerdem zu verhüten, daß durch ungenügende oder unvernünftige Nahrung die hygienischen Grundsätze vernachlässigt werden und als Folgen der Armut noch schimmere Uebet: Krankheit und Leiden eintreten, die ja leider erfahrungsgemäß allzu oft in jenen Kreisen herrschen. Aus diesem Bedürfnis heraus sind ja auch Volksküchen, Suppenanstalten und derartige musterhafte Institute entstanden, über deren Wert hier nicht gesprochen zu werden braucht. Doch fordert die Errichtung solcher Anstalten so viel materielle Opfer, baß fast nur Großgemeinden tn der Lage find, dieselben zu schaffen. Aber auch für kleinere Gemeinden ließe sich meines Erachtens eine ähnliche Einrichtung ins Lebeu rufen. Man begemct so oft dem Vorurteil, Wohlfahrtsetnrichturgen müßten unter allen Umständen in komfortabelster Weise, unter Berücksichtigung aller modernen technischen Neuerungen, mit Kochgas, elektrischem Licht, Zentralheizung und dergl. gegründet werden, und durch die erfreuliche Opferwilltgkeit unserer Glaubensgenoffen wird dies auch zumeist durchgeführt. So anerkennenswert auch dieses Bestreben ist, so hat dasselbe auch seine Kehrseite - denn durch die infolgedessen hohe Summe der Herstellungskosten werden viele an ere Gemeinden von der Gründung einer derartigen Anstalt abgeschreckt. Doch auch in solchen Städten wäre es zu empfehlen, tn einfacherer Weise die Verpflegung der Ortsarmen durch Zentralisa tion in einer Haushaltungsküche billiger und zweckmäßiger zu besorgen. Bedenkt man, wieviel Brennmaterial, Zeit und Mühe damit erspart wäre, andererseits leicht für eine kräftige, wenn auch einfache Kost gesorgt werden könnte, so wird, man wohl bald die Vorteile einer derartigen Einrichtung erkennen. Falls keine von den Empfängern bewohnten Räume sich dazu eignen, so wäre mit nick t allzu hohem Aufwande eine Küche, Größe je nach Bedarf, nebst einem Speisezimmer zu mieten oder einzurichten. Um nicht ailzu große Kosten zu verursachen, lönnle das Kochen etwa von rituell zuverlässigen Ehrendamen übernommen werden, die je nach Auswahl 1 mal wöchentlich oder öfters dieses Amt besorgen würden. Zu Hilfsarbeiten könnten die Armen selbst zum Teil verwendet werden, und ,-ur Verwaltung finden sich gewiß Leute, da es Gottlob in jüdischen Kreisen nie an Leuten fehlte, welche ganz gerne ein derartiges Ehrenamt übernehmen würden. Kranken und leidenden Personen könnte das Essen von den anderen in die Wohnung gebracht werden. Bet der praktischen Handhabung etncs solchen Unternehmens stellen sich wohl die Kosten der Verpflegung nicht höher als die in der Regel den B dürftigen gewährten Unterstützungen, welche keine Garantie für hygienische und kräftige Nahrung bieten. Eine etwa unbedeutende Differenz wäre gewiß durch Beiträge von Privatpersonen leicht auszugleichen. Im Winter könnte das Speisezimmer auch zum Aufenthalt während der übrigen Tageszeit dienen, und somit eine Hauptschwierigkett, die Beschaffung von Heizmaterial für die einzelnen Familie», zum Teil wenigstens gehoben werden. Diese Anstalten könnten auch den armen Durchreisenden tn Orten, wo keine Familien dieselben aufnebmen, Verpflegung verabfolgen. Doch behalten wir uns Vorschläge über Abhilfe der Uebelstände, welche auf dem Gebiete des Wanderbettelns bereits genügend erkannt sind, für einen besonderen Artikel vor. Ei» weiterer Gewinn solcher Volksküchen in bescheidenem und dennoch zweckentsprechendem Umfange wäre, daß viele Personen, welche dadurch der Hausarbeit zum Teil enthoben wücden, in der Lage wären, durch obenerwähn e Arbeiten für Fremde, weibliche Personen auch durch leichtere Handarbeiten, befähigtere Kräfte etwa durch Hausfabrikation leicht absetzbarer Artikel, sich noch einen Nebengroschen zn verdienen, um die übrigen Ausgaben davon zu decken. Nun noch einige Worte zur BerbefferunA der sozialen Lage des mit Mühe und Not um seine Selbständigkeit kämpfenden Teiles des Mittelstandes, der ja bekanntlich oft noch mehr zu bedauern ist als der bereits an Unterstützung gewohnte Almosenempfänger. Nach dem Satze 12 npinm ist es ja auch die edelste Form von np*T2L diesen Personen, die nicht von anderen abhängig werden wollen, rechtzeitig aufzuhelfen. Für ein empfehlenswertes Hilfsmittel in dieser Sache hat man von jeher die Gründung von Kreditinstituten gehalten, und sollte jede Gemeinde womöglich eine derartige Einrichtung beitzen. Doch scheitert dies gewöhnlich sehr oft an der Sorge um etwaigen Verlust der entliehenen