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Der Israelit · 1909-06-03 · Heft 22 (3.6.1909) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
50 (1909)
Issue
Heft 22 (3.6.1909)
Date
1909-06-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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m. 1 mn i Mii[ n,_ii ii^ imiiii 1 im -(Tn- 3. Juni 1909. Der JSraM. wecke lrden >aren c>erzeniger- Bermm. oenn ssion ngsesetzt iines ^lusnehr sion, msbefuhr .ung sehr daß ffernitiichst alb, )alb mer chen Zorrgie rzer Zorchen nell neu lche arr ind, )en, ung ser, »ukt cher : es ms, nis icht der rde len. des ,ißlber zur ms litinde der ren seit uch M. fen am zen men beord, ier znn KrhrVeir. Ba fel, 30. Mai. Die Frage des Ruhetages will hier immer noch nicht zur Ruhe kommen. Wiederum haben nicht weniger als 1900 Stimmberechtigte eine Volksabstimmung über das neue Rubetagsgesetz verlangt und es durchgesetzt, daß eine Abstimmung darüber auf den 13. Juni vom Regierungsrat festgesetzt worden ist. Während jeder Beruf im neuen Gesetze einigermaßen Berücksichtigung fand, ist den Juden gegenüber jede Rücksicht außeracht gelassen worden. Jüdische Angestellte, die am Sabbat nicht arbeiten, wären also nach dem Gesetz gezwungen zwei Ruhetage in der Woche zn beobachten. Eine Ausnahme soll nicht einmal dann zulässig sein, wenn die jüdischen Feiertage auf Montag und Dienstag fallen, das geschäftliche Leben also vier Tage hintereinander stockt. Es ist zu hoffen, daß alle Stimmberechtigte gegen diese Ungerechtigkeit kräftigen Protest entlegen. Prag, 21. Mai. Die „Mitteilungen der k. k. Zentralkömmission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale" schreiben: „In der letzten Zeit hat sich höchst erfreulicherweise in Prag selbst, und zwar auch in Kreisen der Gemeindeorgane eine mächtige Strömung für den Schutz und die Erhaltung der altehrwürdigen Denkmale geltend gemacht, auf deren Bestand zum großen Teile die berechtigte Berühmtheit der Stadt beruht. Eine anerkennenswerte Frucht dieser Bewegung ist die Ausarbeitung eines neuen Regulierungsplanes für die Umgebung des jüdischen Friedhofes und der Synagoge. Durch den neuen Plan würde der Friedhof vor einer weiteren Verstümmelung gewahrt, die Pinkassynagoge geschont und der alten Synagoge eine harmonisch wirkende Umbebung geschaffen. Es bestand hierbei nur eine Schwierigkeit. Um die Erhaltung der Pinkassynägoge zu ermöglichen, sollte die vorbeiführende projektierte Straße an der gegenüberliegenden Seite erweitert werdendies könnte nur durch eine Schmälerung der anstoßenden Bauparzelle geschehen, welche für den Neubau der philosophischen Fakultät der böhmischen Universität bestimmt ist. Allerdings könnte dieser Nachteil durch Erweiterung des Bauplatzes an der der Moldau gegenüberliegenden Seite kompensiert werden, aber auch dann ergeben sich doch bedeutende Einbußen für den projektierten Universitätsbau, so daß gegen dieses Arrangement ein Einspruch maßgebender Faktoren zu besorgen stand. Mitglied Hilbert hat nun eine Variante des Regulierungsplanes ausgearbeitet, welche die Vorzüge des ursprünglichen Planes bewahrt und außerdem der Komplikation mit dem Universitätsbaue aus dem Wege geht, indem statt der Erweiterung der Straße der Pinkassynagoge gegenüber in denk neuen Universitätsbau ein Laubengang angelegt wird. Die Zentralkommission tritt für eine Annahme des Variantenprojektes mit allem Nachdrucke ein." Sarajevo, 28. Mai. Im Anschluß an die Korrespondenz in Nr. 20 berichtet man uns von dort, daß der Landeschef von Bosnien dem Präsidenten der sephardischen Gemeinde Josua Salom die offizielle Mitteilung gemacht, daß die von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" im Einvernehmen mit den bosnischen und ungarischen Juden geleitete Aktion behufs