Gelder; denn man müßie doch, wollte man nicht den Bedürftigsten die Kaffe von vornherein verschließen, hinsichtlich der geleisteten Garantie möglichst milde Maßregeln ergreifen. Auch diesem Dilemma wäre zu entgehen. In vielen Gemeinden rnden sich zweifellos Personen, die gerne ihre Opferwilligkett beweisen durch Schenkung eines größeren Fonds zu solch edlem Zweck. Wird dieser als Reservofonds für eventuelle Verluste verwendet, so würben fich gewiß zahlreiche andere Leute finden, die sich mit größeren oder kleineren Da.lehen an dem Unternehmen beteiligen. Das nicht ausgeliehene Geld könnte auch zum Teil verzinsbar angelegt werden, so daß den eine Art Aktiengesellschaft bildenden Beteiligten so viel als gar kein Risiko entstände. Trotzdem können, wo es angebracht, durch Garantieleistungen owte Verweigerung von Darlehen an Ungeeignete, Verlust, möglichst verhütet werden. Besonders tn kleineren Städten _' _ 3. Juni 190». wäre» derartige Institute geeignet, die rapide Abnahm^ der jüdischen Bevölkerung, wenn auch nicht ganz aufzu° halten, so doch zu hemmen. Gerade tn den Provinz* städten nehmen die nach der Großstadt überstedelnden reichen Bürger oft gerne Gelegenheit, fich durch eine Wohlfahrtseinrichtung zu verewigen. Ein Kreditinstitut in einer kleineren Stadt würde nun manchem jungen Kaufmann oder Handwerker, der tn der Großstadt einem sozialen Kampfe ausgesetzt ist, veranlassen, fich tn jener Gemeinde ntederzulassen und so eine Heranwachsende Generation auch in der Kleinstadt zu erhalten. Wir schließen unseren Aufsatz mit dem Wunsche, daß die gemachten Vorschläge auf fruchtbaren Boden fallen mögen und daß um dieselben nochmals kurz zusammenzufaffen, durch zweckmäßige Verteilung der Unterstützung, Beschaffung von Arbeitsgelegenheit und Erziehung zur Tätigkeit, Einrichtung von kleineren Berpflegungsanstalten und Gründung von Kreditinstituten die soziale Lage der Bedürftigen und des kleinen Mittelstandes nach Möglichkeit verbessert werde. Labischin. Dr. I. Ansbacher. Briefkasten. B Ar. Pr. Wir haben noch keine Entscheidung über die Arbeit getroffen und werden es Ihnen, sobald dieses geschehen ist, Mitteilen. W. M. in K Sie fragen in der Tat zuviel und jedenfalls mehr als fich in dem Rahmen des Briefkastens beantworten läßt. Wir sollen Ihnen Gründe für verschiedene Bräuche und sogar Thoragesetze angeben und zudem noch mit der Erklärung einer Ihnen unverständlichen dienen. Da gilt des Weisen Wort: riüan mb .*121*10 ntran- S. B Fällt unter den Begriff v'NVN ETVH1 und ist unter keinen Umständen statthast. L. H. in Kr. Die Entscheidung des Rabbiners entspricht den hier üblichen 3H312- H. I. Wenn es auch nicht direkt als gelten kann, so ist doch der Brauch als ein völlig unjüdischer durchaus zu verurteilen. R. in K. Im Verzeichnis des Hamburger Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser sind die fraglichen Plätze nicht aufgeführt. Rabb Dr. I. S in D. Kjn/1 n//tai fällt auf Dienstag den 4. Oktober 1910. A. B Darf nicht geschehen. M- B in H. Der 7. August 1824 fiel auf n"apn 2« 2"'- _ Uereinskalender. Verein Mekor-Chajim, Samstag, den 5. Juni 1909, mittags 18 Uhr, Frtedverger Anlage 5: „Menauras Hamoaur", Herr Cantor Steinberger. Nachnl. 41/* Uhr, Sckiützenstraße 2: „Mikro-Vortrag", Herr Em l Gottlieb. lamiliennacbrjchlen. Geburten: Eine Tochter: Bertram Ieidcl (Stern). Einen Sohn: Louis Lamm (Pinczower) Berlin. Verlobte: Carola Geismar, Ignaz Kurzweil Karlsruhe-Ichenhausen. — Paula Gutmann, Julius Holländer, Stuttgart-Altona. Verm&hlte: Heinrich Schwarzschild mit Regina geb. K ann, beide dahier. — Louis Feu chtwangcr mjt Johanna geb. Heckscher, Fürth i. B.-Hamburg. Verstorbene: Gottfried Marx, hier. 10 Jahr. — Simon Jcid el, hier. 47 Jahr. «»rn»rs°Hvobrel«^» : Salomo», Sohn von Jules Klein, hier, Hanauer Landstr.; in der Synagoge der Jsr. Religionsgcscllichaft, Friedbergeranlage. — Samuel, Sohn von Michael Fichtelberger, ErmerShausen. Sabbat - Anfang u. Ausgang 1*11^.12 OBI: Anfang Datum Ausgang Uhr iMm. 1909 | 5669 Ubr >Min. 5. 16. Silvan Frankfurt a. M 7 55 Juni 9 30 Berlin ... — — 9 21 München - . 7 15 8 59 Stratzbnrg . 7 30 9 20 Stuttgart. . . 7 15 9 13 Posen ... — — 9 20 Nürnberg . . — — 9 06 Hamburg. . . - - 9 45 Praa .... - — 9 18 Luzern. Schiller Hotel aarni. Neu. Nächst Bahnhof Nur Zimmer u. Frühstück. Sehr komfortabel: Zimmer von fr. 2.— an. (12341 — Israel. 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