Schaffung einer eigenen jüdischen Wahlkurie für den bosnischen Landtag von Erfolg gekrönt ist. Es wird demnach den bosnischen Juden nicht nur eine Virilstimme für den Oberrabiner von Sarajevo, sondern auch ein von den Juden gewählter jüdischer Abgeordneter zugebilligt. Hiermit findet eine lange, schwebende Streitfrage von großer prinzipieller Bedeutung eine allseits befriedigende Lösung. Ungarn. ein neologer Iladiruf für Oberrabbiner tlirsdi in ßamburg. Budapest, 28. Mai. Dem treuen Anhänger des Satzes: „Der Zweck heiligt die Mittel", dem neologen Wochenblatt in Budapest, dem keine Verdrehung, ja selbst offenkundigste Unwahrheit verwerflich genug ist, so man mit deren Hilfe eins an dem Zeug der „trennungssüchtigen Orthodoxen" flicken kann, dient der vor kurzem erfolgte Tod des bekanntlich aus Ungarn stammenden Oberrabbiners Hirsch zum willkommenen Anlässe, um seine gläubigen Leser, die jedes Wort ihres Meisters als himmlische Offenbarung betrachten und chr gesamtes jüdisches Wissen aus dessen „Perlen aus dem Talmud und Midrasch" schöpfen, wieder einmal mit seinen „Beweisen" für die „Einheit" des Judentums zu beglücken. Vor allem sucht er seinen in den deutschjüdischen Verhältnissen gewiß genau informierten Lesern klarzulegen, daß der Hamburger orthodoxe „Synagogenverband" und der dortige reformierte „Tempel-Verein" ein und dasselbe sind, und daß Oberrabbiner Hirsch in bestem Einvernehmen mit dem dortigen Tempelprediger Dr. Leimdörfer zusammen gewirkt habe. Zugleich sucht er seinen Lesern aufzubinden, daß Öberrabbiner Hirsch selber früher in „Reformgemeinden" in Altofen und Prag, gewirkt hat. Aus all' diesem folgert nun der Wortführer der ungarischen Neologie, daß die ganze Orthodoxie eitel Spiegelfechterei sei! Demgegenüber wollen wir nun dem neologen Wochenblatte die Belehrung angedeihen lassen, daß der Hamburger orthodoxe Synagogenverband, dessen geistlicher Führer Oberrabbiner Hirsch gewesen ist, mit dem dortigen reformierten Tempelverein gar keine Gemeinschaft hat. Wie aber Oberrabbiner Hirsch inbetreff des gemeinschaftlichen Wirkens mit neologen Rabbinen dachte, das hat er vor 12 Jahren in der konstituieren- Generalversammlung des „Vereins traditionell-gesetzestreuer Rabbinen Deutschlands" klar und bündig ausgesprochen, indem er seinen Eintritt in erwähnten Rabbiner- Verein davon abhängig machte, daß der erste Paragraph die Mitglieder des (neologen)Allgemeinen Rabbinerverbandes ausschließen müffe. — Finwahr ein bündiges Zeugnis dafür, wie Oberrabbiner Hirsch das Zusammenwirken mit neologen Predigern ansah. Was aber die frühere Wirksamkeit Hirsch's in Altofm und Prag betraf, so weiß es die ganze Welt, daß Hirsch schon lange vor dem verhängnisvollen Kongreßjahre im Jahre 1863 sein Amt in Altofen antrat, und daß die Gemeinde in Altofen während der ganzen Wirksamkeit Hirsch's eben nur in der Theorie die Kongreß- Statuten akzeptierte, aber in Praxis streng auf dem Standpunkte des Schulchan-Aruch verblieben war. Uebrigens soll es gar nicht geleugnet werden, daß die gar zu versönliche Politik, die Hirsch auf dem Kongresse getrieben, die Mißbilligung sämtlicher orthodoxer Rabbiner Ungarns, darunter auch die des Eisenstädter Rabbiners Dr. Israel Hildesheimer gefunden hat. Um so ehrender fiir ihn aber ist es, daß er später diesbezüglich anderer Meinung geworden ist und hieraus keinen Hehl machte. So hat er z. B. später das ihm angebotene Rektorat des Rabbinersemmars in Budapest mit der Motivierung zurückgewiesen, daß er für die religiöse Vertrauenswürdigkeit der aus dieser Anstalt hervorgehenden Rabbiner keine Garantie übernehmen könne, trotzdem er auf dem Kongresse für die Errichtung dieser Anstalt plaidierte. Und noch später hat er während seiner Prager Amtstätigkeit durch den damaligen Prager Korrespondenten des Israelit (S. Kohn) ein vernichtendes Verdikt über den Nt"L2-Geist erwähnter Anstalt im Israelit veröffentlichen lassen. Was aber den Charakter der Prager Gemeinde als „Reformgemeinde" betrifft, so verwechselt der brave Mann wieder die Prager „Tempelgemeinde", die allerdings einen Tempel - _ Rr. 23. Sette 7 mit Orgel rc. hat, mit der Prager „Israelitischen Kultusgemeinde", in deren Synagogen sich keine Orgel befindet! inr?y pTrc -ipsr*? romn Uebrigens täte der ehrenwerte Redakteur des neologischen Wochenblattes sehr gescheit daran, so er sich die ihm vor 2 Jahren in einer Wochenrundschau des Israelit erteilte Lektion von Zeit zu Zeit zu Gemüte führen möchte. Dann würde er vielleicht auch dem Sprichworte: Lügen, wie gedruckt! — weniger neues Beweismaterial zuführen! — Vom ungarischen ßnfifemilismus. Budapest, 28. Mai. In verschiedenen Städten des Landes wird ein ökonomischer Boykott gegen die Juden organisiert, der zu ernstlicher Besorgnis für die Zukunft Veranlassung gibt. Der „Verband ungarischer Kaufleute" bemüht sich, die Juden aus den Handelsbetrieben nach Möglichkeit zu verdrängen. Die Konsumgenossenschaften, die sich besonderer Privilegien und steuerfreier Konzessionierung seitens der Regierung erfreuen, nehmen keine Juden auf, sodaß diese mit ihnen nur sehr schwer konkurrieren können. Der Boykott der jüdischen Geschäfte wird von Agitatoren systematisch mit Erfolg propagiert. Jüdische Hausierer werden tagtäglich wegen Übertretung des Haufierverbotes vor die Gerichte gezerrt und von diesen zu Gefängnisstrafen verurteilt. Erwähnt sei auch, daß in einigen Blättern, wie dem „Alkotmani", die Befürchtung ausgesprochen wird, bei Einführung des allgemeinen Wahlrechts würde der Einfluß der Juden im Parlament und politischen Leben gesteigert werden. Es darf aber andererseits betont werden, daß an all den gewissenlosen Quertreibereien gegen die Juden die Behörden nicht den geringsten Anteil haben und das vom eigentlichen politischen Antisemitismus das Land hoffentlich auch fernerhin verschont bleiben wird. Pöstyen, 28. Mai. Zur feierlichen Einweihung eines Offiziers-Pavillons des hiesigen Militärspitales waren auch der Gemeinderabbiner Kalmau Weber und der Präsident der Kultusgemeinde offiziell erschienen. Zu dem hierauf stattgefundenen Diner waren 60 Personen geladen, darunter auch Rabbiner Weber. Derselbe wurde vorn Oberhofmeister Baron Pronay derErzherzogin Gabriele vorgestellt, die den Rabbiner bat, an der Spitze der Tafel Platz zu nehmen. Nach beendeter Tafel, an welcher der Rabbiner mit einem Glase Limonade teilgenommen hatte, wurde er von den Erzherzoginnen in ein längeres Gespräch gezogen. Erzherzog Friedrich reichte dem Rabbiner die Hand, erkundigte sich nach den Verhältnissen der Gemeinde und drückte seine Freude über den Aufschwung des Kurortes aus. Die besondere Freundlichkeit der erzherzoglichen Familie gegenüber dem Rabbiner hat allenthalben großes Aufsehen erregt. Petersburg, 29. Mai. Wie gemeldet wird, hat der Minister des Inneren, Stolypin, nach zweijährigem Verbot gestern die Wiedereröffnung der Bureaus der „Jewish Territorial Organisation ‘ (Jto) in ganz Rußland gestattet, nachdem es der „Jto" gelungen ist, die russische Behörde davon zu überzeugen, daß sie sich in keiner Weise mit Politik, sondern lediglich mit der Regulierung der jüdischen Auswanderung befaßt. Die „Jto" wird in Rußland den offiziellen Titel „Jüdische Emigrationsgesellschaft" führen. Moskau, 20. Mai. Es war schon längst kein Geheimnis, daß die Oktobristeu, deren Parteibezeichnung eine bittere Ironie gegen ihr ganzes politisches Verhalten ist, verkappte Antisemiten sind. Sie haben jedoch nicht gewagt, dies offen zu bekennen. Jetzt scheinen sie cwer die Zeit

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